hollywood hot tubs (chuck vincent, usa 1984)

Veröffentlicht: Juli 29, 2019 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Nicht immer ist es ganz einfach zu erklären, warum einem bestimmte Filme gefallen. Bei HOLLYWOOD HOT TUBS liebe ich es schon, den Titel leise vor mich hin zu sagen. Ich freue mich  über die bloße Existenz eines solchermaßen betitelten Films so sehr, dass ich gar nicht anders kann, als ihn zu mögen. Er muss eigentlich gar nicht viel mehr leisten, als einfach nur zu existieren. Umso schöner, dass es Pornoregisseur und Teenie-Sexkomödien-Auteur Chuck Vincent tatsächlich gelungen ist, aus einer reichlich fadenscheinigen Prämisse einen Film mit Herz zu zaubern, den ich hier feiern kann, ohne mich dafür verbiegen zu müssen.

Wie es sich für einen solchen Exploitation-Coup gehört, beginnt HOLLYWOOD HOT TUBS mit einem echten Showstopper: Der Betrachter wohnt der in geheimnisvollen Nahaufnahmen aufgelösten Ausführung eines rätselhaften Streiches bei. Nach einigen mysteriösen Minuten entpuppt sich das Handwerk der drei nicht näher identifizierten Jungs als Manipulation des berühmten Hollywood-Schriftzugs: Durch cleveres Platzieren einiger Stoffbanner haben die Vandalen aus „Hollywood“ ein „Hollyweed“ gemacht. Die wahrscheinlich teuerste und deshalb auch minutenlange Einstellung des Films – geschossen aus einem Helikopter – zeigt, dass Vincent diesen Coup nicht etwa per visuellem Effekt realisierte, sondern das Landmark tatsächlich einer Spezialbehandlung unterzog. Auch wenn diese Szene mit dem restlichen Film nur am Rande zu tun hat: Das ist der Spirit, der Exploitation auszeichnet und mir solche Produktionen wie HOLLYWOOD HOT TUBS ans Herz schweißt.

Der Streich dient – das macht es noch besser – als unnötig elaborierte Exposition: Weil die Polizei den Streich bemerkt hat und Shawn (Paul Gunning) nicht das erste Mal auffällig geworden ist, drohen ihm strafrechtliche Konsequenzen. Seine Eltern können das größte Unheil gemeinsam mit dem Bewährungsberater abwenden, indem sie ihrem (für einen Teenie viel zu alten) Sprössling einen Job bei seinem Onkel Al (Stanford Morgan) verschaffen: Der leitet einen kleinen Handwerksbetrieb, der sich auf die Wartung und Reparatur von Whirlpools und anderen Sanitäranlagen spezialisiert hat und Tag für Tag ums Überleben kämpft. Der zunächst unwillige Shawn lernt das Business von der Pike auf – und seine Kollegen zu schätzen. Der große Erfolg naht, als es Jeff (Michael Andrew) gelingt, einen großen Kunden – eben das Spa „Hollywood Hot Tube“ – zu gewinnen.

Der Weg zum großen Geschäftserfolg ist – wie könnte es anders sein? – übersät mit den genreüblichen Stolperfallen sowie reichlich Gelegenheiten für libidinöse Intermezzi und wogende Brüste. Die ganze erste Stunde ist eine muntere Abfolge von „Aufträgen“: Sie führen Shawn meist zu skurrilen Kunden – einem von der Mafia geführten Amüsierbetrieb, einem alternden Horrorfilmstar, dessen Stretchlimousine mit einer Minibadewanne ausgestattet ist, einer Pornodarstellerin – und enden nicht selten in schlüpfrigen Zoten. Die Möglichkeit, ohne allzu große Verrenkungen Titten zeigen zu können, dürfte eine der wesentlichen Motivationen der Produzenten gewesen sein, diesen Film zu machen, umso erstaunlicher ist es, wie viel Liebe Vincent in die Zeichnung seiner Figuren und seine Story gesteckt hat. Der hemdsärmelige Al und seine beiden engagierten Angestellten wuchsen zumindest mir sehr schnell ans Herz, gerade weil ihr Geschäft so durch und durch unsexy ist. Normalerweise widmen sich Filme großen, erfolgreichen Unternehmen oder aber eben irgendwelchen hippen und außergewöhnlichen Start-ups: Hier geht es um einen Handwerksbetrieb, wie er in jeder Stadt dutzendfach existiert. Die vier Überzeugungstäter sitzen in ihrer rammeligen, furchtbar unaufgeräumten Bude nebst Ersatzteillager, fahren mit dem Transporter zu ihren Kunden und kämpfen täglich darum, genug Geld zu erwirtschaften, um alles am Laufen zu halten. Als Al der Unternehmerin Pam (Remy O’Neill) ein Angebot machen soll, druckst er herum, erbittet sich Zeit: Er hat einen Auftrag in dieser Größenordnung noch nie angenommen, was er natürlich nicht zugeben kann. Solchen Realismus sieht man nicht allzu oft in Unterhaltungsfilmen, schon gar nicht in solchen, die auf ihrem Plakat gleich mehrere leicht bekleidete Damen, einen Gorilla und ein Krakenmonster zeigen.

