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white ghost (b.j. davis, usa 1988)

Veröffentlicht: April 24, 2016 in Film
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oxk9ahhba01z4mzwn3lpwbax6lvErstaunlich: Da meint man sich auszukennen auf dem Gebiet US-amerikanischer Actonfilme aus den Achtzigerjahren und dann stolpert man trotzdem immer wieder über Titel, die einem entweder völlig unbekannt sind oder die man total vergessen hatte. WHITE GHOST ist einer dieser Filme, ein durchaus mit einigem Aufwand gefertigter Back-to-Vietnam-Film, der auf der US-Bluray in schönster Farbenpacht erstrahlt – und dem Liebhaber darüber hinaus auch sonst einiges zu bieten hat.

Zum Beispiel eine unorthodoxe Besetzung: William Katt, der blondgelockte Schönling aus Brian De Palmas CARRIE (oder auch aus Steve Miners HOUSE), gibt den Titelhelden, einen Vietnamveteranen, der damals nicht mit nach Hause geflogen ist, sondern für tot gehalten wurde und daher zurückblieb. In der Gegenwart streift er im Lendenschurz durch den vietnamesischen Urwald, um die Hundemarken der Gefallenen einzusammeln, die wie er nie die Heimreise antraten, und so ihre Seelen zu befreien. Die einheimischen Soldaten, die ihm dabei über den Weg laufen, lehrt er Mores und hat sich so einen legendären Ruf als “weißer Geist” erarbeitet, der ihn freilich nicht daran hindert, ein höchst irdisches Dasein mit einer vietnamesischen Geliebten (Rosalind Chao) in einer selbst gebauten Urwaldhütte zu führen. Interessant wird es, als die US Army, vertreten durch Major Cross (Reb Brown), von der Existenz des Mannes, den sie einst Steve Shepard nannten, erfahren und einen Söldnertrupp damit beauftragen, ihn zurückzuholen: Da er das Gebiet so gut kennt wie kein anderer, erhofft man sich wichtige Erkenntnisse von ihm. Dummerweise ist der Anführer besagter Söldner, der fiese Walker (Wayne Crawford), Shepards Erzfeind aus alten Vietnamtagen, der gar kein Interesse daran hat, ihn lebend nach Hause zu bringen.

WHITE GHOST beginnt wie eine Mischung aus Tarzanfilmen und RAMBO: FIRST BLOOD PART 2, deren Hauptattraktion die bizarre Minipli/Vokuhila-Frisur von Hauptdarsteller William Katt ist. Zum Glück wird er nach nicht allzu langer Zeit frisiert und so kann der Zuschauer seine Aufmerksamkeit auf anderes lenken, zum Beispiel auf die tolle Fotografie, die die satten Grüntöne des Urwalds sehr effektiv und schmuckvoll ins Bild setzt. (Gedreht wurde der Film in Zimbabwe, das ein gutes Vietnam-Stand-in darstellt.) Dieser tolle Look und die höchst professionelle Machart von WHITE GHOST stoßen sich zwar immer ein wenig mit dem etwas hölzernen Spiel der Darsteller und ihren steif deklamierten Dialogen, aber was B.J. LASER MISSION Davis’ Film in dieser Hinsicht vermissen lässt, macht er durch extreme Ruppigkeit wieder wett. WHITE GHOST braucht eine Weile, um im Fahrt zu kommen, aber am Ende ist man ob der zur Schau gestellten Kaltschnäuzigkeit, mit der da am laufenden Meter Menschen in die Luft gesprengt oder exekutiert, Kniescheiben, Bäuche und Gesichter durchlöchert werden, mehr als erstaunt. Auch Reb Brown, der einen zunächst sehr undankbaren Part als Vorgesetzter am Telefon hat, läuft in den letzten Minuten des Films zu gewohnter Hochform auf und darf sein Protegé mit zwei Maschinengewehren unter den schwitzigen Achseln und vom Kriegsgebrüll verzerrten Gesicht höchstselbst raushauen.

Sicherlich keiner der ganz großen, aber doch ein sehr sehenswerter Vertreter seiner Zunft, an dem Liebhaber auf gar keinen Fall vorbeigehen sollten. Wer Dschungelaction mit Vietnambezug liebt, kommt an WHITE GHOST nicht vorbei und ordert sich jetzt schleunigst die Blu-ray aus den Staaten.

