2+5: missione hydra (pietro francisci, italien 1967)

Veröffentlicht: Juni 8, 2019 in Film
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„Die Geschichte dieses Films beginnt im Jahr 1958 in der Nähe von Rom und endet … aber sehen sie selbst!“ – Mit diesen Worten beginnt die deutsche Fassung von Pietro Franciscis vorletztem Film: Der Veteran hatte in den knapp vier Jahrzehnten seines Schaffens zahlreiche Abenteuer- und Sandalenfilme gedreht und sich mit den beiden ersten ERCOLEFilmen um das italienische Kino verdient gemacht. Sein Ausflug ins Science-Fiction-Genre folgte dem in Italien u. a. von Antonio Margheriti befeuerten Trend und landete in Deutschland unter dem Titel RAUMKREUZER HYDRA – DUELL IM ALL im Kino, bevor er dann als RAUMSCHIFF TERRA ZUM PLANET DER AFFEN zweitverwertet und auf Video veröffentlicht wurde.

Mit diesem spektakulären zweiten Titel versuchte der Verleiher ein wenig am Erfolg von Schaffners PLANET OF THE APES zu partizipieren, der 1968 in die Kinos kam und im Verlauf der Siebziger mehrere Sequels nach sich zog. (In den USA war man sogar noch mutiger und taufte Franciscis preiswert runtergekurbeltes Filmchen in einem Anflug von Größenwahn STAR PILOT.) Der affige Titel verdankt seine Berechtigung in erster Linie einer kurzen, eigentlich sehr unwichtigen Szene auf einem fremden Planeten, während der die Protagonisten von einer Horde von Menschen in Zottelkostümen überfallen werden – fairerweise muss man aber sagen, dass der Finalgag von MISSIONE HYDRA ihn wirklich in die Nähe von Schaffners Klassiker rückt: sogar so sehr, dass man sich fragt, wie er ein Jahr vor diesem auf diese Idee kommen konnte. Anzunehmen, dass das Drehbuch zu PLANET OF THE APES in der Industrie bekannt und von den wieselflinken Italienern in Windeseile kopiert worden war. (Hingegen erscheint es ziemlich ausgeschlossen, dass sich Schaffner von Francisci inspirieren ließ, obwohl die Vorstellung sehr reizvoll ist.)

Es gibt aber noch einen Film, der als Inspirationsquelle gelten darf: Auch in THIS ISLAND EARTH werden menschliche Wissenschaftler wie hier von Außerirdischen zu dem Zweck entführt, den verwüsteten Heimatplaneten wieder bewohnbar zu machen bzw. ihnen ein neues Leben zu ermöglichen. In diesem Fall trifft es Professor Solmi (Roland Lesaffre), der bevorzugt über die Einstein’sche Relativitätstheorie und die Möglichkeit der Zeitreise doziert, immer mit dem Hinweis, das letztere wohl erst in tausenden von Jahren technisch machbar werde. Bei Untersuchungen eines seltsamen Phänomens, zu denen er auch seine geile Tochter Luisa (Leontine) mitbringt, entdecken er und seine Assistenten ein Raumschiff, das von der kühlen Kaena (Leonora Ruffo) und ihren beiden Schergen auf die Erde gesteuert wurde. Zwei Chinesen, die dem Prof die Anleitung für eine Atombombe abnehmen wollen, kommen auch noch dazu. Ab geht es ins All, zum Heimatplaneten Kaenas, doch auf der Reise gilt es dann, die unter den freiwilligen und unfreiwilligen Besatzungsmitgliedern schwelenden Konflikte zu überwinden, um am Ziel anzukommen.

