beach balls (joe ritter, usa 1988)

Veröffentlicht: August 5, 2019 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

Charley Harrison (Phillip Paley) lebt mit seinen Eltern am Strand von Venice, wo er seit Jahren der schönen Wendy (Heidi Helmer) hinterherträumt, ohne sich zu trauen, sie anzusprechen. Sie will einen Musiker, er spielt zwar Gitarre, aber für eine Band hat es noch nicht gereicht. Die Mutter ist auf dem Religionstrip und vermutet hinter seinen Hardrock-Tapes Teufelswerk. Dazu kommt ein kleines Vergehen in der Vergangenheit und die Drohung, beim nächsten Fehltritt in den Jugendknast zu wandern. Um Wendys Herz zu erobern, richtet Charley auf Geheiß seines Kumpels Scully (Stephen Tash) ein Konzert in seiner Wohnung aus, als die Eltern verreist sind. Die Band „Severed Head in a Bag“ ködert er mit der Inaussichtstellung des Besuchs eines A&R-Mannes, der ihnen den beißersehnten Plattendeal bringen soll …

„Brilliantly hilarious“, wie ein IMDb-Kommentator schreibt, ist BEACH BALLS ganz gewiss nicht. Der Film ist ein später, kleiner, preisgünstiger und eher unspektakulärer Nutznießer des Teeniekomödien-Booms der Eighties, der bei mir weniger mit einem Dauerfeuer haarsträubender Gags gepunktet hat – dieses bleibt nämlich aus – als vielmehr mit seinem angenehmen  Understatement und seinem authentischen Zeit- und Lokalkolorit. Der Film entspringt derselben Epoche, der wir auch Penelope Spheeris grandiosen THE DECLINE OF THE WESTERN CIVILIZATION PART II: THE METAL YEARS verdanken: Der Soundtrack ist voll mit kreischigem Hard- und Cockrock, eine Sequenz spielt im legendären „Gazzari’s“, eines der damals wichtigsten Konzert-Venues auf dem Strip, unter Mitwirkung des Namensgebers. Es sticht nichts wirklich heraus, es gibt – anders als etwa beim zuletzt besprochenen ANIMAL HOUSE – keine Szenen, die ich jetzt gern nacherzählen würde, um für den Film einzunehmen. Es gibt ein paar Lacher, etwa um Charleys Bewährungshelfer, der versucht, vom Alkohol wegzukommen und immer, wenn ihn Charley besucht, dessen Urinprobe auf dem Tisch stehen hat, aber der Film ist eher etwas für Leute, die eine Zeitreise in die späten Achtziger unternehmen und sich beim Sightseeing nicht allzu sehr ablenken lassen wollen. Die Figuren fühlen sich eine Nummer echter und weniger plastikhaft an als in anderen, vergleichbaren Filmen, Charley ist ein glaubwürdiger Protagonist, auf eine sehr echte Art und Weise mittelmäßig, seine Traumfrau ist ebenfalls eine dankbare Abkehr von den solariumsgebräunten Bimbos, die sonst als love interests dargeboten wurden. Ich mochte auch die zahlreichen Musikszenen, bei denen man sieht, wie mainstreamig dieser Hardrock-Sound war: Da tanzen ganz normale Kids im Sweatshirt und Polohemd ab, keineswegs irgendwelche kettenbehangenen Metal-Monstren.

Ein Empfehlung auszusprechen, fällt mir angesichts der unspektakulären Natur des Films etwas schwer: Würde ich mich nicht gerade durch das Genre des Teeniefilms durcharbeiten, hätte ich mir BEACH BALLS niemals angesehen. Bereut habe ich die 90 Minuten nicht, aber „unvergesslich“ waren sie nun auch nicht gerade. Ein bisschen Trivia zum Abschluss: Hauptdarsteller Paley zählte bereits als Kind von 1974 bis 1976 zur Stammbesetzung der Fantasyserie LAND OF THE LOST und beendete mit diesem Film seine kurze Laufbahn. Auch Regisseur Joe Ritter trat als solcher nach seinem Debüt nur noch selten in Erscheinung und konzentrierte sich wieder verstärkt auf seine Karriere als Steadicam-Operator. Als solcher wirkte er unser anderem bei solchen namhaften Werken wie BARTON FINK, FREDDY’S DEAD: THE FINAL NIGHTMARE, DR. GIGGLES, BRAM STOKER’S DRACULA, PULP FICTION oder STARSHIP TROOPERS mit. Hinter der  Band „Severed Head in a Bag“ steckt der Musiker D. R. Starr, der es zwar damals nicht zu Berühmtheit brachte, aber sein Schaffen dafür auf seinem Youtube-Kanal dokumentiert, mit vielen Clips aus der damaligen Zeit.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.