47 meters down (johannes roberts, großbritannien/usa 2017)

Veröffentlicht: November 16, 2019 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Die Schwestern Lisa (Mandy Moore) und Kate (Claire Holt) verbringen einen gemeinsamen Urlaub in Mexiko. Zwei Typen, die sie während einer durchtanzten Nacht kennen lernen, überreden die beiden dazu, mit ihnen eine Bootstour zu machen, an deren Ende sie sich in einem Haikäfig in Wasser herunterlassen, um die gefräßigen Raubtiere aus nächster Nähe zu beobachten. Lisa ist skepisch, lässt sich aber überreden und natürlich geschieht ein Unglück. Die Winde des maroden Bootes, die den Käfig hält, hat einen Defekt, die beiden Schwestern sinken bis auf den Meeresboden in 47 Metern Tiefe. Der Sauerstoff reicht für eine knappe Stunde, der Weg nach oben wird von den Haien versperrt.

Den Raum extrem zu verengen, die Handlungsoptionen der Protagonisten zu verkleinern, Zeit zu reduzieren: Es ist eine Strategie, die im Genrekino immer wieder gern genutzt wird. Sie ist meistens mit geringeren Kosten verbunden – man benötigt kein aufwändiges Location Scouting, keine Architekten oder Kulissenbauer, fast keine Requisite und noch dazu weniger Darsteller -, gibt dem Filmemacher die Möglichkeit, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren und fungiert im Idealfall als Katalysator für film- und erzähltechnische Innovationen. Der vermeintliche Mangel wird zur Tugend. Nicht wenige Filme dieser Art reiften in den letzten 20 Jahren zu Kassen- oder Festivalhits: CUBE, SAW, UNFRIENDED, BURIED, OPEN WATER, PHONE BOOTH – es ließen sich gewiss weitere finden. Johannes Roberts greift für seinen erfolgreichen Beitrag die bereits leinwanderprobte Faszination für Haie auf und erhöht den Einsatz dadurch, dass seine Protagonistinnen nicht nur auf begrenztem Raum und mit begrenzter Zeit agieren müssen, sondern sich dabei auch noch unter Wasser befinden. Aber hier fangen die Probleme von 47 METERS DOWN auch schon an, denn einen Aspekt, der unter den gegebenen räumlichen Voraussetzungen eigentlich naheliegend gewesen wäre, noch dazu eine spannende Herausforderung für Regie und Darsteller bedeutet hätte, klammert er durch einen Kniff aus, der die Prämisse seines Films von vornherein unterwandert: Er verleiht den beide Schwestern die Technik, die ihnen die verbale Kommunikation unter Wasser ermöglicht.

Jetzt muss ich gestehen, mich mit dem Tauchsport und dem zugehörigen Equipment überhaupt nicht auszukennen, aber ich glaube, dass die allermeisten Taucher mit stinknormalen Taucherbrillen und Mundstück ins Wasser springen und sich demnach mit Handzeichen verständigen. Keine Ahnung, ob es solche Tauchhelme, die die beiden Frauen tragen und die es ihnen erlauben, miteinander zu reden, wirklich gibt, aber ich schätze mal, dass sie nicht Bestandteil der Ausrüstung eines dubiosen mexikanischen Tourineppers wären, der amerikanischen Urlauberinnen 100 Dollar pro Nase dafür abknöpft, sie für ein paar Minuten in seinen rostigen Haikäfig zu stecken. Wie dem auch sei, dass die beiden Frauen in ihrer misslichen Lage dazu befähigt sind, sich miteinander zu unterhalten, raubt ihrer Situation (und dem Film) nicht nur viel klaustrophobisches Potenzial, es macht 47 METERS DOWN mitunter auch zur Belastungsprobe für den Zuschauer, denn die beiden können die Klappe wirklich nicht für 30 Sekunden halten. Das beginnt schon mit ihrer anfangs noch ungetrübten Begeisterung, als sich angesichts um sie herumschwimmender Fische ein Schwall von „awesomes“ über den Betrachter ergießt, und setzt sich dann später fort, wenn eine Panikattacke die nächste jagt, die Damen mit sich selbst sprechen, um sich Mut zu machen, oder auch einfach nur kommentieren, was man ohnehin sieht. Ich sehe ein, dass es enorm schwierig, vielleicht auch kaum weniger anstrengend geworden wäre, wenn Roberts tatsächlich ganz auf Dialoge verzichtet hätte, aber so wirkt 47 METERS DOWN ein bisschen halbherzig. Bezeichnenderweise ist die schönste Sequenz des Films völlig wortlos: Es ist die Schlussszene, wenn die halluzinierende Lisa, die schon davon geträumt hat, wie sie mit ihrer Schwester an die Wasseroberfläche taucht und sich dabei der Haie erwehrt, auf dem Meeresboden „aufwacht“, von stumm heranschwimmenden Tiefseerettern aufgesammelt und dann nach oben, dem Licht entgegen, gebracht wird. Es ist ein visuell aufregender, poetischer und fast avantgardistischer Abschluss eines Films, der zeigt, was drin gewesen wäre, wenn er sich mehr auf seinen Schauplatz und dessen Bedingungen eingelassen und nicht ausschließlich darauf reduziert hätte, die Thrillmaschine am Laufen zu halte.

Ein totaler Reinfall ist 47 METERS DOWN aber trotzdem nicht und wer Sharxploitation genauso liebt wie ich, der wird auch an diesem Film seinen 90-minütigen Spaß haben (auch wenn die – nebenbei gesagt toll aussehenden – Haie nur eine Nebenrolle einnehmen). Das sahen wohl auch die meisten Zuschauer so, denn derzeit läuft ja sogar ein Sequel in unseren Kinos. Ich bin mal gespannt, was sich Roberts dafür hat einfallen lassen, ob er ein paar Schwächen des Vorgängers abschalten konnte und der Erfolg des Vorgängers ihm das Selbstbewusstsein verliehen hat, sich etwas mehr zu trauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.