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Am kommenden Wochenende, vom 27. – 29.03., findet im wunderschönen Nürnberg, der Heimat des Hofbauer-Kommandos und des Hofbauer Kongresses, zum zweiten Mal das „Terza Visione“ statt, ein dreitägiges Filmfestival, das sich ganz dem italeinischen Genrefilm verschrieben hat. Zur Premiere im vergangenen Jahr konnte ich leider nicht anwesend sein, diesmal werde ich es mir hingegen nicht nehmen lassen, die heiligen Hallen des KommKinos mit meiner Präsenz zu beehren. Das Programm besteht wie im vergangenen Jahr aus einer erlesenen Mischung bekannter und noch zu entdeckender Klassiker aus den Fünfziger- bis Achtzigerjahren und deckt so unterschiedliche Genres ab wie Italowestern, Komödie, Juvenile-Delinquents-Drama, Poliziescho, Abenteuer-, Horror-, Action-, und Sexfilm. Als Teaser werfe ich hier nur die Titel OPERAZIONE PAURA, NON SI SEVIZIA UN PAPERINO, ITALIO A MANO ARMATA, DOUBLE TARGET oder OPERA in den Raum. Zu letzterem, der als Abschlussfilm am Sonntag läuft, wurde ich überdies auserkoren, einige einleitende Worte zu sprechen. Wer Interesse hat und in der Nähe ist, sollte nicht mehr zu lange zögern, denn es wird mit ausverkauftem Haus gerechnet. Das vollständige Programm findet ihr hier.

Rolf Olsens BLUTIGER FREITAG gilt vielen als schillernder Solitär der deutschen Filmgeschichte: Es ist der Film, in dem sich am meisten herauskristallisiert, wie deutsches Actionkino hätte aussehen können, wenn es denn welches gegeben hätte, der am nächsten dran ist an der Rohheit, Wildheit und Geilheit der Genreperlen, die unsere italienischen Freunde in den Siebzigerjahren noch in rauen Mengen auf die Leinwand schleuderten.

In einer gerechten Welt stünde dieser Film im Pantheon der großen deutschen, ach was, der internationalen Meisterwerke des Crime- und Actionfilms, doch leider sieht es in der Realität anders aus. Zwar wissen einige Cinephile und Genrefans Olsens Film richtig einzustufen, aber auch sie müssen sich seit Jahren mit einer DVD vom Grabbeltisch zufriedengeben, die der Wucht, mit der BLUTIGER FREITAG und sein Protagonist Heinz Klett (Raimund Harmstorf) den Zuschauer überrollen, nicht gerecht wird. Aber leider lässt die Materiallage – noch – nichts anderes zu: Das Originalnegativ des Films ist vollkommen beschädigt, zeigt von fehlenden Einzelbildern und Rissen über Wasserschäden bis zu Verschmutzungen und Kratzern die ganze Palette des Verschleißes. Alle verfügbaren 35-mm-Kopien sind über die Zeit ausgeblichen und alle vier bekannten Positivprints zeigen dieselben Probleme.

Um diese unerträgliche, inakzeptable Situation zu ändern und dieses bedeutende historische Dokument für die Nachwelt zu retten, sind Subkultur Entertainment angetreten, den Film mithilfe einer vom Originalnegativ gezogenen Kopie zu restaurieren und als Blu-ray zu veröffentlichen.

Wem etwas an der deutschen Filmgeschichte liegt – oder auch einfach nur daran, eine adäquate Version dieses endgeilen Films sein eigen nennen zu können –, der kann Subkultur bei diesem Vorhaben via Kickstarter unterstützen. Das Bild links oben ermöglicht einen kleinen Vorgeschmack und zeigt, wie so eine Blu-ray von BLUTIGER FREITAG aussehen könnte. Details finden sich hier. Ich habe das Projekt selbstverständlich unterstützt und das solltet ihr jetzt auch tun.

der 1. mondo bizarr-weekender

Veröffentlicht: Januar 22, 2015 in Film, Veranstaltungen

1503321_882129958494423_2331182600465037589_nSeit einigen Jahren schon veranstaltet Marc Ewert in Düsseldorf die Reihe „Mondo Bizarr“, die sich dem widmet, was man auf Deutsch unter dem schönen, leider zunehmend in Vergessenheit geratenden Begriff „Bahnhofskino“ subsumiert. Früher im Bambi in der Klosterstraße mit von Video gebeamten Perlen aus längst vergangenen Tagen, seit einiger Zeit in der größeren Black Box, dem Kinosaal des Filmmuseums mit „echten“ 35-mm-Kopien desselben Stoffs.