HOLLYWOOD HOT TUBS lässt sich relativ viel Zeit für seine Geschichte, die erst nach einer Stunde wirklich in Gang kommt: Während Al und seine Leute fieberhaft daran arbeiten, den eigentlich viel zu großen Auftragsumfang zu bewältigen, türmen sich die zwischenmenschlichen Konflikte. Shawns Liebschaft mit Kollegin Leslie (Donna McDaniel) gerät in Gefahr, weil sie ihn mit mehreren nackten Frauen in einem Whirlpool erwischt hat – eine Situation, die der eifersüchtige Jeff initiiert hat, um ihm eins auszuwischen. Der wiederum bekommt Streit mit Pam, als er ihr gesteht, dass er etwas gemogelt hat, als er sich um den Auftrag beworben hatte. Ihr Bruder Jesse (Rex Ryon), ein derber Rocker, will ihm dafür aufs Maul hauen, verwechselt ihn aber mit Shawn, dem der Bewährungshelfer nachstellt, der hinter dem Unternehmen von Al unmoralische Umtriebe vermutet. Man kennt das alles aus ca. einer Million anderer Filme und deshalb ist es auch so wunderbar, dass sich Vincent gar nicht lang mit diesen herbeifabulierten Konflikten aufhält. Die Liebe seiner Figuren zueinander ist viel zu groß, als dass sie lange Groll aufeinander hegen könnten und so sind alle Unklarheiten schneller beseitigt, als es dauerte, sie einzuleiten. Das macht Raum für das herrliche Finale, der großen Neueröffnung von „Hollywood Hot Tubs“, wo dann alle Plotfäden zusammenlaufen und das große Tohuwabohu im Stile eines echten Türenstücks ausbricht. Da hetzen die Charaktere dann durch die Flure, platzen mal hier, mal dort hinein, müssen sich peitschender Dominas, ausgebrochener Gummimonster, knipsender Japaner oder grinsenden Burt-Reynolds-Doubles erwehren, während eine Gruppe musizierender Mariachi dazu aufspielt. Der schönste Charakter ist gewiss Jesses Rockerkumpel Warbaby (Michael Ragsdale): Das Riesenvieh mit der Catweazle-Mähne artikuliert sich ausschließlich in rudimentären Grunzlauten, die Jesse jedesmal exakt zu übersetzen weiß. Sehr süß ist aber auch Pams Tochter Crystal (Jewel Shepard), deren auffälligstes Merkmal ihre zwei wie junge Welpen auf- und abhüpfenden Brüste und ein herrlich schwachsinniger Valley-Slang sind. Regisseurin Kate Shea, die in Vincents PREPPIES brillierte, hat als Pornodarstellerin hingegen leider nur einen Kurzauftritt abbekommen. Trotzdem kann ich hier meine Empfehlung aussprechen: HOLLYWOOD HOT TUBS ist ein wunderbares Kleinod aus der VHS-Blütezeit und erfuhr sogar ein Sequel, welches in Deutschland stilecht als DER TURBOGEILE SAUNA-Club veröffentlicht wurde.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.