 

 

orderblackeagleEin bondesker Agent mit einem frechen Pavian als Sidekick, Nazis, die in einer Pyramide in Südamerika hocken, von dort aus die Welt erobern wollen und außerdem den eingefrorenen Adolf Hitler aufbewahren, eine Gruppe schlagkräftiger Söldner, von denen jeder einzelne ein ganz bestimmtes Talent mitbringt, jede Menger smarter Sprüche, Keilereien, Schießereien, Explosionen, Verfolgungsjagden durch den Dschungel und putziger Gimmicks: Das sind die Zutaten zu ORDER OF THE BLACK EAGLE, einem der spaßigsten und buntesten Filme, die ich in letzter Zeit zu Gesicht bekommen habe.

Abseits der Empfehlung an vergnügungssüchtige Eighties-Aficionados, sich dieses wirklich umwerfende Teil zu Gemüte zu führen, ist kaum noch etwas zu sagen, was die Freude der eigenen Entdeckung nicht erheblich schmälern würde: Ian Hunter ist Duncan Jax, Superagent, und das darf man durchaus wörtlich verstehen, denn in seiner kurzen, nur zwei Filme umfassenen Laufbahn spielte er Jax gleich zweimal, eben hier und im mir leider noch unbekannten Prequel DUNCAN JAX AND MISTER BOON. Bei eben jenem Mister Boon handelt es sich um den erwähnten Pavian, der von Jax liebevoll herumgetragen wird, Kritikern seines etwas blasierten Chefs mit Vorliebe den Stinkefinger zeigt, aber auch sehr nützliche Sachen macht, wie etwa den Rettungshelikopter einfliegen oder mit einem raktenewerfergespickten Kampfpanzer herumfahren. Inszenierung und Ausstattung des Films sind sehr kompetent und liebevoll, ohne jedoch die Wurzeln im infantilen Pulp mit langweiliger Perfektion zu überdecken: Warum Jax am Ende erst umständlich auf den futuristisch anmutenden Turm mit dem Protonenstrahler klettern und dort eine Sprengladung anbringen muss, warum Boon das Teil nicht einfach mit seinem Panzer von außen kaputtballern kann, bleibt das Geheimnis des Drehbuchs, aber es sind eben solche haarsträubenden Ungereimtheiten, die den Film als so authentische Fortsetzung alter Serials erscheinen lassen. Wenn dann noch der schwarze Kraftprotz durch die Heerscharen der Nazis läuft, sie mit weit ausholenden Schwingern unangespitzt in den Boden rammt oder einfach wegwirft, Bösewichter von den Druckwellen der unzähligen Explosionen in wunderschönen Flugbahnen durchs Bild sausen, bis sie am Ende der Parabel unsanft im Dreck aufschlagen, ist das Vergnügen perfekt.

Ich weiß, ich langweile einen Teil meiner Leser wahrscheinlich mit diesem Thema, aber ich muss es an dieser Stelle einfach ansprechen: Es ist genau diese Art von überdrehtem Fun, blühendem, selbstbewusst ausgestelltem Unfug, funkensprühender Naivität, dem Verzicht auf jegliche Bedeutungshuberei und dem unübersehbaren Augenzwinkern, das aber verbunden ist mit der ehrlichen Freude, das alles trotzdem und mit voller Überzeugung zu tun, die ORDER OF THE BLACK EAGLE so auszeichnet und die ich an den sich genau dies auch auf die Fahnen schreibenden, jedoch meist meilenweit an diesem Anspruch vorbeisegelnden Comicverfilmungen der Gegenwart so überaus schmerzlich vermisse. Bei mir gewinnt ORDER OF THE BLACK EAGLE den direkten Vergleich mit Leichtigkeit. Ein tolles Ding, dieses Ding.