Am übernächsten Wochenende, also vom 30.01. bis zum 01.02. findet am selben Ort der erste Mondo-Bizarr-Weekender statt, ein Minifestival gewissermaßen, zu dem ein Programm zusammengestellt wurde, das von Liebe zum abseitigen Film in allen seinen Facetten geprägt ist. Es gibt sowohl beliebte Klassiker als auch einige weniger bekannte Perlen zu bestaunen, sodass vom Experten bis zum Einsteiger jeder gut bedient wird. An den drei Tagen gibt es insgesamt acht Filme zu bestaunen, allesamt als prächtige 35-mm-Projektionen.

Auch ich werde anwesend sein und habe überdies die Ehre, zu den Screenings von Nico Mastorakis‘ DIE TEUFLISCHEN VON MYKONOS am Freitag und STAR CRASH am Sonntag ein paar einleitende Worte sagen zu dürfen. Wer in der Nähe Düsseldorfs weilt, das Genrekino liebt und die zunehmende Digitalisierung der Kinos bedauert, hat keine Ausrede, wenn er Marc und die Black Box nicht mit seiner Anwesenheit beglückt. Alle relevanten Details entnehmt ihr dem abgebildeten Flyer.

Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit und trotzdem alles neu: Gemeinsam mit dem Filmkollektiv Frankfurt laden die Hofbauer-Kommandanten diesmal nicht ins fränkische Nürnberg, sondern in die weltberühmte Hessen- und Ebbelwoi-Metropole, um dort ein mit  gewohntem Fingerspitzengefühl aus alten, bereits gezeigten Klassikern und neuen, potenziellen Favoriten kuratiertes Programm vorzuführen. Nur hier bekommt man – möglicherweise zum allerletzten Mal – die Gelegenheit, mittlerweile Legendenstatus innehabende Werke wie DER PERSER UND DIE SCHWEDIN, Jürgen Enz‘ HERBSTROMANZE, Frits Fronz Jahrhundertmeisterwerk BARON PORNOS NÄCHTLICHE FREUDEN, Rudolf Lubowskis SÜNDE MIT RABATT oder TANJA – DIE NACKTE VON DER TEUFELSINSEL zu bestaunen und außerdem der Geburt neuer Kinomythen beizuwohnen.

Die Veranstaltung ist, wie die „echten“ Hofbauer-Kongresse auch, der Sphäre des Sektiererisch-Geheimbündlerischen enthoben und also auch für Normalsterbliche und Nachwuchsschmierologen zugänglich. Es gibt demnach wirklich keinen Grund, sich vom 07. bis 09. November nicht in Frankfurt einzufinden, um dort das kollektive Platzen der Hosen zu zelebrieren. Als angenehme Begleiterscheinung hat man außerdem die einmalige Chance, nette Bekanntschaften zu machen (darunter viel Prominenz aus der Sphäre der deutschen Cinephilie) und Kontakte zu knüpfen, seine Abwehrkräfte beim „Stählernen Überraschungsfilm“ zu stärken, sich einen waschechten „Videoknüppel“ über den Schädel ziehen zu lassen und in den frühen Morgenstunden, berauscht von filmischen Ephemera einer längst vergangenen Epoche, in einen neuen Tag (und ins Bett) hinaus- bzw. hineinzutrüben. Alle, die kommen, erwartet eine geballte Dosis Tristesse, wohldosiert abgeschmeckt mit einer Prise feinstem deutschem Schlumor und einer gehaltvollen Jus aus aromatischem Frühschmier.

