Mit ‘Achtzigerjahre’ getaggte Beiträge

Über diesen Film, der im Herzen der meisten Achtzigerjahre-Action-Fans, also auch in meinem, einen Sonderplatz einnimmt, habe ich glaube ich tatsächlich noch nie geschrieben und ihn jetzt auch zum ersten Mal seit vielen Jahren wiedergesehen. Schon auf dem Papier liest er sich wie ein Traum: Chuck Norris auf dem Zenith seiner Karriere, Joseph Zito, der es uns mit THE PROWLER und FRIDAY THE 13TH: THE FINALE CHAPTER zweimal mit der groben Keller gegeben hatte, die Cannon auf dem Gipfel ihrer Spendierlaune, dazu ein Drehbuch, das alle von Reagan und Konsorten geschürten Ängste aufgriff, und zu einer völlig absurden Geschichte zusammenkochte, die jeder Beschreibung spottet.

Ich hatte total vergessen, wie absurd und wie bizarr dieser Film tatsächlich ist. Ich skizziere mal den Plot, um irgendwo anfangen zu können: Ein Gruppe von kommunistischen Lateinamerikanern landet unter der Führung des russischen Agenten Rostov (Richard Lynch) an der Küste Floridas und startet von dort aus eine ganze Reihe terroristischer Anschlägen gegen die Zivilbevölkerung. Ihr Ziel: Zwietracht und Angst unter den amerikanischen Bürgern und so den Keim eine Bürgerkriegs und des Zusammenbruchs der Ordnung säen, die die Eroberung begünstigen sollen. Das CIA rekrutiert den in den Everglades lebenden Ex-Agenten Matt Hunter (Chuck Norris), der mit Rostov noch ein Hühnchen zu rupfen hat. Mit einer Reihe von Einzelaktionen vereitelt er geplante Anschläge, bis er sich schließlich zum Duell mit Rostov stellt.

Zunächst mal ist INVASION U.S.A. unglaublich düster und fatalistisch: Gleich zu Beginn werden Dutzende armer kubanischer Flüchtlinge, die seit Tagen in einem defekten Boot auf dem Meer treiben, darunter auch Frauen und Kinder, von Rostov und seinen Leuten gnadenlos niedergemetzelt. Wer RED DAWN für antikommunistisch und faschistoid hält, der wird hier seine helle Freude haben, denn die Leute um Rostov – und der Schurke selbst – haben keinerlei menschliche Eigenschaften. Dazu kommt die Strategie der Invasoren, in der Bevölkerung inhärentes Konfliktpotenzial zu schüren, um die Revolte anzustoßen, was ebenso perfide wie clever ist, denn natürlich fußt sie auf einer richtigen Beobachtung: Als weiße Polizisten getarnt, eröffnen die Terroristen da zum Beispiel das Feuer auf harmlos feiernde Hispanics, ganz genau um die Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen wissend. Das ist schon bitter und markiert einen weiteren Unterschied zu Milius ungefähr zur gleichen Zeit gestarteten Invasionsepos, in dem die Russen eine amerikanische Mustergemeinde mitten im Heartland attackieren: Die in Eintracht Schulter an Schulter stehenden „USA“ sind bei Zito ein höchst fragiles Gebilde, dass jede Menge Spucke und Feuerkraft benötigt, um zusammengehalten zu werden.

Für letzteres ist eben Matt Hunter zuständig: Zito inszeniert ihn als in Jeans gewandeten Deus ex Machina, der wie durch Zauberhand immer da auftaucht, wo er gerade gebraucht wird, gelangweilt einen coolen One-Liner ausspuckt und dann weiterzieht. Wenn man INVASION U.S.A. aufmerksam schaut, fällt einem auf wie episodisch er ist, wie wenig tatsächlich erklärt oder hergeleitet wird, wie geradezu nachlässig Hunter als Protagonist charakterisiert wird und wie verzweifelt das Material im Film herumsteht, mit dem Zito eine klassische Geschichte vorzugaukeln versucht. Gab es wirklich ein Drehbuch? Es muss unbedingt die ziemlich großmäulige Journalistin Dahlia (Melissa Prophet) genannt werden, die zusammen mit den verzweifelten Cops, die der Blutspur der Terroristen hinterher ermitteln, als narrative throughline durch den Film läuft, ohne jemals wirklich relevant für die Handlung zu werden (ihre Figur erinnert an eine zeitgenössische Variante jener unzähligen Reporterfiguren, die in den B-Filmen der Vierziger- und Fünfzigerjahre aufzutauchen pflegten). Man erwartet immer, dass sie und Hunter irgendwann zusammenkommen, dass er sie retten muss oder Ähnliches, aber dann bleibt es doch immer bei einem kurzen Treffen, in dem sie sich wissend zunicken oder kurze Aufmunterungen austauschen, bevor ihre Wege sich wieder trennen. Wie es Hunter gelingt, die Pläne der Terroristen zu durchkreuzen, bleibt sein Geheimnis: Er scheint einfach zu wissen, wo sie auftauchen, vereitelt ihre Pläne und dreht den Spieß dann um. Das grenzt, wie etwa im Falle des Schulbusses, der anscheinend wahllos mit einer Zeitbombe bestückt wird, schon an Zauberei.

