zhan lang (jing wu, china 2015)

Veröffentlicht: November 11, 2019 in Film
Schlagwörter:, , ,

ZHAN LANG – oder mit internationalem Verleihtitel WOLF WARRIOR – ist rückblickend vor allem deshalb bemerkenswert, weil er den Weg für das Sequel WOLF WARRIOR II bereitete, das 2017 zum erfolgreichsten chinesischen Film aller Zeiten avancierte, dabei allein in China rund 874 Millionen Dollar einspielte und somit hinter AVENGERS: ENDGAME und STAR WARS: THE FORCE AWAKENS derzeit den dritten Platz in der Liste „Höchste Einspielergebnisse in einem einzelnen Markt“ belegt. Die knapp 90 Millionen Dollar, die dieser erste Teil einspielte, wirken dagegen wie ein Fliegenschiss, was sich aber wieder relativiert, wenn man ihn mit westlichen Actionfilmen vergleicht. Bei einem Budget von 12 Millionen Dollar ist ZHAN LANG als „Low Budget“ zu bezeichnen, seine miesen CGI und die flache Optik erinnern bisweilen an die Sünden von Asylum und Konsorten, Gaststar Scott Adkins ist niemand, der die Massen ins Kino lockt, sondern allenfalls in DTV-gestählten Actionfankreisen eine Marke und der krasse Patriotismus und Chauvinismus des Films erinnern an zweitklassige US-Actionfilme aus den Achtzigern, die auf die auch schon nicht zimperlichen Studioproduktionen sogar noch einen draufsetzten.

Worum geht’s: Der Scharfschütze Leng Feng (Jing Wu) widersetzt sich bei einem Militäreinsatz gegen ein Drogenkartell dem Befehl seines Vorgesetzten, als er einen Geiselnehmer erschießt. Anstatt Kriegsgericht und Entlassung wird er aber zum Mitglied der „Wolf Warrior“ befördert, einer Super-Eliteeinheit, die sich aus den Besten der Besten zusammensetzt. Seine erste Übung im Kreise seiner neuen Kameraden gerät zum Ernstfall, weil der Bruder des erschossenen Drogengangsters Rache will und dafür eine Einheit amerikanischer Supersöldner um Tomcat (Scott Adkins) auf die „Wolf Warriors“ ansetzt.

ZHANG LANG ist ein dummer und leider auch visuell schmuckloser Film, der seine stärksten Szenen immer dann hat, wenn es kracht, bevorzugt, wenn sich Star Jing Wu mit jemandem auf die Fresse haut. Über die Shoot-outs, Explosionen, Fights und Stunts kann man nicht meckern, sie sind kompetent, schmerzhaft und angemessen blutig, aber das ganze Drumherum stößt eher ab. Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich gezwungen war, den Film in seiner deutschen Synchronisation zu „genießen“, die die eh schon nicht sonderlich intelligenten Dialoge noch eine ganze Nummer dümmer macht. Kritische Untertöne oder auch nur einen Hauch von Ambivalenz sucht man hier vergebens, stattdessen werden das Loblied auf Vaterland, Kamerad- und Opferbereitschaft gesungen und nebenbei doofe Herrenwitzchen auf Kosten der weiblichen Befehlshaberin Long Xiaoyun (Nan Yu) gerissen, die von Leng Feng natürlich sofort als potenzieller Fortpflanzungspartner ins Auge gefasst wird (man muss dem Film zugute halten, dass sie relativ schlagfertig zurückschießt). Das tut schon etwas weh und wird durch die bereits erwähnten Versuche, mittels optimierungsbedürftiger Computereffekte den Eindruck eines Hightech-Spektakels auf Augenhöhe mit den US-amerikanischen Vorbildern zu erwecken, nicht besser. Da sitzen die Militärs an einem Virtual-Reality-Strategietisch und schieben fancy Hologramme durch die Gegend, doch eine Fallschirmspringersequenz wird wie anno dunnemals mit komischen Rückprojektionen realisiert. Ultramies ist auch der Angriff von CGI-Wölfen, die genau so lange gut aussehen, wie sie nicht mit ihren menschlichen Gegenspielern interagieren müssen. Jing Wu peilt mit seinem Film meines Erachtens eine Art GI-Joe-hafter Infantilität an, die sich unter anderem im putzigen Logo des Films zeigt, das mit einem metallischen Rumms ins Bild geballert wird, bevor dann noch eine Kugel und eine Kampfmesserklinge mit reinknallen. Fehlten eigentlich nur noch der obligatorische Totenkopf, eine Handgranate, Blutstropfen und Spinnennetz, um es perfekt zu machen. Aber dieser entwaffnenden Albernheit stehen die nationalistische Verbissenheit und der schon erwähnt schmucklose Look des Films im Weg. Als nicht-chinesischer Zuschauer bekommt man da mitunter ein ungutes Gefühl, weil man den Eindruck hat, hier den Propagandafilm für die bevorstehende totale Mobilmachung zu sehen, zumal die Verortung des Geschehens auf irgendeinem Truppenübungsplatz auch nicht eben die Fantasie anregt. Die Akteure wurden einfach in irgendeinem hügeligen und bewaldeten Brachland zum Kriegspielen abgeladen, was ZHANG LANG zu einem arg überteuerten Verwandten des Wald-und-Wiesen-Films macht, der sich besonders in Amateur-Horrorfilm-Kreisen großer Beliebtheit erfreut. Bedenkt man, was für visuelle Schmuckstückchen uns aus Hongkong von den Siebziger- bis zu den frühen Nullerjahren erreichten, stimmt ZHANG LANG eher traurig, auch wenn gewiss nicht alles schlecht ist.

Jing Wu versteht sein Kampfsport-Handwerk ohne Zweifel und während der Actionsequenzen gibt es durchaus immer wieder jene Momente, in denen man die Faust in die Luft stoßen möchte: Ich denke da an den Sprintangriff auf einen Scharfschützen aus einem Busch heraus, der mit einem krachenden Zeitlupen-Kopfschuss aus nächster Nähe sein abruptes Ende findet, an den Schlussfight zwischen Feng Long und Tomcat oder auch den Kopfschuss durch eine Betonmauer, der die Geschichte des Helden gewissermaßen eröffnet. Die Schlusscredits, die mit schmerzhaften Stunt-Bloopers untermalt werden, wecken zudem nostalgische Erinnerungen an die alten Jackie-Chan-Klopper, die diesen Kniff zur Kunstform erhoben. Aber der Vergleich zeigt eben auch, was in den 30 Jahren seitdem verloren gegangen ist. Naja, wie ich las, soll WOLF WARRIOR 2 eine deutliche Steigerung zu diesem streitbaren Werk sein. Wenn sich das bewahrheiten sollte und es diesen ersten Teil brauchte, um da hin zu kommen, bin ich versöhnt.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.