hatchet (adam green, usa 2006)

Veröffentlicht: August 19, 2019 in Film
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Vielen meiner Filmfreunden ist HATCHET bestimmt total zuwider. Und um ehrlich zu sein, entspricht er einer Art Film, die ich auf diesen Blogseiten selbst mehr als einmal mit Schimpf und Schande überzogen habe. Die Taglines auf dem nebenstehenden Poster lassen erahnen, worauf ich hinaus will: HATCHET ist unverkennbar Fanservice, durch und durch „Retro“ und noch dazu ein Film, der einen mit seinem Blutvergießen nicht verstören, sondern eher zum Lachen bringen will. Er definiert sich dabei weniger über das, was er ist, als vielmehr darüber, was er keinesfalls sein will und schielt dabei abschätzig auf die 2006 aktuellen Trends, die den leidgeplagten Horrorfan, den er als seine Zielgruppe anvisiert, wehmütig an die Zeiten zurückdenken ließen, als die „Fangoria“ noch in jeder Ausgabe einen sechsseitigen, mit Farbfotos bebilderten Artikel über den kommenden Jason-Film enthielt. „Old School American Horror“ eben – wobei „old school“ natürlich hochgradig willkürlich bzw. interpretationsbedürftig ist. Nicht wenige Horrorfilmbegeisterte dürften den Zeiten, die die Macher da auf dem Poster nostalgisch heraufbeschwören, keine einzige Träne nachweinen und die Blütezeit des amerikanischen Horrorfilms um gut zehn Jahre nach vorn verlegen. Langer Rede, kurzer Sinn: So wenig innovativ oder kreativ HATCHET auch sein mag, ich mag das Teil und finde, dass es einer der wenigen „Retro“-Horrorfilme ist, die ihrem selbst gesteckten Anspruch gerecht werden. Dass ich den Film seinerzeit beim Fantasy Filmfest auf der großen Leinwand sah, also vor genau jenem Publikum, für das er gemacht war, hat sicherlich dabei geholfen, ihn zu mögen, aber auch bei den beiden Sichtungen danach hat er von seinem ursprünglichen Charme fast nichts verloren.

Regisseur Adam Green macht einfach Vieles richtig: Er bleibt bescheiden und strapaziert den Goodwill seines Publikums nicht über. HATCHET dauert 80 schlanke Minuten und damit keine einzige zu viel. Dann setzt er natürlich auf die berühmten „handgemachten“ Effekte, courtesy of John Carl Buechler, die dem Film zu jenem angestrebten Look verhelfen, der mit CGI einfach nicht zu haben ist. Das gilt aber für die ganze Cinematografie: HATCHET sieht super aus, mit satten Farben, stimmungsvollen Settings und professioneller Lichtsetzung, kein Vergleich mit dem viel zu oft lieb- und vor allem farblosen Digivideo-Schrott mit ätzendem Colograding und Ausleuchtung wie im Supermarkt. Und dann schafft er es auch noch, die obligatorischen Honorationen einzusetzen, ohne sich dabei in einem lahmen Spot-the-Reference zu ergehen. Zu guter Letzt: Die Mehrzahl der Gags sitzt, weil die Darsteller ein Gespür für Timing und Delivery haben. OK, ein Subtilitätspreis ist mit den Possen, die hier etwa um zwei naive Schauspielerinnen mit großen Brüsten gerissen werden, ganz gewiss nicht zu holen, aber das erwartet man ja auch von einem solchen Film nicht unbedingt. Und vergleicht man HATCHET mit anderen kläglich gescheiterten Humorversuchen im Horrorfilm, schneidet er meines Erachtens ziemlich gut ab. Das liegt auch an Hauptdarsteller Joel David Moore und Deon Richmond, die eine gute Chemie haben und deren Hin-und-Her dem Film gerade in der Exposition viel Drive verleiht.

Letzten Endes ist HATCHET ein Film über Leute, die durch einen Wald laufen und von einem Killer mit Hackfresse zu blutigem Klump gehauen werden: Es gibt für mich an dieser Stelle demnach nicht wahnsinnig viel Schlaues über den Film zu berichten – und ein Aufzählen der besten Szenen ist für mich ebenso langweilig wie für den Leser. Aber wenn man sich die Texte durchliest, die sich hier unter dem Tag „Slasher“ versammeln, dann bekommt man ja einen recht lebhaften Eindruck davon, was bei der filmischen Umsetzung dieser berückend einfachen Prämisse alles in die Buxe gehen kann. Der weit überwiegende Teil der Slasherfilme ist grottenlangweilig, dazu meist ohne auch nur ein Mindestmaß an filmischer Finesse direkt für die Mülltonne gefertigt. HATCHET ist gewiss kein Werk für die Ewigkeit, aber solange er dauert, macht er zumindest mir eine Menge Spaß.

 

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