5. mondo bizarr weekender: shan dian qi shi v3 (lin chung-kuang, taiwan 1975)

Veröffentlicht: Februar 9, 2019 in Film
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Besser kann man eine Sonntags-Matinee kaum begehen. FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER, ein taiwanesischer Ableger der japanischen Kamen-Riders-Reihe, dürfte damals in den seligen Siebzigern für tumultartigen Zustände unter seinen kindlichen Zuschauern gesorgt haben und 40 Jahre später funktionierte das auch mit deutlich gesetzteren Herrschaften, die das Mondo Bizarr-Festival frequentieren, noch sehr gut.

Der Film ist aber auch ein Fest: Hyperaktive Asiaten balgen sich in albernen Gummikostümen in einer malerischen Kiesgrube, der Schnitt lässt sie in einer Tour in Zeitlupe durch die Luft fliegen, die „Kung-Fu Monster“ gestikulieren wie in Brand gesetzte Epileptiker und explodieren dann gar, wenn sie hinfallen. Ein böser Chinese mit Bart und güldenem Skorpion-Helm soll für einen von der deutschen Synchro flugs hinzugedichteten „Frankenstein“ die Welt mithilfe von irgendwas erobern und hat dafür seinen Stützpunkt auf einem kleinen Felsbrocken vor der Küste aufgemacht, den man schon von Weitem daran erkennt, dass bewaffnete Dunkelmänner darauf patroullieren, wahrscheinlich um ihn vor Möwen mit Durchfall zu beschützen. Überhaupt die deutsche Synchronisation: Der Film richtet sich ganz zweifellos an Grundschüler, aber die Dialoge suggerieren einen Hochspannungsthriller für Erwachsene. Ein Mysterium, wie die Sprecher diesen Quatsch abliefern konnten, ohne ständig in Lachanfälle auszubrechen. Da waren Überzeugungstäter am Werk oder Künstler, wahrscheinlich sogar beides.

Die Sichtung ist jetzt schon fast eine Woche her, insofern kann ich mich an Details nicht mehr wirklich erinnern, aber FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER macht einem das eh nicht so leicht: Der Film ist eine 90-minütige Aneinanderreihung von Hochgeschwindigkeits-Kloppereien, die alle ziemlich gleich ablaufen und mangelndes Talent für Choreografie mit allerhöchster Einsatzbereitschaft wettmachen. Irgendwann werden die Superhelden um einen weitere Superhelden ergänzt, aber ansonsten variiert Lin Chung-Kuang sein „Erfolgskonzept“ nur minimal. Und Recht hat er damit! Wenn man eine Kiesgrube hat, Motorräder, geile Kostüme, ein Tampolin und eine Handvoll Knallerbsen, dann braucht es keine überkandidelten Ideen oder avancierte dramaturgische Kniffe. Dann hält man mit der Kamera drauf und sagt nach jedem Take: „Geil, nochmal!“ Wie gut, dass er sich auf seine Crew verlassen konnte. Vor allem die Darsteller leisten „Unmenschliches“, wie Berti Vogts einst sagte, berühren mit den Füße kaum den Boden und Posen bis der Latissimus reißt. Die deutsche Fassung lässt sich nicht lumpen und wiederholt die Motorradszenen, mit denen der Film angefangen hat, am Ende noch einmal in voller Länge. Und warum auch nicht? FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER ist der Beweis dafür, dass Weniger nicht immer Mehr ist. Mehr ist nämlich manchmal sogar noch mehr als viel und das ist in diesem Fall eine ganze Menge.

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