spider-man: homecoming (jon watts, usa 2017)

Veröffentlicht: März 31, 2019 in Film
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Mit drei Anläufen binnen 20 Jahren dürfte das Kapitel der Spider-Man-Verfilmungen eine der größeren Marketing-Kuriositäten sein, die sich Hollywood erlaubt hat. Raimi hatte mit seinen Silver-Era-Huldigungen eigentlich alles richtig gemacht, bis er sich mit seinem dritten Teil zu viele Freiheiten gönnte und die Gunst seines bis dahin wohlgesonnenen Publikums verlor. Der zweite Anlauf um den AMAZING SPIDER-MAN war im Gegensatz dazu eigentlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt und zum Spott freigegeben, bevor auch nur ein Bild davon zu sehen gewesen war: Das MCU stand beim Start des ersten der beiden Filme mit Andrew Garfield bereits in voller Blüte und Sonys Bemühen, die Figur um jeden Preis zu halten, wurde von den Marvel-Fans geradezu als Sakrileg betrachtet. Dass der wahrscheinlich populärste aller Marvel-Superhelden mit CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR endlich eingemeindet wurde, sorgt für kollektives Aufatmen und mit SPIDER-MAN: HOMECOMING ist nun endlich alles gut. Zumindest wenn man den Nerds Glauben schenkt.

Schluss mit den Querschlägern, den eigenen Ansätzen, der Abwesenheit anderer beliebter Marvel-Helden – und der nach mittlerweile zwei Auffrischungen überflüssigen Origin-Story. Es ist sicherlich ein wesentlicher Vorteil, dass man sich bei HOMECOMING nicht erneut durch Spideys Genese quälen muss, sondern gleich in medias res geht, auch wenn das bedeutet, per „Found Footage“ noch einmal mit Erinnerungen an CIVIL WAR gelangweilt zu werden. Watts Film beschäftigt sich mit Parkers (Tom Holland) Reifeprüfung: Nachdem er seinen ersten Auftritt zu Tony Starks (Robert Downey jr.) Zufriedenheit absolviert hat, wird er erst einmal wieder auf die Warterampe verschoben. In Wahrheit natürlich ein Test Starks, mit dem er Parkers „Erdung“ sicherstellen will. So kümmert sich Spidey dann auch nicht um einen der großen kosmischen Weltbeherrschern, sondern einem vergleichsweise unambitionierten Strauchdieb: Adrian Toomes (Michael Keaton) ist allerdings Alien-Technologie aus THE AVENGERS in die Hände gefallen, die ihm und seinen Männern auf ihren Streifzügen nun besonderen Waffenpower verleiht: Als Vulture erhebt er sich in die Lüfte und startet von dort aus seine Überfälle. Derweil muss Parker sich mit den Bullies aus seiner Klasse herumärgern, das Warten auf einen Anruf der Avengers aushalten und natürlich das Herz der schönen Liz (Laura Harrier) erobern. Am Ende rettet er den Tag, bekommt einen neuen Anzug von Starks überreicht und die Post-Credit-Sequenz teasert den nächsten Film an.

Genau das haben die Comicnerds und Marvel-Fans gefeiert: Das endlich auch bei Spidey alles so ist wie immer in diesem Filmen. Ja, HOMECOMNG ist natürlich besser als der Clusterfuck namens THE AMAZING SPIDER-MAN 2 und, ja, Holland ist sympathischer als sein Vorgänger Andrew Garfield. Der Neighborhood Hero muss nicht mehr im luftleeren Raum agieren, sondern schwingt sich tatsächlich in seinem natürlichen Habitat von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer, Marvel-Diehards müssen keine lauen Kompromisse mehr eingehen und mit Watts Regie halten die für die Comics so charakteristischen Leichtigkeit und Witz Einzug. Parker bei seinen ersten Gehversuchen als Held beizuwohnen, bedient das jugendliche Wish Fulfillment, das den Charakter vor anderen Superhelden auszeichnet, und Holland kommt natürlich rüber dabei, weniger schnöselig als sein direkter Vorgänger, weniger brav als einst Tobey Maguire. HOMECOMING macht so gesehen vieles richtig, aber er büßt Identität ein, weil er sich dem rigiden Marvel-System unterwirft. Die Story um den Vulture ist – wie so oft in diesen „Einführungen“ – kaum mehr als ein Nachgedanke, hingeworfen, ohne echten Konflikt oder Spannung. Das Duell mit dem Verbrecher ist kaum mehr als ein Ornament, denn im Wesentlichen ist HOMECOMING ein filmisches Wassertreten, das wieder einmal Kommendes vorbereiten soll. Am Ende fragt man sich, was da jetzt eigentlich genau passiert ist in den vergangenen zwei Stunden. Auch formal hat der Film keinerlei Identität: Dass er den beiden ersten Anläufen visuelle Reize hinzufügen würde, war eh nicht wirklich zu erwarten, denn effekttechnisch gab es an denen ja nichts zu bemängeln. Am Ende bleibt das mittlerweile gewohnte Marvel-Gefühl: nettes, aber weitestgehend standardisiertes Entertainment ohne jedes Bemühen um Originalität; Film als reiner, pflichtbewusster Fan-Service, als sauber produziertes, aber auf kurzfristige Befriedigung abzielendes Produkt, dessen wichtigste Aufgabe es ist, die Maschine am Laufen zu halten. Nichts daran ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt.

Ich will mich darüber dann auch gar nicht mehr ereifern. Irgendwann wird auch diese Blase platzen, bis dahin muss man sich damit abfinden, dass von Marvel keine kreativen Impulse zu erwarten sind. Das einzige, was mich dann auch wirklich genervt hat, ist Downeys Darbietung als Tony Starks. Fällt den Autoren denn wirklich gar nichts mehr für diese Figur ein, als ständig seine arrogante Smugness zu betonen? Starks ist wohl einer der unsympathischsten Sympathieträger der gesamten Filmgeschichte. Und Downey finde ich mittlerweile unerträglich.

 

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