Mit ‘Action’ getaggte Beiträge

geschenktipp #1

Veröffentlicht: November 30, 2019 in Film
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I done did it again. Für das Mediabook von Eric Reds COHEN & TATE habe ich das Booklet beigesteuert. Der Film ist ein vielbesungener, aber selten gesehener kleinen Actionthriller und das überaus gelungene Regiedebüt des Mannes, der zuvor die gefeierten Drehbücher zu THE HITCHER und Kathryn Bigelows NEAR DARK geliefert hatte. Basierend auf einer Kurzgeschichte von O. Henry schuf er mit COHEN & TATE einen arschtighten, spannenden Reißer, wie sie heute leider nicht mehr gemacht haben. Wer ihn noch nicht kennt, kann ihn sich in dieser Fassung getrost zulegen.

Über Eli Roths Remake des Michael-Winner-Klassikers, der Charles Bronson zu seinem großen Durchbruch in den USA verhalf, wurde schon gelästert, bevor es überhaupt jemand zu Gesicht bekommen hatte. Vor allem an der Besetzung der Hauptrolle mit Bruce Willis wurde Anstoß genommen. Ich habe das nicht verstanden: Man kann sicherlich darüber streiten, ob dieser Besetzungscoup besonders originell war und ist, aber Vorwürfe der Fehlbesetzung lassen doch eher auf das mangelnde Abstraktionsvermögen derer schließen, die sie äußerten. Ist es nicht die Aufgabe eines Schauspielers, auch und gerade solche Charaktere mit Leben zu füllen, die man nicht zwingend mit ihnen assoziiert? War nicht schon Bronson als liberaler Architekt Paul Kersey von Winner deutlich gegen den Strich und wenn man so will fehlbesetzt? Wer mit Willis bis ans Ende aller Zeit den John McClain verbindet und diesen von vornherein nicht in der Rolle eines weniger zupackenden Charakters akzeptieren kann, hat meiner Meinung nach eher selbst ein Problem. Worüber man streiten kann und muss, ist natürlich die Frage, ob Willis den Anforderungen gerecht wird und ob es diesen Film gebraucht hat: Was hat uns das Remake über unsere Zeit zu sagen, was fügt er dem Original hinzu, was lässt er weg und warum tut er das?

Das Drehbuch von Joe Carnahan verlegt den Schauplatz zunächst vom mittlerweile gentrifizierten New York, das längst nicht mehr den Ruf des menschenverachtenden Molochs genießt, der der Stadt bis in die Achtzigerjahre anhaftete, nach Chicago, das in den letzten Jahren mit explodierenden Verbrechensstatistiken von sich Reden machte (einmal läuft Chief Keefs „Sosa“ auf dem Soundtrack, der aus der berüchtigten Chicagoer South Side kommt), und aus dem liberalen Architekten wird der liberale Chirurg, der im Operationssaal tagtäglich mit angeschossenen Polizisten und Verbrechern konfrontiert wird. Die Kriminellen, die seine Frau und Tochter überfallen, sind keine jugendlichen Hooligans, sondern „gewöhnliche“ Räuber, eine Vergewaltigung gibt es nicht, die beiden Frauen werden umgebracht und verwundet, weil sie sich zur Wehr setzen. Der wichtigste Unterschied scheint mir aber ein anderer: In Winners Original zeigte sich die Ziellosigkeit von Kerseys Rachefeldzug vor allem darin, dass er bei seinen nächtlichen Streifzügen zwar allerhand Kroppzeuch entsorgte, aber dabei nie auf die eigentlichen Täter traf. In Eli Roths Version des Stoffes ist das anders, denn hier gelingt es Kersey durchaus, die Schurken, die sich an seiner Familie vergriffen, zu stellen und zu töten. Man könnte auch sagen: Er hat Erfolg, während die Polizei versagt. Das ist doch ein erheblicher Eingriff in die Grundaussage des Originals. Eine weitere Änderung betrifft Kerseys „Werdegang“ selbst: Charles Bronsons Vigilant zog zunächst mit einem selbstgebastelten Totschläger los, Willis‘ Kersey greift sofort zur Schusswaffe. Und während Bronsons Kersey sich nach seinem ersten Streifzug noch vor Aufregung übergeben musste, legt Kersey in Roths Version von Beginn an eine ziemliche Kaltschnäuzigkeit an den Tag, die seine Unerfahrenheit – er verletzt sich beim Abfeuern seiner Waffe selbst am Daumen – ausgleicht. Seine Entscheidung, als Rächer loszuziehen, beruht auf einem Erlebnis mit seinem Schwiegervater nach der Beerdigung seiner Ehefrau irgendwo im mittleren Westen: Auf der Fahrt nach Hause hält der alte Mann plötzlich an, steigt aus dem Wagen und blickt von der Straße aus hinab auf ein Feld, auf dem er zwei Wilddiebe ausgemacht hat. Ganz selbstverständlich eröffnet er mit seinem Schießprügel das Feuer auf die Täter und erklärt dem verdutzten Schwiegersohn, dass sich die Menschen heutzutage zu sehr auf die Polizei verließen: Man müsse selbst für seine Sicherheit sorgen. Das ist so oder so eine streitbare These, angewendet auf das Schicksal der Kersey-Frauen aber doppelter Unfug: Erstens ist es ja nicht unbedingt die erste Aufgabe der Polizei, Verbrechen präventiv zu verhindern (beziehungsweise wäre das ziemlich viel verlangt), zweitens hilft einem diese Empfehlung ja nicht in dem Fall, in dem man plötzlich von mehreren Gewalttätern überrumpelt wird. Kersey selbst hatte gar keine Chance, irgendwas zu tun: Er war gar nicht zu Hause, als sich die Kriminellen Eingang in sein Haus verschafften. Und als Rechtfertigung für Kerseys folgenden Feldzug funktioniert diese Philosophie auch nicht: Von den Tätern geht ja nun keine Gefahr mehr für ihn aus, vielmehr begibt er sich erst in dieselbe, als er sich auf die Suche nach ihnen macht.