Die Kritik ging, wie zu erwarten war, nicht zimperlich um mit INVASION U.S.A., an dem Norris auch als Drehbuchautor beteiligt war. Der Film hatte ein üppiges 10-Millionen-Dollar-Budget, war damit doppelt so teuer wie Norris‘ voangegangene Filme, und der Star sahnte einen Gehaltsscheck von zwei Millionen ab. Angeblich wollte er für die Rolle der Reporterin Whoopi Goldberg haben, was Zito jedoch, sehr zum Zorn des Stars, vereitelt haben soll. Ich finde die Vorstellung urkomisch und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Goldberg da wirklich mitmachen wollte, aber in einer Welt, in der INVASION U.S.A. existiert, eine atemlose Aneinanderreihung abwechselnd alarmistischer und dann wieder kathartischer Actionszenen, ist wahrscheinlich nichts undenkbar. Der Film ist der totale Wahnsinn, radikal in jeder Hinsicht. Geil, dass es ihn gibt.

Können wir uns darauf einigen, dass Nacktschnecken eklig sind? Ich erinnere mich noch an einen traumatischen Dänemark-Urlaub, in dem ich im Garten unseres kleinen Ferienhauses jeden frühen Abend mit einer wahren Schneckeninvasion konfrontiert wurde. Ich traute mich kaum aus dem Haus, weil ich die Biester so abstoßend fand. Meinen Kindern geht es ähnlich: Wann immer wir den Weg einer Nacktschnecke kreuzen, kreischen sie auf mit dieser Mischung aus Ekel und Faszination. SLUGS ist der passende Film zu diesem Gefühl. Und darüber hinaus einer jener unwahrscheinlichen Titel, die es geschafft haben, nicht nur Kapital aus ihrer Kuriosität zu schlagen, sondern auch darüber hinaus über einigen Charme verfügen.

Juan Piquer Simón hat ja schon den kaum weniger wunderbaren MIL GRITOS TIENE LA NOCHE, besser bekannt als PIECES, zu verantworten, einen ultrasplatterigen Slasherfilm, der gleichzeitig eine herrlich rammdösige Komödie ist, die ihre eigene Schäbigkeit zu ihrem vollen Nutzen auszuspielen weiß. SLUGS ist ähnlich bescheuert und geht ebenso offen damit um, ohne dabei jedoch zum selbstironischen Nervtöter zu geraten. Ich weiß nicht genau, wie dem Regisseur das eigentlich gelingt. SLUGS ist ein inhaltlich wenig origineller Tierhorrorfilm, in dem eine amerikanische Kleinstadt von durch toxischen Abfall mutierten Nacktschnecken attackiert wird. Dass die Glitschbiester eher träge sind und kaum in der Lage, einen Menschen zu überwältigen, machen sie durch schiere Masse aus, dadurch, dass sie sich ihren Weg heimlich und unbemerkt durch Wasserleitungen bahnen oder über den Salat im Verdauungstrakt landen. Die entsprechenden „Action-“ und Goreszenen sind einmalig: Ein Gärtner ist nicht in der Lage, den Handschuh mit der bissigen Schnecke darin von seiner Hand zu entfernen, hackt sie sich schließlich ab und jagt im Todeskampf das ganze Gewächshaus in die Luft. Einem Mann explodiert der Schädel, weil er Schneckenparasiten gegessen hat. Mehrere Jugendliche werden einfach aufgefressen. Es gibt unnötigen Schneckensnuff und als Highlight einen wunderschönen kleinen Puppeneffekt, der das gefräßige Maul einer Schnecke zeigt. Vervollständigt wird das durch schauspielerische Darbietungen, die zwischen unbeholfen, engagiert und liebenswürdig changieren. Man hat den Eindruck, dass alle „in on the joke“ waren, sich aber darauf einigten, ihr Amüsement für sich zu behalten. Die Fotografie ist mitunter überdurchschnittlich gut, der pompöse Orchesterscore, der an die schwofigen Katastrophenfilme der Siebzigerjahre denken lässt, trägt erheblich zum Witz des Ganzen bei, weil er diesen Schwachsinn zum ganz großen Drama überhöht.

Der Witz trägt nicht über die vollen 90 Minuten, zumal inhaltlich sattsam Bekanntes geboten wird und sich die Spannung demzufolge in Grenzen hält, aber ich kann und will nichts Schlechtes über SLUGS sagen, den ich schon damals liebte und nun zum ersten Mal seit Jahrzehnten wiedergesehen habe. Jetzt bitte noch schnell eine ähnlich perfekte HD-Version vom Kakerlakenhorror THE NEST, dann bin ich wunschlos glücklich.

