the meateater (david burton morris, usa 1979)

Veröffentlicht: August 17, 2019 in Film
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Mitford Webster (Peter Spitzer) ist enttäuscht von seinem Leben: Klar, er hat eine fürsorgliche Frau (Dianne Davis), die hin und wieder einen krassen Braten serviert, und zwei blonde Teeniekinder (seine Tochter hat, wie er mehrfach betont, das gute Aussehen der Mutter und sein Hirn geerbt), dazu ein Haus, aber der Job as Schuhverkäufer nervt ihn an und der Briefkasten quillt über vor Rechnungen. In der Post ist aber auch die Antwort eines Immobilienmaklers: Der hat das Kaufangebot für das alte leerstehende Kino angenommen! Es war schon immer Mitfords Traum, ein Kino zu betreiben! Und auch wenn seine Frau Zweifel hat, dass diese Karrierewandel wirklich sinnvoll ist, unterstützt se ihren Mann. Die beiden renovieren den alten heruntergekommenen Laden und feiern große Premiere mit einem Tierfilm namens „Grizzly Safari“. Doch dann stirbt der Vorführer und die Leiche eines Erhängten wird gefunden. Wie die Websters vom fetten Lieutenant Wombat (Joe Marmo) erfahren, ging das Kino einst in Flammen auf und der Vorführer kam ums Leben. Zurück blieb sein Bruder (Arch Joboulian), der jetzt völlig verwirrt durch die Gegend eiert.

THE MEATEATER ist ein billiger Film, der sich an einer zeitgenössischen Aufarbeitung von „Das Phantom der Oper“ versucht. Wie das bei solchen Filmen mist der Fall ist, ist auch THE MEATEATER langsam, er geht geradezu aufreizend großzügig mit der Zeit um, die ihm zur Verfügung steht. Es passiert wenig und wenn etwas passiert, nimmt es viel Zeit in Anspruch, bis es passiert. Aber die Zeit dazwischen wird mit allerhand komischem Zeug angefüllt: So zieht sich eine Art Wurst- und Fleischthema durch den Film. Im Kino gibt es Wiener Würstchen, die sowohl von der Kamera als auch in Dialogen immer wieder in den Fokus gerückt werden. Der Sohn macht sich einen Hotdog und die Mutter lobt seine ausgewogene und vitaminreiche Mahlzeit. Die ganze Familie singt zusammen den Werbejingle von Oscar Meyer Wieners. Einmal geh es um die Wiener von Jimmy Dean und es schließt sich ein Dialog an, ob das ein Musiker oder Schauspieler gewesen sei. Die Fressszenen aus dem Tierfilm, der auf dem Marquee als „wholesome“ beworben wird – der Makler erzählt, das Kino habe vor der Schließung Pornos gezeigt und so die Anwohner verprellt -, werden mit Bildern der Zuschauer parallel montiert, in denen diese ihr Fastfood verdrücken. Die Title Sequenz ist mit Szenen aus alten Jean-Harlow-Filmen unterlegt, für die der mutmaßlich verbrannte Vorführer offensichtlich schwärmte, denn der Vorführraum gleicht mit Bildern des Stars einem Schrein, aber das dient letztlich nur dazu, ihm einen Grund zu liefern, auf Websters blonde Tochter abzufahren, die es im Finale aus seinen Fängen zu retten gilt. Am schönsten ist aber natürlich der Traum des biederen Schuhverkäufers vom Kino: Mit einer Liebe zum Film hat das eigentlich gar nichts zu tun. Der Tierfilm ist der totale Schrott, was sich etwa daran zeigt, dass der Erzähler Geparden nicht von Leoparden unterscheiden kann, aber Webster freut sich einfach, dass Leute kommen und ihren Spaß haben. Am Ende sieht er ein, dass er vielleicht doch lieber wieder Schuhe verkaufen sollte, worin er ja eigentlich gar nicht so schlecht war. Seine Kinder, die ihren Aushilfsjob im Kino von Mama und Papa offenkundig hassen, werden es ihm danken.

Der titelgebende „Meateater“, also das Phantom des Kinos, isst übrigen nur ganz am Anfang einmal Fleisch, nämlich das einer lebendigen Ratte, die er vom Boden aufklaubt. Arch Joboulian, der für seine Doppelrolle als entstellter Vorführer und dessen Bruder in den Credits als erster genannt wird, hat eine eindrückliche Fresse, ist aber – wie die meisten hier – ein mieser Schauspieler. Wer stotternde retards mag, wird an ihm aber einen Narren Fressen. In Deutschland wurde THE MEATEATER als „Bluttheater“ veröffentlicht. Immer wieder erstaunlich,welcher Ramsch es über den großen Teich in die Videotheken schaffte.

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