knight and day (james mangold, usa 2010)

Veröffentlicht: September 2, 2019 in Film
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Ein beliebter Texteinstieg, wenn man nicht weiß, wie man anfangen soll: Erwähnen, dass Quentin Tarantino den betreffenden Titel irgendwann mal gelobt hat oder gar zu seinen Lieblingsfilmen zählt.  Case in point KNIGHT AND DAY, der mal in irgendeiner Tarantino-Liste mit den beszen Filmen des Jahrgangs oder des Jahrzehnts auftauchte. Was in doppelter Hinsicht eine Überraschung war, schließlich hatte man KNIGHT AND DAY bei Erscheinen als maximal uninteressantes Cruise-Vehikel abgetan und außerdem nie gedacht, dass ausgerechnet der auf Abseitiges und Schrundiges abonnierte Tarantino eine solche Hochglanz-Produktion mit seinem Urteil adeln würde.

Wenn man sich den Film anschaut, ist die Zuneigung gleich um Einiges verständlicher, auch wenn ich nicht ausschließen möchte, dass Kalkül hinter der Nominierung steckte, dass es Tarantino eben auch um den Überraschungseffekt ging. KNIGHT AND DAY ist eine selbstreferenzielle Actionkomödie mit romantischen Untertönen: Mangold schwebte vermutlich eine Art actionreicher Hommage an die eleganten Screwball-Komödien der Dreißigerjahre oder auch die bunten Romanzen vor, die Rock Hudson in den Fünfzigerjahren mit Gina Lollobrigida oder Doris Day zu machen pflegte. Tom Cruise fungiert in der Rolle des stets souveränen und charmanten, dazu unüberwindlichen Superagenten Roy Miller als eine Art Parodie auf sein eigenes Image, während Cameron Diaz als Zivilistin June Havens in seinen Bannkreis und einen wüsten Agentenkrieg gezogen wird. Sie verfällt ihm nicht nur mit Haut und Haaren, sie wächst auch zu einer annähernd gleichwertigen Partnerin heran, die den Spieß im Epilog des Films schließlich herumdreht.

Wie schon häufiger geschrieben, fußt der romantische Agentenfilm nicht zuletzt auf der Idee, dass Liebe die Fortsetzung der Spionage mit anderen Mitteln ist. Auch in der Liebe und den ihr vorangehenden Balzritualen geht es darum, den anderen zu verführen, ihm etwas vorzuspielen oder auch Details zu verheimlichen. Man benutzt Tricks, um sich attraktiver erscheinen zu lassen, manchmal lügt man vielleicht sogar und wenn man etwas offenbart, sucht man dafür stets einen taktisch klugen Zeitpunkt. Mangold treibt diese Idee auf die Spitze muss die beinahe magnetische Anziehungskraft seiner Hauptfiguren dank der überirdisch scheinenden Attraktivität seiner Stars gar nicht erst lang einführen. Vor allem die erste Hälfte des Films ist ein Gedicht, unschlagbar im Timing, witzig, geistreich und spritzig – also eigentlich ganz anders, als man es von einer solchen millionenschweren Unternehmung erwartet. Auch die Actioneinlagen sind fulminant, bisweilen grotesk übertrieben, aber immer mit dem tänzerische Aspekt im Hinterkopf. Und Cruise hat ganz offenkundig Riesenspaß daran, sich über sein eigenes Superman-Image lustig zu machen.

Aber wenn ich auf seine Partnerin zu sprechen komme, bedeutet das auch, über die Kehrseite der Medaille zu sprechen. Cameron Diaz ist gut, das ist es nicht, aber für sie bleibt in diesem Film bis zum Ende die ziemlich undankbare Rolle der hilflosen, ganz auf den makellosen Kerl an ihrer Seite angewiesenen damsel in distress. Gleich zwei oder sogar dreimal wird sie von Miller betäubt, um ihm nicht weiter zur Last zu fallen bzw. geschützt zu werden und wenn sie sich dann einmal wehrt oder beweist, folgt sofort die Validation durch ihn. Sie ist so verknallt in ihn, dass sie sich kaum noch über etwas anderes definieren kann. Der Film ist sich dieser problematischen Rollenverteilung durchaus bewusst, aber anstatt sie aufzubrechen oder diese Tatsache auch nur zu kommentiere, bestärkt er sie. Ich hatte bisweilen den Eindruck, Mangold sehne sich nach einer Zeit zurück, in der eine Frau den Mann noch hemmungslos anhimmeln konnte und damit vollkommen ausgelastet war. Der Schlussgag deutet wie oben erwähnt an, dass June den Spieß herumdreht, aber das ist eher ein Gag als eine wirkliche Kehrtwende hin zu einer gleichberechtigten Beziehung. June findet es, glaube ich, ganz cool, dass sie einen Ritter an der Seite hat, der sie auffängt, wenn sie einen Ohnmachtsanfall erleidet.

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