Mit ‘Action’ getaggte Beiträge

Mit Staffel 2 kommt JUSTIFIED richtig ins Rollen: Das Fundament ist gelegt, die Hauptcharaktere sowie der Handlungsort sind etabliert und der Spaß kann beginnen. Infolgedessen wird die Zahl der innerhalb einzelner Folgen abgeschlossenen Fälle, die es zuvor noch häufiger gab, merklich reduziert, stattdessen spannt Schöpfer Graham Yost mit seinen Co-Autoren einen über die volle Distanz der 13 Episoden reichenden Spannungsbogen und integriert seine kleineren Storys in eine große. Boyd Crowder (Walton Goggins), in Staffel eins als Rivale des Protagonisten Raylan Givens (Timothy Olyphant) etabliert, tritt hier ein wenig in den Hintergrund. Stattdessen konzentrieren sich Yost und seine Regisseure auf den Hillbilly-Clan um die Matriarchin Mags Bennett (Margo Martindale), die mit ihren Söhnen Dickie (Jeremy Davies), Coover (Brad William Henke) und Doyle (Joseph Lyle Taylor) – letzterer pikanterweise ein Diener des Gesetzes – den Marihuana-Handel in Harlan County kontrolliert. Es entspinnt sich im Folgenden nicht nur ein Streit um die Drogenvorherrschaft zwischen den Crowders und den Bennetts, die rigorose Clanleaderin stellt sich als Sprecherin ihrer Gemeinde auch noch den Bemühungen einer Bergbaufirma entgegen, den Bewohnern das Land abzukaufen. Gleichzeitig steuert sich der Streit zwischen Givens und seinem kriminellen Vater Arlo (Raymond J. Barry) auf einen neuen Eskalationspunkt zu, als dieser in die Organisation von Crowder einsteigt. Und auch Wynn Duffy (Jere Burns), ein Vertreter der „Dixie Mafia“, hat weiterhin seine Hände im schmutzigen Geschäft und versucht, für seine Vorgesetzten etwas vom Drogengeld abzugreifen, wo er nur kann.

Auch wenn JUSTIFIED über die volle Distanz der sechs Staffeln hinweg exzellentes TV-Entertainment mit engagierten Schauspielerleistungen, einem arschcoolen Helden und pointierten Dialogen darstellt: In Staffel zwei erreicht die Serie dank Margo Martindale ihren vorzeitigen Höhepunkt, schwingt sich gewissermaßen zur Backwood-Variante von Coppola THE GODFATHER-Trilogie auf. Wie bei Vito und Michael Corleone steht hinter Mags eisenhartem Geschäftsgebaren das Bewusstsein für die Pflicht als Oberhaupt ihrer Familie. Der Drogenhandel ist auch nur ein Geschäft, das geeignete Mittel zum Zweck und in den Bergen und Wäldern Kentuckys beinahe ebenso fest verwurzelt wie der Kohlebergbau und die Schnapsbrennerei. Der Bennett-Clan hat eine lange Geschichte, das Wort von Mags Gewicht unter den Einheimischen und dass sie die Ihren mit dem Mut und der Gewalt eines Bären zu verteidigen bereit ist, hat ihr viel Respekt eingebracht. Staffel zwei von JUSTIFIED gelingt es noch mehr als der vorangegangenen oder den folgenden Staffel, die sozioökonomische Grundstruktur von Harlan County bloßzulegen und die Region als lebendiges Soziotop mit einer reichen Vergangenheit darzustellen. Givens‘ Arbeit wird zusehends nicht nur dadurch erschwert, dass er sich durch das Minenfeld über Jahrzehnte gewachsener Beziehungen und Rivalitäten bewegen muss, sondern auch dadurch, dass er selbst hoffnungslos in dieses Geflecht verstrickt ist.

Die kunstvolle dramaturgische Struktur der Staffel, die über die 13 Episoden unaufhaltsam auf den finalen, blutigen Kampf zusteuert, kann man gar nicht genug loben. Diese trotz der zahlreichen handelnden Personen und ihrer kleinen Subplots bestehende Klarheit werden die beiden nächsten Staffeln, so viel vorweg, leider vermissen lassen: Im entbrennenden Krieg zwischen dem Gesetz auf der einen, den Crowders, den verbliebenen Bennetts, den verschiedenen Unterhändlern der Dixie Mafia und einem afroamerikanischen BBQ-Experten sowie den vielen interpersonellen Zwistigkeiten verliert der Zuschauer manchmal den Überblick. Spaß macht das immer noch, die emotionale Unmittelbarkeit von Staffel zwei wird aber nicht mehr erreicht.