MISSIONE HYDRA ist ein Monument der Unbedarftheit, aber auch des Heldenmutes, sich von den tristen Gegebenheiten nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Francisci hatte zwar nur ein Taschengeld zur Verfügung, trotzdem fliegt er ins All und landet auf fremden Planeten. Was man dort zu sehen bekommt, ist geradezu rührend naiv und billig, aber man kann dem Film für seine zahlreichen Verfehlungen einfach nicht böse sein. Da bauen die Wissenschaftler mittel in der Pampa eine Holzhütte auf, um darin ein „Labor“ unterzubringen und schaffen ein echtes Raumwunder, wenn sich das vielleicht 15 Quadratmeter große Häuschen in Innenaufnahmen als geräumiges Mehrzimmerhaus entpuppt. Für Stimmung sorgt neben einer kurzen Übersicht über die römischen Sehenswürdigkeiten immer wieder die als Eye Candy besetzte Leontine, offensichtlich eine Tänzerin oder ein Starlet, deren einzige Funktion darin besteht, hübsch in die Kamera zu lächeln oder ihre Traumfigur in höchst unnatürlich wirkenden Pose zu präsentieren. Einmal serviert sie den Forschern Kaffee, was diese zum Anlass nehmen, sofort vom Tisch aufzustehen und ins Bett zu gehen. Aber sie macht sich auch sonst nützlich, hält die Laune hoch und verguckt sich natürlich in den extraterrestrischen Hünen Belsy (Kirk Morris). Vorher machen sich die Aliens die Menschen mittels eines um den Hals getragenen Senders gefügig, über den sie jeden ihrer Schritte und jedes ihrer Worte mitverfolgen können, bis dann einer der Wissenschaftler den genialen Einfall hat, einfach seine Hand über die Linse/das Mikro zu halten und dann die Polizei anzurufen. Damit konnte die überlegene Rasse wirklich nicht rechnen! Derlei Wunder setzen sich dann beim Raumflug fort, etwa in der Sequenz, in der einer der Außerirdischen aussteigt, um eine krummgebogene Antenne an der Spitze des Gefährts auszutauschen. Fantastisch sind auch die heißen Fummel, in die Kaena und Luisa immer wieder gesteckt werden: Ganzkörpernylons, auf die alle Begriffe zutreffen, außer „praktisch“. Wunderschön eine bizarre Szene, in der mehrere Menschen in Forscherkitteln im Bildhintergrund im aufreizenden Schneckentempo die Treppen hochsteigen, die sich um zwei Silos winden, während vorn ein Dialog abgehalten wird. Und damit das Rumgesitze in dem karg eingerichteten Flugkörper nicht allzu dröge wird, gibt es immer mal wieder Anlass für eine hüftsteife Keilerei. Die Strategie geht nicht so ganz auf: MISSIONE HYDRA zieht sich im letzten Drittel wie Kaugummi. Man hat dann bereits alle geilen Kostüme der gut gebauten Darstellerinnen gesehen, man weiß, dass nach den Affen keine weiteren spektakulären Attraktionen mehr zu erwarten sind und sehnt das Ende herbei, das dann aber noch einmal aufmerken lässt: Ein Blick in die Vergangenheit der Erde zeigt, dass diese von der nuklearen Katastrophe zerstört wurde, doch auch Kaenas Heimat (die ihren phallischen Türmen nach zu urteilen „Dildonien“ heißt) liegt in Trümmern. Jetzt gilt es, eine neue Zivilisation zu gründen. Bei zwei Frauen und fünf Männern dürfte das ein konfliktreiches Unterfangen werden, das leider noch nicht auf Zelluloid gebannt wurde.

 

Kommentare
  1. und landete in Deutschland unter dem Titel RAUMKREUZER HYDRA – DUELL IM ALL im Kino

    Schon dieser erste deutsche Titel dürfte gewisse Assoziationen geweckt haben, denn 1966 gab es in RAUMPATROUILLE den schnellen Raumkreuzer Hydra, das Schiff von McLanes Vorgesetzter Lydia van Dyke, das in der Folge PLANET AUSSER KURS prominent vorkam.

  2. Oskar sagt:

    Hallo Herr Nöding,

    ich habe eine Frage an Sie und hoffe, dass Sie mir weiterhelfen können, da Sie ja im Zuge der Buchveröffentlichung Ihres Blogs „Sauft Benzin…“ mit Marco Siedelmann zusammenarbeiteten.

    Herr Siedelmann hat vor einiger Zeit ein Crowd-Funding-Projekt erfolgreich beendet und konnte mit Hilfe von über 80 Unterstützern knapp über 10.000€ zusammentragen. Ziel der Kampagne war die Finanzierung eines Buches über Sam Firstenberg.

    Leider verhält es sich so, dass Herr Siedelmann sich nicht mehr meldet und als Projektgründer das letzte Mal vor über einem Jahr ein Update auf der Crowd-Funding-Seite gab. Hier: https://www.kickstarter.com/projects/1351988435/stories-from-the-trenches-the-official-sam-firsten/comments

    Mittlerweile wird von so manchem Unterstützer vermutet, dass Herr Siedelmann ein „scam artist“ sei, wie ein Blick in die Kommentare des Kickstarter-Projektes verrät.

    Haben Sie vielleicht noch Kontakt zu ihm?

    Freundliche Grüße

    • Oliver sagt:

      Hallo Oskar,

      das Wichtigste zu Anfang: Ja, ich habe regelmäßig Kontakt zu Marco, nein, er ist kein „Scam artist“ und das Buch wird definitiv erscheinen. Das Projekt ist im Laufe der Arbeit daran einfach massiv ausgeufert: Firstenberg hat Marco allein über 1.000 Fotos zur Verfügung gestellt, die gesichtet und bearbeitet werden mussten. Das Buch wird die definitive Abhandlung zu Firstenberg, mit Einblicken, die weit über das hinausgehen, was man von solchen Fanprojekten üblicherweise erwarten darf.

      Zu seiner Kommunikation: Ja, das ist wahrscheinlich nicht so Marcos Stärke. Auf der Facebook-Seite des Projekts hat er kürzlich einen Zwischenstand gepostet und sich für die Verzögerung entschuldigt. Warum er sich nicht meldet und seinen Fundern auf Kickstarter die Situation erklärt, verstehe ich selbst nicht.

