hellboy (neil marshall, usa/großbritannien/bulgarien/kanada 2019)

Veröffentlicht: Oktober 15, 2019 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

Es hat nicht sollen sein: So beliebt Guillermo del Toros HELLBOY und das Sequel HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY auch waren, so sehr der Regisseur für den Film gekämpft und Ron Perlman sich für einen dritten Teil del Toros stark gemacht hatte, am Ende war es unmöglich, den Film, der den beiden vorschwebte, zu finanzieren. Wie dieser Artikel zusammenfasst, war letztlich eine Gemengelage aus dem nur mittelprächtigen Erfolg der ersten beiden Filme sowie ein seitdem drastisch veränderter Markt ausschlaggebend für das Aus. Dennoch kam in diesem Jahr einen neuer Film in die Kinos, ein Kompromiss sozusagen: Mit einem Budget von 50 Millionen Dollar noch nicht einmal halb so aufwändig, wie der dritte Teil von del Toro es gewesen wäre, geht dem „Reboot“ die Epik und Grandezza von del Toros Adaptionen der Comics von Mike Mignola weitestgehend ab. Es handelt sich um einen kurzweiligen Genrefilm, vollgepackt mit CGI, Gags und überraschend derben Splattereffekten, der weniger in klassisches Storytelling verliebte Freunde der bildgewaltigen Fantastik anspricht als vielmehr verschrobene Comicnerds mit Bierdurst. Das Urteil der Kritik, die nur einen Vergleich kannte, war ziemlich verheerend, das Einspielergebnis kaum weniger. Ich würde mir trotzdem mehr Filme dieser Art wünschen und behaupte, dass HELLBOY weitaus besser ist als sein Ruf.

Die Story ist letztlich unerheblich und liefert nur Vorwand für eine Reihe fantastischer Set-Pieces und Actionsequenzen: Die im Mittelalter von niemand Geringerem als König Artus (Mark Stanley) hingerichtete „Blood Queen“, eine böse Hexe namens Nimue (Milla Jovovich), soll in der Gegenwart zu neuem Leben erweckt werden, um die Apokalypse einzuleiten, Hellboy (David Harbour) dieses verhindern. Der Weg dahin führt durch zahlreiche Episoden, in denen der muskelbepackte, aber depressive Sohn des Teufels es unter anderem mit einem als Luchador verkleidetem Vampir, einem alten Geheimbund, drei Riesen, einem zweibeinigen Wildschwein und der Hexe Baba Yaga zu tun bekommt und nebenbei herausfindet, dass sein Ziehvater (Ian McShane) ursprünglich den Auftrag hatte, ihn zu töten. Das Tempo ist halsbrecherisch, keine Minute wird verschwendet, keiner Idee die Zeit gegeben, langsam zu reifen, der Zuschauer stattdessen im Fünfminutentakt mit Attraktionen befeuert, was der ganzen Unternehmung den Anstrich einer Last-Minute-Verzweiflungstat gibt. Angeblich gab es Streit zwischen Regisseur Neil Marshall und den Produzenten und es erscheint nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass unterwegs einiges an Material auf der Strecke blieb, trotzdem macht HELLBOY keinen inkohärenten, lediglich einen ungeduldigen Eindruck.

Insgesamt ist dieser neue HELLBOY flüchtiger, er erhebt keinen Anspruch darauf, auch in zehn Jahren noch geschaut und verehrt zu werden. Der Soundtrack ist bis zum Rand vollgestopft mit Pop- und Rocksongs, Referenzen auf Uber und Twitter verorten den Film sofort in unserer Zeit, David Harbour läuft als One-Liner-Maschine durch den Film. Sein Hellboy hat nicht die Autorität, die Ron Perlman ihm verlieh, aber das gereicht der Figur nicht unbedingt zum Nachteil: Das depressive Slackertum verkörpert Harbour vielleicht sogar besser. Was letztlich aber in erster Linie bei der Stange hält – neben der Tatsache, dass sowieso nichts lange genug andauert, um einen wirklich schlechten Eindruck zu hinterlassen -, ist die schiere Menge an schrägen Einfällen, bizarren Monstren und dann Mignolas Schöpfung allgemein. Wie schon del Toro deutet auch Marshall immer wieder einen reichen Fundus an zurückliegenden Abenteuern, Feinden und Verbündeten an, von denen man gern mehr sehen würde. Diese immer mitzählte Backstory füllt den Film mit jenem Leben, für das er sich selbst kaum die Zeit gönnt.

HELLBOY wurde sichtlich mit dem Vorhaben produziert, der Startschuss für eine ganze Reihe von Filmen zu sein: Nicht nur der in MCU-Zeiten obligatorischen Mid-Credit-Sequenz-Teaser macht das deutlich Und ich finde es tatsächlich ziemlich schade, dass daraus nichts wird, selbst wenn dieser HELLBOY gewiss kein Film für die Ewigkeit, sondern lediglich ein bunter Timewaster ist. Der Film ging an den Kinokassen so krass baden, dass es mich doch sehr verwundern würde, wenn sich ein Geldgeber fände, der hier noch einmal sein Geld versenken möchte. Dabei gäbe es noch so viel zu erzählen. Und dass dieser Hellboy natürlich hundert Mal interessanter ist als der x-te kostümierte Superheld darüber müssen wir ja nicht wirklich diskutieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.