Mit ‘Achtzigerjahre’ getaggte Beiträge

alles gute zum muttertag!

Veröffentlicht: Mai 14, 2017 in Film
Schlagwörter:, , ,

Zum Ehrentag unserer Mamas habe ich für critic.de über den schönsten Muttertagsfilm überhaupt geschrieben: Charles Kaufmans MOTHER’S DAY! Wäre es nicht eine tolle Idee, heute etwas Zeit mit eurer Mama zu verbringen und dabei mit ihr diese kleine, possierliche Komödie zu schauen? Denkt mal drüber nach! Hier geht es zum Text.

Schon im Kino der Fünfzigjahre wurden idealistische Lehrer, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, den ihrer Obhut anvertrauten Jugendlichen Wissen und Werte zu vermitteln, von belederjackten und brillantinebefleckten Tunichtguts bei der Ausübung ihrer Aufgabe gestört. Aber die Störenfriede waren in der Minderheit, ihr umstürzlerisches Potenzial noch nicht ausgeprägt genug, um echten Schaden anzurichten. Eigentlich suchten auch sie nur Anerkennung, die ihnen im Elternahus versagt geblieben war. In den Achtzigerjahren stand die bildungspolitische Apokalypse hingegen kurz bevor: Schulen glichen Kriegsgebieten, an den Eingängen wurden die Kids nach Waffen durchsucht, an Unterricht war gar nicht mehr zu denken, die neue Schülergeneration bestand aus Terroristen, Psychopathen und Mördern.

Die kanadische Komödie REBEL HIGH spielt genau an einer solchen Schule. Wie der Zuschauer erfährt, sind allein in den letzten zwei Jahren 69 Direktoren an der Aufgabe gescheitert, Ordnung in den Laden zu bringen. Die Wände sind mit obszönen Grafitti beschmiert, der Zustand des Gebäudes ist mit „ruinös“ noch freundlich beschrieben, ständig explodieren Sprengkörper, bekriegen sich die Gangs auf den Gängen mit Feuergewalt. Vize-Direktor Norman Relic (Wayne Flemming) betreibt verzweifelte Schadensbegrenzung, sein Sidekick Harvey Schlepper (Ralph Millman) legt den Stahlhelm längst nicht mehr ab. Die Idee des neuen Direktors Edwin Swimper (Harvey Berger), die Schüler nicht mehr länger mit strengen Regeln und Strafen zu plagen und sie ihre Schulfächer selbst wählen zu lassen, macht alles noch schlimmer: Plötzlich sind Bogenschießen und Sex Education die beliebtesten Aktivitäten. Swimper wirft entnervt das Handtuch, an seine Stelle tritt der blässliche Peckham (Stu Trivax), der zuvor in Afrika unterrichtet hatte und die Rebel High ernsthaft für eine Verbesserung hält. Schon nach kurzer Zeit verliert auch er den Verstand angesichts der dort herrschenden Zustände. Weil sich die Schulbehörde angekündigt hat, müssen Relic und Schlepper sich aber dringend etwas einfallen lassen, sonst wird die Rebel High dem Erdboden gleichgemacht. Die Planierraupen stehen schon bereit …

REBEL HIGH ist hoffnungslos albern, billig und völlig in seiner Zeit verhaftet – genau meine Kragenweite also! Nur wenige Gags zünden, was der Voice-over-Narrator bereitwillig eingesteht, aber das macht irgendwie nichts, weil der Film davon lebt, sattsam bekannte Klischees gnadenlos auf die Spitze zu treiben. Was einem Mark L. Lester in CLASS OF ’84 noch als dystopische Beschreibung des Status quo verkaufen wollte, wird hier vielmehr gegen die Mahner, die über die Jugend von heute klagen, gerichtet. Die eigentlichen Witzfiguren sind die Lehrer: Verkniffene Ewiggestrige, die den Kontakt zu ihren Schülern völlig verloren haben. In einer Szene versucht Peckham seiner Klasse klarzumachen, dass Jesus aus einer unbefleckten Empfängnis stammt und von Gott gezeugt wurde. Ob Maria das auch ihrem Mann erzählt und der das tatsächlich geglaubt habe, will ein Schüler wissen. „Natürlich“, lautet die Antwort der nervösen Erwachsenen, worauf sich die Kids vor lachen biegen. Am Ende kann Relic das drohende Ende seiner Schule dadurch abwenden, dass er mit Calvin (Kenny Robinson), dem Anführer der Schüler, gemeinsame Sache macht und ihm einen Abschluss gegen Mithilfe verspricht.

