home alone (chris columbus, usa 1990)

Veröffentlicht: Dezember 29, 2018 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

Schon bemerkenswert wie diese Kiddie-Komödie im Laufe der letzten 30 Jahre nicht nur zu einem Klassiker gereift ist, den wirklich jeder kennt, sondern auch Teil der westlichen Weihnachtsfeiertagskultur, ohne den das Fest nicht komplett zu sein scheint. Sicher, auch damals war das Teil ein Monsterhit, spielte bei Produktionskosten von schlanken 20 Millionen Dollar weltweit über 550 wieder ein, aber dass er die Zeiten so gut überdauern wurde, war nun wirklich nicht abzusehen.

Schlüssel zum Erfolg ist natürlich die unschlagbare Prämisse, die kein Geringerer als Hollywood-Jugendversteher vom Dienst John Hughes erdachte. Ein Kind, das an Weihnachten allein zu Hause sein muss, ist zunächst mal anrührend, in Verbindung mit dem Subplot um zwei dämliche Einbrecher spannend und aus Kinderperspektive natürlich auch eine Riesengaudi, vor allem, wenn man ein Riesenhaus und ausreichend Bargeld zur Verfügung hat. Das Drehbuch ist megasimpel gestrickt in der Zusammenführung dieser Ideen, aber eben auch sehr, sehr clever: So werden Megablockbuster und Evergreens gemacht. Wie schafft es eine Familie, das eigene Kind zu Hause zu vergessen? John Hughes leitet das maximal glaubwürdig und ohne eitle Kunstgriffe her: Wie da genau im falschen Moment ein dämliches Nachbarkind auftaucht, um die Verkettung von Pannen zu ihrem Höhepunkt zu führen, ist schlicht genial (man ziehe das Sequel zum Vergleich heran, das die Glaubwürdigkeit hingegen enorm überstrapaziert).

Der Mittelteil des Films ist hingegen, das muss man sagen, ein wenig redundant: Für die meisten Menschen dürfte HOME ALONE der Film sein, in dem Macaulay Culkin zwei Einbrecher in verschiedenen Varianten die Treppe runterschmeißt, was auch belegt, wie wenig vom Rest hängengeblieben ist. Hughes und Columbus kaschieren die Tatsache, das der zweite Akt eigentlich reines Zeittotschlagen ist, dramaturgisch durch den geschickten Wechsel von Kevin hin zur Mutter, die von Verzweiflung und Angst geplagt schließlich die Heimreise von Paris nach Chicago antritt und dabei den liebenswert einfältigen Polkamusiker Gus Polinski (John Candy) kennenlernt, der sie mitnimmt – und zum Trost erzählt, dass er sein Kind mal in einem Leichenschauhaus vergessen hatte. Dann muss natürlich über Macaulay Culkin gesprochen werden, der mit HOME ALONE zum Superstar wurde und den Boden für eine ebenfalls filmreife Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Hollywood-Kinderstars bereitete: Er agiert seltsam unnatürlich und mechanisch und mutet speziell in der deutschen Synchro manchesmal geradezu autistisch an. Wahrscheinlich war er einfach zu niedlich, das Script von Hughes zu perfekt, als dass kindliches Overacting es hätte sabotieren können. Ausnahmslos für Freude sorgt hingegen der Auftritt von Roberts Blossom: Der durfte in Allan Ormsbys wunderbarer Ed-Gein-Adaption DERANGED noch den berühmten Serienmörder spielen und erwärmt hier die Herzen als einsamer Nachbar, der die Fantasie der Kinder anregt: Es ist seine Darbietung, die einer geölt laufenden Unterhaltungsmaschine das dringend nötige Herz verleiht.

Aber kommen wir zum Showdown, der realfilmischen Umsetzung cartoonesker Gewaltfantasien. Nichts ist bekanntlich witziger als Menschen, die auf die Schnauze fallen oder schwere Gegenstände auf die Birne bekommen, das beweisen die sich seit über 30 Jahren im Fernsehprogramm haltenden Pannenvideos, und wenn solche Unfälle dann auch noch Charakterfressen wie Joe Pesci und Daniel Stern treffen, gibt es wahrhaft kein Halten mehr. Man darf nicht so genau darüber nachdenken, was den beiden da angetan wird: Machen wir uns nichts vor, im echten Leben wären diese beiden Trottel mit allerschwersten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert und die Erziehungsmethoden von Kevins Eltern ganz genau durchleuchtet worden: Die Booby Traps, die ihr Sprössling da mit ramboesker Detailverliebtheit errichtet, hat das Blag garantiert nicht aus einer Episode von „Bob, der Baumeister“! Für eine ideologiekritische Betrachtung gibt HOME ALONE auch davon abgesehen jede Menge Munition, aber das muss ja nun wirklich nicht sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.