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CHROMESKULL: LAID TO REST 2 ist ziemlich exakt so, wie man das nach dem ersten Teil erwarten durfte: Der Film ist genauso runterziehend und eindimensional, wieder ergeht er sich in seinen blutrünstigen Mordszenen und Splattereffekten, die ganz nach inhärenter Sequellogik noch einmal ekliger, elaborierter und zahlreicher sind als zuvor, wieder hat er filmisch wenig bis gar nichts zu bieten. Nur eins überrascht ein wenig: Nachdem der Vorgänger erzählerisch relativ traditionell und betont einfach als stalk’n’slash angelegt war, angetrieben vom zentralen Rätsel um die Identität der Protagonistin, schwingt sich Hall mit dem Sequel nun in andere, höhere Gefilde vor. In dem Glauben, mit der Figur des Chromeskull einen Schurken erdacht zu haben, der ein tiefes Eintauchen in seine Biografie sowie SAW- und X-FILES-mäßig labyrinthische Plotkonstruktionen rechtfertigte, fabuliert sich der Writer/Director hier einen haarsträubenden und noch dazu menschenverachtenden Quark zusammen, der – erneut mit unangenehm grimmiger Ernsthaftigkeit vorgetragen – offensichtlich den Startschuss für eine mehrteilige Saga darstellen sollte. Dass es dazu bislang nicht gekommen ist, erachte ich als Beleg für das krachende Scheitern des Films – aber vielleicht wartet Mastermind Hall auch nur darauf, dass ihm irgendein Produzent das Multimillionenbudget zur Verfügung stellt, welches den Anforderungen des HCU (das Hall’sche Cinematic Universe) angemessen ist. Wer weiß.

Die Fortsetzung fängt exakt in dem Moment an, in dem der Vorgänger aufhörte: In den Polizeiwagen, die den Tatort des finalen Gemetzels aussuchen, sitzen mitnichten Polizisten, sondern die vom ätzenden Preston (BEVERLY HILLS 90120-Star Brian Austin Green) angeführten Angestellten des keineswegs toten Killers Chromeskull. Der geht nämlich offenkundig nicht allein auf seine Mordtouren, sondern hat hinter sich ein technisch perfekt ausgestattetes Team aus zynischen Arschgeigen in maßgeschneiderten schwarzen Anzügen, das in luxuriös-karg ausgestatteten Büros sitzt, auf Monitore starrt und auf die via Bildschirmnachrichten übermittelten Befehle ihres Chefs wartet. Nachdem diesem im Finale des ersten Teils heftigst die Rübe zermatscht worden war, muss er jetzt erst wieder hergerichtet werden, was dank der schon angesprochenen technischen und darüber hinaus anscheinend grenzenlos vorhandenen finanziellen Mittel auch gelingt. Anschließend beginnt die Jagd auf die Überlebenden von LAID TO REST sowie auf die langsam erblindende Jess (Mimi Michaels), die das nächste Opfer des Lustmörders werden soll. Verkompliziert wird die Geschichte noch dadurch, dass besagter Preston die Schnauze voll hat, immer nur die zweite Geige hinter seinem Chef zu spielen, weil er sich für einen mindestens ebenso begabten Slasher hält und demnach anfängt, dem Boss Konkurrenz zu machen, was der verständlicherweise gar nicht gerne sieht.