Man merkt DEATH WISH an, dass Roth und Carnahan nicht allzu viele Gedanken an Details verschwendeten: Ihr Remake ist in erster Linie eine Sammlung markiger Klischees, die im Rachefilm und von Law-and-Order-Apologeten immer wieder rauf- und runtergebetet werden. Da gibt es die öffentlichen Reaktionen auf das Treiben des „Grim Reaper“ getauften Vigilanten, die in Form von Diskussionsbeiträgen aus Radiosendungen eingespielt werden und die die Kluft zwischen Befürwortung, dass da endlich mal jemand was tut, bis hin zu Ablehnung von Selbstjustiz reichen. Natürlich darf ein satirischer Blick auf den US-amerikanischen Waffenfetischismus nicht fehlen, wenn Kersey sich von einer attraktiven, dickbrüstigen Blondine halbautomatische Ballermänner vorführen lässt wie andere Leute Sportschuhe. Dann sind da die Verbrecher selbst, volltätowierte, zottelbärtige Typen mit dumpfem Blick oder sadistischem Grinsen, oder natürlich die Kriminalbeamten, die sich zwar alle Mühe geben, aber letztlich nicht mehr sind als freundliche Grüßonkels. Wie zu erwarten war, wird die Gewalt nicht mehr so furztrocken inszeniert wie anno 1974, bei Roth splattert es deutlich blutiger, was auch Ausdruck eines mehr im Vordergrund stehenden Humors ist. Winners Film funktionierte als Aufreger ja auch deshalb so gut, weil man die Position des Regisseurs nicht auf Anhieb festmachen konnte, der Mann aber Spaß daran hatte, zu provozieren. Roth und Carnahan legen ihr Remake aber sehr offensichtlich als ausgewogenen Diskussionsbeitrag an, der sich selbst nicht so richtig äußern mag, aber gleichzeitig aber auch niemanden verprellen möchte und fein säuberlich für jedes Pro ein Kontra findet. Das ist aber eine letztlich sehr sinnlose und unfruchtbare Position, weil zu diesem Thema wirklich alles gesagt ist – und es eigentlich keinen Bedarf mehr gibt, es neu zu verhandeln. Ganz ohne – zugegebenermaßen rein vordergründigen – Reiz ist DEATH WISH in dieser Version aber trotzdem nicht. Er Film ist schwungvoll und mit einigen amüsanten Spitzen versehen, er läuft gut rein, würde ich sagen – aber eben auch schnell wieder raus. Und Willis? Ist passabel als Kersey. Wäre er vor 30 Jahren auch bloß „passabel“ gewesen, würde ihn heute keiner mehr kennen. Und schon gar nicht im Remake eines Klassikers besetzen.

 

zhan lang (jing wu, china 2015)

Veröffentlicht: November 11, 2019 in Film
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ZHAN LANG – oder mit internationalem Verleihtitel WOLF WARRIOR – ist rückblickend vor allem deshalb bemerkenswert, weil er den Weg für das Sequel WOLF WARRIOR II bereitete, das 2017 zum erfolgreichsten chinesischen Film aller Zeiten avancierte, dabei allein in China rund 874 Millionen Dollar einspielte und somit hinter AVENGERS: ENDGAME und STAR WARS: THE FORCE AWAKENS derzeit den dritten Platz in der Liste „Höchste Einspielergebnisse in einem einzelnen Markt“ belegt. Die knapp 90 Millionen Dollar, die dieser erste Teil einspielte, wirken dagegen wie ein Fliegenschiss, was sich aber wieder relativiert, wenn man ihn mit westlichen Actionfilmen vergleicht. Bei einem Budget von 12 Millionen Dollar ist ZHAN LANG als „Low Budget“ zu bezeichnen, seine miesen CGI und die flache Optik erinnern bisweilen an die Sünden von Asylum und Konsorten, Gaststar Scott Adkins ist niemand, der die Massen ins Kino lockt, sondern allenfalls in DTV-gestählten Actionfankreisen eine Marke und der krasse Patriotismus und Chauvinismus des Films erinnern an zweitklassige US-Actionfilme aus den Achtzigern, die auf die auch schon nicht zimperlichen Studioproduktionen sogar noch einen draufsetzten.