john-wick-poster1So weit ich das mitbekommen habe, hat niemand viel erwartet von JOHN WICK. Ein weiterer, wie man heute sagt, “stylischer” Actionfilm mit einem Darsteller, den man gern verlacht. Jetzt steht das Sequel in den Startlöchern. So kann’s gehen. Keanu Reeves ist einen ähnlichen Karriereweg gegangen wie Nicolas Cage, hat seinen steilen Aufstieg in den Neunzigern mit einigen Flops ausgebremst und sein etwas hölzernes Spiel, das man zuvor sympathisch gefunden hatte, war plötzlich Zielscheibe endloser Witze. Irgendwann nahm Reeves, kaum merklich, eine Kurve zum Actiondarsteller, und damit begann eine Art zweiter Frühling, einer, der sich nicht unbedingt nur in Box-Office-Ergebnissen und Kinochart-Platzierungen bemisst. Klar, schon zu seiner ersten Hochphase hatte er mit POINT BREAK und SPEED in zwei Genreklassikern aus den Neunzigern mitgewirkt, dann später mit THE MATRIX ganz wesentlich dafür gesorgt, dass fernöstliche Kampf- und Inszenierungskunst Einzug in Hollywood hielt. Aber offensichtlich hat diese Erfahrung ihn mehr geprägt, als man das gemeinhin erwartet hätte: Vor knapp drei Jahren inszenierte Reeves mit MAN OF TAI CHI seinen eigenen Kung-Fu-Film mit ausschließlich asiatischen Darstellern in China, der dem Vernehmen nach sehr respektabel ausgefallen sein soll. Und in JOHN WICK agiert er im Regiedebüt eines ehemaligen Stuntman an der Seite von zahlreichen Darstellern mit entsprechendem Background und bekommt erneut Gelegenheit, seine Fighting Skills zum Einsatz zu bringen. In der wohl spektakulärsten Sequenz des Films kämpft er sich durch eine Discothek voller bad guys, die er durch präzise, aus nächster Nähe abgefeuerten Kopfschüssen exekutiert, im Notfall mit Griffen zu Boden zwingt, beiseite schleudert, wegtritt oder -boxt. Die Sequenz ist für gute Übersichtlichkeit in Totalen und Halbtotalen aufgelöst, ganz ohne Shakycam und Schnittgewitter, aber trotzdem liegt sie voll auf der Linie moderner, von Computerspielen und Comicheften beeinflusster Actioner. Die Gewalt ist so over the top brutal, der Body Count so absurd hoch, dass das alles überhaupt nicht mehr zählt. Es geht an einem vorbei.

Das ist ein bisschen schade, denn bevor sich JOHN WICK in diese vollends überdrehte Gewaltoper verwandelt, knüpft er sehr schön an die eher düsteren, lakonischen sad sack-Killerfilme der Siebzigerjahre an, als wortkarge Außenseiter wie Charles Bronson, Lee Marvin oder Steve McQueen die Branche repräsentierten. Es war wohl Quentin Tarantino, der den Auftragsmörder in PULP FICTION mit Sexappeal und Humor ausstattete und zu einer der wichtigsten popkulturellen Figuren der Neunzigerjahre machte: Plötzlich waren Killer nicht mehr einsame Soziopathen ohne Hoffnung, sondern gut gekleidete, schlagfertige bzw. geschwätzige und intelligente Navigatoren der Moderne. JOHN WICK kann sich nicht so ganz für eine der beiden Charakterisierungen entscheiden, erinnerte mich stilistisch und tonal sehr an Bekmambetovs WANTED, eine Comicverfilmung um fast übermenschlich begabte Auftragsmörder. JOHN WICK beginnt mit einigen elliptischen Flashbacks, die klar machen, dass der ehemalige Profikiller John Wick soeben seine Ehefrau an eine tödliche Krankheit verloren hat. Den Beruf hatte er ihr zuliebe an den Nagel gehängt, die Verbindungen zu der Branche, die ihm einst eine Heimat gewesen war, abgebrochen. Das einzige, was ihm nun noch bleibt, ist ein kleiner frecher Hund, der am Abend nach der Beerdigung seiner Frau an seiner Haustür abgeliefert wird. Es ist das Abschiedsgeschenk der Gattin, die ihrem Mann einen Vertrauten hinterlassen möchte. Nur wenig später ist der Hund schon wieder tot, getötet vom Russengangster Iosef (Alfie Allen), der sich mit seinen droogs Zugang zu Wicks Haus verschafft hat, um dessen 69er Mustang zu stehlen. Damit nicht genug, ist Iosef auch noch der Sohn von Wicks ehemaligem Auftraggeber Viggo (Michael Nyquist), bei dem Wick seinen Ausstieg mit einem hochprofiligen Auftrag erkaufte, der Viggo prompt an die Spitze der Unterwelt katapultierte. Wick ist verständlicherweise mehr als angepisst und sinnt auf Rache. Eine Rache, von der selbst Viggo weiß, dass er ihr nichts entgegenzusetzen hat …