Grundsätzlich ist es natürlich lobenswert, dass Hall sich nicht damit begnügte, einfach noch einmal das Gleiche zu machen. Dass er in LAID TO REST fast gänzlich darauf verzichtete, irgendwelche Details über den Killer zu verraten, hatte die Figur bedrohlich und interessant gemacht, an dieser Stelle anzusetzen, ist demnach eine gute Idee. Eine naheliegende zwar, aber eine, der bislang viel zu selten nachgegangen wurde: Angesichts der Tatsache, dass der Killer das Zentrum des Slasherfilms bildet, ist es ja erstaunlich, wie wenige Genrebeiträge sich bisher die Mühe machten, ihm eine wirklich interessante Backstory auf den Leib zu schneidern. Meistens ist es einfach irgendein Irrer, durch ein vergangenes Ereignis traumatisiert. Diese „Charakterisierung“ wurde irgendwann zum bequemen shorthand, das den Machern in die Karten spielte, schließlich galt es ja, den Markt mit möglichst geringem Aufwand zu bedienen: Irgendein Verrückter mit Schunkelbirne, Latzhose und Axt ging halt immer. Halls Idee, seinen manischen Killer zum Mogul des Mordens zu machen, komplett mit Hightech-gestütztem Backoffice, ist erst einmal verlockend. Aber so, wie die Idee umgesetzt ist,  ist das leider sowohl halbherzig als auch total hirnrissig. Wie es der serielle Charakter seines Films erfordert, ist Hall nämlich kein Stück daran interessiert, irgendetwas über Chromeskull zu verraten, das würde ihn ja nur unnötig festlegen und das Interesse an einem dritten Teil schmälern. Also wird nach der Enthüllung zum Auftakt, dass da gar kein irrer Einzeltäter am Werke ist, keine einzige der sich daran anschließenden Fragen beantwortet, stattdessen alles geheimnisvoll und andeutungsreich im Vagen gehalten, dass es nur so raunt. Das, was der Zuschauer tatsächlich geboten bekommt, sind abgeschmackte, auf sozialneidischen Ressentiments gegen Reiche und protofaschistischen Verschwörungstheorien beruhende Klischees, die in ihrer Plattheit allerdings perfekt zur flachen und farbarmen Digivideo-Optik passen. Beim finalen Seitenhieb gegen Hollywood hat sich Regisseur Hall ganz bestimmt selbst auf die Schulter geklopft für seine rebellische Anti-Establishment-Haltung – trotzdem war das die einzige Szene, die mich wenigstens ein bisschen aufmerken ließ, weil hier zum ersten Mal so etwas wie Fabulierfreude und Witz zum Ausdruck kamen. Na gut, die Szene, in der eine arme Polizisten mit dem Mund auf eine im Boden steckende Schere getreten wird, sich die Klingen unter dem Druck spreizen und ihr schließlich den Mund verbreitern, fand ich auch ganz putzig.

Ich will gar nicht den Stab brechen über diesem Film, mein Verriss des Vorgängers ist mir jetzt schon unangenehm, auch wenn ich hinter jedem einzelnen Wort stehe: So gern ich Splattereffekte mag, so ätzend ich diese langweiligen Fun-Splatter finde, als so abtörnend empfinde ich auch Filme wie LAID TO REST und CHROMESKULL: Beide sind nicht nur zum Kotzen hässlich, sondern auch einfach niederträchtig in ihrer engen Weltsicht. Ich habe nichts gegen bittere und runterziehende Filme, aber wenn ein Film ausschließlich deshalb bitter und runterziehend ist, um sich von anderen abzuheben und mit seiner Abgefucktheit zu prahlen, finde ich das nur mäßig produktiv. Wenn auch nur die Hälfte der Energie, die Hall und Co. in die ohne Zweifel erstklassigen Effekte gesteckt haben, in das Drehbuch und die Inszenierung gegangen wären, dann stünde hier am Ende ein Slasherfilm, dessen Härten nicht nur einem irgendwie peinlichen Schwanzvergleich entsprächen, ein Film der – so unpassend das in diesem Rahmen auch klingen mag – „Spaß“ macht, der Story, Dialoge und Bild nicht nur als abzuwickelnde Begleiterscheinungen begreift und einem vielleicht sogar etwa mitteilt über Leben und Sterben (das ist zugegebenermaßen ein Bonus). Ich habe der Protagonistin des Vorgängers ihr Überleben von Herzen gegönnt. Sie hatte viel mitgemacht, sich gegen alle Widrigkeiten behauptet, war noch dazu vom Drehbuchschreiber, der pikanterweise ihr Ehemann war, mit Scheiße beschmissen worden. Dem Sequel fällt aber nichts Besseres ein, als sie gleich in der Eröffnungsszene zum Opfer des ersten blutigen Set-Pieces zu machen, bei dem sie auch noch nackt unter der Dusche steht. Auch wenn es, glaube ich, nicht dieselbe Darstellerin ist: Der Figur gegenüber fand ich das einfach schäbig. Es zeugt von der generellen Haltung des Filmemachers, für den alle Figuren nur Opfermaterial sind, das möglichst blutig seiner Bestimmung zugeführt wird, der kein Mitleid, keine Empathie, keine Menschlichkeit kennt. So jemand sollte keine Filme drehen, denke ich.

