bachelor party (neal israel, usa 1984)

Veröffentlicht: Juli 26, 2019 in Film
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BACHELOR PARTY startete die Kinokarriere des Komikers Tom Hanks mit einem veritablen Hit. Aus heutiger Sicht ist das bemerkenswert: Man darf sich zu Recht fragen, ob ein Film, in dem ein Esel an einer Überdosis Koks und Pillen verreckt, bevor eine menschliche Prostituierte zur Belustigung einer Horde amoklaufender Hedonisten ihr orales Werk an ihm verrichtet, heute irgendwas starten würde, außer einem gesalzenen Shitstorm. Sicher, es ist erst ein paar Jahre her, dass Apatow und Konsorten ihre Form von Gross-out-Humor auf die Leinwände brachten, aber der Gestus dahinter war ein anderer: Neal Israel (der gemeinsam mit Drehbuchautor Pat Proft auch am Erfolg des artverwandten POLICE ACADEMY beteiligt war) webt seine Tabubrüche und Entgleisungen viel organischer in das Gesamtkonzept seines Filmes ein, inszeniert sie nicht als krasse Showstopper und „Nummern“, sondern als logische Eckpunkte des Plots.

BACHELOR PARTY ist wild und zügellos, folgt einer Eskalationlogik, die ihn am Ende fast aus der Bahn treibt, aber dabei bleibt er stets einer traditionellen Form des Storytellings verpflichtet. Dass das funktioniert, ist schon einigermaßen erstaunlich: Protagonist Rick Gassko (Tom Hanks) ist ziemlich genau das, was sein Schwiegervater in spe (George Grizzard) über ihn sagt: ein Arschloch, verantwortungslos, chaotisch, ohne jede Selbstdisziplin und noch dazu respektlos (gleich in der ersten Szene beleidigt er eine alte Nonne und bietet ihr an, mit ihm ins Bett zu hüpfen). Die deutsche Synchro lässt ihn in der ersten Hälfte des Films kaum mal einen vernünftigen Satz sagen, legt ihm dafür eine unflätige Bemerkung und Zote nach der anderen in den Mund, so wie es damals Brauch war. (Überhaupt die Synchro: Aus einer Phoebe macht sie konsequent eine „Föbe“.) Wie dieser Vogel an die schnuckelige, noch dazu mit reichem Elternhaus ausgestattete Debbie (Tawny Kitaen) geraten ist, ist einigermaßen rätselhaft, dass sie ihn tatsächlich heiraten will, lässt auf eine handfeste Neurose oder Geschmacksverirrung schließen. Beim Treffen mit den Schwiegereltern, die ihre Tochter lieber mit dem öligen Angeber Cole (Robert Prescott) liiert sähen, benimmt sich Rick abwechselnd wie ein Kleinkind, ein Idiot ohne Anstand oder ein Prolet – und seine Debbie giggelt dazu enthemmt wie ein bis über beide Ohren verknalltes Teeniemädchen.

BACHELOR PARTY gehört zu jener Gattung Film, die dem damals in den Eighties grassierenden Materialismus eine Art märchenhafter Enthaltsamkeit entgegenhalten: Rick ist der einfache Typ, dem materieller Reichtum nichts bedeutet, der den Mangel an Luxus mit Kreativität, Humor und Fantasie wettmacht, und so das Herz der Schönen erobert, während seinem Rivalen nichts Besseres einfällt, als sie ihm abzukaufen. So weit, so gut, aber warum lässt er seinen Junggesellenabschied in den Händen seiner mit „eindimensional“ noch freundlich umschriebenen Kumpels dann zur babylonischen Orgie verkommen, bei der die Nutten und die Drogen sich bis zur Decke stapeln? Das Drehbuch betrachtet die Verlockungen des Junggesellenabschieds dramaturgisch etwas scheinheilig als Prüfung, die man ohne Entgleisung bestehen muss, um sich als würdiger Ehepartner zu erweisen – während die Zuschauer die weniger gebundenen Sidekicks anfeuern. Es ist ja auch auffällig, dass Rick in der zweiten Hälfte des Films deutlich an den Rand der Geschichte gedrängt wird, während der sich die Kamera seinen johlenden Kumpels zuwendet.