THE ANNIHILATORS – in Deutschland unter dem Titel CITY COMMANDO von CBS-Fox auf Video verwurstet – erfuhr vor einiger Zeit das Arrow-HD-Treatment, was gleichermaßen absurd wie geil ist. Die New World Produktion aus der Hand von SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT-Regisseur Charles E. Sellier ist alles andere als ein vergessener Klassiker oder übersehener Geheimtipp, sondern einer von Hunderten preiswert runtergekurbelter Reißer jener Zeit, die, mit einem geilen Coverartwork versehen, in die aus dem Boden schießenden Videotheken gekippt wurden, um den im Fahrwasser all der geilen Stallones, Schwarzeneggers und Norrisens riesigen Hunger der schnauzbärtigen Actionkundschaft zu stillen. Die Muskelprotze mit den Riesenwummen vor apokalyptischer Großstadtkulisse, die mindestens den besten Film aller Zeiten versprechen, entpuppen sich schließlich – und für den Kenner nicht sonderlich überraschend – als eher durchschnittlich Respekt einflößende Vietnamveteranen und die testosteronhaltige Megaaction, die man sich vor dem geistigen Auge ausmalt, bekam man damals auf ähnlichem Niveau im Wochenrhythmus bei EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE oder DAS A-TEAM serviert. Okay, ein bisschen härter und räudiger ist THE ANNIHILATORS schon, aber um den Schlaf brachte Selliers DEATH WISH 3-Ripoff garantiert schon vor 34 Jahren niemanden. Selliers letzter Film ist billig, klischeehaft, hebt nie das in seiner Geschichte angelegte Potenzial, ist formal unambitioniert, aber rundum zweckmäßig und professionell – und in dieser Mischung auch ziemlich geil. Zumindest für mich.

Bill (Christopher Stone), Ray (Gerrit Graham), Garrett (Lawrence-Hilton Jacobs), Woody (Andy Wood) und Joe (Dennis Redfield) sind eine verschworene Einheit im Vietnamkrieg. Bei einem Einsatz wird Joe angeschossen und ist danach querschnittsgelähmt. Jahre später fällt er in seinem kleinen Gemischtwarenladen einem Überfall des fiesen Roy Boy Jagger (Paul Koslo) zum Opfer, dem Anführer einer Gang, die South Point, ein Elendsviertel in Atlanta, in Angst und Schrecken versetzen. Um ihren Freund zu rächen und die Ordnung in dem Stadtteil wiederherzustellen, reisen Joes alte Kumpels an.

THE ANNIHILATORS greift alle Klischees auf, die man als Fan des Eighties-Action- und -Vigilantenkinos so liebt: Da ist die verschworene Einheit harter Typen aus dem ja doch irgendwie coolsten Krieg aller Zeiten, die sich insgeheim lieber über den Haufen schießen ließen, anstatt einem eierlosen Bürojob nachzugehen; der heruntergekommene Stadtteil, in dem asoziale Flegel die braven Bürger drangsalieren, die sich einfach nicht trauen, sich zu wehren; und natürlich die untätige Polizei, die immer zu spät kommt, nichts anderes tut, als die Leichen einzusammeln und Autorität vorzugaukeln, wo eigentlich die pure Hilflosigkeit regiert. Kaum kommen die alten Armykumpels vorbei, geht ein Ruck durch die ängstlichen Bürger, werden sie im Nahkampf ausgebildet und nehmen sie sich ein Herz, sich den Bösewichten endlich entgegenzustellen. Unter den Helden befinden sich Typen wie der stets den Überblick behaltende Vatertyp (Stone), der gut gelaunte Irre (Graham), der stylische Afroamerikaner (Hilton-Jacobs) und der traurige, aber loyale Säufer (Wood), während die Gangmitglieder allesamt gut 20 bis 30 Jahre älter sind, als es in Gangs eigentlich üblich ist. Koslo sieht mit seiner Friese aus wie der Keyboarder der Puhdys und reißt den Hahn deutlich weiter auf, als es ihm angesichts der verblödeten Asis, die er da um sich geschart hat, und der hilflosen Gegner, die er sich aussucht, eigentlich zusteht. Und warum die Polizei sich so dämlich anstellt, versteht auch keiner: Es ist ja nicht gerade so, dass sich die Schurken große Mühe geben, unerkannt zu bleiben.

