hummingbird (steven knight, großbritannien/usa 2013)

Veröffentlicht: Oktober 23, 2019 in Film
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Die Hoffnung, HUMMINGBIRD könne den betäubend öden SAFE übertreffen – nicht gerade ein Ding der Unmöglichkeit – flackerte nur kurz auf. Zwar ist Knights Film ein bisschen anspruchsvoller und weniger generisch, aber letztlich auch eher langweilig in seiner aufgesetzten, von sich selbst überzeugten Dramatik. Action gibt es außerdem fast gar nicht, ätsch.

Jason Statham spielt mal wieder den vom Schicksal gebeutelten harten Kerl mit weichem Kern, der hier auf den Namen „Joey“ hört. Nach einem traumatischen Einsatz in Afghanistan hat er seine Familie verlassen und ist daraufhin in der Gosse gelandet, wo er zu Beginn des Films von zwei Kleinkriminellen verdroschen und ausgeraubt wird und dabei seine Freundin, eine junge, ebenfalls obdachlose Frau verliert. Auf der Suche nach ihr landet er in einer teuren, leerstehenden Loftwohnung, deren Besitzer sich für mehrere Monate im Ausland befindet. Joey nutzt die Bleibe für eine Rundum-Erneuerung: Er schneidet sich die Zottelhaare, rasiert sich, wäscht sich und kleidet sich neu ein, er schwört dem Alkohol ab, beginnt zu trainieren und besorgt sich einen Job als Küchenhilfe in einem China-Restaurant. Weil dessen Inhaber schnell Joeys Talent als Rausschmeißer bemerkt, gibt er ihm einen Job als Schuldeneintreiber. Die Reichtümer, die Joey so anhäuft, spendet er der Nonne Cristina (Agata Buzek), die Obdachlose in einer Suppenküche versorgt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte, gleichzeitig will Joey auch noch einen perversen Frauenmörder aus dem Bänkermilieu zur Strecke bringen, der auch seine Freundin auf dem Gewissen hat.

Die Storykonstruktion um die begrenzte Gnadenfrist, in der der Obdachlose ein ganz normaler Mann sein und sein Karma ausgleichen kann, ist ganz hübsch und Statham voll in seinem Element, aber HUMMINGBIRD verliert sich dann leider im aufgesetzten Religionskitsch komplett mit Mauerblümchen-Nonne, die im Kontakt mit dem harten, aber geläuterten Typen endlich ein bisschen Lebenslust atmen darf. Natürlich gerät sie über die Freundschaft mit dem charmanten Tough Guy in eine Sinnkrise, liebäugelt sogar mit der Beendigung ihres Vertragsverhältnisses mit dem Allmächtigen, belässt es dann aber bei dem einen Schwips sowie dem symbolischen One-Night-Stand mit ihrem gutmütigen Verehrer.

Mir ist diese tragische Liebesgeschichte recht schnell auf die Nerven gegangen, zumal sie von Knight ohne Subtilität, dafür aber mit viel Plakativität dargeboten wird. Warum es nicht reicht, dass Joey der Nonne hilft, er sich darüber hinaus auch noch in ihre engelsgleiche Unschuld verlieben muss, habe ich nicht verstanden. Gut, auf dem Papier mag das vielleicht Sinn ergeben haben, der fertige Film wird jedesmal hart ausgebremst, wenn sie auftritt und von ihm umgarnt wird, dabei vor Scham errötend. Knight schwebte wahrscheinlich so eine Mischung aus Capra und Noir vor, mit der Buzek in der Audrey-Hepburn-Rolle und Statham als Bogey, aber ihm fehlt das Fingerspitzengefühl, um seine märchenhafte Prämisse mit dem nötigen Maß an Zauber aufzuwerten. Der Wunsch war Vater des Gedanken.

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