convoi de femmes (pierre chevalier, frankreich/italien/belgien 1974)

Veröffentlicht: Oktober 4, 2020 in Film
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CONVOI DE FEMMES darf sich ans Revers heften, unter den vielen Schundfilmen, die ich in meinem Leben gesehen habe, nur noch von DIE SEX-SPELUNKE VON BANGKOK übertroffen zu werden, wenn es um schiere schäbige Niedertracht und die Anzahl der Momente geht, in denen man die Hände vor die Augen schlägt und Stoßgebete ge Himmel schickt, dass es doch bald zu Ende sein möge. Aber nicht nur in dieser Hinsicht ist Chevaliers Eurocine-Hobel Exploitation der fragwürdigen Sonderklasse: Die Chuzpe, mit der die Produzenten hier trotz eines Budgets von schätzungsweise 23 Mark 50 und eines Casts aus alkoholkranken Pennbrüdern auf „Historienfilm“ machten, ließ mich mehr als einmal mit offenem Mund auf das Spektakel schauen, das sich da vor mir auf der Leinwand darbot. Damit das „Konzept“ auch nur halbwegs aufging, füllte man den Film zu gut 40 Prozent mit Material aus einem anderen, deutlich aufwändigeren Film auf, der wahrscheinlich ebenfalls der Eurocine-Schmiede entstammte – und möglicherweise back-to-back entstand. Jedenfalls turnt Franco-Regular Paul Muller in beiden herum und schafft es so, dass die Schweißnähte nicht ganz so auffällig sind.

CONVOI DE FEMMES spielt im 18. Jahrhundert, wie uns ein ellenlanger Fließtext zu Beginn erklärt, und handelt von den beiden französischen Frauen Aline (Anne Gladysek) und Nicole (Marianne Rémot), Ehefrau respektive Schwester eines hohe französischen Offiziers, der sich mit einem Schiff auf nach Amerika macht. Kaum ist er fort, werden die beiden Frauen von britischen Soldaten (?) entführt und als künftige Prostituierte in die Neue Welt geschafft (Chevalier lehnt sich an William A. Wellmans Western WESTWARD THE WOMEN an). Der Film entwickelt sich als „Gangrape-Komödie“, die immer mal wieder mit Versatzstücken des Abenteuerfilms auf Länge gebracht wurde und sich am Ende zum Kriegsfilm entwickelt. Das alles wurde gedreht im heimischen Forst, mit erbärmlichen Kostümen und den so typischen viel zu lang gehaltenen Einstellungen, unter anderem immer wieder auf die Ärsche zweier Pferde. Besonders eklig sind die zahlreichen Vergewaltigungs- und Sexszenen, die stets nach demselben Muster ablaufen und selbst vom größten Rapefetischisten unmöglich für anregend oder gar erotisch gehalten werden können. Die deutsche Synchro macht gute Miene zum bösen Spiel und garniert das Treiben mit flotten Sprüchen, damit es nicht ganz so erbärmlich und runterziehend wird. Dafür sorgt auch eine muntere Hure, die ihr trauriges Schicksal mit jeder Menge Humor nimmt: Dass sie da im Tagesrhythmus immer wieder für andere Kerle gegen ihren Willen die Beine breit machen muss, kommentiert sie nur mit „Öfter mal was Neues!“

So abstoßend der Film in seinem Gesamtentwurf und in seinen Sexszenen auch ist: So richtig böse sein kann man ihm nicht, dafür ist das alles viel zu lachhaft. Man begegnet CONVOI DE FEMMES dann eher mit der Nachsicht und dem Mitleid, die man besonders dummen, aber letztlich harmlosen Menschen entgegenbringt. Die Pannen sind wirklich kaum zu zählen: die lachhaften Kostüme und die armseligen Settings sind ja nur die Spitze des Eisbergs. Da gibt es den Trapper mit den albernen Stiefelapplikationen aus Plastik, den die Kamera gleich zweimal dabei einfängt, wie er Äste fürs Lagerfeuer abbricht. Den Wachmann, der seinem Dienst so geschäftig nachgeht, dass er die Frauen, die in zwei Meter Entfernung an ihm vorbeischleicht, gar nicht bemerkt. Den indianischen Späher „Schneller Adler“, einen mitleiderregenden Spargelatarzan, der seinen bedeutungsschwanger eingeleiteten Auftritt nach zwei Minuten Gerenne durchs Birkenwäldchen mit einem Speer im Rücken beendet. Überhaupt die Indianer, die sich die verfilzten Langhaarperücken mit Lumpen auf dem Quadratschädel festbinden müssen, damit sie dort halten. Oder die tolle Szene, in der Aline – die mitten im Film ohne jede Vorwarnung zur Powerfrau mutiert, nachdem sie zuvor lediglich ein Häufchen wimmerndes Elend war – mit dem Zeigefinger den Himmel absucht, um herauszufinden, wo Westen sein könnte. Gekrönt wird das von einer Dialogzeile, mit der der französische General die Ankunft der Prostituierten im Fort kommentiert: „Wichsen ist für alle Männer ab sofort offiziell verboten!“ Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Ein echtes Wunder ist auch Paul Muller: Der verkörpert in einem Meer aus Tristesse und Inkompetenz nicht nur ein einsames Zeichen der Professionalität, er lässt sich auch zu keiner Sekunde etwas anmerken. Und er muss doch gewusst haben, dass er hier auf einem absoluten Seelenverkäufer angeheuert hatte. Pierre Chevalier war hingegen voll in seinem Element: Dass sich in seiner Filmografie nicht nur eine KARAWANE DER NACKTEN FRAUEN, sondern auch noch ein CONVOI DE FILLES findet, lässt einen echten Überzeugungstäter vermuten.

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