      Wie dem auch sei: Das Buch ist im Prinzip fertig, derzeit werden noch einige Bilder ausgetauscht, sodass es nach meinem Kenntnisstand in diesem Jahr noch erscheinen sollte.

      Ich hoffe, ich konnte sie damit etwas beruhigen.

      PS Ich selbst habe übrigens ein Vorwort für das Buch geschrieben.

  3. Oskar sagt:

    Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, Herr Nöding!

    Vorweg: Ich bin in der Tat beruhigt zu hören, dass das Buch erscheinen wird.

    Das Kommunikationsverhalten von Herrn Siedelmann ist allerdings untragbar, da er als Projektgründer ja auch Verpflichtungen gegenüber seinen Unterstützern hat, denen er nachkommen muss.

    Es würde mich freuen, wenn Sie ihm im Zuge des nächsten Kontaktes ausrichten könnten, dass es ein Gebot der Fairness darstellt, seine Unterstützer auf dem Laufenden zu halten. Auch und gerade auf der Kickstarter-Seite und nicht nur auf Facebook, wo sich nun nicht jeder Unterstützer informiert.

    Ps:
    Es freut mich zu hören, dass Sie das Vorwort geschrieben haben. Ich empfinde Ihre Texte nämlich bereits seit der Zeit Ihres ersten Blogs („Sauft Benzin…“) als große Bereicherung!

    Allzu gerne würde ich im Zuge eines „Revivals“ ein Filmgespräch von Ihnen und Ihrem damaligen Partner zu JOHN RAMBO und dem bald ins Kino kommenen LAST BLOOD (der Trailer ist vielversprechend) lesen, da ihre damallige Rezeption der Rambo-Trilogie mich stark prägte und ich sie fast als persönliches „Erweckungserlebnis“ in Sachen Actionfilm-Rezeption bezeichnen würde.

    Aber das es zu einem solchen „Revival“ kommt, ist sicher unrealistisch, nicht wahr?

  4. Oskar sagt:

    Kurze Ergänzung:

    Auf der Facebook-Seite (https://en-gb.facebook.com/pg/loveamanwithmoustache/posts/) kann ich kein Update zum Zwischenstand des Projektes entdecken. Habe ich vielleicht die falsche Seite erwischt?

    Und die offizielle Seite des Verlages ist auch nicht mehr existent. Siehe hier: http://www.editionsmoustache.net/defaultsite

    Das ist schon sehr merkwürdig.

  5. Oskar sagt:

    Oh, eine geschlossene Gruppe, wie geheimnisvoll. Da ich selbst keinen Facebook-Account habe, ist dergleichen für mich nutzlos. Trotzdem danke!

    • Oliver sagt:

      Ich verstehe selbst nicht, warum er das so handhabt (und wusste auch nicht, dass die geschlossen ist). Liegt vielleicht daran, dass dort auch Leute aus dem Firstenberg-Umfeld posten. Ich habe Marco auf jeden Fall auf unser Gespräch hingewiesen. Wie gesagt: Er ist kein Betrüger.

      • Oliver sagt:

        Das war das letzte Posting in der Gruppe:

        !!!UPDATE!!!

        I know that most of the people are angry because the book is still not out yet, and I can understand that. So sorry it takes so long, but the huge delay had also a positive aspect: a couple of months ago Sam Firstenberg discovered more than 300 unpublished set photos und we put nearly all of them into the new layout which is now testprinted. The final version still needs some more work on the picture quality, but the layout is ready, the proof read and the editing is done. Now we have the maximum of 780 pages and here are some impressions. I really hope you guys will forgive about the delay once you finally get your copies. I didn’t want it to take so much time, but I can say that I’m really proud about the final product.

        warmest greetings to all of you and thanks so much for the patience!

        Wenn Sie mir Ihre E-Mail-Adresse geben, könnte ich Ihnen ein paar Screenshots der Layouts schicken.

  6. Oskar sagt:

    Haben Sie vielen Dank für das Angebot, aber ich bin mehr am Endresultat interessiert.

    Übrigens, mittlerweile ist fast eine ganze Woche vergangen, seitdem Sie mit Herrn Siedelmann gesprochen haben und ihn auf unser hiesiges Gespräch hingewiesen haben.

    Ich hätte vermutet, dass Herr Siedelmann es als ein Gebot der Fairness ansehen würde, möglichst zügig auch ein Update auf der Kickstarter-Seite online zu stellen. Das Facebook-Update der geschlossenen Gruppe mittels eines Copy&Paste Verfahrens auch auf Kickstarter zu posten, erfordert schließlich nur einen Arbeitsaufwand von ein paar Sekunden.

    Dies ist jedoch noch immer nicht passiert, was mich wirklich fassungslos macht.

    Wie man es dreht und wendet, aber einen seriösen Eindruck erweckt der Umgang mit dem ganzen Projekt ganz und gar nicht.

    Vielen Dank jedenfalls Herr Nöding, dass ich durch Sie, obschon die Aufgabe eigentlich beim Projektgründer läge, erfahren durfte, dass noch an dem Projekt gearbeitet wird.

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