THE ANNIHILATORS ist zumindest für einen schäbigen Videofilm überdurchschnittlich gut besetzt und die üblichen Peinlichkeiten bleiben aus, aber er lässt etliche Chancen ungenutzt. Wie Winners erwähnter DEATH WISH 3 scheint er auf die Ausbildung der Ottonormalverbraucher durch die Veteranen abzuzielen, aber das bleibt dann eine bloße Behauptung. Es gibt zu Beginn eine putzige Trainingsmontage, in der die Soldaten den Bürgern Selbstverteidigung beibringen und wie man seinem Gegenüber einen Bleistift in den Hals rammt (no shit), aber das wird leider nie wirklich ausgespielt. Am Schluss sieht man zweimal, wie die Zivilisten den Helden zu Hilfe kommen, in dem sie den Schurken von hinten eins über den Schädel ziehen, aber dass hier eine Schlacht tobe, bei der „jeder mitmacht“, wie einer der Charaktere vollmundig euphorisiert behauptet, kann man als unparteiischer Betrachter nicht wirklich bestätigen. Überhaupt „Schlacht“: Schon bei DEATH WISH 3 war ja Schmalhans Küchenmeister, aber gegenüber THE ANNIHILATORS nimmt er sich aus wie APOCALYPSE NOW. Mir ist das bei solchen Dingern meistens völlig egal, weil es mir da eher um Attitude, jene gewisse Räudigkeit und eine Power geht, die nicht immer synonym mit Größe ist. Auch THE ANNIHILATORS nahm mich ein, weil der Film seine Klischees gut ausfüllt und einen wirklich herrlich trostlosen Schauplatz aufweisen kann. Im letzten Drittel, also eigentlich genau dann, wenn der Film sich seinem Höhepunkt nähert, geht ihm aber ein bisschen die Luft aus, weil er nichts mehr draufzusetzen hat. Ich kann ihm das nicht richtig anlasten, denn man merkt dem Film seine budgetären Zwänge in jeder Sekunde an. THE ANNIHILATORS ist bestimmt kein Werk, dass ich beim nächsten Gespräch über geilen Videoschund mit einer flammenden Rede bedenken werde, aber ich glaube, ich mag den Film nicht zuletzt deshalb so, weil er so durchschnittlich verläuft. Für mich gehört das zu diesen Dingern dazu: Dass man sie mit kindlicher Fantasie im eigenen Kopf größer macht als sie tatsächlich sind. Ich habe mit Filmen wie diesen das Filmesehen gelernt.

Es ist ja doch erstaunlich, dass es auch nach 35 Jahren Filmeschauen, in denen ich vor dem Schrägen, Obskuren, Bescheuerten und Missglückten nicht gerade zurückgescheut bin, immer noch Filme gibt, die mir die Schuhe ausziehen und mir das Gehirn an die Schädeldecke nageln. Zehetgrubers NESSIE hat mich gestern beim Mondo Bizarr verstört, genervt, in die Verzweiflung getrieben, gelangweilt, fasziniert und in dieser Melange auch irgendwie begeistert (nur wiedersehen muss ich ihn erst einmal nicht). Man kann sich als denkender Mensch nur wundern, wie so etwas entsteht. Was dachten die Verantwortlichen und Beteiligten nur, als sie diesen Kram fabrizierten und dann am Ende zum ersten Mal sahen? Waren sie wirklich der Meinung, dass dieser Film mit seiner abscheulichen Titelkreatur – ohne Zweifel ein kläglich gescheiterter Versuch, sich an den im Vorjahr mit großem Erfolg gelaufenen DIE UNENDLICHE GESCHICHTE und den Kuscheldrachen Fuchur anzuhängen – den Ansprüchen des anvisierten Familienpublikums genügte? Dass er dem entsprach, was ein deutsches Kind unter vergnüglicher Unterhaltung verstand? Dass er all das war, was er ohne Zweifel sein wollte: nämlich witzig, turbulent, spektakulär, spannend, fantasievoll, rührend? Oder erkannten sie konsterniert, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Monster geschaffen hatten, einen Film, der so kaputt, missraten und gestört war, dass man ihn zum Schutz der Menschheit eigentlich verbrennen oder besser noch verkapseln und ins Weltall schießen musste? Klar, die Filmgeschichte ist voll mit fürchterlich missglückten, potthässlichen Filmen, sowohl kleinen Billigheimern, bei denen das Versagen auf die Mischung aus zu wenig Geld, ungünstigen Produktionsbedingungen und mangelndem Talent zurückzuführen war, als auch Großproduktionen, bei denen nicht selten aufgedunsene Egos oder die Einmischung der Produzenten verantwortlich waren, wenn etwas unheilvoll schief ging. NESSIE liegt zwischen diesen Extremen: Zehetgruber war im deutschen Film wenn auch gewiss keine Größe, so doch ein Mann, der einige Erfolge vorzuweisen hatte und über langjährige Erfahrung verfügte. Die Besetzungsliste versammelte Profis wie Horst Niendorf, Christian Rode, Ulli Kinalzik oder Gerd Duwner, die, wenn sie auch nicht selbst als Hauptdarsteller in Erscheinung getreten waren, so doch als Nebendarsteller agiert und darüber hinaus als Synchronsprecher etlichen Stars ihre markanten Stimmen geliehen hatten. Ähnliches traf auch auf die „Jungstars“ Oliver Rohrbeck und Tobias Meister zu, die hier allerdings erneut ziemlich eindrucksvoll Zeugnis davon ablegen, warum allein ihre Stimmen zu ihrer Marke wurden. Und auch der Rest der Stabliste ist voller Professionals, die man zwar nicht unbedingt namentlich kennt, die gewiss auch nicht als Meister ihres Faches gelten, die ihr Handwerk aber ohne Zweifel verstanden. Trotzdem geht hier wirklich nichts zusammen.

