the prey (edwin brown, usa 1983)

Veröffentlicht: August 18, 2019 in Film
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THE PREY ist prototypisches Slashermaterial: Sechs junge Leute, fein säuberlich aufgeteilt in drei Heteropaare, machen einen Hikingtrip in die Berge von Kalifornien, wo ihnen der grimme Schnitter in Gestalt einer wasserköpfigen Missgeburt auflauert. Für das Final Girl hält die noch eine ganz besondere Überraschung bereit.

THE PREY ist so schmucklos, dass es schon wieder schön ist. Sechs junge Leute im Wald, ein Killer mit Vollmeise, ein tapferer Park Ranger, ein Eimer mit Kunstblut: Das ist der Stoff, aus dem in den Achtzigerjahren der Videothekenklassiker gemacht wurde. Unter dem Titel … UND DER TOD WARTET SCHON erschien THE PREY auch bei uns und ward wahrscheinlich schnell wieder vergessen, denn seien wir ehrlich: Mitte der Achtziger gab es jede Menge Horrorfilme, die deutlich aufregender waren als dieser, aber so mit 35 Jahren Abstand nötigt mir die Wham-bang-thank-you-ma’am-Strategie, derer sich Edwin Brown bediente, doch einigen Respekt ab (es wundert mich nicht, dass er danach einen Film namens NAUGHTY GIRLS NEED LOVE TOO drehte). Es ist schon einigermaßen erstaunlich, dass ein Film, der so wenig zu erzählen hat, so kurzweilig daherkommt. Das imposante Bergsetting trägt zum Gefallen gewiss bei und wird entsprechend erschöpfend ins Bild gerückt: Die Aufnahmen von Tieren, vom Specht bis zum Tausendfüßler, sind kaum zu zählen. Das ist zum einen natürlich eine erprobte Methode, um einen Kurzfilm zum abendfüllenden Spektakel aufzublähen, aber ähnlich wie bei einem (natürlich viel besseren) Film wie Jeff Liebermans JUST BEFORE DAWN trägt die Errichtung dieser Bildwelt ja auch dazu bei, den Kampf um Leben und Tod, dem die Protagonisten ausgesetzt sind, in einen größeren Kontext zu stellen.

Lobenswert ist auch das gemeine Ende, das THE PREY noch einmal gehörig aufwertet, dabei aber wie der ganze Film angenehm zurückhaltend bleibt. Der Slasherfilm wird gewiss nicht als das subtilste aller Horrorfilm-Subgenres in die Geschichtsbücher eingehen, umso schöner, wenn ein Film wie dieser, seines Zeichens ein Epigone der bereits zweiten oder dritten Verwertungswelle und ganz am Ende der Nahrungskette stehend, sich seiner Wurzeln in der Campfire-Erzählung und der hinter den Mordgeschichten stehenden existenzialistischen Ängste erinnert. THE PREY ist klein, aber fein.

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