 

 

 

Unterwassermenschen, die zwischen dekorativ umherschwimmenden Haien, Walen und Rochen mit wallenden Haaren Dialoge über den legitimen König des untergegangenen Reichs Atlantis schwadronieren. Armeen, die wahlweise auf Riesenseepferdchen oder gepanzerten Haien in die Schlacht reiten. Eine Meerjungfrau mit tomatenroten Haaren, die mit ihren Händen das Wasser aus lebenden Körpern saugen kann. Eine bis auf den letzten Platz mit begeistert grölenden Zuschauern besetzte Unterwasserarena über einem gewaltigen, mit Lava gefülltem Krater. Ein Oktopus, der dazu Schlagzeu spielt. Bilder der vergangenen Riesenzivilisation Atlantis, deren Hybris zum Untergang führte, nachdem ihre Bewohner glücklicherweise die Möglichkeit eines neuen Lebens fanden. Ein mit atlantischer Supertechnologie ausgestatter Rächer namens Black Manta. Temuera Morrison als neuenglischer Leuchtturmwächter, Nicole Kidman als Meereskönigin, die sich in ihn verliebt, Dolph Lundgren als aquatisches Gegenstück zu Odin, Willem Dafoe mit Dutt. Und dazwischen ein ganzkörpertätowierter Held mit Rockermähne, Bikerbart und wissendem Grinsen. Viel Vergnügen mit AQUAMAN, der Superheldencomicverfilmung, die all das richtig macht, was bei Marvel mit schöner Regelmäßigkeit vergeigt wird.

Als Vincent Chase, der Protagonist der Serie ENTOURAGE, in deren zweiter Staffel den Titelhelden in der von James Cameron inszenierten Adaption des DC-Comics übernehmen durfte, war das ein Witz: Aquaman, ein blonder Biedermann, dessen Fähigkeit, mit Fischen kommunizieren und besonders gut schwimmen zu können, jetzt nicht unbedingt die beeindruckendste Waffe im Kampf gegen außerirdische Weltbeherrscher und Superverbrecher darstellte, wurde selbst von den größten Comicnerds nie so richtig ernst genommen – und er schien sich daher auch gegen ein cooles Re-Imagining zu sperren. Seine ganze Origin-Story und die Idee eines Unterwasserreiches waren so unabänderlich cheesy und kitschig, was sollte man daraus machen, das auch nur halbwegs ernstzunehmen war? Die Entscheidung der angeschlagenen DC Entertainment, ausgerechnet diesem Helden den nächsten großbudgetierten Eventfilm zu widmen, muss man demnach nicht verstehen. Doch nach Betrachtung möchte ich den Produzenten zu ihrer Entscheidung und ihrem Mut ausdrücklich gratulieren: Sie haben gar nicht erst versucht, gegen Kitsch, cheesiness und die dem Stoff inhärente Deppertheit anzukämpfen, sondern diese Elemente mit offenen Armen empfangen und damit einen Film vorgelegt, der endlich einmal nichts als reine Freude am nackten Unfug zum Ausdruck und damit auch den Spirit der bunt bebilderten „literarischen“ Vorlagen in ebensolchen Bildern auf die Leinwand bringt. Das infantil-beseelte Grinsen war mir während der gesamten Laufzeit ins Gesicht gemeißelt, das Vergnügen, dieses Spektakel mit meinen beiden Kindern sehen zu dürfen, dürfte dieses Jahr nur schwerlich getoppt werden.

Die vollkommen egale Handlung zusammenzufassen, erspare ich mir an der Stelle – der Film macht nie ein Hehl daraus, dass er sich lediglich als Aneinanderreihung geiler Bilder, Set Pieces, Materialschlachten, Sight Gags und gefälliger One-Liner versteht. Aber er kommt im Unterschied zu ähnlichen Werken mit diesem Ansatz davon, weil er eben liefert – und mit Jason Momoa einen Hauptdarsteller an Bord hat, der die Überdosis Charme mitbringt, die es braucht, eine eindimensionale Pappfigur wie seinen Aquaman zum Sympathieträger zu machen. (Er erinnert mich mit seinem Dauergrinsen, das den Eindruck erweckt, er hätte die Zeit seines Lebens und sei vollkommen desinteressiert, diese Freude zu verbergen, etwas an Dwayne „The Rock“ Johnson.) Über James Wan wird gern (auch von mir) gelästert: Die SAW-Reihe ist überaus streitbar, seine Horror-Filme THE CONJURING und INSIDIOUS inklusive der inflationären Pre- und Sequels long on style und short on substance, dafür hat er mit seinem Einsatz für FURIOUS 7 (und einige Jahre zuvor m unterschätzten DEATH SENTENCE) etwas bewiesen, was er auch in AQUAMAN wieder zeigt: dass er ein Händchen für temporeiche Action und ikonische Bilder hat. Die im Rahmen des CGI-Overkills durchaus als physisch zu bezeichnende Hatz durch ein sizilianisches Hafenstädtchen markiert einen Höhepunkt des mit rund 140 Minuten natürlich viel zu lang geratenen Spektakels, das aber trotzdem an einem vorbeirauscht wie ein Intercity.