NESSIE, DAS VERRÜCKTESTE MONSTER DER WELT bedient sich einerseits beim unsterblichen Mythos des Monsters von Loch Ness und verbindet das mit einem tranigen Krimiplot, grauenvoll unwitzigem Humor, hirnrissigen Gimmicks und einem haarsträubenden Monsterdesign zu einem Spektakel, das sich jedem Versuch, ihm mit den Mitteln der Sprache auf den Leib zu rücken, entwindet wie ein in zwei Teile geschnittener Regenwurm. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich die Story, die der Film da erzählt, nicht verstanden habe. Was gewiss nicht an ihrer überdurchschnittlichen Cleverness liegt, sondern eher daran, dass das Gehirn des Betrachters nach einiger Zeit aus reinem Selbstschutz herunterfährt und nur noch Bruchteile dieses nach archaischen alchimistischen Regeln zusammengebrauten Werkes an ihn heranlässt. Es geht um die Tochter der wohlhabenden Campbell-Familie, die durch einen Unfall bei den Mackenzies landet, die in ihrer Werkstatt neben allerlei anderem Firlefanz auch ein Roboternessie zusammengeschraubt haben und damit Unfug treiben. Am Ende kommt irgendwie ein Lösegeld ins Spiel, ein verrückter Bruder (Gerd Duwner), der etwas an Teddy Brewster aus ARSENIC AND OLD LACE erinnert, und natürlich das echte Nessie, eine wahlweise lächerliche bis abscheuliche Effektschöpfung, die vom vollkommen verblendeten Marketing tatsächlich in den Mittelpunkt der Promotion gerückt und als Konkurrenz zum weiter oben erwähnten, ungleich überzeugenderen Flugdrachen Fuchur aufgebaut wurde. Nessie sieht wirklich so beschissen aus wie auf dem Bild da oben, bewegt sich, als leide es an einem schweren Gehirnschaden und macht auch solche Geräusche. Dazu ist es vollkommen nutzlos und bekommt als gerechte Strafe eine Kugel in den Hals (!), an der es aber leider nicht qualvoll verendet. Wenn man den Film im Fieber betrachtet, löst er wahrscheinlich schwere Schäden aus. Dazu wird Rohrbeck, Identifikationsfigur für das jugendliche Publikum, das NESSIE nie zu Gesicht bekam, weil es 1985 schon zu klug war, um sich eine solche Scheiße andrehen zu lassen, dazu gezwungen, sich in einer Tour in einem Jargon zu artikulieren, den Drehbuchautor Zehetgruber offenkundig für authentische Jugendsprache hielt. Es ist einfach nicht zum Aushalten. Alle, wirklich alle humoristischen Versuche des Films scheitern kläglich, was auch deshalb so schmerzhaft auffällt, weil keiner von ihnen auch nur ansatzweise homogen in die Handlung eingebunden wird. NESSIE, DAS VERRÜCKTESTE MONSTER DER WELT hat weniger Lacher als Pasolinis SALÒ O LE 120 GIORNATE DI SODOMA oder IDI I SMOTRI und besteht nahezu ausschließlich aus Schnittmüll, der bei anderen Filmen selbst aus den Outtakes und Bloopers im Bonusmaterial aussortiert worden wäre.

Hauptübeltäter des Films ist ganz ohne Zweifel Zehetgruber, der als Writer-Director wirklich keine Ausrede hat. Aber er bestätigt hier eigentlich auch nur, was man eh schon wusste, wenn man mehr als einen Film von ihm gesehen hat. Man muss seine Fähigkeit, durch einen Wink seiner geübten Hand wirklich alles leblos, träge, lauwarm und langweilig zu machen, ein graues Leichentuch über den Dingen auszubreiten, als außerordentliche Gabe begreifen. Ich kann das gar nicht wirklich beschreiben: Es passiert eine Menge dummes Zeug in NESSIE, trotzdem fühlt man sich bei der Sichtung, als würde man während eines Schneesturms mit Bleischuhen durch Teer laufen, in Richtung eines unbekannten, aber mit jedem Meter uninteressanter und sinnloser werdenden Ziels. Einmal lockert eine aus einem über den See rasenden Helikoper gefilmte Kamerafahrt das rammdösige Tempo des Films auf und diese zwei, drei Sekunden wirken wie der Zug aus der Sauerstoffflasche, nachdem man drei Minuten lang die Luft angehalten hat. Aber weil wir bei Zehetgruber sind, bleibt es bei dieser Ausnahme, geht es danach sofort weiter in diesem Trantütentempo, das an einen langweiligen Schunkelschlager erinnert, der zu langsam abgespielt wird. Ich weiß nicht, ob Zehetgruber einfach nur schlampig war: Er war deutlich zu lang im Geschäft, als dass man seine Tätigkeit auf einen Irrtum zurückführe könnte, was nahelegt, dass er eine sehr spezielle Weltsicht und Ästhetik sein eigen nannte. Dafür sprechen auch solche Absonderlichkeiten wie das von Ilja Richter angeführte Fernsehteam, das nur aus ihm besteht und seinen Bericht über das sensationelle Seeungeheuer Nessie offensichtlich ohne Kameras zu produzieren gedenkt. Was passiert da eigentlich, um Himmels willen? Gibt es diesen Film wirklich oder habe ich ihn nur geträumt? Es ist einfach nicht in Worte zu fassen. Unter den vielen, vielen rätselhaften Scheißfilmen, die die Filmgeschichte hervorgebracht hat, nimmt NESSIE tatsächlich einen Sonderplatz ein.