Die Prämisse ist grandios, die Tötung von Wicks Hund emotional geradezu niederschmetternd, gerade weil sie – gegenüber anderen Rachemotiven – vergleichsweise banal und willkürlich erscheint. Dass gerade diese Tat seinen Rachemotor anwirft, vermenschlicht den Protagonisten, der in diesem Film sonst nur wenig Menschlichkeit zeigen darf, und ich hätte mir gewünscht, dass Stahelski diesen melodramatischen Aspekt gnadenlos weiter ausreizt. Leider ist jedoch eher das Gegenteil der Fall: Er ergeht sich im weiteren Verlauf in einem eher stumpfen Style-Overkill, der kaum noch zulässt, dass man darauf emotional agiert. Vielleicht war das sogar Absicht: Es ist schon offensichtlich, dass der einzige Tod, der hier irgendwie registriert, der des kleinen Wauwaus ist, die gesichtslosen Schergen, die Wick im Anschluss in großer Zahl und mit einer an Steven Seagal erinnernden Effizienz und Unbarmherzigkeit niedermetzelt, hingegen nie ins Gewicht fallen, lediglich Pappfiguren sind, die umgeschubst werden. Auch die Idee, eine Art Profikiller-Unterwelt zu kreieren – Wick steigt in einem Hotel ab, in dem ausschließlich Killer wohnen und durch einen geheimen Kodex davon abgehalten werden, innerhalb von dessen Räumlichkeiten ihrem Job nachzugehen -, führte mir zu weit vom simplen Kern der Geschichte weg, roch mir zu sehr nach Franchisebuilding und Superheldenkino. Aber JOHN WICK hat dennoch seine Momente. Am liebsten mochte ich diese geradezu klassische Szene, in der der Protagonist durch die Türklingel gestört wird, nachdem er gerade mehrere Eindringlinge beseitigt hat. Flackerndes Rotlicht macht klar, dass die Polizei von den Kampfgeräuschen angelockt wurde und nun eine Erklärung verlangt, die angesichts der sich innen türmenden Leichenberge nur schwierig abzugeben sein dürfte. Wie wird Wick reagieren? Wie kommt er aus dieser Nummer wieder heraus? Von der nonchalanten Cleverness, mit der diese anscheinend ausweglose Situation aufgelöst wird, hätte JOHN WICK mehr vertragen können.

thunderboltWenn ich spontan zwei Filme nennen müsste, die mich in diesem noch jungen Jahr am meisten gekickt haben, dann wären das MENG LONG ZHENG DONG und eben NINJA THUNDERBOLT, beide gesehen als wunderschöne 35-mm-Kopien in Düsseldorf, beide Hongkong-Martial-Arts-Actioner vom eher unteren Ende des Preisspektrums, beide komplett wahnsinnig, Actionkino in Hyperspeed, ohne Airbag und Seitenaufprallschutz, beide von einer räudigen Power, die man wohl nur im Kino so richtig mitbekommt.

NINJA THUNDERBOLT (die IMDb gibt als O-Titel ZI ZHUN SHEN TOU an, aber ihre Inhaltsangabe stimmt nicht mit dem Film überein, den ich gesehen habe, deshalb halte ich mich an die OFDb) so gesehen zu haben, ist zudem ein besonderer Glücksfall, denn der Film ist in Deutschland eigentlich nie gelaufen, sondern – wie alle Ninja-Klopper von Godfrey Ho – direkt auf Video ausgewertet worden, wo sein prachtvolles Scopeformat auf ein karges 4:3 beschnitten wurde, das die Protagonisten schon einmal hinter dem rechten und linken Bildrand verschwinden ließ. Die vorliegende, synchronisierte Kopie war also nicht für den Kinoverleih bestimmt, sondern nur das Master, von dem dann das Video gezogen wurde. Und da stellt sich dann schon die Frage, warum man diese Blendgranate nicht einfach auf die Leinwände gebracht hat, wenn sie schon in dieser herrlichen Fassung vorlag. Hatte man vielleicht Angst vor der zersetzerischen Kraft, die dieses Werk entfachen würde, vor durch die Großstädte tobenden Jugendlichen, die alles in Schutt und Asche legen? Vor dem Dawn of the German Ninja? Wer wollte es den Verleihern in Zeiten von PAPA, MAMA, ZOMBIE verdenken?

