trapped alive (leszek burzynski, usa 1988)

Veröffentlicht: August 19, 2019 in Film
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Man muss sich ja schon ein bisschen wundern, welche Filme heute das Arrow-Treatment erfahren. Dieser lokal in Wisconsin produzierte Film aus dem Jahr 1989 wurde nach Fertigstellung erst einmal im Giftschrank abgelegt und erst vier Jahre später unters nicht gerade ungeduldig wartende Volk gebracht, vermutlich weil die Produktionsfirma Windsor Lake in diesem Zeitraum einigen Wind mit ihren unter dem Siegel „Fangoria Films“ produzierten Splatterfilmchen machte. Die Bluray von Arrow wartet mit Extras wie einem Audiokommentar des Regisseurs, des Effektmannes und des Drehbuchautoren sowie einem Making-of auf und so begrüßenswert ich es grundsätzlich finde, dass dieser Aufwand nicht nur für anerkannte Klassiker, sondern auch für vollkommen unbedeutende Käsefilmchen betrieben wird, so frage ich mich doch: Wer braucht das?

TRAPPED ALIVE ist ein typischer DTV-Schlocker der späten Achtziger: Nichts hier ist irgendwie bemerkenswert. Das Script wurde wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden runtergerockt, alle Settings schön plastikmäßig und vor allem hell ausgeleuchtet, zwei attraktive, aber mäßig talentierte Häschen als Hauptdarstellerinnen gecastet und zwei andere, leicht bekleidete aufs Cover gepackt und zu guter Letzt ein doofes Monster zusammengeschustert, das man im fertigen Film für etwa 28 Sekunden zu Gesicht bekommt. Als großen Coup konnte man noch Cameron Mitchell für den schauspielerischen Glanz verpflichten und dazu bringen, in dreieinhalb Szenen, die für das eigentliche Geschehen keinerlei Bewandtnis haben, zu monologisieren und betrübt dreinzuschauen. Es gibt ein klitzeklitzekleines Bisschen Gore und ein klitzeklitzekleines Bisschen nackte Haut und dann ist der Spuk nach knapp 90 Minuten zu Ende, ohne irgendwelche echten Emotionen ausgelöst zu haben. Es geht sehr viel schlechter, aber auch deutlich besser: TRAPPED ALIVE ist Mittelmaß, und überrascht allerhöchstens deshalb positiv, weil man eigentlich davon überzeugt war, dass er totale Kacke ist.

Die Geschichte um zwei Mäuschen, die an Weihnachten von drei Ausbrechern überfallen und gekidnappt werden und dann schließlich im Schacht einer verlassenen Mine landen, in der ein kannibalistischer Rauschebart umgeht (der ein bisschen aussieht wie ein ungewaschener Weihnachtsmann in zivil), erinnert ein bisschen an Gary Shermans ungleich besseren RAW MEAT und wird ohne echte Einfälle abgespult. Ein Nebenstrang der Handlung dreht sich um eine einsam in einer nahegelegenen Hütte wohnende Femme fatale, die sogleich beginnt, den nach den Ausbrechern fahndenden Polizisten zu becircen. Der scheint zunächst die heldenhafte Identifikationsfigur zu sein, macht aber eine plötzliche Metamorphose zum Arschloch durch, als er den Schurken in der Mine begegnet. Für den großen Schlusskampf, der gar keiner ist, ebenso plötzlich und unspektakulär endet, wie er angefangen hatte, kriegt er sich aber wieder ein und erkennt an, dass der letzte Überlebende der Bösewichte eigentlich ganz nett ist (er hatte ihm zuvor den wahrscheinlich nutzlosesten Fußverband ever aus einem goldenen Kunstledergürtel geknotet). Die Heldin entkleidet sich bis auf ihre Dessous, um in ein Wasserloch zu springen, die Femme fatale taucht mit der sensationellen Schlussenthüllung auf, dann fliegt alles in die Luft. Und Cameron Mitchell, der in kurzen Intermezzi immer wieder sorgenvoll in sein Whiskeyglas stiert und sich fragt, wo die geliebte Tochter denn nur bleibt, wird am Ende noch nicht einmal darüber aufgeklärt, dass es ihr gut geht. Der arme Mann!

 

 

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