Wem das alles zu doof, zu unecht, zu substanzlos, zu computerspielartig ist, dem kann ich kaum widersprechen. Ich habe mich bei vergleichbaren Filmen selbst auch schon anders geäußert, die schiere Menge an computergenerierten Bildern moniert, das Fehlen echter Emotionen oder auch nur traditionellen Filmhandwerks betrauert. Auch AQUAMAN ist eigentlich ein reiner Animationsfilm und inhaltlich hat er rein gar nichts zu sagen. Aber, fuck, hat der Spaß gemacht. Wans Film hat all das, was ich an den Filmen des MCU so vermisse: Er lebt von seinen bunten, geilen Bildern, ist geradezu beseelt von den schier grenzenlosen Möglichkeiten, die ihm sein Sujet bietet, berauscht von der Lust an der Schöpfung bonbonbunter Bilder, und kein Stück bereit, sich dabei in Ketten schlagen zu lassen. Er verkneift es sich kluger- und sympathischerweise, seinen Helden als Sprechpuppe für halbgare Aussagen zur Weltpolitik zu missbrauchen und so Relevanz vorzugaukeln. Kein Wunder, dass die Filmkritik, sonst immer schnell zur Stelle, wenn es darum geht, noch den letzten Studioheuler zum antikapitalistischen Manifest hochzujazzen, hier in größter Einigkeit die Keule herausholte. Was natürlich nichts daran änderte, dass AQUAMAN zum überraschenden Superhit mutierte. Mich freut das ungemein. Wenn alle Superheldenfilme so aussähen, ich wäre zufrieden. Ich will mehr Filme, die unter Wasser spielen, mit schwerelos schwebenden Figuren, deren Haare in Zeitlupe in der Strömung wallen und die dabei ganz normal miteinander reden. Ich komme da einfach nicht drüber weg, so geil finde ich das.

Urlaub und Badespaß: Am Strand hat Mitch Rapp (Dylan O’Brien) seiner Freundin soeben einen Heiratsantrag gemacht, da wird das junge Glück durch einen Schicksalsschlag zerrissen: Islamische Terroristen richten unter den Touristen ein Gemetzel an, Mitch muss mitansehen, wie seine Verlobte vor seinen Augen hingerichtet wird. 18 Monate später ist er eine Kampfmaschine, spricht fließend Arabisch, hat sich Eingang zum inner circle der Terrorzelle um den Mörder seiner Liebsten verschafft – und damit auch die Aufmerksamkeit des CIA auf sich gezogen, die in ihm einen perfekten Killer sieht. Der Ex-Navy Seal Hurley (Michael Keaton) verpasst Rapp den letzten Feinschliff, dann geht es gegen „Ghost“ (Taylor Kitsch), einen Abtrünnigen, der eine Atombombe bauen will …

AMERICAN ASSASSIN basiert auf einer Reihe von Polit-Thrillern des amerikanischen Autors Vince Flynn, der in der Tradition solcher Autoren wie Robert Ludlum, Alistair MacLean oder Tom Clancy steht: Harte Action mit ebenso harten Typen, schwer verständlicher Tech Talk, internationale politische Verwicklungen und Intrigen sowie die Vorstellung eines stark Staates – der natürlich nichts ist ohne seine treuen Diener, die sich ohne mit der Wimper zu zucken für die Werte der Demokratie und der Freiheit opfern – zeichnen das literarische Genre aus, das vor allem ab den Siebzigerjahren immer wieder fürs Kino adaptiert wurde. In den letzten Jahren hatte sich diese Spielart des Actionfilms – von den immens erfolgreichen Filmen um Jason Bourne einmal abgesehen – etwas rar auf den Leinwänden gemacht: Politik wird kritisch beäugt und vom modernen Actionhelden erwartet man eher einen gewissen Nonkonformismus und das Einstehen für die Unterdrückten als die Unterwerfung unter die Staatsräson zum Wohle des Erhalts des Status quo. AMERICAN ASSASSIN versucht die Kluft zu überbrücken, indem er einen Helden in den Mittelpunkt rückt, der zunächst von einem inneren Trieb motiviert wird und dessen Wille auch von seinen Vorgesetzten nicht gebändigt werden kann. Man könnte sagen, dass Cuesta dem immer auch etwas aseptischen Polit- und Agententhriller eine Dosis Sex und Badassery injiziert. Was nicht unproblematisch ist.

