invasion u.s.a. (joseph zito, usa 1985)

Veröffentlicht: Dezember 22, 2019 in Film
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Über diesen Film, der im Herzen der meisten Achtzigerjahre-Action-Fans, also auch in meinem, einen Sonderplatz einnimmt, habe ich glaube ich tatsächlich noch nie geschrieben und ihn jetzt auch zum ersten Mal seit vielen Jahren wiedergesehen. Schon auf dem Papier liest er sich wie ein Traum: Chuck Norris auf dem Zenith seiner Karriere, Joseph Zito, der es uns mit THE PROWLER und FRIDAY THE 13TH: THE FINALE CHAPTER zweimal mit der groben Keller gegeben hatte, die Cannon auf dem Gipfel ihrer Spendierlaune, dazu ein Drehbuch, das alle von Reagan und Konsorten geschürten Ängste aufgriff, und zu einer völlig absurden Geschichte zusammenkochte, die jeder Beschreibung spottet.

Ich hatte total vergessen, wie absurd und wie bizarr dieser Film tatsächlich ist. Ich skizziere mal den Plot, um irgendwo anfangen zu können: Ein Gruppe von kommunistischen Lateinamerikanern landet unter der Führung des russischen Agenten Rostov (Richard Lynch) an der Küste Floridas und startet von dort aus eine ganze Reihe terroristischer Anschlägen gegen die Zivilbevölkerung. Ihr Ziel: Zwietracht und Angst unter den amerikanischen Bürgern und so den Keim eine Bürgerkriegs und des Zusammenbruchs der Ordnung säen, die die Eroberung begünstigen sollen. Das CIA rekrutiert den in den Everglades lebenden Ex-Agenten Matt Hunter (Chuck Norris), der mit Rostov noch ein Hühnchen zu rupfen hat. Mit einer Reihe von Einzelaktionen vereitelt er geplante Anschläge, bis er sich schließlich zum Duell mit Rostov stellt.

Zunächst mal ist INVASION U.S.A. unglaublich düster und fatalistisch: Gleich zu Beginn werden Dutzende armer kubanischer Flüchtlinge, die seit Tagen in einem defekten Boot auf dem Meer treiben, darunter auch Frauen und Kinder, von Rostov und seinen Leuten gnadenlos niedergemetzelt. Wer RED DAWN für antikommunistisch und faschistoid hält, der wird hier seine helle Freude haben, denn die Leute um Rostov – und der Schurke selbst – haben keinerlei menschliche Eigenschaften. Dazu kommt die Strategie der Invasoren, in der Bevölkerung inhärentes Konfliktpotenzial zu schüren, um die Revolte anzustoßen, was ebenso perfide wie clever ist, denn natürlich fußt sie auf einer richtigen Beobachtung: Als weiße Polizisten getarnt, eröffnen die Terroristen da zum Beispiel das Feuer auf harmlos feiernde Hispanics, ganz genau um die Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen wissend. Das ist schon bitter und markiert einen weiteren Unterschied zu Milius ungefähr zur gleichen Zeit gestarteten Invasionsepos, in dem die Russen eine amerikanische Mustergemeinde mitten im Heartland attackieren: Die in Eintracht Schulter an Schulter stehenden „USA“ sind bei Zito ein höchst fragiles Gebilde, dass jede Menge Spucke und Feuerkraft benötigt, um zusammengehalten zu werden.

Für letzteres ist eben Matt Hunter zuständig: Zito inszeniert ihn als in Jeans gewandeten Deus ex Machina, der wie durch Zauberhand immer da auftaucht, wo er gerade gebraucht wird, gelangweilt einen coolen One-Liner ausspuckt und dann weiterzieht. Wenn man INVASION U.S.A. aufmerksam schaut, fällt einem auf wie episodisch er ist, wie wenig tatsächlich erklärt oder hergeleitet wird, wie geradezu nachlässig Hunter als Protagonist charakterisiert wird und wie verzweifelt das Material im Film herumsteht, mit dem Zito eine klassische Geschichte vorzugaukeln versucht. Gab es wirklich ein Drehbuch? Es muss unbedingt die ziemlich großmäulige Journalistin Dahlia (Melissa Prophet) genannt werden, die zusammen mit den verzweifelten Cops, die der Blutspur der Terroristen hinterher ermitteln, als narrative throughline durch den Film läuft, ohne jemals wirklich relevant für die Handlung zu werden (ihre Figur erinnert an eine zeitgenössische Variante jener unzähligen Reporterfiguren, die in den B-Filmen der Vierziger- und Fünfzigerjahre aufzutauchen pflegten). Man erwartet immer, dass sie und Hunter irgendwann zusammenkommen, dass er sie retten muss oder Ähnliches, aber dann bleibt es doch immer bei einem kurzen Treffen, in dem sie sich wissend zunicken oder kurze Aufmunterungen austauschen, bevor ihre Wege sich wieder trennen. Wie es Hunter gelingt, die Pläne der Terroristen zu durchkreuzen, bleibt sein Geheimnis: Er scheint einfach zu wissen, wo sie auftauchen, vereitelt ihre Pläne und dreht den Spieß dann um. Das grenzt, wie etwa im Falle des Schulbusses, der anscheinend wahllos mit einer Zeitbombe bestückt wird, schon an Zauberei.

Die Kritik ging, wie zu erwarten war, nicht zimperlich um mit INVASION U.S.A., an dem Norris auch als Drehbuchautor beteiligt war. Der Film hatte ein üppiges 10-Millionen-Dollar-Budget, war damit doppelt so teuer wie Norris‘ voangegangene Filme, und der Star sahnte einen Gehaltsscheck von zwei Millionen ab. Angeblich wollte er für die Rolle der Reporterin Whoopi Goldberg haben, was Zito jedoch, sehr zum Zorn des Stars, vereitelt haben soll. Ich finde die Vorstellung urkomisch und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Goldberg da wirklich mitmachen wollte, aber in einer Welt, in der INVASION U.S.A. existiert, eine atemlose Aneinanderreihung abwechselnd alarmistischer und dann wieder kathartischer Actionszenen, ist wahrscheinlich nichts undenkbar. Der Film ist der totale Wahnsinn, radikal in jeder Hinsicht. Geil, dass es ihn gibt.

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