6. mondo bizarr weekender: du bi quan wang da po xue di zi (jimmy wang yu, taiwan/hongkong 1976)

Veröffentlicht: Februar 12, 2020 in Film
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Zum Abschluss gab es beim Mondo Bizarr Weekender wieder mit der groben Kelle, genauer gesagt, mit der verhornten Faust von Jimmy Wang Yu. DUELL DER GIGANTEN ist die Fortsetzung seines ONE-ARMED BOXER, der seinerseits eine Art Zusammenführung seiner beiden großen Shaw-Brothers-Rollen darstellte: ONE-ARMED SWORDSMAN und THE CHINESE BOXER. Mit ersterem erfand Wang Yu zusammen mit Chang Cheh den Eastern-Antihelden, mit letzterem begründete er die Popularität des Kung-Fu-Films, der den Wuxia in der Gunst des Publikums ablöste, und fungierte somit auch als Wegbereiter für den Superstar Bruce Lee. Der Ruhm stieg Wang Yu schnell zu Kopf und so kam es 1970 auf dem Gipfel seines Erfolgs zum Bruch mit den Shaws, der auch zur Folge hatte, dass Wang Yu nur noch in Taiwan arbeiten konnte. Er machte das beste daraus, betätigte sich selbst als Regisseur und wurde so zu seiner eigenen Marke, die auch im fernen Deutschland ihre Verehrer fand.

DUELL DER GIGANTEN ist aber nicht einfach nur eine Fortsetzung um den einarmigen Boxer Liu Ti Lung, der Film greift auch auf die ein Jahr zuvor in THE FLYING GUILLOTINE der Shaws zu Ehren gekommene Enthauptungswaffe auf und bindet ein herrlich rasantes Martial-Arts-Turnier in seine von einer Sensation zur nächsten hetzenden Handlung ein. Der Film beginnt schon markig mit der Guillotinen-Demonstration eines blinden Shaolinmönches vor einer karstigen Felskulisse, wechselt nach den mit fetzigem Krautrock unterlegten Credits zu einer von Wang Yu gegebenen Trainingseinheit, bei der er unter anderem seine Skills im An-der Decke-Laufen vorführt, und mündet dann recht schnell in besagtes Turnier, bei dem ein Kampf an den nächsten gereiht wird und etliche unterschiedliche Fighter gegeneinander in kurzen Duellen antreten, die ein blutiges Ende finden, bevor sich auch nur der Hauch von Langeweile einstellt. Im Grunde könnte das ewig so weitergehen, stattdessen rekrutiert der blinde Guillotinenmönch die besten Kämpfer des Turniers, um sich an Wang Yu zu rächen, mit dem er noch eine Rechnung aus dem Vorgänger offen hat.

Der Film ist einfach nur eine Schau und was ihm vielleicht an den Production Values und der Farbbrillanz der Werke aus dem Hause Shaw fehlt, macht er mit Attitude, Rasanz und brachialer Rohheit wett. Wer bei Eastern angesichts komplexer Figurenkonstellationen und mangels historischen Hintergrundwissens egelmäßig den Überblick verliert, wird die Geradlinigkeit von DUELL DER GIGANTEN lieben: Diesem Film kann man auch mit vier Promille noch problemlos folgen, die Figuren sind klar unterscheidbar, die Kämpfe kurz und knackig, der Gesamteindruck weniger fernöstlich-philosophisch als vielmehr räudig, asozial und stumpf. Der schönste Einfall ist sicher der Yogi mit den verlängerbaren Armen, aber auch der Japaner, der angeblich ohne Messer kämpft, ist eine coole Socke. Und dann Wang Yu selbst, gegen den sich Eastwood ausnimmt wie ein hysterischer Possenreißer. Die fliegende Guillotine selbst gibt es noch als Bonus oben drauf, und Wang Yu tut gut daran, ihren Einsatz nicht auszureizen. Der Finalkampf setzt dem Ganzen so tatsächlich noch die Krone auf und nachdem der Held den Schurken mit einem beherzten Punch durchs Dach seines Hauses und geradewegs in einen bereitstehenden Sarg prügelt, geht man breitbeinig aus dem Kino, bereit, die Ehre der begleitenden Dame mit trockenen Schlägen zu verteidigen. Oder auch einfach einen gepflegten Streit anzufangen. Viel geiler kann ein Festival nicht enden.

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