Das beginnt schon mit dem Auftakt, der ungute Assoziationen zu den Schreckensbildern aus den Nachrichten der letzten Jahre weckt und damit nicht gerade die geschmackssicherste Wahl für einen Film darstellt, der letztlich reines Actionspektakel liefert. Die folgende Sequenz, die den nun zur Ein-Mann-Armee gereiften Rapp zeigt, ist die beste des Films: Kurz vor der Konfrontation mit den Mördern seiner Freundin förmlich brennend, sehen wir ihn, wie er wegen Disziplinlosigkeit erst aus seinem Kampfsportstudio geschmissen wird, anschließend eine Massenpanik auf einem Schießstand auslöst, auf dem er wie ein Irrer mit seinem Maschinengewehr herumballert und dann mit den Terroristen auf Arabisch chattet, bevor er sie in Tripolis höchstpersönlich trifft. Dylan O’Brien, auf Bildern ein Jüngelchen, das jede Schwiegermutter in Verzückung geraten ließe, ist super als zu allem entschlossener Killer mit Isis-Bart und mangelndem Respekt vor staatlichen Institutionen. Das denkt auch die CIA-Agentin Irene Kennedy (Sanaa Lathan): Rapp hat etwas, das man einem Mann nicht antrainieren kann. Hurley ist etwas anderer Meinung, aber am Ende ist es natürlich so, dass die flammende Leidenschaft und die Disziplinlosigkeit des Quereinsteigers genau jene Eigenschaften sind, die den Unterschied machen. Im Kampf gegen Wahnsinnige ist es hilfreich, wenn man es mit den Regeln selbst nicht so genau nimmt. Behauptet der Film zumindest.

Outlaw Vern bemängelte in seiner Kritik, dass AMERICAN ASSASSIN sich seine inhärente Absurdität nicht verdiene. Seiner Meinung nach sei der Film zu glatt und generisch inszeniert und letztlich zu kommerziell, um mit seinen Over-the-Top-Momenten wirklich Freude zu bereiten. Ganz Unrecht hat er damit nicht, aber ich finde, dass allein die Mischung aus heftiger Ruppigkeit und Hochglanzoptik mit schönen Menschen, mit der Cuesta seine Law-and-Order-Fantasie kredenzt, Aufmerksamkeit verdient hat. Das Finale mit der Atombombe im Rucksack, die Rapp aus einem Boot ins Wasser schmeißt und damit eine Katastrophe verhindert, ist zugegebenermaßen Tinnef und macht unmissverständlich klar, wessen Geistes Kind AMERICAN ASSASSIN ist (falls man es bis dahin vergessen haben sollte), aber um sich 90 Minuten lang durchpusten zu lassen reicht dieses hübsch reaktionäre Stück Film wunderbar aus. Scott Adkins hat eine kleinere Nebenrolle als Kollege/Rivale von Rapp und muss beim ersten gemeinsamen Einsatz natürlich ins Gras beißen. Aber immerhin hat er ein paar Sekunden zusammen mit Michael Keaton, der in einer fiesen Folterszene seine Fingernägel einbüßt.

„There are two kinds of pain in this world. The pain that hurts, the pain that alters. Today, you get to choose.“ Mit diesen Worten konfrontiert der ehemalige CIA-Spezialist Robert McCall einen türkischen Gangster, der seiner amerikanischen Ehefrau das Kind entrissen und es in die Türkei verschleppt hat. Wenige Sekunden zuvor hat McCall die Lakaien des Ganoven mit der ihm eigenen eiskalten Präzision unschädlich gemacht, das überlegene, arrogante Grinsen des Schurken in eine eingefrorene Maske der Angst verwandelt. Kaum ist das letzte Wort verklungen, umfängt die Dunkelheit eines Tunnels den Zug, in dem sich die Konfrontation abspielt, und der markerschütternde Schrei, den auch dessen Rattern nicht übertönen kann, legt den Schluss nahe, dass da jemand die falsche Wahl getroffen hat. Es ist der Anfang von THE EQUALIZER 2.

Vor rund fünf Jahren erzielte Antoine Fuqua mit seinem auf einer alten Fernsehserie basierenden Actionthriller einen doch eher unerwarteten Erfolg. Sein furztrockener Film erinnerte in seiner brachialen Kompromisslosigkeit nicht wenig an die No-Nonsense-Actioner, mit denen Kampfwurst Steven Seagal Ende der Achtzigerjahre seinen Ruhm begründete. THE EQUALIZER war – allem visuellen Style zum Trotz – grimmig und brutal und demnach nicht unbedingt der Stoff, der die Massen in Zeiten bunten Comic-Entertainments und unschuldiger Zerstreuung ins Kino lockt – schon gar kein zweites Mal. Und so cool und abgezockt sein Star Denzel Washington in der Rolle des Profis auch agierte, so gern man diese Figur noch einmal auf ihren Rachefeldzügen begleiten wollte, so fraglich schien es doch, ob man ihr bei einem Wiedersehen wirklich noch etwas Neues abgewinnen können würde. Weil sich die Hollywood-Player ihr Geschäft aber bekanntermaßen noch nie von Erwägungen der Sinnhaftigkeit kaputtmachen ließen, dauerte es nicht allzu lang, bis die Fortsetzung angekündigt wurde. Und so gut diese auch gelungen ist, sie bekräftigt eigentlich alle Vorbehalte, die man gegen sie ins Feld führen konnte.