Wer Appetit bekommen hat, findet hier nicht nur den genauen Spielplan, sondern auch verheißungsvolle Ankündigungstexte. Kommt alle!

In den frühen Montag-Morgenstunden wurde es für mich so langsam Zeit, Abschied zu nehmen. Der Schmerz, am folgenden letzten Kongresstag nicht mehr teilhaben zu können, wurde mit dem für diese Uhrzeit obligatorischen „Videoknüppel“ effektiv gelindert. Nachdem alle vorangegangenen Filme von 35 mm gezeigt wurden – was einen ziemlichen Restaurations- und Arbeitsaufwand für den lieben Christoph bedeutete, dem hiermit noch einmal von Herzen gedankt sei, dass er diese Strapazen auf sich genommen hat –, trübte LA SENORA DELL ORIENTE EXPRESS sehr adäquat als VHS-Rip von der Leinwand. Das matschige Bild und die wahrlich erlesene deutsche Pornosynchro passten ganz ausgezeichnet zu diesem öligen Spätachtziger-Sleazebolzen, der dem längst vergessenen Genre des europäischen Softerotikfilms keine Schande machte, sondern perfekt repräsentierte.

Erzählt wird die Geschichte der geilen Gloria (Malisa Longo), eine Dame vom Typ „hochtoupierte, schon leicht ranzige Glamour-Schlampe“, die seit der Heirat auf dem Trockenen liegt, weil ihr geliebter Ehemann (Tomas Pico), sich leider als impotent und zudem als masochistischer Voyeur erwiesen hat. Weil Gloria daher chronisch der Schritt brennt, schmeißt sie sich beim gemeinsamen Urlaub an Bord des Orient-Express an alles ran, was einen Schwanz hat und sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann. Derweil ist ihr Gatte, der das unglaubliche Verhalten seiner Frau erregt beobachtet, im siebten Himmel, sind jene Art der Demütigung und visuellen Stimulierung doch genau sein Ding …

Wie „schön“ waren doch die späten Achtziger: Aus jeder Minute von LA SENORA DELL ORIENTE EXPRESS quellen literweise Schmieröl und Frittenfett, es riecht nach preiswertem Cologne, Mottenkugeln und Tabakladen und wenn man von den Insignien falschen, billigen Glamours – Pelzmantel, Protzschmuck, Reizwäsche, Bummelzug – geblendet wird und ins Taumeln gerät, bremsen meterbreite Schulterpolster sanft den Fall. Die Frauen sehen allesamt aus wie Männer, die sich auf die Geschlechtsumwandlung vorbereiten und meinen, immer noch eine Schippe obendrauf legen zu müssen: Für die Haarspray-Frisuren wurde wahrscheinlich ein eigenes Ozonloch aufgerissen, Lippenstift und Nagellack leuchten in feinstem Nuttenrot, Seidenstrümpfe und Strapse werden nicht einmal zum Pennen ausgezogen. Die Männer, verweichlichte Jammerlappen, torkeln immer am Rande der vorzeitigen Ejakulation entlang und sind völlig unfähig, sich gegen die ihre Reize aggressiv einsetzenden Damen auch nur annähernd zu behaupten. Devot winselnd liegen sie ihren Angebeteten zu Füßen, lassen sich demütigen, beleidigen oder das Geld aus der Tasche ziehen, dabei völlig entrückte Lobpreisungen gen Himmel schicken, dass sie diesen süßen Rausch der Sinne erleben dürfen. Sex ist hier keine gleichberechtigte Sache, noch nicht einmal etwas, was man miteinander macht, sondern immer nur ein Bedienen oder Nehmen, das von der Frau ausgeht. Sie ist dem Mann hoffnungslos überlegen, aber was nützt ihr das, wenn sie es dann doch mit jedem Penner auf dem Bahnhofsklo treibt, anstatt sich den Besten auszusuchen? Das Tolle an LA SENORA DELL ORIENTE EXPRESS ist die krasse Diskrepanz zwischen der vorgekaulten Vornehmheit und Transzendenz und der tatsächlichen, bodenlosen Schmierigkeit. Der Film erzählt eigentlich von der Überwindung eines nagenden Eheproblems, doch geht das schon im Ansatz in die Hose, weil seine Protagonisten nur bei äußerst großzügig ausgelegter Definition noch als Menschen durchgehen. Da schütten sie sich das Herz über ihre heiligen Gefühlsregungen aus, reden in einer Tour aneinander vorbei, während sie sich begrapschen und ablecken wie die Handwerker. Währenddessen klappert der Film die tollsten europäischen Städte ab – Venedig, Paris, Zürich –, doch sein Orient-Express besteht anscheinend nur aus zwei Waggons, in denen sich zwei Handvoll Gäste aufhalten. Der „Künstler“, der Gloria am Schluss auf Geheiß ihres Mannes nackt malen soll, sieht aus wie ein am Down-Syndrom leidender Zwillingsbruder von Andy Warhol und seine Tiraden auf die „kleinbürgerliche Scheiße“ nehmen sich angesichts seiner Schmierereien reichlich geprahlt aus. Der Opernsänger, ein Pavarotti-Lookalike muss ständig husten und seine amateurhaften Sangeskostproben werden von den Gästen frenetisch beklatscht. Das alles wäre aber nur die halbe Miete ohne die Synchronisation, die auch den banalsten Scheiß noch weihevoll intoniert. „Hier gibt es schöne Sachen“, sagt der Ehemann zu Gloria, als beide über einen Antikmarkt bummeln, LA SENORA DELL ORIENTE EXPRESS damit ebenso schön und treffend zusammenfassend wie den 11. Hofbauer Kongress. Ich freue mich auf die 12. Ausgabe, von der ich – sofern ich dabei sein kann – wieder ausführlich berichten werde.

