hatchet: victor crowley (adam green, usa 2017)

Veröffentlicht: August 22, 2019 in Film
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Im Text zu HATCHET III lobte ich an der Serie den Kniff, zum einen jeden Teil mit einem abrupten Schnitt enden und den jeweils nächsten exakt an dieser Stelle anfangen, zum anderen den Gag, Schauspieler Parry Shen in allen Teilen in einer anderen Rolle auftreten zu lassen. Jetzt die Überraschung: HATCHET: VICTOR CROWLEY, der vierte Teil, tritt gleich beide liebgewonnenen Traditionen in die Tonne. Sequel Nr. drei beginnt zehn Jahre nach dem Vorgänger und macht dessen einzigen Überlebenden, den Sanitäter Andrew Yong (Parry Shen), zu seinem Protagonisten. Yong hat soeben ein Buch über seinen Überlebenskampf veröffentlicht und befindet sich auf Promotour, auf der er von allen Menschen als eigentlicher Mörder, ätzender Hochstapler und geldgeiler Profiteur diffamiert wird – wer sollte seine Geschichte auch glauben? Wie es die Sequellogik will, führt ihn ein vermeintlich lukrativer Auftrag zurück in die Sümpfe, doch das Flugzeug stürzt ab und weil parallel eine Gruppe von Amateurfilmern, die einen Crowley-Film drehen will, den Fluch, dem Crowley seine Unzerstörbarkeit verdankt, via Youtube-Videos abspielt, geht das Gehacke wieder von vorn los.

Ich halte Adam Green zugute, dass er mit HATCHET: VICTOR CROWLEY nach den beiden vorangegangenen, arg austauschbaren und ideenlosen Teilen zumindest versuchte, die abgedroschene Formel etwas zu variieren. Sein Film greift mit dem Flugzeugabsturz Elemente des Katastrophenfilms auf und konfrontiert die Protagonisten schon vor dem Auftauchen des Killers mit einer lebensbedrohlichen Situation. Die Backstory um Yong, der sich den ständigen Beleidigungen und Verleumdungen der Medienleute ausgesetzt sieht, bringt zusätzliches Konfliktpotenzial. Green setzt auch wieder verstärkt auf Humor, wobei der lockere Plauderton des ersten Teils meilenweit verfehlt wird und manche der hier gerissenen Zoten in ihrer verzweifelten edgyness arg gezwungen wirken. Es ist einfach nicht per se witzig, einen Pimmel zu zeigen. Für einen Slasherfilm hat HATCHET: VICTOR CROWLEY eine geradezu episch erscheinende Geschichte zu erzählen, innerhalb der das Auftauchen Killers eindeutig das uninteressanteste Element ist: Der Versuch einer breit angelegten „Saga“ wird dadurch unterminiert, dass es letztlich immer wieder auf denselben Quark hinausläuft. Die beiden Elemente gehen einfach nicht zusammen und der „erzählerische“ Teil ist am Ende nichts mehr als ein Gimmick.

Im Vergleich zum gut gelaunten HATCHET vor 13 Jahren, in dem Green selbst den beiden dümmlichen Pornohäschen noch mit einer gewissen Sympathie begegnete, fällt außerdem die Verachtung, die hier nahezu jeder Figur entgegengebracht wird, sehr unangenehm auf. Nicht nur sind nahezu alle Charaktere egomanische Arschlöcher, sie halten auch alle anderen um sich herum für solche und zeigen das bei jeder Gelegenheit. Yong ist ein Nichtskönner, der Geld aus der Tatsache schlagen will, ein Massaker überlebt zu haben. Seine Agentin hält ihn für einen Lügner und belügt wiederum ihn, weil sie ihrerseits Geld aus ihm herauspressen möchte. Die Moderatorin der Talkshow, in der Yong auftreten soll, lässt ihn bei jeder Gelegenheit wissen, dass er für sie nicht mehr als Abschaum ist, und als sie ihm das in einer langen Rede in aller Deutlichkeit auseinandersetzt, nutzt das Final Girl die Gunst des Augenblicks, um über Medienhuren abzukotzen, die selbst nichts können, als gut auszusehen, und es trotzdem wagen, über andere ein Urteil zu fällen. Es ist schon ein sympathisches Grüppchen, das Green da versammelt hat, und zumindest ich fragte mich bei Betrachtung unweigerlich, wie man nur so verbittert sein kann, wenn man sich doch eigentlich über das Glück freuen sollte, seinen Lebensunterhalt mit einem stulligen Slasherfranchise bestreiten zu können. Was treibt einen an, ein Drehbuch zu schreiben, das ausschließlich von Unsympathen bevölkert wird, denen man es dann heimzahlen kann? Auch wenn es mal menschelt, ist das letztlich nur Vorwand, um es dem Zuschauer nur umso härter zu besorgen: Die Fotografin des Fernsehteams hat das Pech, beim Absturz eingeklemmt zu werden, was umso schlimmer ist, als das Flugzeug langsam mit Wasser vollläuft. Um die eh schon dramatische Situation noch schlimmer zu machen, gesteht sie ihrem Partner, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Das alles hat wirklich keine Funktion für den Fortgang der Geschichte, außer der, mit ihr auch noch ein ungeborenes Kind sterben zu lassen und den Film so vermeintlich noch „härter“ zu machen. Bevor es soweit ist, wird die hilflos im Wasser liegende Frau auch noch mit dem Skalp des toten Vaters ihres Kindes beworfen, was Menschen, mit denen ich nichts zu tun haben möchte, wahrscheinlich irrsinnig komisch finden. Ehrlich, was soll das?

Um den Eindruck der Hilflosigkeit komplett zu machen, endet HATCHET: VICTOR CROWLEY mit dem Blick auf die ihre Pumpgun durchladende und eine Kampfansage in die Kamera bellende Marybeth (Danielle Harris), von der sich die Serie mit diesem Teil eigentlich endgültig verabschiedet zu haben schien. Also doch wieder alles auf Anfang? Es passt ja, dass eine Serie um einen unsterblichen Killer einfach kein Ende nehmen mag, aber man muss doch auch mal loslassen können, oder? Mensch Adam, lehn‘ dich zurück, nimmt eine Auszeit und überleg dir mal, ob das wirklich alles sein soll.

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