camp fear (thomas edward keith, usa 1991)

Veröffentlicht: August 19, 2019 in Film
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Als Slasher oder auch einfach nur als Horrorfilm ist CAMP FEAR eine Vollkatastrophe – aber mein lieber Scholli, hatte ich Spaß mit diesem Teil! Die Story geht ungefähr so: Eine Gruppe geiler Studentinnen (darunter Betsy Russell) begibt sich für einen anthropologischen Field Trip gemeinsam mit dem coolen Professor Hamilton (Vincent van Patten) zum „Mystic Mountain“, wo die Forschungsgruppe alte indianische Artefakte zu finden hofft. Vor Ort werden sie nicht nur von einem Indianer vor einem nicht näher definierten „evil“ gewarnt, sondern auch von einer Rockerbande bedrängt. Außerdem schwimmt im See eine Ungeheuer herum und dann gibt es da auch noch einen riesenhaften Druiden, der ein Jungfrauenopfer braucht, um die Apokalypse einzuläuten. Was ihm nicht gelingt, meistert Thomas Edward Keith mit seinem Film, zumindest auf intellektueller Ebene.

Zuerst hatte ich ja ein bisschen Angst: Die Credits in Billigtypo werden über ein unscharfes Standbild vom Vollmond geklatscht und geben schon einmal einen Vorgeschmack auf die visuellen Verbrechen, die der Film in den kommenden 80, 90 Minuten vergehen wird. Aber der solchermaßen vorgestählte Betrachter wird im unmittelbaren Anschluss gleich wieder besänftigt, wenn da nämlich die Bewohnerinnen einer Sorority morgens erwachen und allesamt barbusig über den Flur hüpfen, um ihren Platz im Badezimmer zu ergattern. Anschließend gibt es Unterricht von Professor Hamilton, der es trotz seiner drei Meter breiten Schulterpolster irgendwie ins Klassenzimmer geschafft hat und sich bei seiner Lektion über alte heidnische Fruchtbarkeitsriten weder von der Schülerin ablenken lässt, die zur Musik aus ihrem Walkman abgeht wie Nachbars Lumpi, noch von einem Erdbeben, das das Klassenzimmer erschüttert. Immerhin schaffen es Hamiltons Lieblingsschülerinnen trotz dieser Widrigkeiten, sich mit dem Prof für den Abend vor der großen Expedition in einem Amüsierschuppen zu verabreden, in dem eine von ihnen im bauchfreien Kuhflecken-Jumpsuit eine Gesangsdarbietung abliefert, die sich so sehr gewaschen hat, dass ein geiles Pärchen dazu gleich mal den damalige Modetanz Nummer eines aufs Parkett legt: Die Rede ist natürlich vom mächtigen Lambada! Überhaupt: Die tanzen da alle, als gebe es kein Morgen. Nur Professor Hamilton bleibt sitzen: Wenn man sein Klatschen als Gradmesser für sein Rhythmusgefühl nimmt, ist das wahrscheinlich auch besser so, sonst hätte es wahrscheinlich Tote auffe Tanzfläche gegeben.

Nach dieser Wahnsinnsparty geht es dann endlich los auf besagten Field Trip, womit auch der Irrsinn der ersten halben Stunde in etwas geordnetere Bahnen gelenkt wird. CAMP FEAR folgt nun erzählerisch dem durch ca. 100.000 andere Filme vorgegebenen Muster, wird demnach etwas vorhersehbarer und langweiliger, aber er bewahrt sich dabei dieses sonnige Gemüt, das auf mich geradezu ansteckend wirkte. Vor allem Vincent van Patten legt einen Enthusiasmus für diesen Blödsinn an den Tag, der mir echt höchsten Respekt abnötigte. Andere Schauspieler hätten einen Tiefpunkt wie diesen wahrscheinlich nur mithilfe einer morgendlich vertilgten Pulle Schnaps durchgestanden oder ihre handfeste Depression gar nicht erst versucht zu verbergen, aber van Patten haut sich rein, als glaubte er tatsächlich, eine gute Leistung in CAMP FEAR könne zu einem großen Comeback führen. „Hey, wer weiß, wenn mein Agent James Cameron das Tape zusteckt …“ Nee, is klar, Vince. Auch das Auftauchen des vollmundig als „sea monster“ titulierten Holznilpferds mit Klappmaul lässt den Mut nicht sinken, wobei ich vermute, dass die Macher selbst von dem Biest alles andere als angetan waren. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass es für maximal zwei Sekunden gezeigt wird und der Regisseur sich danach lieber damit begnügt, Blubberblasen zu zeigen, wenn das Monster auftaucht. Der Druide ist weniger lustig, einfach ein großer Typ mit angeklebter Pappglatze und stierem Blick, aber dass er vor seiner Höhle eine Art Stonehenge-Attrappe stehen hat und außerdem passende Wildleder-Bikinis für seine Gefangenen zur Hand, zeugt von Geschmack und Vorausschau. Zum Schluss gibt CAMP FEAR auch noch ein Statement zur Völkerverständigung ab, als nämlich der Anführer der arschigen Rockergang seine Animositäten überwindet und den Studenteköpp hilft, den übermächtig scheinenden Gegner zu bezwingen. Mehr fällt mir nicht mehr ein. Doch eines noch: Als zwei der Forscherinnen den Sportschuh ihrer verschwundenen Freundin finden, wissen sie sofort, dass etwas faul ist: „Sie hätte diesen Schuh nie einfach liegen lassen!“ It’s not where you from, it’s where you at!

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