THE EQUALIZER 2 bietet dem wortkargen, schmucklosen Titel gemäß more of the same, was bei einem Sequel zwangsläufig auch bedeutet, dass der initiale Kick verflogen ist. Denzel studiert als vermeintlicher Durchschnittsbürger McCall wieder ganz genau seine Umwelt, nimmt kleinste Störungen zur Kenntnis und schreitet dann zur Handlung. Vor seinen humorlosen Aufräumaktionen betätigt er die Stoppuhr, gibt den von ihm bestraften Übeltätern die Mahnung auf den Weg, sich künftig nichts mehr zu Schulden kommen zu lassen und hilft den Bedürftigen aus der Patsche – meist ohne ihnen gegenüber als Helfer in Erscheinung zu treten. Zu Hause führt er ein bescheidenes Dasein, er liest Bücher, die er danach bündig zur Tischkante ablegt, faltet seine Taschentücher ordentlich und gedenkt in stiller Trauer seiner verstorbenen Ehefrau. Er ist wertkonservativ und von der Überzeugung erfüllt, dass man sich aktiv für eine bessere Welt einsetzen und seine Chance ergreifen muss, auch wenn sie noch so klein ist, weil man sonst auch das Recht verwirkt, sich zu beklagen. Diese charakterliche Disposition – mit allen Wassern gewaschener Ex-Profikiller auf der einen,  oberlehrerhafter Disziplin-Fanatiker auf der anderen – spaltet das Sequel erzählerisch in zwei Hälften, die das Drehbuch nicht recht befriedigend zusammenzubringen weiß. Der Killer McCall muss den gewaltsamen Tod seiner einstigen Mentorin Susan (Melissa Leo) aufklären und schließlich ihre Mörder zur Strecke bringen, der brave Bürger McCall den sein Talent, seine Zukunft und sein Leben mit Drogendealerei aufs Spiel setzenden afroamerikanischen Nachbarsjungen Miles (Ashton Sanders) zur Vernunft bekehren. Das führt dazu, dass der interessantere der beiden Handlungsstränge Spielzeit zugunsten einer strengen Moritat über die Diszipinlosigkeit der Jugend von heute einbüßt, die „Eigenverantwortung“ predigenden Neoliberalisten wohlige Wärme ins kalte Herz zaubern dürfte. Dass THE EQUALIZER 2 in diesen Momenten nicht völlig versumpft, liegt an Washington, der die rigide Lebensphilosophie seines McCall tatsächlich attraktiv erscheinen lässt.

Trotzdem: Lieber als bei der Gardinenpredigt sehe ich ihm beim Töten zu und dafür bekommt er zu wenig Gelegenheit. Dabei lässt sich der Handlungsstrang um den Mord an der guten Freundin mehr als interessant an, bevor er dann plötzlich mit größter Eile abgewickelt wird. Die Aufdeckung der Identität des Mörders stellt keinerlei Überraschung dar, noch nicht einmal für McCall, der den Mordfall mehr oder weniger im Vorbeigehen aufklärt. Der Showdown in einem von einem Sturm heimgesuchten ausgestorbenen Küstenkaff ist dann aber wieder ganz großes Kino, bei dem man dem Protagonisten lediglich eine etwas größere Gegnerschar zum Hinrichten gewünscht hätte. Es geht alles zu schnell vorbei und wenn der Schurke im Endfight unterliegt, lässt sich das nur mit einem vorzeitigen Samenerguss vergleichen: Man kann schon Freude mit dem Film haben, aber echte Befriedigung stellt sich nicht ein, Am Ende überwiegt auch das Gefühl, dass die Macher selbst am wenigsten überzeugt davon waren, dass sie dem Vorgänger noch etwas Entscheidendes hinzuzufügen haben und sich deshalb verzettelten. Ich wäre mit einem tighten 80-Minüter, in dem McCall kurzen Prozess mit einer Bande mieser Punks macht, mehr als zufrieden gewesen. Aber irgendwie ehrt es Fuqua und Co. ja auch, dass sie es sich nicht so einfach machen wollten. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Was ist besser als ein Actionstar in einem Film? Logisch, fünf Actionstars. TRIPLE THREAT macht seinen quantitativen Überbietungscharakter schon im Titel transparent, ist aber so bescheiden, dabei zwei bis drei martialische threats zu unterschlagen. Zu den drei asiatischen Helden Tony Jaa (ONG-BAK, TOM YUM GOONG), Iko Uwais (THE RAID, THE RAID 2) und Tiger Chen (KUNG FU TRAVELER, MAN OF TAI CHI) gesellen sich außerdem als Schurken der derzeit omnipräsente Brite Scott Adkins sowie der stets verlässliche Michael Jai White. Und CHOCOLATE-Star Jeeja Yanin mischt in einer kleinen Nebenrolle ebenfalls mit. Diese Ballung an Martial-Arts-Kompetenz sichert Jesse V. Johnson schon einmal die Aufmerksamkeit der Fans, aber der Regisseur, der dieser Tage daran interessiert scheint, den darbenden DTV-Actioner ganz allein am Leben zu halten, hat auch darüber hinaus noch Einiges zu bieten.