REBEL HIGH richtet sich natürlich an ein Teeniepublikum, deshalb ist die Sympathieverteilung ganz klar: Mit der Idee, dass es die Schüler sind, die insgeheim die Fäden an einer Schule ziehen – Calvin hat auf der Schultoilette einen Men’s Club mit Jacuzzi eingerichtet, von wo aus er seine „Geschäfte“ führt -, bedient er den jugendlichen Omnipotenzwahn und die Ansicht, dass die Pauker nichts anderes als Grüßauguste sind, deren jämmerliche Macht sich eben auf die vier Wände der Schule beschränkt, während die Schüler diese irgendwann hinter sich lassen und dann selbst die Welt erobern dürfen. Darin steckt schon viel Wahrheit, die REBEL HIGH sehr sympathisch macht.

Ich habe mich nie wirklich für THE FINAL COUNTDOWN interessiert, aber wie das manchmal mit solchen Filmen ist, laufen sie einem dann besonders beharrlich über den Weg. In dieser Zeit, in der 98 % der Blockbuster jedes Gramm Seele zugunsten technischer Perfektion eingetauscht haben, wohnt gerade solchen Eventmovies von anno dazumal, die heute wirken wie aufgeblasene B-Movies, ein enormer Zauber inne – und dass THE FINAL COUNTDOWN dann auch noch ganz gut in meine Katastrophenfilm-Exkursionen passt, reichte, um meinen Willen zu brechen. Am Ende habe ich mich darüber nicht ärgern müssen: THE FINAL COUNTDOWN bietet etwas gesichtslose, am Ende seltsam ins Leere laufende, handwerklich routinierte, aber keinesfalls spektakuläre Unterhaltung, die aber aus einem mir unerfindlichen Grund trotzdem niemals so scheißegal und austauschbar ist wie zeitgenössischer Quark, den man mit genau denselben Attributen versehen könnte.

THE FINAL COUNTDOWN handelt vom Flugzeugträger U.S.S. Nimitz, der in der Nähe von Hawaii in einen rätselhaften Sturm gerät und daraufhin knapp 40 Jahre in die Vergangenheit bugsiert wird – in den Zeitraum wenige Stunden, bevor die Japaner ihren Angriff auf Pearl Harbor fliegen. Die Frage, die sich stellt: Ist es an der Besatzung um Captain Yelland (Kirk Douglas), in die Kampfhandlungen einzugreifen und den Verlauf der Geschichte mit avancierter Feuerkraft und Kriegsmaschinerie entscheidend zu verändern, wie es der zufällig an Bord befindliche zivile Beobachter Warren Lasky (Martin Sheen) fordert, oder sollten sie sich raushalten, weil die Folgen für das Zeit-Raum-Kontinuum unüberschaubar sind, wie es die Meinung des Piloten und Hobbyhistorikers Richard Owens (James Farentino) ist?

THE FINAL COUNTDOWN geht der Beantwortung dieser Frage aus dem Weg, indem er just in dem Moment, in dem eine Entscheidung getroffen werden muss, einen zweiten Sturm vorbeischickt, der die U.S.S. Nimitz wieder in die Gegenwart zurückbringt. Das ist streng genommen kein schlechter Schachzug, weil er eben den Zuschauer dazu zwingt, über die vom Film gestellte Frage nachzudenken, anstatt ihm die Antwort zu servieren, aber ich zumindest erwarte bei einem solchen Film, der ein so großes Augenmerk auf Spektakel und große Bilder legt, am Ende auch in irgendeiner Form „bedient“ zu werden. Das versäumt Don Taylor, der sogar auf Bilder aus Fleischer und Masudas TORA! TORA! TORA! zurückgreift, um den Angriff auf Pearl Harbor in Szene zu setzen. Für eine TWILIGHT ZONE-Episode wäre seine Herangehensweise ideal gewesen, aber für eine halbstündige Fernsehepisode hätte man wahrscheinlich nicht die Kollaboration der US Navy gewonnen.