Ich habe hier noch gar nicht darüber gesprochen: Der Slasherfilm ist ein zutiefst kompromittiertes Genre. Sein kommerzieller Siegeszug begünstigte auch das jugendschützerische Engagement konservativer Kräfte, die alles daran setzten, den Horrorfilm seiner gewalttätigen und grafischen Spitzen zu berauben. Das führte zu dem bizarren Ergebnis, dass die Filme eines Subgenres, das sich im Wesentlichen um die Inszenierung und fantasievolle Ausschmückung kreativer Morde drehte, oft ziemlich blutleer waren. Entweder wurden sie von den Zensoren gerupft oder aber von den Produzenten selbst in vorauseilendem Gehorsam ihrer blutigen Reize entledigt. Diese Tatsache machte den Weg unter anderem frei für Amateurfilmer, die die Marktlücke sahen und frei von irgendwelchen wirtschaftlichen Zwängen auf den Schlamm hauen konnten. Ihre Genrebeiträge hatten zwar weder technische Finesse noch irgendwelche production values vorzuweisen, dafür aber literweise Kunstblut und Latex-Schweinereien am laufenden Meter. LAID TO REST ist nur einer der späten, professionalisierten Nachfolger dieses Trends und Regisseur Hall gewissermaßen ein Meister des Fachs: In seiner eigentlichen Tätigkeit als FX- und Make-up-Mann arbeitete er unter anderem an den Filmen der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe sowie an zahlreichen populären Fernsehserien mit, arbeitete dabei immerhin für Koryphäen wie Stan Winston und Steve Johnson.

LAID TO REST ist von Anfang an als Fanservice oder als Showreel zu durchschauen: Schon die Titlesequenz macht mit Schreckensbildern – untermalt von furchtbar krawalligem NuMetal – „Hoffnung“ auf die zahllosen Schweinereien, die es im Verlauf der kommenden 90 Minuten zu sehen geben wird, FX-Leute und der Kunstblutmixer feierten offenkundig Überstunden. Es wird erbarmungslos gekillt, dreckig gestorben und unglaublich viel gesplattert, aber ohne das Augenzwinkern des Funsplatter-Spaßvogels, sondern mit der grimmigen Entschlossenheit des Überzeugungstäters, für den sich der Wert eines Filmes in „Härtepunkten“ im Horrorfilm-Lexikon bemisst. Aber LAID TO REST zeichnet sich nicht nur durch seine „liebevollen“ und selbstverständlich handgemachten Effekte aus (nichts fuckt den Großbauern schließlich mehr ab als CGI-Blut), sondern auch durch seine unangenehm menschenfeindliche Stimmung und eine generelle Trost- und Hoffnungslosigkeit. Die kaum als solche zu bezeichnende Farbpalette des Films umfasst alle Nuancen von grünstichigen Grau- und Brauntönen, die man sich vorstellen kann, und trägt erheblich dazu bei, das man sich schon nach kurzer Zeit körperlich unwohl fühlt. Dazu spielt der Film ausschließlich bei Nacht an anonymen Settings, die nicht viel mehr als Raum für die breit ausgewalzten Tötungsorgien darstellen. Dialoge und Bildkomposition sind nahezu ausschließlich Mittel zum Zweck, alle Figuren stapfen mit von dauerhafter Todesangst ausgelöster Leichenbittermiene durch den Film, sich fragend, welches ihrer Körperteile der humorlos-effiziente Maskenmann wohl als erstes abschneiden respektive durchbohren wird. Zum Showdown tauchen noch zwei besonders eklige Exemplare jugendlicher Toxic Masculinity auf, hören nervtötend-offensiven Schott-Hip-Hop, prahlen von „bitches“ und kommen angesichts der Bemühungen der Protagonistin, ihnen ein Signal zu geben, sofort auf die Idee, sie wolle etwas von ihnen. Dass beide sogleich zu Sympathieträgern avancieren, sagt recht viel über Halls Weltsicht, aber auch über die Behelfsmäßigkeit des Drehbuchs, dessen einziges Ziel es ist, den Body Count möglichst ausufernd zu gestalten.