Worum geht’s: Der Scharfschütze Leng Feng (Jing Wu) widersetzt sich bei einem Militäreinsatz gegen ein Drogenkartell dem Befehl seines Vorgesetzten, als er einen Geiselnehmer erschießt. Anstatt Kriegsgericht und Entlassung wird er aber zum Mitglied der „Wolf Warrior“ befördert, einer Super-Eliteeinheit, die sich aus den Besten der Besten zusammensetzt. Seine erste Übung im Kreise seiner neuen Kameraden gerät zum Ernstfall, weil der Bruder des erschossenen Drogengangsters Rache will und dafür eine Einheit amerikanischer Supersöldner um Tomcat (Scott Adkins) auf die „Wolf Warriors“ ansetzt.

ZHANG LANG ist ein dummer und leider auch visuell schmuckloser Film, der seine stärksten Szenen immer dann hat, wenn es kracht, bevorzugt, wenn sich Star Jing Wu mit jemandem auf die Fresse haut. Über die Shoot-outs, Explosionen, Fights und Stunts kann man nicht meckern, sie sind kompetent, schmerzhaft und angemessen blutig, aber das ganze Drumherum stößt eher ab. Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich gezwungen war, den Film in seiner deutschen Synchronisation zu „genießen“, die die eh schon nicht sonderlich intelligenten Dialoge noch eine ganze Nummer dümmer macht. Kritische Untertöne oder auch nur einen Hauch von Ambivalenz sucht man hier vergebens, stattdessen werden das Loblied auf Vaterland, Kamerad- und Opferbereitschaft gesungen und nebenbei doofe Herrenwitzchen auf Kosten der weiblichen Befehlshaberin Long Xiaoyun (Nan Yu) gerissen, die von Leng Feng natürlich sofort als potenzieller Fortpflanzungspartner ins Auge gefasst wird (man muss dem Film zugute halten, dass sie relativ schlagfertig zurückschießt). Das tut schon etwas weh und wird durch die bereits erwähnten Versuche, mittels optimierungsbedürftiger Computereffekte den Eindruck eines Hightech-Spektakels auf Augenhöhe mit den US-amerikanischen Vorbildern zu erwecken, nicht besser. Da sitzen die Militärs an einem Virtual-Reality-Strategietisch und schieben fancy Hologramme durch die Gegend, doch eine Fallschirmspringersequenz wird wie anno dunnemals mit komischen Rückprojektionen realisiert. Ultramies ist auch der Angriff von CGI-Wölfen, die genau so lange gut aussehen, wie sie nicht mit ihren menschlichen Gegenspielern interagieren müssen. Jing Wu peilt mit seinem Film meines Erachtens eine Art GI-Joe-hafter Infantilität an, die sich unter anderem im putzigen Logo des Films zeigt, das mit einem metallischen Rumms ins Bild geballert wird, bevor dann noch eine Kugel und eine Kampfmesserklinge mit reinknallen. Fehlten eigentlich nur noch der obligatorische Totenkopf, eine Handgranate, Blutstropfen und Spinnennetz, um es perfekt zu machen. Aber dieser entwaffnenden Albernheit stehen die nationalistische Verbissenheit und der schon erwähnt schmucklose Look des Films im Weg. Als nicht-chinesischer Zuschauer bekommt man da mitunter ein ungutes Gefühl, weil man den Eindruck hat, hier den Propagandafilm für die bevorstehende totale Mobilmachung zu sehen, zumal die Verortung des Geschehens auf irgendeinem Truppenübungsplatz auch nicht eben die Fantasie anregt. Die Akteure wurden einfach in irgendeinem hügeligen und bewaldeten Brachland zum Kriegspielen abgeladen, was ZHANG LANG zu einem arg überteuerten Verwandten des Wald-und-Wiesen-Films macht, der sich besonders in Amateur-Horrorfilm-Kreisen großer Beliebtheit erfreut. Bedenkt man, was für visuelle Schmuckstückchen uns aus Hongkong von den Siebziger- bis zu den frühen Nullerjahren erreichten, stimmt ZHANG LANG eher traurig, auch wenn gewiss nicht alles schlecht ist.

Jing Wu versteht sein Kampfsport-Handwerk ohne Zweifel und während der Actionsequenzen gibt es durchaus immer wieder jene Momente, in denen man die Faust in die Luft stoßen möchte: Ich denke da an den Sprintangriff auf einen Scharfschützen aus einem Busch heraus, der mit einem krachenden Zeitlupen-Kopfschuss aus nächster Nähe sein abruptes Ende findet, an den Schlussfight zwischen Feng Long und Tomcat oder auch den Kopfschuss durch eine Betonmauer, der die Geschichte des Helden gewissermaßen eröffnet. Die Schlusscredits, die mit schmerzhaften Stunt-Bloopers untermalt werden, wecken zudem nostalgische Erinnerungen an die alten Jackie-Chan-Klopper, die diesen Kniff zur Kunstform erhoben. Aber der Vergleich zeigt eben auch, was in den 30 Jahren seitdem verloren gegangen ist. Naja, wie ich las, soll WOLF WARRIOR 2 eine deutliche Steigerung zu diesem streitbaren Werk sein. Wenn sich das bewahrheiten sollte und es diesen ersten Teil brauchte, um da hin zu kommen, bin ich versöhnt.

 

 

Mel Gibson befindet sich seit einigen Jahren in einem seltsamen Karrierelimbo: Zwar tritt er trotz seiner alkoholgeschwängerten antisemitischen Ausfälle noch relativ regelmäßig mit großen, aufwändigen und prestigeträchtigen Produktionen als Regisseur in Erscheinung (zuletzt etwa mit HACKSAW RIDGE, der mich gleichermaßen fasziniert wie befremdet hat), doch als Hauptdarsteller in Großproduktionen scheint er einigermaßen verbrannt, was nur zum Teil auf sein mittlerweile fortgeschrittenes Alter zurückzuführen ist. Seine letzten Filme waren Zahlers großartiger DRAGGED ACROSS CONCRETE, ein unabhängig produzierter Low-Budget-Film, und der Historienfilm THE PROFESSOR AND THE MADMAN, der ebenfall außerhalb des großen Filmzirkus anzusiedeln ist. Seine letzten Hollywood-Filme waren DADDY’S HOME 2, THE EXPENDABLES 3 und MACHETE KILLS, in denen er jeweils die Funktion der aufmerksamkeitstauglich besetzten Nebenrolle einnahm. Und vor diesen kam eben der mit rund 20 Millionen Dollar budgetierte GET THE GRINGO, der weltweit gerade einmal ein Viertel davon wieder einspielte. Nicht gerade ein Argument für ihn, aber GET THE GRINGO ist ein hübscher Appetithappen für Fans des badass cinema, in dem es sich Gibson kein Stück anmerken lässt, dass er die Teilnahme an einem Film dieser Art zehn Jahre vorher nicht einmal annähernd in Erwägung gezogen hätte.

Gibson spielt den Berufsverbrecher Driver, der direkt zu Beginn des Films nach einem Raubüberfall, bei dem er zwei Millionen Dollar erbeutet hat, vor der Polizei flieht und dabei die Grenze nach Mexiko überquert. Sein Verfolger (Dean Norris) hat gegenüber den korrupten mexikanischen Cops das Nachsehen: Sie stecken Driver in das berüchtigte Gefängnis „El Pueblito“ – das Gibsons Charakter mit „the world’s shittiest mall“ vergleicht – und selbst die Beute ein. Im Knast checkt Driver sofort die Lage, um dort einigermaßen über die Runden zu kommen und findet so heraus, dass der Crimlord Javi (Daniel Giménez Cacho), der den Knast quasi regiert, dringend eine neue Leber benötigt. Ein sicherer Spender ist ein zehnjähriger Junge (Kevin Balmore), der im Knast sitzt, weil seine Mutter (Dolores Heredia) wegen eines Drogendeliktes verurteilt wurde: Er hat eine Rechnung mit Jai offen, denn der Gangster ermordete einst seinen Vater. Driver freundet sich mit dem Jungen an und versucht ihm zu helfen. Dass der um die zwei Millionen Dollar erleichterte Frank (Peter Stormare) seine Fühler nach Driver ausstreckt, um sein Geld zurückzubekommen, nutzt der clevere Gangster für seine eigenen Zwecke.

GET THE GRINGO hat zum einen einen großartig aufgelegten Mel Gibson, der diesen Crime-Film mit seinem angeborenen Charisma und seinem lakonischen Humor gehörig aufwertet, mit dem real existierenden „El Pueblito“-Knast zum anderen ein faszinierendes Setting, das sich von anderen Film-Gefängnissen deutlich abhebt. Es ist eine ganz eigene Welt, eine vollständige kleine Stadt mit unterschiedlichen „Einwohnern“, die sich hier innerhalb der gegebenen Strukturen „frei“ bewegen, eigenen Geschäften und einer eigenen Ordnung und Hierarchie. Zusammen mit Driver lernt der Zuschauer diese faszinierende Welt kennen, erhält Einblicke in die Mechanismen und Regeln, nach denen sie funktioniert und nimmt dann Teil daran, wie er diese für seinen eigenen Zwecke beugt und nutzt. Ziel ist natürlich, mittelfristig auszubrechen, am besten mit der Kohle, die er erbeutet und dann bei seiner Inhaftierung verloren hat. Grünbergs Film erinnert ein bisschen an Kurosawas YOJIMBO oder noch mehr natürlich an Leones Western-Adaption PER UN PUGNO DI DOLLARI: Wie Eastwoods Namenloser manipuliert Driver die verschiedenen Parteien, suggeriert ihnen, er spiele bei ihrem Spiel mit, während er sie in Wahrheit für seine eigenen Zwecke nutzt. Die schönsten Szenen hat GET THE GRINGO aber gleich nach seiner Ankunft im Knast, wenn er ungläubig mit dem ausgelassenen Treiben dort konfrontiert wird, erste Schritte für das spätere Überleben unternimmt (er überfällt einen Gangster und deponiert dann dessen Knarre in einem Versteck) und bereits Pläne ausheckt und ausführt, um an etwas Bargeld zu kommen. Später verfällt der Film dann etwas in den Modus der zynischen Gewaltkomödie, wenn etwa die beiden Cops vom Anfang von Frank verhört, gefoltert und schließlich hingerichtet werden. Nicht mein bevorzugter Modus für diese Art von Crime-Film, aber Grünberg vermeidet auch allzu starke Überzeichnungen und doofe Witze. Am Ende gibt es einen großen Shootout mit – leider- ziemlich hässlichen CGI-Blutspritzern und eine Eastwood-Imitation von Gibson, an der sich die Geister scheiden werden und die allein deshalb schon im Gedächtnis bleibt, sowie ein romantisches Happy End für Driver.

GET THE GRINGO ist kein Meisterwerk, aber es ist schön, dass es solche Filme überhaupt noch gibt. Das sang- und klanglose Absaufen an der Kinokasse spricht allerdings nicht dafür, dass wir dergleichen in Zukunft noch oft serviert bekommen werden. Von Gibson als Mensch mag man halten, was man will, aber den badass mit dem Sinn für Humor und Selbstironie hat er immer noch drauf wie kein anderer. Von daher bitte mehr davon: Eine Welt, die uns Gibson in kleinen, dreckigen Crime- und Actionfilmen schenkt, ist eine bessere. Regisseur Grünberg ist derzeit mit RAMBO: LAST BLOOD im Kino zu sehen. Kein Meister seines Faches, aber einer, der sich auf Actioninszenierung versteht und der gern damit weitermachen darf.

 

Ich habe nur noch sehr vage Erinnerungen an SICARIO, deswegen kann und werde ich hier auf die inhaltliche Verbindung zum Vorgänger nicht eingehen und auch nicht die Frage beantworten, ob das Sequel eigentlich ein Prequel ist (wie es wohl mal geplant war) oder doch eine „echte“ Fortsetzung. Bei der Betrachtung spielte meine Gedächtnislücke aber kaum eine Rolle. SICARIO: DAY OF THE SOLDADO funktioniert auch als alleinstehender Film, der mit Villeneuves erstem Teil vor allem die nüchterne Sicht auf die Dinge und eine trockene Darstellung derselben teilt – und sogar noch einen draufsetzt: Während Emily Blunts Protagonistin zuvor noch als moralische Instanz fungierte, an der man sich orientieren und festhalten konnte, hat man es jetzt fast nur noch mit Verbrechern oder politischen Hardlinern zu tun, für die der Zweck jedes Mittel rechtfertigt. Wie Villeneuve nimmt auch Sollima eine Position zu den Figuren und Geschehnissen ein, aber ich vermute trotzdem, dass knallharten Trump-Verfechtern hier ziemlich einer abgeht – was auch so ein bisschen der Haken an SICARIO: DAY OF THE SOLDADO ist.

Der Film beginnt mit ISIS-Terroristen, die über die mexikanische Grenze in die USA kommen und dort dann ein Selbstmordattentat begehen – zumindest glaubt CIA-Mann Matt Graver (Josh Brolin) an diese Verbindung. Sein Plan: Isabel (Isabela Moner) entführen, die Tochter des Kartellbosses Reyes, der unter anderem mit der Schlepperei sein blutiges Geld verdient, den Verdacht auf ein anderes Kartell lenken und so einen Krieg anzetteln, an dessen Ende beide zerschlagen sind und der illegalen Emigration ein Ende gesetzt ist. Graver schaltet Alejandro (Benicio del Toro) ein, einen Anwalt-turned-Profikiller, dessen Familie einst von Reyes umgebracht wurde und der nun für die Amerikaner die Drecksarbeit macht. Die Entführung gelingt, doch der Plan der Amerikaner fliegt auf und es kommt zu einem offenen Schusswechsel auf mexikanischem Boden, bei dem Gravers Männer mehrere mexikanische Polizisten erschießen. Isabel entkommt und Alejandro stellt ihr nach, derweil Gravers Auftraggeber den Stecker ziehen. Das Todesurteil für Alejandro und Isabel – und Graver soll es vollstrecken.

Denkenden Menschen sollte klar sein, dass Graver kein Held ist, die politisch-militärischen Winkelzüge der Amerikaner kaum besser als das, was die Kartelle da treiben. Die Autonomie des Nachbarstaates wird von den Amerikanern einfach ignoriert, voller Absicht und Berechnung in das Leben von Menschen eingegriffen, weil es die eigene Agenda stützt. Graver und seine Leute heizen bis an die Zähne bewaffnet in ihren gepanzerten Humvees herum, intrigieren und töten – wer nicht mitspielt, wird gefoltert oder muss ansehen, wie seine Familie per Knopfdruck ausgelöscht wird. All das geschieht ohne jedes Mitleid, sondern stets im Glauben, der „guten Sache“ zu dienen. So stellt sich dann auch die ursprüngliche Annahme, islamische Terroristen seien von Mexiko in die USA eingedrungen, als Trugschluss heraus – ändern tut das aber nichts: Man stellt zähneknirschend den Irrtum fest, pfeift die Hunde zurück und betreibt Schadensbegrenzung, indem man die Spuren verwischt. Beim nächsten Mal wird alles ganz genau wieder so laufen.

Die Haltung, die sowohl Villeneuve als auch Sollima an den Tag legen, ist natürlich die reifere: kein Predigen mit erhobenem Zeigefinger, sondern eine vergleichsweise nüchterne Darstellung, aufgrund derer man seine eigenen Schlüsse ziehen kann. Für mich ist es ganz klar, auf welcher Seite die Filmemacher stehen. Aber dann stellt sich eben auch wieder die Frage, ob es in diesen Zeiten wirklich so clever ist, die Protagonisten eines amerikanischen Actionfilms gegen illegale mexikanische Einwanderer und islamische Terroristen, die sich unter diese mischen, zu richten? Ob ein Film wie SICARIO: DAY OF THE SOLDADO angesichts der Tatsache, dass Latinos im Hollywood-Kino fast ausschließlich auf die Rolle der Drogengangster, Waffenhändler oder Gangmitglieder reduziert werden, nicht ein falsches Signal ist? Ob es wirklich nötig ist, zu zeigen, wie eine Frau und ein Kind von der Explosion eines Selbstmordattentäters ausgelöscht werden? Ob all die Reaktionären, die Trump ihre Stimme gegeben haben und ihn auch nach drei Jahren Präsidentschaft immer noch als messianischen Heilsbringer verehren, in Brolins Graver wirklich einen Schurken sehen oder nicht doch den braven Diener seines Vaterlandes, der tut, was er tun muss, um die Freiheit zu erhalten? Ob Militärfetischisten angesichts des Arsenals, das hier aufgefahren wird, nicht feucht im Schritt werden? Ob die Schlusspointe der Ausrichtung des Films nicht einen Bärendienst erweist? Aber dann muss man auch darüber diskutieren, ob Filmemacher wirklich diese Verantwortung tragen: Müssen sie sich wirklich davor absichern, dass Idioten ihr Werk in ihrem Sinne falsch auslegen könnten? Ich weiß es nicht genau. Mir hat SICARIO: DAY OF THE SOLDADO gut gefallen, wahrscheinlich sogar besser als der Vorgänger (das müsste ich noch einmal verifizieren), aber er löst eben auch ein ungutes Gefühl bei mir aus, wenn ich daran denke, wer diesen Film eben auch sieht und sich von ihm bestätigt fühlt. Wir leben in einer heiklen Zeit, in der Angst eine wesentliche Motivation ist: Angst vor den „Fremden“, die uns etwas wegnehmen können, auf der einen Seite, Angst davor, dass wir die Freiheit, die wir erworben haben, vor lauter Blindheit und Hass aufs Spiel setzen und geradewegs in eine Katastrophe hineinsteuern auf der anderen Seite. SICARIO: DAY OF THE SOLDADO ist ein Kind dieser Zeit, er greift all die Widersprüche und konfligierenden Emotionen und Haltungen auf und setzt auf mündige Zuschauer. Ich weiß aber nicht, ob ich derzeit auf die Urteilsfähigkeit der breiten Masse vertrauen möchte.

 

Hongkongchinesische Mädchen- und Drogenhändler entführen thailändische Schönheiten, benutzen sie als Drogenkuriere (mit intimem Drogenversteck), zwangsprostituieren sie in Hongkong, lachen dreckig und kriegen schließlich vom US-Agenten Bill Eaton (Ron van Clief) und Chen (Carter Wong), dem Gatten der entführten Allison (Cecilia Wong) die Fresse dick.

Ein Eastern aus der untersten Schublade: billig, konfus, sleazig und mit einer Synchro geadelt, die niederträchtige Rassismen und Sexismen wie aus der Stalinorgel abfeuert. Heiraten tut man, damit eine Frau da ist, die die Wäsche macht, thailändische Mädchen sind grundsätzlich „Huren“ und „Schlampen“ und der hünenhafte Bill Eaton mit den Mungo-Jerry-Gedächtniskottis wird immer wieder beherzt als „nigger“ tituliert. Die Action ist gleichermaßen inkompetent wie fetzig und die Handlung vollzieht Sprünge, das man sich fühlt wie in einem besonders genialem Werk Godfrey Ho’scher Cut-and-Paste-Technik. DIE FAUST DES SCHWARZEN DRACHEN, wie er hierzulande hieß, beginnt mit der Parallelmontage eines erfolgreichen Thaiboxers und der Entführung seiner Schwester, konzentriert sich dann ganz auf den Leidensweg der Mädchen und die Demütigungen, die ihre Peiniger über ihnen ausschütten, bevor dann völlig unerwartet der eigentliche Protagonist wie aus dem Nichts auftaucht. Rechtzeitig zum Showdown erinnert sich der Regisseur dann auch wieder an den Bruder sowie den designierten Gatten und hetzt die drei auf die Bösewichter.

Hirnrissige Eastern mit der Energie eines geilen Elefantenbullen auf Speed haben Tradition beim Mondo Bizarr – eine weitere Tradition ist es aber auch, dass ich bei den Dingern regelmäßig einpenne. Diesmal habe ich den ganzen Showdown verpasst, was ärgerlich, aber auch keine Katastrophe ist, denn der Film hat auch bis dahin keine Gefangenen gemacht. Am besten hat mir eine Verfolgungsjagd zu Fuß gemacht, bei der die auf High-Heel-Sandalen fliehende Schönheit in den Totalen offenkundig erheblich langsamer als ihr Verfolger ist, ihren Vorsprung in der jeweils nächsten Einstellung aber trotzdem immer wieder vergrößert hat. Aber es gibt auch eine motorisierte Variante, die den todesmutigen Superagenten Bill dabei zeigt, wie er sich bei einem im Schritttempo fahrenden Wagen auf die Motorhaube wirft. Ich bin ja nicht der allergrößte Eastern-Fan, aber wer es gern schäbig, dreckig, reißerisch und noch dazu unfassbar idiotisch mag, der wird hier gut bedient – und streicht vielleicht wie ich schon vorzeitig die Segel.

 

Überraschungen, die das Leben versüßen: ACTS OF VENGEANCE war auf meiner Amazon-Prime-Watchlist gelandet, weil er nach exakt jener Art actionlastigem, griffigem Timewaster aussah, die ich mir zwischendurch gern verabreiche – und entpuppte sich dann zu meiner überaus großen Freude als relativ aktueller Film des DTV-Action-Papstes Isaac Florentine. Zwar sollte man nicht mit der Hoffnung auf eine mit UNDISPUTED II, UNDISPUTED III oder NINJA vergleichbare Glanzleistung des Regisseurs an ACTS OF VENGEANCE herantreten, aber als angenehm grimmiges Alterswerk des doch ziemlich in Vergessenheit geratenen Antonio Banderas mit Regisseursbonus obendrauf ist das Teil eine durchaus würdige Eröffnung für den stimmungsvollen Herrenabend.

Wie der Titel erkennen lässt, haben wir es hier mit einem Rachefilm zu tun, der sich weitestgehend auf bewährte (zugegebenermaßen etwas müde) Klischees und Mechanismen verlässt, um seine Geschichte in Gang zu bringen, aber auch mit einigen eigenen Ideen und kleinen Schlenkern und Verzierungen aufwartet, um die Sache auch für Leute interessant zu halten, die bereits sämtliche Variationen dieses Stoffes gesehen haben. ACTS OF VENGEANCE ist natürlich kein bahnbrechender Martial-Arts-Reißer und auch kein Stunt-Spektakel, sondern eher ein düsterer Thriller, aber wenn es ans Eingemachte geht, sieht man die versierte Handschrift des Urhebers. Banderas, dessen kurze Karriere als Actionheld in Filmen wie DESPERADO, THE 13TH WARRIOR oder THE MASK OF ZORRO bereits gute 20 Jahre zurückliegt, ist vielleicht etwas zu klein und mit 59 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, aber er kommt in seinen Fights tatsächlich ziemlich überzeugend rüber (Florentine zeigt sich in diesem Interview als nachhaltig begeistert von Banderas‘ Fähigkeiten). Ich finde es ja immer ziemlich cool, wenn einstige Hollywood-Stars im Karriereherbst in solchen kleinen, direkt für die Scheibe oder Streamingportale produzierten Ballerfilmen auftauchen und man merkt, dass das echte Menschen mit Ecken und Kanten und keine wandelnden Marketingkampagnen sind. Und andersrum profitiert ein Film wie ACTS OF VENGEANCE natürlich ungemein vom Charisma und vom Können, das jemand wie Banderas ohne Zweifel in die Waagschale zu werfen hat. Demnächst also bitte UNDISPUTED V mit Tom Cruise und Denzel Washington!

Vorerst bleiben wir aber bei ACTS OF VENGEANCE, dessen Protagonist, der windige Rechtsanwalt Frank Valera (Antonio Banderas), zu Beginn Frau und Tochter verliert. Wie das so ist, hat er eine Verabredung mit seiner Familie platzen lassen, weil er im Büro aufgehalten wurde, und dann zu Hause vergeblich auf ihre Rückkehr gewartet, denn sie wurden in einer schäbigen Gegend ermordet und dann in einen Graben geworfen. Die Polizei hat keinerlei Hinweise und stellt die Ermittlungen bald ein. Frank gibt sich selbst die Schuld am Tod seiner Liebsten, stürzt sich erst in den Suff und dann in Underground-Cage-Fights, bei denen er sich bereitwillig verdreschen lässt. Als er auf der Straße von einem Zuhälter attackiert und mit dem Messer verwundet wird, stürzt er in das Schaufenster einer Buchhandlung. Das Taschenbuch, mit dem er seine Blutung stoppt, entpuppt sich als Marc Aurels „Meditationen“, das großen Eindruck auf ihn macht und dazu bringt, ein Schweigegelübde abzulegen und seinen Körper für den Rachefeldzug gegen die Killer zu stählen. Eine Krankenschwester hilft ihm (Paz Vega) dabei, den Mörder zu finden der natürlich ein persönliches Motiv hat: Vor Jahren erlitt er dasselbe Schicksal wie Frank und musste miterleben, wie der Mörder seiner Tochter auf freien Fuß gesetzt wurde, weil Frank eine Freispruch auf Basis eines Formfehlers erwirkte.

Die Story ist wirklich nichts besonderes, es sind die kleinen Details, die den Film ausmachen: der Voice-over von Frank/Banderas zum Beispiel, der tolle Sachen sagt wie „Good things happen to you, if you just shut the fuck up for two or three minutes“. Frank gesteht gleich zu Beginn, dass er in seinem Job viel zu viel geredet habe und das meiste davon sei leider niemals wirklich wichtig gewesen, nicht annähernd so wichtig wie das „I love you“ für Ehefrau und Kind. Er wird nicht direkt als unsympathisch gezeichnet, aber er hat sich in seinem Beruf nie von der Moral leiten lassen, sondern immer nur auf den Erfolg geachtet. Sein Schwiegervater – der kürzlich verstorbene Robert Forster in einem fiesen Gastauftritt – sagt ihm auf der Beerdigung seiner Tochter und Enkelin deutlich, was er von Frank hält, und verabschiedet sich mit den Worten, er wolle nie mehr ein verdammtes Wort von Frank hören – Frank kommt diesem Befehl dann später bereitwillig nach. In der Trauer über den Tod seiner Familie merkt er nämlich. wie sinnlos das ganze Gerede war, mit dem er sein Geld verdient hat, wie leer und falsch es zum Teil war, aber vor allem, wie viel Zeit es ihm gestohlen hat, die er besser mit seiner Familie verbracht hätte. Also beschließt er zu schweigen, bis er den Mörder gestellt hat, und dieses Schweigen verändert seine ganze Wahrnehmung der Welt: Plötzlich kann er Dinge hören, die ihm vorher entgangen waren. Anstatt sich hinter Worten und Sätzen zu verschanzen, handelt er. Es wird keine große Sache aus seinem Schweigen gemacht, auch von der Krankenschwester nicht, die die Tatsache, dass er ihr nur mit Blicken, Gesten oder Kopfbewegungen antwortet, einfach akzeptiert. Es spielt auch in der Handlung keine wichtige Rolle: Der Moment, in dem er vor der Wahl steht, sein Schweigen zu brechen oder nicht, bleibt etwa aus. Es ist einfach eine schöne Idee, die Franks Wandel, aber auch seine Besessenheit widerspiegelt.

Mehr als ein typischer Selbstjustizfilm, in dem die Motive des Protagonisten ebenso hinterfragt werden wie der Sinn der Rache überhaupt, ist ACTS OF VENGEANCE ein Film über die Trauer und was sie mit dem Menschen macht. Franks Trauer richtet sich in Form von Zorn erst gegen sich selbst, dann gegen den noch unbekannten Täter (auch diese Entwicklung ist auf seine Aurel-Lektüre zurückzuführen). Sein Widersacher ist nicht etwa ein mieser Punk, sondern ein Mann, der exakt die gleiche Erfahrung machen musste wie Frank und der mit seiner Trauer im Grunde genommen sehr ähnlich umgeht, sie aber nicht gegen den Täter richtet, sondern indirekt gegen den Mann, der ihm Gerechtigkeit verwehrte, ndem er ihn dasselbe spüren lässt. Für Florentine hatte ACTS OF VENGEANCE möglicherweise kathartischen Charakter, denn er verlor seine Gattin Barbara, die vor BOYKA: UNDISPUTED IV mit Krebs diagnostiziert worden, während der Dreharbeiten zu ACTS. Eine Widmung am Ende macht deutlich, dass dieser Film, der vielleicht auf den ersten Blick wie eine kleinere Auftragsarbeit anmutet, wahrscheinlich persönlicher ist als einige seiner „großen“ Hits.