Hier dürfte dann auch ein für die Entstehung von THE FINAL COUNTDOWN ganz entscheidender Faktor liegen: Taylor stand für die Dreharbeiten tatsächlich die U.S.S. Nimitz samt Besatzung zur Verfügung. Ein Großteil des Films erinnert dann auch etwas an eine maritime, weniger geleckte und videoclippige Version von TOP GUN: Da wird die Präzision, mit der Düsenjets auf der vergleichsweise kurzen Start- und Landebahn abheben oder aufsetzen, mit großer Detailfreude gezeigt, bekommt der Zuschauer das gesamte zur Verfügung stehende Arsenal vorgeführt, samt militärischem Tamtam. Man muss THE FINAL COUNTDOWN zugutehalten, dass er im Unterschied zum genannten Vergleichstitel nicht wie ein Werbespot wirkt. Ohne sein Setting wäre Taylors Film jedenfalls sofort als der tolldreiste Quatsch enttarnt worden, der er eigentlich ist. Und es ist höchst fraglich, ob man Kirk Douglas und Martin Sheen zur Mitwirkung hätte überreden können.

Andererseits fand ich eine Sache dann doch bemerkenswert an THE FINAL COUNTDOWN und würde sie ihm durchaus positiv ankreiden wollen: Wenn Lasky da recht mutig zu bedenken gibt, dass die beobachteten Phänomene – Radioübertragungen aus den Vierzigerjahren etc. – darauf zurückzuführen sein könnten, dass man tatsächlich in die Vergangenheit gereist ist, zieht das nicht die in Genrefilmen sonst so üblichen Empörungsrufe und Verspottungen nach sich, vielmehr ist man nach kurzer Zeit bereit, seinen Vorschlag zumindest in Betracht zu ziehen. Auch wenn THE FINAL COUNTDOWN am Schluss wie erwähnt im Sande verläuft: Bis dahin vertrödelt er immerhin keine Zeit.

Für THE STAR CHAMBER verquickt Peter Hyams den zu Beginn der Achtzigerjahre und angesichts steigender Kriminalitätsraten immer noch nicht aus der Mode gekommenen Selbstjustizfilm mit dem Polit- und Verschwörungsthriller der Siebzigerjahre. Wie das bei Hyams meistens so ist, hat man am Ende zwar das Gefühl, dass man aus dem Stoff inhaltlich noch eine ganze Menge mehr hätte herausziehen können, dafür bekommt man aber ein Werk, das absolut fantastisch aussieht und so rund läuft wie eine gut geölte, schnurrende Maschine.

Der Richter Steven Hardin (Michael Douglas) ist verzweifelt: Wegen Formfehlern muss er zunächst einen mehrfachen Raubmörder, dann schließlich zwei Päderasten und Kindermörder ziehen lassen. Wo ist nur die Unfehlbarkeit des Rechts, in die er sich während seines Studiums so verliebt hatte? Sein Mentor Benjamin Caulfield (Hal Holbrook) kennt die Lösung: Er ist Angehöriger einer Gruppe von Richtern, die all die Fälle nicht verurteilter Krimineller neu verhandelt, zum Schuldspruch kommt und die Strafe auf dem Fuße nachreicht – in Form eines Killers. Auch Hardin wird in den Kreis eingeführt und darf die beiden Kindermörder nachträglich zum Tode verurteilen. Doch dann stellt sich heraus, dass die beiden die Tat nicht begangen haben können …