Ich finde diese Eindimensionalität, dieses Sich-Aufgeilen an der eigenen Abgefucktheit, das solche Gorefilm-Auteurs ostentativ zur Schau stellen, ziemlich eklig, zumal es sich nicht selten mit unangenehmem Chauvinismus verbindet. In einer Szene am Anfang mutmaßt ein weiblicher Charakter – Lena Headey, die ihre Mitwirkung wahrscheinlich in einem Anfall geistiger Umnachtung zusagte -, dass die verwirrte Frau mit der Amnesie, die sie um Hilfe bittet, ein „Crystal-Meth-Head“ oder schlicht eine „Nutte“ sei. Wenig später tut ihr das zwar Leid, aber dass ihr diese Beleidigungen einfallen, noch bevor sie die Frau überhaupt gesehen hat, spricht Bände für das ätzende Menschenbild, dem Hall hier ein Denkmal errichtet. Nicht nur das: Am Ende findet die weibliche Protagonistin tatsächlich heraus, dass sie eine Prostituierte ist, die vom Killer zu einem Schäferstündchen bestellt und dann niedergeschlagen wurde. Die Videoaufnahmen des Mörders zeigen sie, wie sie sich ihm andient, ihm einen Blowjob anbietet und angesichts der laufenden Kamera auf dem Tisch sichtlich angetörnt ist. Die Offenbarung ihrer wahren Identität treibt ihr die Tränen in die Augen, denn sie hatte sich längst daran gewöhnt, etwas Besseres zu sein als eine käufliche Sexarbeiterin, die in Halls Welt nichts mehr verdient als einen Schwanz im Mund und eine Baseballkeule auf den Kopf. Eine Duschszene, in der man ihre wahrscheinlich chirurgisch optimierte Oberweite zu sehen bekommt, hat er, der mit der Hauptdarstellerin verheiratet war, ihr aber trotzdem spendiert. Nicht, dass diese Chance ungenutzt bliebe. Was will man auch von einem Mann erwarten, der seine ellenlange IMDb-Bio offenkundig selbst verfasst hat?

Man muss sich ja schon ein bisschen wundern, welche Filme heute das Arrow-Treatment erfahren. Dieser lokal in Wisconsin produzierte Film aus dem Jahr 1989 wurde nach Fertigstellung erst einmal im Giftschrank abgelegt und erst vier Jahre später unters nicht gerade ungeduldig wartende Volk gebracht, vermutlich weil die Produktionsfirma Windsor Lake in diesem Zeitraum einigen Wind mit ihren unter dem Siegel „Fangoria Films“ produzierten Splatterfilmchen machte. Die Bluray von Arrow wartet mit Extras wie einem Audiokommentar des Regisseurs, des Effektmannes und des Drehbuchautoren sowie einem Making-of auf und so begrüßenswert ich es grundsätzlich finde, dass dieser Aufwand nicht nur für anerkannte Klassiker, sondern auch für vollkommen unbedeutende Käsefilmchen betrieben wird, so frage ich mich doch: Wer braucht das?

TRAPPED ALIVE ist ein typischer DTV-Schlocker der späten Achtziger: Nichts hier ist irgendwie bemerkenswert. Das Script wurde wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden runtergerockt, alle Settings schön plastikmäßig und vor allem hell ausgeleuchtet, zwei attraktive, aber mäßig talentierte Häschen als Hauptdarstellerinnen gecastet und zwei andere, leicht bekleidete aufs Cover gepackt und zu guter Letzt ein doofes Monster zusammengeschustert, das man im fertigen Film für etwa 28 Sekunden zu Gesicht bekommt. Als großen Coup konnte man noch Cameron Mitchell für den schauspielerischen Glanz verpflichten und dazu bringen, in dreieinhalb Szenen, die für das eigentliche Geschehen keinerlei Bewandtnis haben, zu monologisieren und betrübt dreinzuschauen. Es gibt ein klitzeklitzekleines Bisschen Gore und ein klitzeklitzekleines Bisschen nackte Haut und dann ist der Spuk nach knapp 90 Minuten zu Ende, ohne irgendwelche echten Emotionen ausgelöst zu haben. Es geht sehr viel schlechter, aber auch deutlich besser: TRAPPED ALIVE ist Mittelmaß, und überrascht allerhöchstens deshalb positiv, weil man eigentlich davon überzeugt war, dass er totale Kacke ist.