Wie so oft bei diesen Filmen mit Best-of-Compilation-Charakter bildet die sparsam skizzierte Story nicht viel mehr als das Fundament für eine explosive Abfolge von Fights, Shoot-outs und Verfolgungsjagden, die hier mit einigem Aufwand choreografiert und inszeniert wurden: Die beiden Söldner Payu (Tony Jaa) und Long Fei (Tiger Chen) werden von einer Gruppe Amerikaner für eine angeblich humanitäre Aktion im Urwald Indonesiens angeheuert. Tatsächlich geht aber es darum, den in einem Camp inhaftierten Schurken Collins (Scott Adkins) rauszuhauen. Nach getaner Arbeit werden die beiden Ausgenutzten zum Sterben zurückgelassen, kommen jedoch mit dem Leben davon. Jaka (Iko Uwais), der bei dem Überfall seine Frau verloren hat, sucht die beiden auf, um Rache zu üben, beschließt jedoch, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, als er von ihrer Geschichte erfährt. Die Bösewicht planen derweil, die Millionenerbin Xian (Celina Jade) zu kidnappen, und wie es das Drehbuch will, kommen ihnen die drei Helden nun dabei in die Quere. Nach einem krachenden Feuergefecht im Polizeipräsidium gibt es eine rasante Verfolgungsjagd durch die engen Gassen eines wuseligen Marktes bevor der Showdown in einem heruntergekommenen, palastartigen Haus steigt. Hongkong-Legende Michael Wong schaut kurz einmal für einen Gastauftritt vorbei und erinnert an die goldenen Zeiten des asiatischen Actionfilms in den Achtziger- und Neunzigerjahren.

Johnson, der mit THE DEBT COLLECTOR und ACCIDENT MAN durchaus erzählerische Ambitionen hatte durchblicken lassen, begnügt sich mit TRIPLE THREAT wieder darauf, den Action-Logistiker zu geben und sich als professioneller und versierter Choreograf aufwändiger Action-Tableaus zu erweisen. Der geneigte Zuschauer bekommt 90 Minuten lang ordentlich auf die Glocke, ohne dabei lange Durststrecken erleiden zu müssen. Dem Titel gemäß könnte man zwar durchaus mäkeln, dass TRIPLE THREAT eher Masse statt Klasse bietet – wirklich Außergewöhnliches bietet der Film nicht und in Sachen Martial Arts scheinen vor allem Uwais und Jaa (der aber auch schon jenseits der Vierzig ist) mit angezogener Handbremse zu agieren -, aber es muss ja bekanntlich nicht immer Kaviar sein. TRIPLE THREAT ist kein Sattmacher, aber ein angenehmer Snack für Zwischendurch. In Zeiten, in denen man nun nicht gerade eine Flut geiler Actionfilme bejubeln darf, ist das ja auch schon etwas wert.

Ein Psychopath mit einer Axt. Eine Ausreißerin, die von einem Ronin in Japan lernte, das Katana zu schwingen. Zwei Special-Force-Soldaten, die sich darüber streiten, ob nun die USA oder das United Kingdom die meisten Diktatoren zur Strecke gebracht haben. Ein sabbernder Giftmörder mit Rattengesicht. Ein dicklicher Durchschnittsbrite mit Aktentasche. Nur einige der schillernden Charaktere, die Jesse V. Johnsons ACCIDENT MAN und einen Pub bevölkern, der ihnen als Zentrale einer exklusiven Gruppe von Auftragsmördern dient. War schon Johnsons THE DEBT COLLECTOR ein deutlicher Nineties-Throwback, erinnert auch dieser Film an die Zeit, in der skurrile Charaktere im Minutentakt mit Standbild eingeführt wurden. In Verbindung mit Einflüssen aus dem politisch inkorrekten Comicfilm à la DEADPOOL oder KICK-ASS ist ein überraschend schmackhafter Genrehybrid entstanden, der 90 Minuten gewalttätigen Fun mit viel Style und tollen Performances bietet.

