der fluch der schwarzen schwestern (joseph w. sarno, schweden/schweiz/deutschland 1973)

Veröffentlicht: November 2, 2019 in Film
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Im Jahr seines ersten Hardcore-Films zog es Joe Sarno wieder einmal nach Europa, genauer gesagt in die Schweiz, um dort im Auftrag seiner Produzenten einen der damals angesagten Beiträge zur Sexvampir-Welle zu drehen. Dem Ergebnis sieht man an, dass sich der amerikanische Sexfilm-Pionier für solcherlei Gedöns nicht die Bohne interessierte, aber er dachte sich „what the hell“ und lieferte: DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN ist nicht gerade ein Schlüsselfilm im umfassenden Werk des Filmemachers, für Anhänger der Auteur-Theorie wahrscheinlich gänzlich vernachlässigbar, aber wenn man bereit ist, die mitunter hanebüchenen Dialoge, die stark schwankenden Darstellerleistungen, die aus der Not geborenen „Spezialeffekte“ und die ziellos mäandernde, zum Schluss immer redundanter werdende Handlung als Teil des Spiels zu akzeptieren, wird man mit einem visuell mitunter betörenden Werk belohnt.

Die an die Legende der in Jungfrauenblut badenden Elizabeth Bathory wird von Sarno zu einer Vampirgeschichte um Verführung, Kontrollverlust und -behauptung umgedichtet, die ihre zwei bis drei Konfliktsituationen in verschiedenen Konstellationen ad infinitum wiederholt und das alles mit zahlreichen Nacktszenen sowie den barbusig in ihrem Folterkeller zu hypnotischen Trommelrhythmen tanzenden Vampirinnen um die strenge „Haushälterin“, sprich Obervampirin, Wanda Krock (Nadia Henkowa) ergänzt. Zu Beginn kehren sowohl drei hübsche Mädchen – Helga (Marie Forså), Monika (Ulrike Butz) und Iris (Flavia Keyt) – im alten Schloss ein als auch die Aberglaubens-Forscherin Julia Malenkow (Anke Syring) und ihr Bruder Peter (Nico Wolferstetter). Letztere gebe sich als im Regen Gestrandete aus, wollen in Wahrheit aber dem Treiben der Vampire ein Ende setzen. Es beginnt das große Belauern: Die schöne Monika ist eine Wiedergängerin der einstigen Vampirgräfin, darüber hinaus haben es Wanda und ihre Vampirfrauen aber auch auf Helga abgesehen, um erst Peter, dann dessen Schwester unschädlich machen zu können. Durch nächtliche Gesänge und Getrommel werden die armen Mädchen wuschig gemacht, aber immer, wenn es ernst wird, kommt Julia mit ihrem Knoblauchkreuz daher. Am Ende können die Vampirinnen schließlich doch noch besiegt werden und der Film nimmt ein ebenso unsanftes, abruptes Ende wie die diabolische Wanda und die arme Monika.

Das alles ist natürlich totaler Tinnef, dem das nicht vorhandene Budget nicht gerade in die Karten spielt: Ein Angriff von Vampirfledermäusen wird erst ganz ohne solche realisiert, dann mithilfe von als Schattenrisse vor der Kamera rumfuchtelnden Händen. Das ständige Belauern ohne Konsequenz wird zunehmend enervierend, der Film tritt eine gut halbe Stunde lang auf der Stelle und streckt das alles unter Zuhilfenahme der obligatorischen Sex- und Nacktszenen auf die geradezu epische Länge von über 100 Minuten. Was DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN rettet – neben dem Charme, die solche kackdreisten Erzeugnisse ja immer verströmen – sind Sarnos meisterliche Kadrierung, sein Gespür dafür, Gesichter zu inszenieren und die wunderschöne Fotografie von Steve Silverman, der auf eine sehr sinnliche Lichtsetzung bauen kann. Werden „Billigfilme“ dieser Art oft nach dem Motto „Viel hilft viel“ ausgeleuchtet, auf dass die Schlagschatten ihren Tanz aufführen mögen, setzt Sarno auf natürliche Lichtquellen und erzeugt so eine sehr diffuse, weiche Lichtstimmung. Besonders Anke Syring und die zauberhafte Marie Forså profitieren davon und DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN gerät mitunter fast zur Liebeserklärung an die beiden Darstellerinnen (eine solche drehte ja auch Jürgen Enz mit seiner HERBSTROMANZE, in der die nun nicht mehr ganz so junge Anke Syring dem FÖRSTER VOM SILBERWALD Rudolf Lenz verfällt). Nadia Henkowa chargiert demgegenüber bis zum Umfallen, hat offenkundig Spaß daran, ihre Nüstern beben zu lassen und geil die Lippen zu schürzen und Sarno dankt es ihr, indem er ihr und ihren markanten Zügen etliche Kinski-Momente beschert. Die Zahl der Szenen, in denen sie von der Seite ins Bild tritt, um einer Schönen mit ihren dunklen Augen und teuflischem Lächeln über die Schulter zu schauen, ist kaum zu zählen. Mir hat DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN gefallen und mich dazu inspiriert, mich endlich mal intensiver mit Sarno zu beschäftigen. Wenn zu seiner formalen Meisterschaft, die er hier zeigt, auch noch etwas inhaltliche Substanz hinzukommt, darf Großes erwartet werden.

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