the incredible melting man (william sachs, usa 1977)

Veröffentlicht: Februar 3, 2020 in Film
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THE INCREDIBLE MELTING MAN wurde in Deutschland mit dem humorigen Titel PLANET SATURN LÄSST SCHÖN GRÜSSEN veröffentlicht, der dem sehr tragischen Schicksal seines Protagonisten zwar nicht gerecht wird, aber doch eines der schöneren Beispiele kreativer deutscher Titelschmiedekunst darstellt. Wer auch immer auf die Idee gekommen war, hatte des Pudels Kern getroffen: THE INCREDIBLE MELTING MAN ist ein ziemlich absurder Film und ein wüstes Mischmasch aus verschiedenen Einflüssen und Elementen, gleichermaßen aus der Zeit gefallen wie up to date. Er ein throwback zu den fortschrittsskeptischen Sci-Fi- und Monsterfilmen der Fünfzigerjahre, mit dem Look & Feel der damals so zahlreich in Südkalifornien entstehenden Serienepisoden und natürlich den schleimigen Spezial- und Make-up-Effekten von Rick Baker, mit denen Sachs die Brücke zum damals populär werdenden Splatterfilm schlug. Angeblich hatte Baker noch einige ekligere Masken in petto, die aber nicht zum Einsatz kamen, weil der Hauptdarsteller Rebar mit allzu heftigen Schweinereien nichts zu tun haben wollte. So oder so ist der Film vor allem wegen dieser Effekte in Erinnerung geblieben: Wie der arme Astronaut Steve West da langsam, blutig und überaus schleimig zerfließt, ist tatsächlich immer noch überaus effektiv, auch wenn Baker zur Umsetzng des Effekts wahrscheinlich nichts verwendete, was man nicht im heimischen Baumarkt finden und mit etwas Geschick und Know-how selbst zusammenbasteln kann. THE INCREDIBLE MELTING MAN ist damit auch der Pionier des Mini-Subgenres des „Schmelzfilms“, dessen bis heute unerreichte Sternstunde JIm Muros wunderbarer STREET TRASH ist.

Erzählerisch-dramaturgisch lässt sich der Film auf die Monster-on-the-loose-Formel reduzieren, die anno 1977 schon gut abgehangen war: Der kurze Prolog zeigt, wie der Astronaut Steve West der Sonnenstrahlung ausgesetzt wird. Nach einem Schnitt liegt er dann schon komplett vermummt im Krankenhausbett. Er ist der einzige Überlebende der Besatzung, warum ihn nicht dasselbe Schicksal ereilte wie seine Kollegen, ist unklar. Neben einer ekligen Hautkrankheit hat er auch ziemlich schlechte Laune mitgebracht: Als er allein ist, reißt er sich die Bandagen vom Leib, bringt seine Krankenschwester um und flieht. Der Rest des Films handelt von den Bemühungen des Wissenschaftlers Ted Nelson (Burr DeBenning) ihn zusammen mit dem Militärmann General Michael Perry (Myron Healey) ausfindig zu machen, bevor er weiteren Schaden anrichten kann – zumalungewiss ist, inwiefern seine Symptome ansteckend sein könnten. Steve murkst sich derweil durch die Landschaft, bis er am Haus Nelsons angekommen ist.

Vor allem die erste Hälfte des Films macht Laune, weil THE INCREDIBLE MELTING MAN so schön unbedarft ist, wie oben beschrieben auf sympathische Art und Weise die sorglose Naivität alter Sci-Fi-Heuler mit der eKaltschnäuzigkeit zeitgenössischer Schocker verbindet. In der zweiten Hälft versandet die Chose dann aber merklich: Die Geschichte ist zu diesem Zeitpunkt bereits auserzählt und Sachs hat Mühe, die Spannung aufrechtzuerhalten, zumal die Situation nicht weiter dramatisiert wird. Wir erfahren nichts weiter über den „Schmelzmann“, die Gründe für seine rätselhafte Krankheit oder seinen Rachefeldzug. Das Stalk and Slash wird so etwas ermüdend: Man erwartet, dass die Geschichte weitergeht, aber das tut sie nicht. Erst mit dem Showdown besinnt sich Sachs wieder auf die Stärken der ersten Hälfte, namentlich die krude Mischung aus Ekel und Mitleid. Die Schlussminuten sind je nach Perspektive entweder tieftraurig oder aber bitterböse und schwarzhumorig und zeichnen sich durch jene Liebe zum Detail und zur Beobachtung aus, die man in arg formelhaften den 30 Minuten zuvor vermisst hat.

Trotzdem hat sich THE INCREDIBLE MELTING MAN seinen Platz in den Annalen des Spaltterfilms redlich verdient, gerade weil er zeigt, dass die Hinwendung zu Blut und Gekröse weder zwingend mit Zynismus und Misanthropie noch mit grotesk und comichaft überzeichneter Alberei einhergehen muss. In der Brust des Schmelzmannes wohnt eine alte Seele, die ihn zu einem Leidensgenossen etwa seines schrumpfenden Kollegen aus dem Jack-Arnold-Film macht. Sachs‘ etwas altbackene Inszenierung kehrt diese Parallelen hervor, selbst wenn sein titelgebender Antiheld sich nur als schwindende Spur durch den Film zieht, der nie selbst die Stimme heben darf. Eigentlich wird sein Schicksal dadurch nur noch bewegender: Wir können nur ahnen, was in ihm vorgeht, während er sich selbst zwischen den Fingern zerrinnt.

In Nebenrollen sind Lisle Winters, der unglückliche Liebhaber aus DePalmas SISTERS, Janus Blythe aus Cravens THE HILLS HAVE EYES sowie der Regisseur Jonathan Demme zu sehen.

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