Die Geschichte um zwei Mäuschen, die an Weihnachten von drei Ausbrechern überfallen und gekidnappt werden und dann schließlich im Schacht einer verlassenen Mine landen, in der ein kannibalistischer Rauschebart umgeht (der ein bisschen aussieht wie ein ungewaschener Weihnachtsmann in zivil), erinnert ein bisschen an Gary Shermans ungleich besseren RAW MEAT und wird ohne echte Einfälle abgespult. Ein Nebenstrang der Handlung dreht sich um eine einsam in einer nahegelegenen Hütte wohnende Femme fatale, die sogleich beginnt, den nach den Ausbrechern fahndenden Polizisten zu becircen. Der scheint zunächst die heldenhafte Identifikationsfigur zu sein, macht aber eine plötzliche Metamorphose zum Arschloch durch, als er den Schurken in der Mine begegnet. Für den großen Schlusskampf, der gar keiner ist, ebenso plötzlich und unspektakulär endet, wie er angefangen hatte, kriegt er sich aber wieder ein und erkennt an, dass der letzte Überlebende der Bösewichte eigentlich ganz nett ist (er hatte ihm zuvor den wahrscheinlich nutzlosesten Fußverband ever aus einem goldenen Kunstledergürtel geknotet). Die Heldin entkleidet sich bis auf ihre Dessous, um in ein Wasserloch zu springen, die Femme fatale taucht mit der sensationellen Schlussenthüllung auf, dann fliegt alles in die Luft. Und Cameron Mitchell, der in kurzen Intermezzi immer wieder sorgenvoll in sein Whiskeyglas stiert und sich fragt, wo die geliebte Tochter denn nur bleibt, wird am Ende noch nicht einmal darüber aufgeklärt, dass es ihr gut geht. Der arme Mann!

 

 

the prey (edwin brown, usa 1983)

Veröffentlicht: August 18, 2019 in Film
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THE PREY ist prototypisches Slashermaterial: Sechs junge Leute, fein säuberlich aufgeteilt in drei Heteropaare, machen einen Hikingtrip in die Berge von Kalifornien, wo ihnen der grimme Schnitter in Gestalt einer wasserköpfigen Missgeburt auflauert. Für das Final Girl hält die noch eine ganz besondere Überraschung bereit.

THE PREY ist so schmucklos, dass es schon wieder schön ist. Sechs junge Leute im Wald, ein Killer mit Vollmeise, ein tapferer Park Ranger, ein Eimer mit Kunstblut: Das ist der Stoff, aus dem in den Achtzigerjahren der Videothekenklassiker gemacht wurde. Unter dem Titel … UND DER TOD WARTET SCHON erschien THE PREY auch bei uns und ward wahrscheinlich schnell wieder vergessen, denn seien wir ehrlich: Mitte der Achtziger gab es jede Menge Horrorfilme, die deutlich aufregender waren als dieser, aber so mit 35 Jahren Abstand nötigt mir die Wham-bang-thank-you-ma’am-Strategie, derer sich Edwin Brown bediente, doch einigen Respekt ab (es wundert mich nicht, dass er danach einen Film namens NAUGHTY GIRLS NEED LOVE TOO drehte). Es ist schon einigermaßen erstaunlich, dass ein Film, der so wenig zu erzählen hat, so kurzweilig daherkommt. Das imposante Bergsetting trägt zum Gefallen gewiss bei und wird entsprechend erschöpfend ins Bild gerückt: Die Aufnahmen von Tieren, vom Specht bis zum Tausendfüßler, sind kaum zu zählen. Das ist zum einen natürlich eine erprobte Methode, um einen Kurzfilm zum abendfüllenden Spektakel aufzublähen, aber ähnlich wie bei einem (natürlich viel besseren) Film wie Jeff Liebermans JUST BEFORE DAWN trägt die Errichtung dieser Bildwelt ja auch dazu bei, den Kampf um Leben und Tod, dem die Protagonisten ausgesetzt sind, in einen größeren Kontext zu stellen.