kungfuheadcrusher800Nach sich mit Bällen neckenden Nudisten und Esel waschenden Kleinkindern mussten sich die Teilnehmer des 11. Hofbauer Kongresses notgedrungen wieder den Härten des Lebens stellen.  DER TODESSCHREI DES GELBEN PANTHERS, wie YING HAN in Deutschland poetisch betitelt wurde, leistete entsprechende Konfrontationstherapie. 80 Minuten brachiales Fratzengeballer ohne jede Schönfärberei oder überkandidelte Artistik brachen von der Leinwand über die Zuschauer hernieder. Unterbrochen wurde die brutale Keilerei von feinstem taiwanesischen Sleaze, wenn der Bösewicht des Films, ein gemeiner Schmugglerboss und Menschenschinder, sich mit seinen Betthäschen vergnügt und dabei stets zu früh kommt.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die beiden Helden, zwei gestählte Kung-Fu-Kämpfer, sitzen zu Beginn im Bau, erhalten jedoch den Auftrag, besagten Schmuggler zur Strecke zu bringen. Einer schleust sich in dessen Bande ein – sehr zum Entsetzen der Landbevölkerung, die in ihm schon einen Verbündeten im Kampf gegen den Schurken sah, nur um ihn nun auf der falschen Seite des Gesetzes zu wähnen –, der andere hält sich in sicherer Distanz bereit. Natürlich fliegt der Verräter auf und die Schurken machen mobil. Es kommt zur ausgedehnten Keilerei in der bergigen Küstenlandschaft Taiwans, bei der der Held auch seinen gefürchteten Finishing Move zum Einsatz bringt, der dem Film seinen malerischen US-Titel verlieh …