Hyams hat in THE STAR CHAMBER viel zu erzählen: Er führt seinen Protagonisten geduldig auf den Moment hin, in dem Caulfield ihn für die Aufnahme in seinen Vigilantenbund geeignet hält. In der ersten Hälfte geht es also um die Fehlbarkeit der Rechtssprechung, die Formfehler, die die Polizei bei der Beweiserhebung macht und die Hardin keine andere Wahl lassen, als die Verbrecher – teilweise trotz vorliegender Geständnisse – auf freien Fuß zu setzen. Ironischerweise eine Situation, mit der außer den überraschen Freigesprochenen keiner glücklich ist, nicht einmal deren Verteidiger, die ja auch nicht blind sind. Aber das Gesetz fordert absolute Regeltreue. Die zunehmende Frustration Hardins, der öffentlich als verantwortlich dafür gesehen wird, gewissenlose Killer auf freien Fuß zu setzen, kulminiert, als der Vater des ermordeten Jungens im Gerichtssaal zur Waffe greift, um die Mörder selbst zu richten. Wo eigentlich Ordnung und Gerechtigkeit herrschen sollten, ist das absolute Chaos ausgebrochen.

Die „Star Chamber“ (im Film fällt dieser Begriff kein einziges Mal) verspricht Abhilfe, aber der Zuschauer weiß natürlich sofort, was er von dem geheimniskrämerischen Treiben zu halten hat – genauso wie Hardin übrigens, dessen Teilnahme eigentlich von Anfang an ein Eingeständnis seiner Hilflosigkeit ist. Die echte Überzeugung will sich bei ihm nicht einstellen. Zu Recht: Wenn sich da die Richter – allesamt dem gehobenen Mittelstand angehörige, distinguierte ältere Damen und Herren – in einem mondän eingerichteten Kaminzimmer versammeln, um Todesurteile zu verhängen, hat das nicht nur etwas Geheimbündlerisch-Verschwörerisches: Hier wird Rechtstaatlichkeit nicht gerettet, sondern aus dem Weg geräumt. Es ist schon bezeichnend, dass die Rache der Richter ausschließlich Menschen aus den unteren Schichten trifft. Der Umschwung lässt dann auch nicht allzu lang auf sich warten und stellt keinen echten Sinneswandel dar: Natürlich kommt Hardin mit seinem Appell an die Menschlichkeit bei den Überzeugungstätern nicht weiter. Der Stein, der einmal ins Rollen gebracht wurde, lässt sich nicht aufhalten und wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Besser einen Unschuldigen über die Klinge springen lassen, als zehn Schuldigen aufgrund von Formfehlern die Freiheit zu gewähren. Für die Dramaturgie von THE STAR CHAMBER ist Hardins Humanismus und der Glaube an eine Rechtstaatlichkeit, die diesen Begriff wirklich verdient, ein Problem: Die Freude an der einfachen Lösung, die andere Vigilanten antreibt, kennt er nicht. Der Richter sieht nicht rot, wie es der deutsche Titel suggeriert, sein Blick ist nur kurzzeitig etwas eingetrübt.

Hyams selbst löst das Problem, indem er den Film in einen Showdown münden lässt, der die Ambivalenz des Selbstjustizfilms bewahrt, welche ihm sein Protagonist verweigert. Die beiden „Unschuldigen“, die Hardin vor dem Killer bewahren will, sind beileibe keine Unschuldslämmer. Man kann nicht behaupten, dass die Rache der „Star Chamber“ wirklich die Falschen getroffen hätte. Aber bei der Rechtsprechung, die Hardin vertritt, geht es eben nicht um eine alttestamentarische Strafe, mit der Amoral sanktioniert werden soll. Es geht um die Frage nach Täterschaft in ganz konkreten Fällen. Auch das größte Dreckschwein muss den Freispruch bekommen, wenn es einer Tat bezichtigt wird, die es nicht begangen hat. Am Ende führt Hardin den Cop Lowes (Yaphet Kotto) zum Gerichtssaal der Star Chamber: Er wird wohl die richtige Entscheidung treffen.

Thornton Melon (Rodney Dangerfield) ist ein erfolgreicher Unternehmer: Mit einer Kette von Bekleidungsgeschäften für Übergrößen namens „Tall & Fat“ ist er reich geworden, obwohl er eigentlich nie etwas gelernt hat. Gebracht hat es ihm eine schlampige Ehefrau (Adrienne Barbeau), die ihn hasst, sich kaum Mühe gibt, ihre Seitensprünge zu verbergen und ständig blasierte Leute zu protzigen Partys einlädt. Als sie ihm die Scheidung ankündigt, packt er seinen treuen Chauffeur Lou (Burt Young) und fährt kurzerhand zur Uni seines Sohnes Jason (Keith Gordon), der nicht gerade zu den Beliebtheitsanführern auf dem Campus zählt und gut etwas vom überbordenden Selbstbewusstsein des Papas gebrauchen könnte. Mit einer großzügigen Spende bei Dean Martin (Ned Beatty) gelingt es Thornton, sich selbst noch einmal einzuschreiben. Er verärgert den Lehrkörper, verliebt sich in die Literaturprofessorin Diane (Sally Kellerman) und mogelt sich dank nie versiegender Finanzen durch den Schulalltag. Dann kommt es zum Zerwürfnis mit dem Sohn …

BACK  TO SCHOOL ist zunächst einmal ein sehr typischer Vertreter der Collegekomödie, wie sie in den Achtzigerjahren populär war: Da geht es um amouröse Anbahnungen, ausufernde Partys, langweilige Unterrichtsstunden bei exzentrischen Lehrern, den Konflikt zwischen den Nerds und den Jocks und darum, wichtige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Jason kämpft verzweifelt um die Aufnahme ins Turmspringerteam unter Trainer Turnbull (M. Emmet Walsh) sowie um das Herz der süßen, aber auch etwas langweiligen Valerie (Terry Farrell), auf die es auch sein ekliger Rivale Chas (William Zabka) abgesehen hat, und hängt mit dem ewigen Clown Derek (Robert Downey jr.) rum. Papa Thornton wirbelt alles ordentlich durcheinander und verpasst dem Sohnemann einen kräftigen Schub: Das Überraschende an BACK TO SCHOOL ist, dass sein zentrales Vater-Sohn-Gespann ein ganz gutes Team darstellt, es erst spät zum Konflikt zwischen den beiden kommt – der dann auch kaum länger als drei Szenen anhält. Der Vater kann noch so peinlich sein, Jason nimmt das mit einem Lachen und scheint sich tatsächlich darüber zu freuen, den alten Herren an seiner Seite zu wissen. Klar, der verwandelt die drei kargen dorm rooms in ein spitzenmäßig eingerichtetes bachelor pad, hat nur Unfug im Kopf und gibt den Lehrern, allen voran dem spießig-elitären Wirtschaftsprof Barbay (Paxton Whitehead), ordentlich Kontra. Der Umschwung kommt irgendwann, weil Jason es selbst schaffen will, anstatt ständig die Unterstützung seines Papas zu bekommen – der es aber natürlich nur gut meint. Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf: Thornton büffelt wie ein Ochse, um den Abschluss zu schaffen (die „Trainingssequenz“ ist der Höhepunkt von BACK TO SCHOOL), der Sohnemann versöhnt sich mit ihm und als der alte Herr mit seinem Spezialsprung dann auch noch das Turmspringerteam zum unerwarteten Sieg führt, dürfen die Melons sogar ihre beiden jeweiligen love interests in die Arme schließen.

Rodney Dangerfield dürfte den meisten meiner Leser durch seine Rolle als neureicher Zampano Al Czervik in Harold Ramis Kultkomödie CADDYSHACK bekannt sein; in den USA machte er sich einen Namen als Stand-up-Comedian, dessen Catchphrase „I don’t get no respect!“ der Ausgangspunkt für zahllose Gags war, in denen er sich als vom Schicksal, den Eltern und allen anderen Mitmenschen geprügelter Hund stilisierte. Hintergrund waren wohl handfeste Depressionen und Selbstzweifel – seine Glubschaugen und die Tatsache, dass er seinen großen Durchbruch erst relativ spät erlebte, trugen vermutlich erheblich zur Etablierung dieser Persona bei. In BACK TO SCHOOL (und in CADDYSHACK) erahnt man diese Seite eher, als dass sie explizit zum Vorschein käme. Wie seine Charaktere mit dem Geld um sich werfen und immer darum bemüht sind, im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen, auch wenn sie sich dabei zum kompletten Narren machen, deutet jene Unsicherheit und das Bedürfnis nach Bestätigung an, die jedoch nie auszureichen scheint, weil sie natürlich immer bloß „erkauft“ ist. In BACK TO SCHOOL sieht man den traurigen Clown im Gesicht des Spaßvogel, wenn man in seine Augen schaut. Metters Film ist dann auch nicht ganz das, was ich mir von ihm erhofft hatte: Die großen Brüller bleiben aus, dafür hat der Film andere Qualitäten. Er ist eine Spur wärmer als die oft sehr auf ihr jugendliches Publikum hin konzipierten Spaßvehikel, bei denen der Soundtrack und die geilen Klamotten oft wichtiger sind als alles andere, zwar ziemlich albern, aber dennoch darum bemüht, die absurde Prämisse mit einer gewissen Glaubwürdigkeit auszustatten. Doch, ich habe mich schon ganz gut amüsiert, auch wenn es für höhere Weihen nicht ganz reicht.

Warum dieser Film BLUE MONKEY heißt, ist leider auch nach dem Studium diverser Online-Artikel nicht klar. Der deutsche Verleihtitel INSECT, der das schicke Videocover zierte, macht definitiv mehr Sinn. Als Steppke hielt ich die Kassettenhülle zahllose Male in der Hand, ohne allerdings Nägel mit Köpfen zu machen und das Teil auszuleihen. Warum, weiß ich nicht mehr, denn die Szenenfotos versprachen ein effektreiches Spektakel, das 30 Jahre später  erwartungsgemäß nicht mehr ganz so beeindruckend daherkommt.

Fruets Film beginnt mit einem alten Opa, der von einem Insekt gestochen wird und daraufhin kollabiert. Im Krankenhaus erbricht er eine Larve, die sich in ein Insekt verwandelt, das nach der Unachtsamkeit einiger Kinder gigantische Ausmaße annimmt. Neben dem Mörderinsekt, das sich im Krankenhauskeller mit seiner Braut einnistet, haben die Insassen auch noch damit zu kämpfen, dass der Stich eine Epidemie ausgelöst hat. Die Regierung riegelt das Krankenhaus ab, um die Gefahr zu bannen, und so ist es an dem Polizisten Jim Bishop (Steve Railsback), der Ärztin Rachel Carlson (Gwynyth Walsh) und dem Insektenforscher Elliott Jacobs (Don Lake), den Kampf gegen das Insekt aufzunehmen, bevor es zu spät ist.

BLUE MONKEY zeigt ein buntes Potpourri von Einflüssen, von denen James Camerons ALIENS sicherlich der wichtigste ist. Die Hatz durch die blau ausgeleuchteten Kellergänge erinnert ebenso an den Klassiker wie die Szenen mit den in Kokons eingeschlossenen Opfern und das Monster selbst, eine Art riesiger schwarzer Gottesanbeterin, die ziemlich angepisst ist. Ein bisschen Katastrophenfilm spielt auch noch mit hinein, vor allem der Vergleich mit dem kürzlich erst gesehenen THE CASSANDRA CROSSING drängte sich auf. Auch das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Figuren lässt an die effektintensiven, starbesetzten Vehikel der Siebzigerjahre denken: Neben den Protagonisten gibt es da noch zwei Omas, die sich ordentlich volllaufen lassen, während um sie herum ums Überleben gekämpft wird, eine Gruppe niedlicher Kiddies, die die Gänge unsicher macht und am Ende natürlich wichtige Unterstützung liefert, sowie ein Ehepaar, das gerade sein erstes Kind zur Welt bringt. Fruet versieht seinen Film mit viel auflockerndem Humor und besetzt diverse Rollen mit bekannten kanadischen Komikern. Trotzdem kippt BLUE MONKEY nicht in Richtung Genreparodie, sondern hält ein gesundes Gleichgewicht. Ein paar Einfälle sind hübsch bescheuert, aber das gehört ja auch irgendwie dazu. Jedenfalls erweist es sich als überaus praktisch, dass in dem Krankenhaus auch ein Labor zur Laserforschung untergebracht ist. Nachdem dieses nach seiner ausführlichen Einführung zu Beginn überhaupt keine Rolle mehr spielt, ist klar, wo das Insekt sein Ende finden wird. Und die Sexszene im Labor darf natürlich auch nicht fehlen. Fazit: Nicht so geil, wie ich mir das mit 15 ausgemalt habe, aber schon ganz nett, der blaue Affe.

William Fruets BEDROOM EYES hat weder Oliver Reed noch Peter Fonda oder eine Satansviper wie der vorangegangene SPASMS. Es handelt sich vielmehr um einen kleinen Erotikthriller ohne Stars oder besonders hervorstechende Schauwerte. Den Soundtrack bestreiten auch nicht Tangerine Dream, sondern ein peinliches Mark-Knopfler-Soundalike namens John Tucker mit dem heute wie eine Parodie klingenden AOR-Song „Motion City Moves“. Aber er ist trotzdem um Längen besser – nicht zuletzt, weil er das meist für seine aufgesetzte Ernsthaftigkeit und slicke kinkyness bekannte Genre mit einer Prise Humor infiziert, die auch dem Schlangenhorrorfilm gut getan hätte.

Der Stock Broker Harry Ross (Kip Gilman) kommt beim nächtlichen Joggen am Fenster einer verführerischen Dame vorbei, die sich in ihrem Zimmer mit einem Mann auf eine Art und Weise verlustiert, die Harry selbst völlig unbekannt ist. Er kehrt in den folgenden Nächten zurück an ihr Fenster und entwickelt eine Obsession für die Frau, die ihm so unangenehm ist, dass er die Psychiaterin Alex (Dayle Haddon) aufsucht. Einige Tage später ist das Objekt seiner Begierde tot, umgebracht und Harry entdeckt die Leiche: Er verständigt sofort die Polizei, gerät aufgrund der zahlreichen Spuren, die er vor dem Fenster und um den Wohnblock hinterlassen hat, aber schnell selbst in Verdacht, den Mord begangen zu haben – und hat außerdem den echten Killer im Nacken, der keinen Zeugen gebrauchen kann …

Neues hat BEDROOM EYES wahrlich nicht zu erzählen, aber es ist die Art und Weise wie er das Bekannte aufbereitet, die ihn sofort sympathisch macht: Harry ist nicht der Gilette-rasierte Supertyp, der die Weiber scharenweise in seiner Designerwohnung flachlegt, sondern ein zwar attraktiver, aber eher etwas verklemmter Typ. Das, was er da Nacht für Nacht zu sehen bekommt, ist wahrlich nicht so aufregend, wie es der Film suggeriert (natürlich auch, weil niemand die Zensur herausfordern wollte), aber für ihn geradezu mindblowing, was den Charakter nachvollziehbar macht. Dass er sofort eine Psychologin aufsucht, um sicherzustellen, dass er kein „Perverser“ ist, und die Tatsache, dass er sich mit Sonnenbrille in deren Praxis schleicht, zeigen, dass er mit den notgeilen, selbstverliebten Chauvi-Protagonisten des Erotikthrillers rein gar nichts gemein hat. In einer sehr putzigen Szene wird er beim Dinner in einem Restaurant von seiner ausgehungerten Arbeitskollegin aggressiv angegangen: Er macht mit, aber die ganze Situation ist ihm vor allem unangenehm und peinlich – keine Spur von cooler Souveränität oder Freude am Reiz des Verbotenen. Als sie ihn danach noch mit in ihre Wohnung nehmen will, lehnt er dankend ab. Das ist ihm alles zu viel.

Diese Charakterisierung rührt auch daher, dass Fruet unverkennbar versucht, in die Fußstapfen des großen Hitchcock zu treten: Harry ist ein etwas tölpelhafter, aber grundguter Kerl, und nichts könnte ihm ferner liegen, als jemandem etwas zuleide zu tun, trotzdem avanciert er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Die Zeichnung des echten Täters kommt dann wieder geradewegs aus der Mottenkiste des Kintopp, aber das macht nichts, weil BEDROOM EYES sonst angenehm gegen den Strich sonstiger Klischees geht. Auch das Polizeitrio bestätigt das: Die zwei typischen, desillusionierten Veteranen werden von einem Rookie ergänzt, den sie erst als „too enthusiastic“ belächeln, bevor er sich dann doch bewährt – ohne aber gleich zum Supergenie stilisiert zu werden. Eine wirklich runde Sache, die mir gut gefallen hat.