Lobenswert ist auch das gemeine Ende, das THE PREY noch einmal gehörig aufwertet, dabei aber wie der ganze Film angenehm zurückhaltend bleibt. Der Slasherfilm wird gewiss nicht als das subtilste aller Horrorfilm-Subgenres in die Geschichtsbücher eingehen, umso schöner, wenn ein Film wie dieser, seines Zeichens ein Epigone der bereits zweiten oder dritten Verwertungswelle und ganz am Ende der Nahrungskette stehend, sich seiner Wurzeln in der Campfire-Erzählung und der hinter den Mordgeschichten stehenden existenzialistischen Ängste erinnert. THE PREY ist klein, aber fein.

Filmforschung ist mitunter schmerzhaft, vor allem, wenn man es sich zum Ziel gesetzt hat, den Slasherfilm in seiner betäubenden Gänze zu erfassen – und die Perlen schon vor langer, langer Zeit geborgen hat. APPOINTMENT WITH FEAR, ohne Übertreibung einer der ödesten, tristesten Filme, derer ich je ansichtig wurde, stürzte mich gestern fast in eine Sinnkrise. Noch so viele Slasher und so wenig Hoffnung auf echte Ganzlichter. TRAMPA INFERNAL, der Genrebeitrag des mexikanischen Schmuddelexperten Pedro Galindo III, war genau der richtige Stoff, um dem gesunkenen Mut eine Adrenalininjektion zu verpassen – und zwar voll in den Arsch!

Wie es mexikanische Exploiter so an sich haben, schert sich auch TRAMPA INFERNAL nicht lang um eine fein- oder gar hintersinnige Story: Die beiden Superdudes Nacho (Pedro Fernández) und Mauricio (Toño Mauri) befinden sich in einem nicht enden wollenden Schwanzvergleich, bei dem sie von ihren Kumpel und Freundinnen unterstützt und bejubelt werden. Gerade erst hat Nacho, der einen Nackenspoiler mit sich herumträgt, der Michael Bolton vor Neid erblassen ließe, Mauricio in einer Partie Gotcha besiegt, da sinnt Mauricio auch schon auf Revanche. Er schlägt vor, dass die beiden raus in die Wälder fahren, wo ein Bär fünf Touristen massakriert haben soll: Wer den Bär zur Strecke bringt, ist der neue Obermacker, jedenfalls bis zur nächsten Mutprobe. Nacho lässt sich natürlich nicht lumpen und so geht es auf Bärenjagd. Doch die Toten gehen gar nicht auf das Konto von Meister Petz, vielmehr versteckt sich in den Wäldern ein durchgeknallter Vietnam-Veteran, der nicht gemerkt hat, dass der Krieg schon zu Ende ist (und außerdem gar nicht in Mexiko stattfand).

TRAMPA INFERNAL läuft genau so ab, wie man sich das nach dieser Beschreibung vorstellen darf: Die beiden „Helden“ stapfen mit ihrem jeweiligen Anhang durch den Wald und werden bald schon dezimiert, während die Freundinnen in Badeklamotten an einem See rumhängen und sich beim Beachtennis so dusselig anstellen, dass der Ball auch schon mal 30 Meter weit im Wasser landet. Der Vietnamveteran sieht aus wie Sammy Hagar mit einer Michael-Myers-Maske, trägt einen Freddy-Krueger-Gedächtnishandschuh und hat im Wald ein paar Booby Traps installiert (die leider nicht so häufig zum Einsatz kommen, wie ich mir das gewünscht hätte, aber gut). Am Waldrand wohnt ein anderer Veteran in einem Wohnmobil und stattet die Protagonisten mit guten Ratschlägen und Waffen aus. Pedro Galindo III inszeniert die Chose ohne große Prätentionen frisch von der Leber weg. Bahnbrechende Ideen muss man hier nicht erwarten, dafür wird man aber eben auch von fehlgeleiteten Ambitionen verschont. Nach knapp 80 Minuten macht es „Bumm“, der Killer ist platt und was von den Protagonisten noch übrig ist, geht nach Hause. TRAMPA INFERNAL ist ein reiner Gebrauchsfilm, der mit seiner Naivität einnimmt. Nur in einem mexikanischen Slasher wird einem ein Kern-Asi wie Nacho als Identifikationsfigur angeboten, das allein hat mir schon gereicht, um diesen Film zu mögen. Dieser Nackenspoiler ist aber auch einfach zu geil.

Der Anfang ist noch ganz interessant: Ein Mann (Garrick Dowhen) verfolgt eine Frau mi einem Baby, wird dabei wiederum von einem anderen Mann (Douglas Rowe) verfolgt. Die Frau versteckt das Baby in einem Busch, wird dann von Mann Nummer eins ermordet. Ein Mädchen nimmt das Baby von der sterbenden Frau in Empfang, Mann Nummer zwei – ein heruntergekommener Polizist – kommt zu spät. Der Auftakt funktioniert auch deshalb, weil man keinerlei Information hat, außer dem, was gezeigt wird. Doch danach geht APPOINTMENT WITH FEAR gnadenlos den Bach runter.

Es stellt sich raus, dass der Mörder der Vater des Babys ist – und außerdem im Bunde mit einer altägyptischen Macht, die es ihm erlaubt, seinen Körper, der eigentlich in einer Heilanstalt auf einem Tisch festgeschnallt ist, zu verlassen und auf Jagd zu gehen. Der Polizist heißt Kowalski und hatte den Mann damals schon gestellt, als der versuchte, seine Frau umzubringen. Nun muss Kowalski das Mädchen finden, das im Besitz des Babys ist: Die junge Frau plant eine Party mit ihren Freundinnen.

Diese Geschichte wird ohne jeglichen Drive erzählt, bietet dafür aber unfassbar geduldige Einblicke unter anderem in das Liebesleben der Mädels, zu denen sich dann auch noch ein cooler Individualist (Michael Wyle) mit Motorrad und Schaufensterpuppe im Beiwagen sowie ein Penner gesellen, der auf der Ladefläche eines Pick-ups einzieht. Die Suche nach dem Baby und das damit einhergehende Rennen mit der Zeit wird aber nicht nur durch die Engelsgeduld des Drehbuchs ausgebremst, sondern auch durch die Dusseligkeit Kowalskis: In einer Art Running Gag zündet der ständig seinen Autositz mit herunterfallenden Kippenstummeln an, was dann zum Finale hin schließlich sogar in der Explosion seines Autos kulminiert. Erst zum Schluss kommt ein Hauch von Stimmung auf, als erst eine Gruppe von Tänzern eine lustige Performance zu zweitklassigem Eighties-Synthiepop vor dem Haus abliefert, in dem die Mädchen sich einquartiert haben, und dann in der finalen Auseinandersetzung mit dem Killer etwas Hokuspokus aufgefahren wird. Aber das hilft alles nicht: Ich habe schon viele langweilige Filme gesehen, aber wie die Geduld des Zuschauers in APPOINTMENT WIT FEAR strapaziert wird, ist schon Extraklasse.

Angeblich war Produzent Moustapha HALLOWEEN Akkad so dermaßen abgetörnt, vom fertigen Film, dass er Regisseur Ramsey Thomas sofort entließ und APPOINTMENT WITH FEAR noch einmal umschnitt – ganz offenkundig aber ohne Erfolg. Thomas zog daraufhin zwar seinen Namen zurück, weil er mit dem Ergebnis nichts zu tun haben wollte, ich gehe aber trotzdem mal schwer davon aus, dass ihm die volle Verantwortung für dieses Fiasko anzulasten ist. Finger weg, es sei denn ihr leidet unter Schlafstörungen, dann kommt dieser Heuler möglicherweise einem Segen gleich..