Wenn es um Martial Arts und Eastern geht, bin ich ja eigentlich Monotheist. Ich liebe das Kino der Shaw Brothers (von dem ich zwar auch nur  Bruchteile kenne, aber das ist bei einem Output von rund 600 Filmen auch kaum anders denkbar) und bin bis auf vereinzelte Ausnahmen nur wenig vertraut mit dem restlichen Genre. Na klar, ich kenne Bruce Lee und natürlich das Werk Jackie Chans ab den mittleren Achtzigejahren, aber das reicht kaum, um in Sachen Eastern wirklich mitreden zu können. An den Shaws schätze ich vor allem die elaborierten Studiosettings und die bunte Kostümpracht, Merkmale einer Art „kleinen“ Monumentalkinos, und natürlich die atemberaubenden Choreografien etwa eines Lau Kar-Leung. TODESSCHREI DES GELBEN PANTHERS kommt vom ganz anderen Ende des Spektrums, konzentriert sich inhaltlich um seine vier, fünf zentralen Figuren, nutzt als Kulisse beinahe ausschließlich die freie Natur, ist in seinen Fights alles andere als filigran und raffiniert, sondern superdirekt und ultrabrutal. Der Reiz solchen Kinos erschließt sich mir schon und der Gedanke, dass sowas früher Sonntagmittag im Bahnhofskino lief, lässt mich durchaus nostalgisch werden, allein, ich kann bei Filmen dieser Art nicht so richtig mitgehen. Um emotional wirklich mitgerissen zu werden, fehlen mir die Untiefen: Alles ist von Anfang an ganz klar dargelegt und dann wird der Plot nur noch abgespult, zwar mit äußerster Konsequenz, aber nichtsdestotrotz total vorhersehbar. Klar, das Finale ist reiner, filmgewordener Tobsuchtsanfall, wenn sich der Held da förmlich in einen Rausch hineinprügelt, den Endgegner im wahrste Sinne des Wortes unangespitzt in den Boden rammt. Das hat schon etwas Befreiendes, Kathartisches, Urwüchsiges. Aber um mich über seinen Triumph wirklich freuen zu können, fehlt mir einfach die Fallhöhe.

f-004_01Der zweite Nudistenfilm führte die Kongressteilnehmer von den Tropen in gemäßigtere Gefilde nach Korsika und dort auf die idyllische Felseninsel Cavallo, die eine kleine Nudistenkolonie beherbergt. Bevor es den ausgiebigen Blick auf nackte Menschen gibt, nehmen die drei „Protagonisten“ – ein Mann und zwei Frauen – und der gut gelaunte Voice-over-Kommentator den Zuschauer jedoch bei der Hand und zeigen ihm auf dem Weg nach Cavallo ein paar Sehenswürdigkeiten. Hilarity ensues: Ein typisch südländisch-fauler Autovermieter vergisst bei der Herrichtung des 2CV einen neuen Vergaser einzubauen, sodass es für die drei Urlauber auf den Gebirgsstraßen schon bald nicht mehr weitergeht. Zum Glück ist die knorrige Inselbevölkerung immer hilfsbereit – wenn sie nicht gerade auf Wildschweinjagd ist und wüst ballernd im Wald herumrennt – und übernimmt mit einem braven Esel, bekanntlichermaßen „Freund des Menschen“, den Abschleppdienst, sodass die Drei doch noch am Ziel ankommen. Auf der anderen Seite der Insel bemerkt der Autovermieter unterdessen sein Versäumnis und rast den Nudisten auf dem Sozius eines motorisierten Pfarrers hinterher. Das war dann auch schon die Handlung.

Für den Rest des Films ergeht sich Regisseur Swiagenin in der Ins-Licht-Stzung des Insel- und Nudistenidylls: Man turnt am Strand mit seinen bizarren Felsformationen herum, taucht im kristallklaren Wasser, tanzt, empfängt den Lebensmittelboten, neckt sich mit Bällen (Zitat), wäscht den Esel und lässt es sich rundum gutgehen in seiner Nacktheit. Auf- oder gar erregend ist das alles nicht, aber irgendwie erholsam in all seiner Ereignis- und Harmlosigkeit, der fleißigen Gewissenhaftigkeit, mit der der Nudistenurlaub in all seiner Biederkeit protokolliert wird. Cavallo bietet eine hübsche Kulisse, doch nach knapp 80 Minuten hat man dann wirklich jeden Felsen gesehen. TÖCHTER DER SONNE ist auch darin fast wie Urlaub: Kurz vor Schluss freut man sich darauf, wieder nach Hause zurückzukehren, dem elenden Müßiggang endlich wieder etwas Stress entgegensetzen zu können. Mit von der Sommerbrise gut ausgelüftetem Gemächt ist man bereit, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen.