le mano de un hombre muerto (jess franco, spanien 1962)

Veröffentlicht: Dezember 24, 2019 in Film
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LE MANO DE UN HOMBRE MUERTO markiert Francos Rückkehr zu dem Genre, dem er mit GRITOS EN LA NOCHE seinen ersten großen Erfolg verdankte: dem gothisch angehauchten Horrorfilm mit sadistischer Schlagseite. LE MANO ist auch so etwas wie eine Premiere im umfangreichen Filmerbe des Spaniers, denn hier beginnt seine anhaltende, explizite Beschäftigung mit dem Werk des französischen Philosophen und Literaten Marquis de Sade (der hier zwar nicht namentlich genannt wird, aber in Form eines geheimnisvollen Tagebuches als Inspirationsgeber fungiert).

In dem österreichischen Dörfchen Holfen werden mehrere tote Mädchen aufgefunden. Die abergläubischen Einwohner schieben die Morde einem Gespenst in die Schuhe: dem alten Baron von Klaus, ein wahnsinniger Mörder, der vor hunderten von Jahren mehrere abscheuliche Verbrechen verübte und nun als Schatten durch die Sümpfe geistert. Oder hat sein Fluch seine Nachkommen getroffen, etwa den schweigsamen Baron Max von Klaus (Howard Vernon), der den Tod seiner Schwester zu betrauern hat. Oder ist es sein Neffe, de jugendliche Ludwig von Klaus (Hugo Blanco), der eben mit seiner Freundin Karine (Paula Martel) in Holfen eingetroffen ist? Inspektor Borowski (Georges Rollin) nimmt gemeinsam mit dem Zeitungsreporter Steiner (Fernando Delgado) die Ermittlungen auf.

Wie sein Vorgänger weist LE MANO jene stimmungsvolle Schwarzweißfotografie auf, die alle frühen Francos kennzeichnet und jene Stimmen Lügen straft, die den Spanier mit technisch-formalem Dilettantismus gleichzusetzen pflegen. Leider gelingt es ihm hier aber deutlich weniger gut als in GRITOS, den Zuschauer zu fesseln. Der Film lässt sich endlos viel Zeit, verschwendet etliche Szenen auf die letztlich völlig unbedeutende Zusammenarbeit des Kriminalbeamten mit dem Journalisten und verschenkt zudem Howard Vernon in einer Rolle, in der er fast nichts zu tun bekommt. LE MANO DE UN HOMBRE MUERTO ist nicht ganz ohne Charme, aber es stellt schon eine Herausforderung dar, über die volle Laufzeit bei der Sache zu bleiben. Wem das gelingt, der wird mit einer Folterszene belohnt, die die Grenzen des Erlaubten im Jahre des Herrn 1962 erheblich ausreizte (in Spanien wurde sie natürlich stark gekürzt) und einen Ausblick auf Kommendes geben sollte. Das Finale im Sumpf ist auch ganz hübsch, aber bis es soweit ist, hat Franco viel Goodwill seiner Zuschauer mit seiner allzu fahrlässigen Erzählhaltung verloren. Der Film ist in erster Linie etwas für Franco-Komplettisten oder aber für Zuschauer, die von der Stimmung solcher Frühsechziger-Sleazer einfach nicht genug bekommen. Man sollte LE MANO vor allem als Mood-Piece konsumieren, bei dem man nicht unbedingt den Pausenknopf betätigen muss, wenn man mal einen Abstecher zum Kühlschrank macht oder nebenbei in Stephen Throwers „Murderous Passions“ blättert.

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