Mitford Webster (Peter Spitzer) ist enttäuscht von seinem Leben: Klar, er hat eine fürsorgliche Frau (Dianne Davis), die hin und wieder einen krassen Braten serviert, und zwei blonde Teeniekinder (seine Tochter hat, wie er mehrfach betont, das gute Aussehen der Mutter und sein Hirn geerbt), dazu ein Haus, aber der Job as Schuhverkäufer nervt ihn an und der Briefkasten quillt über vor Rechnungen. In der Post ist aber auch die Antwort eines Immobilienmaklers: Der hat das Kaufangebot für das alte leerstehende Kino angenommen! Es war schon immer Mitfords Traum, ein Kino zu betreiben! Und auch wenn seine Frau Zweifel hat, dass diese Karrierewandel wirklich sinnvoll ist, unterstützt se ihren Mann. Die beiden renovieren den alten heruntergekommenen Laden und feiern große Premiere mit einem Tierfilm namens „Grizzly Safari“. Doch dann stirbt der Vorführer und die Leiche eines Erhängten wird gefunden. Wie die Websters vom fetten Lieutenant Wombat (Joe Marmo) erfahren, ging das Kino einst in Flammen auf und der Vorführer kam ums Leben. Zurück blieb sein Bruder (Arch Joboulian), der jetzt völlig verwirrt durch die Gegend eiert.

THE MEATEATER ist ein billiger Film, der sich an einer zeitgenössischen Aufarbeitung von „Das Phantom der Oper“ versucht. Wie das bei solchen Filmen mist der Fall ist, ist auch THE MEATEATER langsam, er geht geradezu aufreizend großzügig mit der Zeit um, die ihm zur Verfügung steht. Es passiert wenig und wenn etwas passiert, nimmt es viel Zeit in Anspruch, bis es passiert. Aber die Zeit dazwischen wird mit allerhand komischem Zeug angefüllt: So zieht sich eine Art Wurst- und Fleischthema durch den Film. Im Kino gibt es Wiener Würstchen, die sowohl von der Kamera als auch in Dialogen immer wieder in den Fokus gerückt werden. Der Sohn macht sich einen Hotdog und die Mutter lobt seine ausgewogene und vitaminreiche Mahlzeit. Die ganze Familie singt zusammen den Werbejingle von Oscar Meyer Wieners. Einmal geh es um die Wiener von Jimmy Dean und es schließt sich ein Dialog an, ob das ein Musiker oder Schauspieler gewesen sei. Die Fressszenen aus dem Tierfilm, der auf dem Marquee als „wholesome“ beworben wird – der Makler erzählt, das Kino habe vor der Schließung Pornos gezeigt und so die Anwohner verprellt -, werden mit Bildern der Zuschauer parallel montiert, in denen diese ihr Fastfood verdrücken. Die Title Sequenz ist mit Szenen aus alten Jean-Harlow-Filmen unterlegt, für die der mutmaßlich verbrannte Vorführer offensichtlich schwärmte, denn der Vorführraum gleicht mit Bildern des Stars einem Schrein, aber das dient letztlich nur dazu, ihm einen Grund zu liefern, auf Websters blonde Tochter abzufahren, die es im Finale aus seinen Fängen zu retten gilt. Am schönsten ist aber natürlich der Traum des biederen Schuhverkäufers vom Kino: Mit einer Liebe zum Film hat das eigentlich gar nichts zu tun. Der Tierfilm ist der totale Schrott, was sich etwa daran zeigt, dass der Erzähler Geparden nicht von Leoparden unterscheiden kann, aber Webster freut sich einfach, dass Leute kommen und ihren Spaß haben. Am Ende sieht er ein, dass er vielleicht doch lieber wieder Schuhe verkaufen sollte, worin er ja eigentlich gar nicht so schlecht war. Seine Kinder, die ihren Aushilfsjob im Kino von Mama und Papa offenkundig hassen, werden es ihm danken.

Der titelgebende „Meateater“, also das Phantom des Kinos, isst übrigen nur ganz am Anfang einmal Fleisch, nämlich das einer lebendigen Ratte, die er vom Boden aufklaubt. Arch Joboulian, der für seine Doppelrolle als entstellter Vorführer und dessen Bruder in den Credits als erster genannt wird, hat eine eindrückliche Fresse, ist aber – wie die meisten hier – ein mieser Schauspieler. Wer stotternde retards mag, wird an ihm aber einen Narren Fressen. In Deutschland wurde THE MEATEATER als „Bluttheater“ veröffentlicht. Immer wieder erstaunlich,welcher Ramsch es über den großen Teich in die Videotheken schaffte.