unknown (jaume collet-serra, großbritannien/deutschland/frankreich/usa 2011)

Veröffentlicht: Oktober 19, 2019 in Film
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Das Motiv des verlorenen Gedächtnisses ist eng mit dem der verlorenen Identität verbunden und beide spielen im Thriller eine wichtige Rolle. Die Filmgeschichte ist voll mit Männern ohne oder mit falschem Namen, Männern, die zweimal lebten oder starben, aus dem Nichts kamen oder dahin zurückgingen, die nicht wussten, wer sie sind oder waren, aber alles daran setzen, das herauszufinden. Mit UNKNOWN hat Jaume Collet-Serra seine Variante gedreht und dabei zum ersten Mal mit Liam Neeson zusammengearbeitet. Betrachtet man ihre Laufbahn, die sie danach bislang immerhin noch weitere drei Male zusammenführte, scheint das eine fast schicksalhafte Fügung gewesen zu sein. Schön für die beiden, aber auch für die Zuschauer, denn alle vier Filme des Duos sind rundum empfehlenswert und nahezu makellose Mid-Budget-Spannungsware, die von mir für diese Tatsache noch einen Sympathiebonus bekommt.

Einen Bonus bekommt UNKNOWN außerdem für das winterliche Berlin, das einen wunderschönen Schauplatz liefert, und die Top-Besetzung, die nicht zuletzt mit einem herrlich knautschigen Bruno Ganz als Ex-Stasi-Beamter Ernst Jürgen aufwartet, der alte DDR-Militärfotos an der Wand hängen hat, den Satz sagt „Wir Deutschen sind Meister im Vergessen“ und nach einem wunderbaren Veteranendialog mit Frank Langella zum Zyankali greift. Es sind solche liebevollen, gut geschriebenen und realisiertn Details sowie die routinierte Hand des Regisseurs und seine geschliffene Oberfläche, die den Film weit über jenen Durchschnitt heben, dem er auf den ersten Blick anzugehören scheint.

Neeson ist der Wissenschaftler Dr. Martin Harris und er reist mit seiner Gattin Liz (January Jones) nach Berlin, um dort an einem Kongress teilzunehmen, zu dem er von seinem deutschen Kollegen Bressler (Sebastian Koch) eingeladen wurde. Weil er seinen Aktenkoffer am Flugplatz vergessen hat, muss er nach seiner Ankunft am Hotel noch einmal zurück. Doch das Taxi der Fahrerin Gina (Diane Kruger) wird in einen Unfall verwickelt und stürzt in die Spree. Zwar kann Harris gerettet werden, doch er liegt danach vier Tage im Koma und hat keinerlei Papiere, um seine Identität zu belegen. Als er ins Hotel zurückkehrt, erkennt seine Gattin ihn nicht nur nicht mehr, sie hat auch einen anderen Mann (Aidan Quinn) an ihrer Seite, der sich seinerseits als Dr. Martin Harris ausgibt – und dies auch mit Papieren, Fotos und anderen Beweisen nachweisen kann. Harris ist verzweifelt und begibt sich auf Spurensuche: Der Weg führt zur Taxifahrerin Gina, die sich bereit erklärt, ihm zu helfen. Offensichtlich wurde Harris beiseite geräumt, um Platz für einen Killer zu schaffen, der Bresslers Finanzier, den Scheich Shada, umbringen soll. Doch die Wahrheit ist noch deutlich bizarrer.

Der Twist, den UNKNOWN zum Ende hin aufbietet, ist tatsächlich mal eine ziemlich dicke Überraschung, aber beileibe nicht die einzige Stärke dieses rundum unterhaltsamen, spannenden und such visuell äußerst ansprechenden Films. Der verzweifelte Harris hetzt zwei Stunden lang durch Berlin, die Schergen eines unbekannten Auftraggebers im Nacken, liefert sich erbitterte Fights und Verfolgungsjagden, nur um am Ende ein Bombenattentat auf das Hotel Adlon verhindern zu müssen. Akteure wie die oben genannten Ganz und Langella verleihen dem Film Gravitas und Würde und rücken ihn noch weiter in die Nähe der großen Vorbilder, denen er ganz ohne Zweifel nacheifert. Neeson, das muss man mal so einfach sagen, ist vielleicht nicht der vielseitigste Darsteller unter der Sonne, aber für diese Rollen wie gemacht: Er wirkt immer ein bisschen durchschnittlich, er hat diesen traurigen Hundeblick, sodass man mit ihm mitfühlt, ist aber dann wieder kantig genug, um auch in den zupackenden Momenten glaubwürdig zu sein: Dass Collet-Serra sich durchaus auch auf die physische Seite des Thrillers versteht, schadet auch nicht. Diane Kruger hat einen etwas undankbaren Part abbekommen, spricht in der deutschen Synchro zudem mit einem dämlichen Jugo-Akzent (sie spielt eine illegale Immigrantin) und hat ihrer Garderobe danach gleich noch einmal für Fatih Akins AUS DEM NICHTS verwendet. Aber auch sie bringt natürlich Klasse mit und trägt dazu bei, dass UNKNOWN ohne Abstriche empfehlenswert ist. Ich schließe hier und sage: Nicht lesen, gucken!

 

 

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