Ich habe meistens Mitleid mit Filmen, die scheitern, weil ich die Träume sehe, die hinter ihnen stehen, aber hier empfinde ich es als tröstlich, zu wissen, dass die Zahl der Kinder, die sich in Erwartung eines großen, spannenden, die Fantasie anregenden, herzerwärmenden Spektakels in eine Vorführung von NESSIE verirrten und so traumatisiert, geschädigt, für die Verlockungen des Kinos auf ewig verloren und schlicht um 90 Minuten Freude betrogen wurden, sehr überschaubar blieb. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ihn vor mir, diesen blässlichen Jungen namens Torben, der nie zu den Coolen gehörte, aber dann zum achten Geburtstag all seine Freunde in eine Vorstellung von NESSIE mitnehmen durfte. Die Vorfreude war groß, endlich würde er dazugehören. Aber er kam als Gebrochener aus dem Kino, als Außenseiter, man hatte ihm einen Tag gestohlen, der ein Triumph hätte sein sollen und stattdessen in einem Trauerspiel endete. Seine vermeintlichen Freunde redeten nie wieder über NESSIE und eingeladen hat ihn danach auch keiner mehr. Keine Ahnung, was aus Torben geworden ist. Dieser Text ist auch für ihn. Ich verstehe Torben und weiß, warum er manchmal auf die Welt schaut und nur Enttäuschung fühlt. Es ist der Zehetgroove. Nicht jeder kann ihn fühlen. Es braucht besondere Antennen dafür. Und irgendwann, wenn man alt genug ist, kommt man damit klar. Dann kann er einem nichts mehr anhaben. Und die Sichtung von NESSIE, die ist wie diese Narbe, die man sich man selbst zugefügt hat und die einen stärker macht, wenn man sie betrachtet.

geschenktipp #1

Veröffentlicht: November 30, 2019 in Film
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I done did it again. Für das Mediabook von Eric Reds COHEN & TATE habe ich das Booklet beigesteuert. Der Film ist ein vielbesungener, aber selten gesehener kleinen Actionthriller und das überaus gelungene Regiedebüt des Mannes, der zuvor die gefeierten Drehbücher zu THE HITCHER und Kathryn Bigelows NEAR DARK geliefert hatte. Basierend auf einer Kurzgeschichte von O. Henry schuf er mit COHEN & TATE einen arschtighten, spannenden Reißer, wie sie heute leider nicht mehr gemacht haben. Wer ihn noch nicht kennt, kann ihn sich in dieser Fassung getrost zulegen.

Was man hatte, weiß man erst, wenn man es nicht mehr hat. Das trifft auch auf die spezielle Spielart des actionlastigen Hochglanz-Thrillers zu, die Hollywood bis in die frühen Neunzigerjahre produzierte, bis diese dann schließlich aus der Mode kamen. THE PRESIDIO vom hier vielfach gepriesenen Peter Hyams, einem der Spezialisten der Form, ist einer der Vertreter und buhlte im Jahr 1988 um die Gunst der Kinozuschauer. Verglichen mit den heutigen Eventmovies wirkt THE PRESIDIO geradezu klein und unspektakulär, aber vor 30 Jahren wurde er tatsächlich mit einigem Nachdruck beworben. Er war nicht unbedingt eine große Sache, aber doch ein Titel, von dem sich Paramount einiges versprach: Sean Connery war einer der größten Filmstars überhaupt, von Mark Harmon erhoffte man sich immer noch, er könne vielleicht ein zweiter Tom Cruise werden und Meg Ryan stieg in jener Zeit zu einer der gefragtesten weiblichen Darstellerinnen auf. Das Drehbuch stammte von Jay Ferguson, der die Scripts zu HIGHLANDER und BEVERLY HILLS COP II auf dem Kerbholz hatte. Der Aufwand zahlte sich dann leider nicht so aus wie erhofft, auch wenn THE PRESIDIO nicht unbedingt als „Flop“ zu bezeichnen ist.

Die Geschichte ist angenehm unaufdringlich: Auf dem Armeestützpunkt Presidio in San Francisco wird eine Militärpolizistin erschossen, die einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt hatte. Zur Ermittlung wird der Cop Jay Austin (Mark Harmon) abgestellt, der den Militärdienst vor einigen Jahren nach einem Zwischenfall quittiert hatte. Er nimmt Kontakt zu Lieutenant Colonel Alan Caldwell (Sean Connery) auf, der damals maßgeblich zu Austins Entscheidung beitrug, als er ihn nach einem Disziplinarverfahren degradierte. Dass der Cop eine Liebesbeziehung mit Donna (Meg Ryan), der Tochter Caldwells anfängt, verkompliziert die Beziehung der beiden Männer, die sich dann aber zusammenraufen, um den Mordfall zu klären.

Fergusons Script ist eine einzige Ansammlung von Klischees, denen Hyams leider kein Leben einflößen kann: Die Freundschaft zwischen den ungleichen Männern, hier der aufbrausende, undiszplinierte Cop, da der konservative, im Krieg gestählte alte Hund, die ihre Antipathie überwinden müssen und schließlich zu Freunden werden. Die zwischen beiden stehende Frau, die in der Rebellion gegen das rigide System des Vaters über die Stränge schlägt. Es gibt die Nebenrolle des väterlichen Freundes, die zu namhaft besetzt ist, weshalb man weiß, dass er Bestandteil einer großen Überraschung im dritten Akt ist. Gewürzt wird das alles mit Verfolgungsjagden und Schießereien, bis der Täter aus dem Hut gezaubert wird. Das alles kennt man, meist aus besseren Filmen, auch wenn die vielleicht nicht immer so makellos aussahen wie THE PRESIDIO. Man merkt Hyams‘ Filmen immer an, dass er von der Kamera kam – und das ist es auch, was diesen schwächeren Film von ihm noch sehenswert macht. Die nächtliche Auftaktsequenz ist ein Augenschmaus mit ihren satten Farben und der spannungsreichen Ausleuchtung, überhaupt trägt die Kulisse San Franciscos viel dazu bei, dass man sich THE PRESIDIO gut anschauen kann und sich nicht langweilt, selbst wenn man jederzeit genau weiß, was als nächstes passieren wird. Aber speziell der ganze Beziehungskram sorgt für einiges Augenrollen: Mark Harmon ist definitv kein zweiter Tom Cruise und für die Rolle des toughen Street Cops zu langweilig und irgendwie auch zu spießig – als berechnender Jurist/Serienmörder Ted Bundy in Marvin Chomskys TV-Film THE DELIBERATE STRANGER war er ungleich besser besetzt. Meg Ryans Rolle ist viel zu unterentwickelt, um über die peinliche Männerfantasie hinauszukommen: Die Sequenz, in der sie sich mit Jay eine wilde Verfolgungsjagd durch die Küstenstadt liefert, um ihn dann auf der Motorhaube ihres Sportflitzers zu verführen, wirkt 30 Jahre später nur noch peinlich. Und Caldwells abschließende, tränenreiche Rede am Grab des toten Freundes hebelt fast den ganzen Film aus.

Aber wie weiter oben gesagt: Ich vermisse diese von echten Routiniers gefertigten Unterhaltungsmaschinen, die im Wesentlichen noch durch ehrliches Handwerk bestachen. Insofern betrachte ich auch die knapp 100 Minuten, die ich mit THE PRESIDIO verbracht habe, nicht als verschwendet.

Interessant: MAN ON FIRE, das Original zu Tony Scotts ziemlich geilem Denzel-Washington-Remake, hätte eigentlich damals schon vom mittlerweile verstorbenen britischen Filmemacher gedreht werden sollen. Die Produzenten machten dann aber einen Rückzieher, weil Scott ihnen noch nicht profiliert genug war – was angesichts der Tatsache, dass der heute völlig vergessene Chouraqui auch nur vier Filme in der Hinterhand hatte, eine etwas seltsame Begründung ist. Ursprünglich waren sogar mal Sergio Leone und Robert De Niro für den Film vorgesehen, bevor dann Scott ins Spiel kam, der die Hauptrolle gern mit Marlon Brando oder Robert Duvall besetzt hätte. Am Ende wurde mit Chouraqui und Glenn eine etwas preisgünstigere Variante gewählt, aber dem fertigen Film tut das keinen Abbruch. MAN ON FIRE war lange Zeit nur schwer erhältlich, einer jener Titel aus den Achtzigerjahren, die damals – wohl auch aufgrund fehlender Superstars – unter dem Radar geflogen waren und die das Pech hatten, dabei keinen Kultstatus eingeheimst zu haben, der so vielen seiner Zeitgenossen mit dem Aufkommen der digitalen Medien einen zweiten Frühling bescherte. Ich war bei meiner jetzigen Erstsichtung ziemlich überrascht, denn ich hatte MAN ON FIRE immer für einen US-Film gehalten. Tatsächlich spielt der Film nicht nur ausschließlich in Italien – gedreht wurde an Originalschauplätzen in Rom, Mailand und am Comer See sowie in Cinecittà -, es handelt sich um eine italienisch-französische Co-Produktion, deren Hauptrollen aber mit einem ziemlich beachtlichen englischsprachigen Cast besetzt sind – der dann aber mit Ausnahme von Glenn nicht allzu viel zu tun bekommt. MAN ON FIRE bildet einen kulturellen Crossover, der ihn schon per se einmal spannend macht: Die Story könnte man als „amerikanisch“ beschreiben, aber die melancholische Stimmung, die die von Gerry Fisher eingefangene Bildwelt zusammen mit dem tollen Score von John Scott evoziert, sind sehr europäisch. Wer einen harten, schnellen Reißer erwartet, dürfte eher enttäuscht werden, zumindest sofern er nicht empfänglich für diese sehr besondere Atmosphäre des Filmes ist oder aber die Bereitschaft mitbringt, sich umzustellen.