Ich weiß, dass die obige Beschreibung nicht unbedingt Großes, sondern eigentlich sogar Abscheuliches verheißt. Hätte man mir die Reize von ACCIDENT MAN so nahegelegt, hätte ich wahrscheinlich das Gesicht verzogen und dankend abgewunken, schließlich gehört DEADPOOL für mich zu den unerträglichsten Gurken, die ich in den vergangenen Jahren ertragen musste. Auch ACCIDENT MAN ist grell und comichaft überzeichnet, gefällt sich im Tabubruch und der Grenzüberschreitung und ist im Grunde genommen nicht viel mehr als eine reichlich infantile Gewaltfantasie. Aber – oh Wunder – irgendwie funktioniert das Ganze und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich verständlich erklären kann, woran das liegt. Ganz sicher hat es etwas damit zu tun, dass ACCIDENT MAN schon aufgrund seines Stellenwertes als DTV-Film weniger marktschreierisch rüberkommt, weniger Aufmerksamkeit für sich reklamiert, als die genannten Großproduktionen, die ihre Unkorrektheit so unangenehm ostentativ vor sich hertrugen. Johnson inszeniert seinen Film aller stilistischen Extravaganzen zum Trotz auch vergleichsweise bodenständig: Es gibt hier keinen Helden, der sich augenzwinkernd dem Betrachter zuwendet und ihm seine Witzchen erklärt. Und das führt auch dazu, dass sich ACCIDENT MAN nicht in Spielereien und Gimmicks verliert, sondern letztlich sehr straightes Acionkino bleibt, das lediglich mit diesen skurrilen Figuren angereichert ist. Wobei sich Johnson seine bizarreren Kreationen für Kurzauftritte aufhebt: Im Wesentlichen konzentriert er sich auf das Vater-Sohn-Duell zwischen Scott Adkins‘ Mike Fallon, der feststellen muss, dass  ausgerechnet seine Ex-Freundin auf der Todesliste seiner Kollegen landete, und seinem Lehrmeister Big Ray (Ray Stevenson), von dem er als Teenie das Handwerk des Auftragsmords erlernte. Letzterer liefert mit seiner Darbietung dann auch schon genug Gründe, sich den Film anzuschauen. Weiterhin hervorzuheben sind die exzellenten Dialoge: Sonst sind sie gewiss nicht unbedingt die Stärke des DTV-Actioners, aber hier merkt man, wie viel Liebe und Kreativität in das Drehbuch flossen und dass man sich allergrößte Mühe gab, jedem Charakter eine unverwechselbare Stimme zu geben. Es hilft sicherlich, dass Johnson die britische Herkunft des Films nicht verschleiert, sondern mit Lust in den Vordergrund drängt: Man bekommt hier einfach etwas zu sehen, was man in dieser Form nicht an jeder Ecke geboten bekommt. Als hätten sich Michael Winner, Guy Ritchie, Isaac Florentine und Taika Waititi zusammengetan, die Verfilmung eines britischen Comics abzuliefern, den zu zeichnen sich noch niemand dann doch tatsächlich jemand getraut hat.

Selbst die wenigen Kritikpunkte spielen ACCIDENT MAN in die Karten: Dass der Protagonist unangenehm homophob rüberkommt, wenn er sich mit Charlie (Ashley Greene) anlegt, der lesbischen Lebenspartnerin seiner Ex, baut immer wieder kleine Hürden bei der Identifikation auf: Nicht nur, dass diese Idee der Freundin, die lesbisch wird, bzw. der Lesbe, die dem Mann die Freundin ausspannt, in sich schon ein frauenfeindliches Klischee ist: Die beleidigten bitchfights, die Fallon mit Charlie anzettelt, lassen ihn nicht gerade heldenhaft erscheinen. Johnson bekommt aber rechtzeitig die Kurve und so macht dieser Aspekt den Film tatsächlich noch eine Nummer interessanter: Man hätte diesen zusätzlichen Konflikt auch einfach ganz weglassen können, ohne dass ACCIDENT MAN Schaden genommen hätte, stattdessen baute man einen Störfaktor ein, der ja auch daran erinnert, dass wir uns in einem durch und durch streitbaren Milieu befinden, in dem Fortschrittlichkeit und Toleranz nicht die ausgeprägtesten Stärken sind. Auch hier erscheint mir der Film ehrlicher als DEADPOOL mit seinen Arschfick- und Pimmelwitzen.

