the savage seven (richard rush, usa 1968)

Veröffentlicht: Januar 5, 2020 in Film
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Zwei Indianer im Zweikampf, hinter ihnen felsige Wüstenkulisse. Sie stürzen sich aufeinander, vielleicht im Kampf um eine Frau oder um den nächsten Häuptling zu ermitteln. Schließlich lassen sie auf einen Ruf voneinander ab. Sie stehen nebeneinander, jemand hat etwa gesehen. Die Kamera fährt an ihren Gesichtern entlang. Einer von ihnen trägt eine Sonnenbrille. Er nimmt sie ab und zeigt blaue Augen hinter den dunklen Gläsern. Ihr Blick geht zur Landstraße, auf der sich eine Kolonne von Bikern nähert.

Der Anfang von Richard Rushs THE SAVAGE SEVEN, einem Beitrag zum Bikerfilm-Genre, dass sich in der zweiten Hälfte der Sechziger großer Beliebtheit erfreute, zeigt, dass sich der Regisseur des konzeptionellen Kniffs seines Films sehr bewusst war: Die Verbindung von Bikern und Indianern erlaubt nicht nur eine Modernisierung klassischer Westernmotive inklusive der gesellschaftskritischen Implikationen, die damit einhergehen, sie ermöglicht auch den Blick auf ein im Kino abseits der Pferdeopern völlig marginalisiertes Volk. THE SAVAGE SEVEN bezieht seinen größten Reiz aus der Zeichnung einer indianischen Enklave im Nirgendwo, eine Ansammlung von behelfsmäßigen Wellblechhütten, Holzverschlägen und maroden Wohnwagen, die um eine Kneipe und einen kleinen Gemischtwarenladen gruppiert sind. Das Setting des Indianerdorfes ist faszinierend und niederschmetternd zugleich und Rush, der den Film als Quasi-Sequel zu seinem erfolgreichen HELLS ANGELS ON WHEELS inszenierte, um dafür im Gegenzug den LSD-Film PSYCH-OUT machen zu dürfen, gelingt es, das alles sehr authentisch wirken zu lassen. Was durchaus beachtlich ist für einen Low-Budget-Film, der innerhalb von knapp 14 Tagen abgedreht werden musste.

THE SAVAGE SEVEN zeigt, wie die Indianer von dem fetten Geschäftsmann Fillmore (Mel Berger), der auch als ihr Arbeitgeber fungiert, und seinen Lakaien ausgebeutet und unterdrückt werden. Die Biker bringen mit ihrer Ankunft alles durcheinander und obwohl ihr Anführer Kisum (Adam Roarke) mit den unterdrückten Indianern sympathisiert, lässt er sich von Fillmore schließlich mit dem Scheckbuch ködern. Den Bikern fehlt ein klarer Wertekodex: Sie lassen sich von ihren Trieben bestimmen  oder gehen da, wo es Geld und Freibier gibt. Kisum, der sich in die Indianerin Marcia (Joanna Frank) verliebt, die Schwester des heißblütigen Johnnie (Robert Walker Jr.), der sich als einziger gegen Fillmore auflehnt, damit aber auf verlorenem Posten kämpft, kommen Zweifel, doch er kommt zu keiner echten Entscheidung. Schließlich lassen sich die erhitzten Gemüter allesamt ins Bockshorn jagen: Fillmore hetzt die Parteien aufeinander. Der Showdown, in dem das Dorf dem Erdboden gleich gemacht wird, ist unglaublich, voller halsbrecherischer Stunts, Flammen und durch die Luft fliegender Motorräder, völliger Irrsinn. Und leider merken die Kämpfenden viel zu spät, dass man sie manipuliert hat.

THE SAVAGE SEVEN zeigt immer wieder sein immenses Potenzial, aber er hat auch kaum zu übersehende Mängel, die bei einem Projekt wie diesem wohl unvermeidlich sind: Dass die Biker die nominellen Hauptfiguren sind, führt vor allem im Mittelteil, in dem Kisum sich nicht entscheiden kann, auf welcher Seite er nun eigentlich steht, zu erheblichem ideologischen Magendrücken. Es ist aus heutiger Perspektive einfach unmöglich, die Sympathien für die Motorradgang aufrecht zu erhalten, wenn sie Frauen vergewaltigen und die Indianer demütigen. Dazu kommt ist das emotionale Hin-und-Her zwischen Kisum und seinem Love Interest, das auch für den Betrachter anstrengend ist: Warum eine Frau einem solchen Arschloch erliegen sollte, ist nur schwer nachzuvollziehen. Der oben bereits gelobte Showdown bleibt von all dem nicht unangetastet: Was hat etwa ein lustiger Toilettengag inmitten eines Gemetzels, das wir als unfassbar tragisch betrachten müssen, zu suchen? Und dass der eigentliche Bösewicht am Ende sein Fett weg bekommt, ist angesichts der vielen, vielen unschuldigen Toten ein schwacher Trost. THE SAVAGE SEVEN findet nie so recht die Balance zwischen anspruchslosem Actionspektakel fürs Drive-in-Publikum und seinem gesellschaftskritischen Impetus und hat mit enormen tonalen Schwankungen zu kämpfen, die den ganz großen Erfolg verhindern.

Trotzdem: Seine positiven Eigenschaften reichen aus, um ihn aus der Flut meist unambitionierter Bikerflicks hervorstechen zu lassen. Der Verdienst von Richard Rush, einem Regisseur, dem mal eine große Karriere vorausgesagt wurde, der dann aber zwischen die Zahnräder des Business geriet: erst, als man ihn zehn Jahre warten ließ, um ihn sein Traumprojekt THE STUNT MAN ins Kino zu bringen, nur um dem Film dann jegliche Unterstützung zu versagen, später, als man ihm AIR AMERICA wegnahm, dann schließlich, als man seinen Erotikthriller COLOR OF NIGHT fürs Kino verstümmelte. Es bleiben ein paar sehenswerte Exploiter aus den Sechzigerjahren, GETTING STRAIGHT, FREEBIE AND THE BEAN und eben THE STUNT MAN. Rush wird in diesem Jahr 91.

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