Die Story sieht ungefähr so aus: Ricks Freunde, wie erwähnt ein Haufen von Kerlen, die nur das eine im Kopf haben, organisieren die Riesensause mit allem drum und dran in einer Hotelsuite, um Rick gebührend ins Eheleben zu verabschieden. Er verspricht ihr, sie auch zu diesem Anlass nicht zu betrügen, aber ihre Freundinnen setzen ihr einen Floh ins Ohr, was schließlich dazu führt, dass sie sich auf den Weg zu ihm macht, um sie (und sich) vom Gegenteil zu überzeugen. Durch die amüsanten Wendungen des Drehbuchs kommt sie mit ihren Freundinnen zum Ziel, doch mittlerweile durften die entrüsteten Damen selbst von der süßen Sünde kosten und landen aufgebrezelt wie billige Nutten in seiner Hotelsuite, wo es zur Konfrontation kommt. Der schmierige Cole ist auch mit von der Partie, erhofft er sich doch immer noch, Debbie Rick ausspannen zu können. Die erzählerische Strategie hinter BACHELOR PARTY, seine „Botschaft“, ist nicht ganz so leicht zu erfassen: Männer sind Schweine, können aber auch ganz nett sein? Macht euch locker, Mädels, vertraut euren Kerlen und habt selbst mal Spaß? Es scheint so, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sich außer Rick wirklich alle wie die Wildsäue benehmen, scheint der Film selbst nicht so recht an Konzepte wie Treue oder gar Ehe zu glauben. Was aber eigentlich auch ganz gut so ist, denn es ist der erwähnte Exzess, in dem BACHELOR PARTY zu sich kommt. Es will schon was heißen, dass eine Szene des Films im Beastie-Boys-Clip zum Evergreen „Fight for your right to party“ zitiert wurde: Von einem Junggesellenabschied wie diesem dürften ziemlich viele Männer insgeheim träumen, ganz gleich, welche Rolle sie dabei einzunehmen gedenken, und Neal Israel bringt den Wahnsinn wunderschön auf die Leinwand, dehnt den Rahmen seines Ratings dabei gewaltig aus. Die Darsteller hatten offensichtlich genauso viel Spaß daran wie der Zuschauer: Michael Dudikoff spielt den etwas beschränkten Ryko, einen Kellner, der „Parmesan“ nicht aussprechen kann und stattdessen „ein Steak mit ordentlich Käse“ empfiehlt. Barry Diamond reißt den Hahn als gorillahafter Automechaniker Rudy bis zum Anschlag auf, sodass man sich zwischenzeitlich Sorge um seine Gesundheit und die aller, die mit ihm agieren müssen, macht. William Tepper ist super als Dr. Stan Gassko, Ricks Bruder, der ebenfalls alle moralischen Zwänge fahren lässt und dafür am Ende von seiner Gattin Tina (Wendie Jo Sperber, Martys Schwester aus BACK TO THE FUTURE) die Ohren langgezogen bekommt. Tawny Kitaen muss nicht viel mehr tun als entzückend aussehen: Ihre Filmkarriere versandete in den folgenden Jahren, aber dafür avancierte sie zu Mrs. David Coverdale und zum Hair-Metal-Poster, -Cover- und -Video-Girl. In meiner Lieblingsszene des Films stellt sich Rick gemeinsam mit Debbie den Schwiegereltern zum Tennis-Doppel und demonstriert sein Desinteresse ostentativ, indem er jeden auf ihn gespielten Ball mit Baseball-Bewegung über den Zaun drischt. Ein Film ganz nach meinem Geschmack,

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