laid to rest (robert hall, usa 2009)

Veröffentlicht: August 19, 2019 in Film
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Ich habe hier noch gar nicht darüber gesprochen: Der Slasherfilm ist ein zutiefst kompromittiertes Genre. Sein kommerzieller Siegeszug begünstigte auch das jugendschützerische Engagement konservativer Kräfte, die alles daran setzten, den Horrorfilm seiner gewalttätigen und grafischen Spitzen zu berauben. Das führte zu dem bizarren Ergebnis, dass die Filme eines Subgenres, das sich im Wesentlichen um die Inszenierung und fantasievolle Ausschmückung kreativer Morde drehte, oft ziemlich blutleer waren. Entweder wurden sie von den Zensoren gerupft oder aber von den Produzenten selbst in vorauseilendem Gehorsam ihrer blutigen Reize entledigt. Diese Tatsache machte den Weg unter anderem frei für Amateurfilmer, die die Marktlücke sahen und frei von irgendwelchen wirtschaftlichen Zwängen auf den Schlamm hauen konnten. Ihre Genrebeiträge hatten zwar weder technische Finesse noch irgendwelche production values vorzuweisen, dafür aber literweise Kunstblut und Latex-Schweinereien am laufenden Meter. LAID TO REST ist nur einer der späten, professionalisierten Nachfolger dieses Trends und Regisseur Hall gewissermaßen ein Meister des Fachs: In seiner eigentlichen Tätigkeit als FX- und Make-up-Mann arbeitete er unter anderem an den Filmen der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe sowie an zahlreichen populären Fernsehserien mit, arbeitete dabei immerhin für Koryphäen wie Stan Winston und Steve Johnson.

LAID TO REST ist von Anfang an als Fanservice oder als Showreel zu durchschauen: Schon die Titlesequenz macht mit Schreckensbildern – untermalt von furchtbar krawalligem NuMetal – „Hoffnung“ auf die zahllosen Schweinereien, die es im Verlauf der kommenden 90 Minuten zu sehen geben wird, FX-Leute und der Kunstblutmixer feierten offenkundig Überstunden. Es wird erbarmungslos gekillt, dreckig gestorben und unglaublich viel gesplattert, aber ohne das Augenzwinkern des Funsplatter-Spaßvogels, sondern mit der grimmigen Entschlossenheit des Überzeugungstäters, für den sich der Wert eines Filmes in „Härtepunkten“ im Horrorfilm-Lexikon bemisst. Aber LAID TO REST zeichnet sich nicht nur durch seine „liebevollen“ und selbstverständlich handgemachten Effekte aus (nichts fuckt den Großbauern schließlich mehr ab als CGI-Blut), sondern auch durch seine unangenehm menschenfeindliche Stimmung und eine generelle Trost- und Hoffnungslosigkeit. Die kaum als solche zu bezeichnende Farbpalette des Films umfasst alle Nuancen von grünstichigen Grau- und Brauntönen, die man sich vorstellen kann, und trägt erheblich dazu bei, das man sich schon nach kurzer Zeit körperlich unwohl fühlt. Dazu spielt der Film ausschließlich bei Nacht an anonymen Settings, die nicht viel mehr als Raum für die breit ausgewalzten Tötungsorgien darstellen. Dialoge und Bildkomposition sind nahezu ausschließlich Mittel zum Zweck, alle Figuren stapfen mit von dauerhafter Todesangst ausgelöster Leichenbittermiene durch den Film, sich fragend, welches ihrer Körperteile der humorlos-effiziente Maskenmann wohl als erstes abschneiden respektive durchbohren wird. Zum Showdown tauchen noch zwei besonders eklige Exemplare jugendlicher Toxic Masculinity auf, hören nervtötend-offensiven Schott-Hip-Hop, prahlen von „bitches“ und kommen angesichts der Bemühungen der Protagonistin, ihnen ein Signal zu geben, sofort auf die Idee, sie wolle etwas von ihnen. Dass beide sogleich zu Sympathieträgern avancieren, sagt recht viel über Halls Weltsicht, aber auch über die Behelfsmäßigkeit des Drehbuchs, dessen einziges Ziel es ist, den Body Count möglichst ausufernd zu gestalten.

Ich finde diese Eindimensionalität, dieses Sich-Aufgeilen an der eigenen Abgefucktheit, das solche Gorefilm-Auteurs ostentativ zur Schau stellen, ziemlich eklig, zumal es sich nicht selten mit unangenehmem Chauvinismus verbindet. In einer Szene am Anfang mutmaßt ein weiblicher Charakter – Lena Headey, die ihre Mitwirkung wahrscheinlich in einem Anfall geistiger Umnachtung zusagte -, dass die verwirrte Frau mit der Amnesie, die sie um Hilfe bittet, ein „Crystal-Meth-Head“ oder schlicht eine „Nutte“ sei. Wenig später tut ihr das zwar Leid, aber dass ihr diese Beleidigungen einfallen, noch bevor sie die Frau überhaupt gesehen hat, spricht Bände für das ätzende Menschenbild, dem Hall hier ein Denkmal errichtet. Nicht nur das: Am Ende findet die weibliche Protagonistin tatsächlich heraus, dass sie eine Prostituierte ist, die vom Killer zu einem Schäferstündchen bestellt und dann niedergeschlagen wurde. Die Videoaufnahmen des Mörders zeigen sie, wie sie sich ihm andient, ihm einen Blowjob anbietet und angesichts der laufenden Kamera auf dem Tisch sichtlich angetörnt ist. Die Offenbarung ihrer wahren Identität treibt ihr die Tränen in die Augen, denn sie hatte sich längst daran gewöhnt, etwas Besseres zu sein als eine käufliche Sexarbeiterin, die in Halls Welt nichts mehr verdient als einen Schwanz im Mund und eine Baseballkeule auf den Kopf. Eine Duschszene, in der man ihre wahrscheinlich chirurgisch optimierte Oberweite zu sehen bekommt, hat er, der mit der Hauptdarstellerin verheiratet war, ihr aber trotzdem spendiert. Nicht, dass diese Chance ungenutzt bliebe. Was will man auch von einem Mann erwarten, der seine ellenlange IMDb-Bio offenkundig selbst verfasst hat?

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