 

 

Der Brite French (Scott Adkins) betreibt ein erfolgloses Dojo in Los Angeles und wird von argen Geldsorgen geplagt. Sein Freund Alex (Michael Paré) stellt für ihn den Kontakt zu Tommy (Vladimir Kulich) her, einem Kredithai, der immer auf der Suche nach zuverlässigen Schuldeneintreibern ist. French wird dem Säufer Sue (Costas Mandylor) zugewiesen, der den Job schon seit vielen Jahren ausübt. Gemeinsam gehen die beiden auf Tour. Einer der Männer, den sie auf Geheiß des Gangsters Barbosa (Tony Todd) verprügeln sollen, entpuppt sich als unschuldiger Pechvogel und Vater eines kleinen Mädchens …

THE DEBT COLLECTOR ist eine echte Überraschung: Jesse V. Johnson, sonst eher Spezialist für kleine DTV-Actioner, die für den kleinen Appetit auf Gewalt und ohne Anspruch auf Nachhaltigkeit gefertigt werden, legt mit diesem Crimedrama ein kleines Masterpiece im Stile des Indiekinos der Neunzigerjahre vor. Tatsächlich erinnert der Film inhaltlich und stilistisch etwas an die Legionen von Profiteuren des Tarantino-Booms, die ab Mitte der Neunzigerjahre aus dem Boden schossen und die geneigten Zuschauer mit coolen Killern und Crimelords konfrontierten, die sich wahlweise mit Kugeln oder zitatreichen Dialogen duellierten. Wer jetzt das Gesicht verzieht, dem sei gesagt, dass Johnson die extremen Auswüchse des damaligen Trends glücklicherweise vermeidet und seine Geschichte auch nicht in einer Welt ansiedelt, die ausschließlich aus popkulturellen Verweisen konstruiert wurde. THE DEBT COLLECTOR handelt – sofern man das von einem Genrefilm sagen kann, in dem krachende Fights eines der wichtigsten erzählerischen Mittel sind – durchaus von Menschen und ihren Sorgen und Nöten und er ist nicht bloß stilistische Fingerübung.

THE DEBT COLLETOR weicht seinen beiden Hauptfiguren kaum von der Seite und begleitet sie über weite Strecken als stummer Mitfahrer im Auto bei ihren Touren von Klient zu Klient. Das kann natürlich nur funktionieren, wenn man die Schauspieler an Bord hat, die das Unternehmen tragen. Hier ist es vor allem Costas Mandylor, der eine Leistung für die Ewigkeit bietet: Den in die Jahre gekommenen, abgerissenen Profi, der längst nicht mehr fragt, wem er da die Fresse polieren soll, gibt er mit großer Überzeugungskraft und einer Spielfreude, die sich in kleinen Details entbirgt, die einen Charakter erst authentisch machen. Es macht einfach Spaß, ihn zu beobachten, ihm zuzuhören und seine Manierismen zu studieren. Selbst die klischierte Geschichte von der an Krebs verstorbenen Tochter und der daraufhin gescheiterten Ehe bekommt dank seines Spiels Gewicht. THE DEBT COLLECTOR lebt dann auch zuerst von der Chemie zwischen seinen beiden Hauptakteuren: Adkins kann Mandylor zwar nicht das Wasser reichen, aber er muss das auch nicht, weil er eher die Rolle des „straight man“ übernimmt und in dieser Funktion genau weiß, wann er sich zurücknehmen und dem Partner den Raum überlassen muss. Den Verlauf der Partnerschaft der beiden kennt man aus unzähligen Buddy Movies, aber wenn sich die beiden ungleichen Charaktere hier im Verlauf der nur zwei Tage, an denen der Film spielt, annähern, wirkt das glaubwürdig, weil die beiden ihre Drehbuchskizzen mit Leben erfüllen. Mindestens genauso wichtig ist der Schauplatz: THE DEBT COLLECTOR ist auch ein L.A.-Film und der Erfolg eines solchen steht und fällt natürlich mit den Schauplätzen. Auch hier liefert Johnson, kann auf ein brillantes Location Scouting und tolle Originalschauplätze zurückgreifen. Kameramann Jonathan Hall taucht alles in das ein magisches Licht, das die sommerliche Hitze Kaliforniens ebenso evoziert wie es als Vorbote jener gravierenden Entscheidung wirkt, die die Protagonisten am Ende zu treffen haben.

Wie gesagt: THE DEBT COLLECTOR ist eine tolle Überraschung, ein Actionfilm mit Herz, Geist und Witz, der das oft berechtigte Vorurteil, dass DTV-Actioner ästhetisch eher uninteressant sind, eindrucksvoll widerlegt. Aber die Schublade des Actionfilms ist für Johnsons Werk eigentlich eh zu klein, auch wenn hier überdurchschnittlich oft Maulschellen verteilt werden und die Bloodsquibs platzen. Sein Film hat es verdient, breitere Anerkennung zu erhalten.