bumblebee (travis knight, usa 2018)

Veröffentlicht: Oktober 14, 2019 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Menschen (außer der schweigenden Mehrheit natürlich, die tatsächlich ihren Obolus an den Kassen entrichtet, sich aber nie wirklich positiv zu den Filmen geäußert hat), die Michael Boys TRANSFORMERSFranchise mit einem gewissen Wohlwollen und Sympathie gegenübersteht. Ja, der Schnitt macht es nahezu unmöglich, sie sich wirklich anzusehen, Bays Militarismus ist anstrengend bis problematisch und ohne Frage sind die Filme um fucking Spielzeugroboter gnadenlos überfrachtet, aber dann sind diese außerirdischen Riesenroboter, die sich in Autos, Lkw, Flugzeuge und Hubschrauber verwandeln, auch wieder prädestiniert dazu, in megalomanischen Eventfilmen auf die Leinwand gehievt zu werden. Und wenn es einen Mann gibt, der absurde Ideen in noch absurdere Filme überträgt, ist es Michael Bay (wobei Emmerich ganz sicher auch einen guten TRANSFORMERS-Film in sich trägt). BUMBLEBEE ist dennoch ein Schritt, der nach all der Verachtung und Häme, die Boys TRANSFORMERS-Reihe einstecken musste, logisch und folgerichtig erscheint. Christina Dodson warf für ihr Script allen überflüssigen Ballast über Bord und konzentrierte sich wieder auf das Wesentliche. Und vor allem schuf sie die Grundlage für einen Film, der erst in zweiter Linie den ihren Kinderschuhen längst entwachsenen Fans von einst gewidmet ist, sondern zuerst den Kindern und Jugendlichen von heute. BUMBLEBEE ist ein Kinderfilm, der Jugendschützern und Pädagogen zwar nicht durchgehend munden dürfte, aber über weite Strecken deutlich einfacher und herzlicher als seine Vorgänger daherkommt.

Wie es sich für einen Film gehört, der auf Actionfiguren und einer Trickfilmreihe aus den Achtzigern fußt, orientiert sich BUMBLEBEE an den auf Teenies abzielenden Erfolgsfilmen dieser Zeit: Im Mittelpunkt steht die Freundschaft der Außenseiterin Charlie (Hailee Steinfeld) mit dem coolen Roboter, der ihr hilft, ihren Platz im Leben zu finden, während sie sich wiederum seiner annimmt – und dabei in ein ziemlich explosives Abenteuer gerät. Der titelgebende Roboter ist auf der Flucht vor den bösen Decepticons, die seinen Heimatplaneten verwüstet haben, auf der Erde gelandet und hat schnell noch die Form eines sonnengelben VW Käfers angenommen, bevor seine Akkus den Geist aufgaben. So findet die begeisterte Autoschrauberin Charlie den Wagen auf einem Schrottplatz und verliebt sich sofort in ihn. Die Begeisterung für Autos hat sie von ihrem verstorbenen Vater, über dessen Tod sie nie hinweggekommen ist, während ihre Mutter bereits wieder einen neuen Lover hat und an der schlechten Laune der Jüngsten verzweifelt. Als sich Bumblebee zu erkennen gibt, weicht der anfängliche Schreck bald der Faszination und dann einer Freundschaft, die schließlich durch das Militär und dann die herannahenden Decepticons gefährdet wird.

Ich habe BUMBLEBEE in erster Linie für meine Kids geschaut: Mein fünfjähriger Sohn findet – wie könnte es anders sein? – die Transformers cool und meine neunjährige Tochter mag Filme mit weiblichen Helden. Bei beiden ist der Film voll eingeschlagen: Der eine freute sich über geile Roboteraction mit vielen Explosionen, die andere über einen niedlichen Metallfreund und eine toughe Identifikationsfigur. Wenn ich ehrlich bin, hat mir BUMBLEBEE aber ebenfalls gut gefallen: Eine grundsätzliche Zuneigung zu den Plastikspielzeugen kann ich nicht leugnen, obwohl oder vielleicht auch weil ich nie selbst im Besitz der Figuren war, und dass ich den bisherigen Filmen aufgeschlossen gegenüberstehe, habe ich ja oben schon erklärt. Das Rezept, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, die weltumspannende Apokalypse mit kriegerischen Auseinandersetzung und zugehörigen Zerstörungsorgien samt Ausflügen auf fremde Planeten und Boys mythologischen Zierrat zugunsten eines griffigeren, kleineren, intimeren Konfliktes zu verwerfen, geht voll auf: Travis Knight hat einen bunten, amüsanten Abenteuerfilm gedreht, der erzählerisch zwar lediglich Altbekanntes aufwärmt, aber dabei immerhin schön bunt und temporeich daherkommt. Natürlich muss man (muss man?) über manche Aspekte hinwegsehen: Der bei Bay überbordende Militarismus ist hier zwar gedrosselt, gehört zum Franchise aber nunmal dazu. Die Chuzpe, das Hohelied von Individualismus und Selbstbestimmung in einem Film anzustimmen, der nicht erst in zweiter Linie dazu gedacht ist, Spielzeug zu verkaufen, kann man auch als dreist oder gar ekelhaft bezeichnen. Dass Heldin Charlie in jeder Szene ein neues hippes Band-T-Shirt trägt, ist in erster Linie ein Marketingschachzug und erst in zweiter der Charakterzeichnung geschuldet. (Wie Morrissey die prominente Platzierung der Smiths auf dem Soundrack mit seinem Gewissen vereinbart, ist ebenfalls eine interessante Frage.) Ich ziehe es in diesem Falle aber einfach vor, mich darüber zu freuen, hier unter anderem Songs von The Smiths, Duran Duran, Oingo Boingo, The Cars oder Wang Chung zu hören zu bekommen, eines der deutlichen Zugeständnisse an die Kinder von damals. Schön fand ich auch den Verzicht auf eine klischierte Liebesbeziehung: Zwar wird Charlie ein männlicher Verehrer an die Seite geschrieben, aber als der am Ende im vermeintlich romantischen Schlussbild ihre Hand ergreift, zieht diese zurück und grinst ihn an: „So wit sind wir noch nicht.“ Ich würde das Seherlebnis am Ende so zusammenfassen: BUMBLEBEE ist ziemlich sicher der sympathischste Film, den man aus dem Franchise herauspressen konnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.