Die Geschichte ist der von Scotts Remake – wie könnte es auch anders sein – sehr ähnlich: Der kriselnde Ex-CIA-Mann Creasy (Scott Glenn) wird von einer reichen italienischen Familie angeheuert, die zwölfjährige Tochter Samantha (Jade Malle) zu bewachen. Creasy, der nie eine Tochter hatte, und aus Angst vor einem Versagen davor zurückscheut, emotional zu sehr involviert zu werden, wird schließlich zum engsten Vertrauten und Freund des Mädchens, das von den schwer beschäftigten Eltern stark vernachlässigt wird. Als Verbrecher Creasy das Mädchen förmlich aus den Händen stehlen, zerreißt es ihn fast: Es setzt alles auf eine Karte, um Samantha aus den Händen der Kidnapper zu befreien.

Den Grundstein für diese morbid-melancholische Stimmung, die den Film am ehesten charakterisiert, legt Chouraqui schon in den ersten Sekunden: Der tote Creasy spricht aus dem Jenseits zu uns, während Journalisten und Polizisten in Zeitlupe um ihn herumreiten und Vorhänge wie Trauerschleier im Wind wehen, und er liefert uns die Geschichte seines Schicksals in einer langen Rückblende. MAN ON FIRE ist ein Film über den Tod, das zeigt sich in den Bildern verfallender Renaissance-Villen, durch die ihre Bewohner ziellos schlafwandeln, der maroden italienischen Städte und des Regens, der das bucklige Kopfsteinpflaster zum Glänzen bringt. Der Held ist kein charmanter oder wenigstens positiv exzentrischer Enthusiast, sondern ein widerwilliger Eigenbrötler, der mit jeder Faser seines Körpers zum Ausdruck bringt, dass er sich am falschen Platz fühlt, sich selbst nicht mehr vertraut und das ganze Leben als Enttäuschung und Belastung empfindet. Scott Glenn, dessen Qualitäten eher nicht in ausufernden Gefühlsausbrüchen liegen, sondern in dieser stählernen Unterkühltheit, ist die Idealbesetzung für Creasy, einen Mann, der so viel Scheiße gesehen hat, so viele dreckige Jobs erledigen musste, dass er sich selbst dafür hasst, Und Chouraqui findet einen Inszenierungsstil, die seinem Hauptdarsteller wie auf den Leib geschneidert ist. MAN ON FIRE Ist ein einziger slow burn, ein Film der diesen einen Moll-Akkord so lange und ausdauernd anschlägt, bis er zum hypnotischen Mantra wird. Es dauert lang, bis es zum Rachefeldzug kommt, den der Titel verkündet, und auch dann wird MAN ON FIRE nicht zum krawalligen, temporeichen, kathartischen Spektakel. Die Befreiungsaktion vollzieht sich eher unspektakulär und Creasy walzt nicht mit der Autorität eines Steven Seagal oder Schwarzeneggers durch den Film: Es sind nicht Unbesiegbarkeit und Unverwundbarkeit, die ihn auszeichnen, er ist kein Superheld und man muss ihm sogar unterstellen, dass er arg unvorsichtig und sorglos vorgeht: Ihm ist es einfach scheißegal, was mit ihm passiert, ob er angeschossen oder abgestochen wird. Er wird einfach so lange weitergehen, bis er Samantha gerettet hat. Er hat nichts zu verlieren außer diesem Mädchen.

Chouraqui schuf mit MAN ON FIRE ein Stück Ambient-Action, das in seinem Bereich nicht allzu viel Konkurrenz hat und sehr anmutig auf dem schmalen Grat zwischen Slickness und Dreck wandelt. Man kann die Melodramatik von MAN ON FIRE ganz sicher auch hochgradig kitschig finden, aber ich finde, das der Regisseur nicht zuletzt dank seines Casts sehr gut die Kurve kriegt. Unterschwellig ist das Teil sogar kompletter Wahnsinn: Da agieren Akteure wie Pesci, Pryce, Aiello, Adams oder Shenar in Bit Parts in einem edel aussehenden Prestigefilm, der Mitte der Achtziger aber vollkommen an jedem Publikum vorbeizielte. Geil, dass es ihn gibt.