DER NINJA, wie er bei uns hieß, ist der erste von rund 20 Ninjafilmen Godfrey Hos (die Angaben variieren), in denen Richard Harrison auftrat. Und wenn man Harrison Glauben schenken mag, war es auch der einzige, den er mit ihm zusammen drehte und für den er bezahlt wurde. Dummerweise hatte Harrison keine Ahnung, mit wem er es zu tun hatte: Ho wurde berühmt-berüchtigt für seine Cut&Paste-Technik, die es ihm erlaubte, selbst gedrehtes Material immer wieder neu (und oft ziemlich geschickt) mit anderswo geklautem Material zu kombinieren und so Dutzende von Filmen in kürzester Zeit auf den Markt zu schmeißen. Das Ninagenre, das für einige wenige Jahre in den Achtzigern die Videotheken einnahm, bestritt er zu wahrscheinlich weit mehr als 90 % selbst und in etlichen seiner Vertreter tauchte eben Harrison auf, der heute noch klagt, Ho habe ihm mit dieser dubiosen Methode die Karriere ruiniert (worüber man streiten kann). Sicherlich unstrittig ist hingegen, dass Ho aufgrund seiner Masche selbst keinen guten Ruf genießt, vielmehr bis heute als zynischer Ramschfilmer verschrien ist. Dass er neben dem ausgebufften Geschäftsmann tatsächlich ein verdammt guter Handwerker war, sieht man daran, dass er heute als Dozent an der Filmhochschule von Hongkong tätig ist, aber auch an NINJA THUNDERBOLT, der mit ziemlich geringen Mitteln ein rasendes Actionfeuerwerk entfacht. Die Fights sind hyperkinetisch und ultradynamisch, wahnwitzig schnell und überdies brillant geschnitten, gleiches gilt für die diversen Verfolgungsjagden. Selbst, wenn es mal ruhiger zueght, sprich: nicht geschossen oder gefightet wird, wird man da in einem Tempo mit Attraktionen beworfen, dass man kaum Zeit hat, in Deckung zu gehen. Von der fastpornösen Sexszene mit sichtbarem Sackansatz im Tittenzelt bis zur Synchronschwimmeinlage reicht das vielseitige Spektrum und fliegt teilweise so schnell an einem vorbei, dass man sich nur noch verwundert die Augen reiben kann.

NINJA THUNDERBOLT dürfte tatsächlich ganz “traditionell” gedreht worden sein: Zwar stand Harrison wohl nur für wenige Drehtage zur Verfügung  – mit einigen seiner Kollegen ist er nie gemeinsam zu sehen, der Großteil des Films muss ohne ihn auskommen, Auftakt und Finale mit ihm wirken wie angeklebt und passen inhaltlich kaum zum Rest -, aber immerhin wurden nicht fremde, ganz anders aussehende Filme geplündert und mit Selbstgedrehtem verschnitten, vielmehr zeichnete Ho recht offenkundig komplett selbst für sein Werk verantwortlich. So sucht man zwar auch diese höchst faszinierenden Momente vergebens, in denen da zwei völlig verschiedene Filme und die in ihnen beheimateten Figuren miteinander in Kontakt treten, aber dafür wirkt NINJA THUNDERBOLT wie aus einem Guss (plus Harrison). Der ellenlange, sich in eine wahre Prügelorgie hineinsteigernde Finalkampf raubte mir fast den Atem und hätte von mir aus ewig weitergehen dürfen, der bizarre Schluss lässt einen von einem Universum träumen, in dem Ho ein großes, krawalliges Harrison-Ninja-Franchise begründet und so Aberhunderte von japanischen Mittelklassewagen auf fantasievolle Art und Weise geschrottet hätte, die Fotografie fängt herrlich abgerissene Ecken Hongkongs in spannungsreichen Kompositionen ein und findet immer den perfekten Background für die nächste Keilerei. Geiler geht es nicht. DER NINJA? Die Offenbarung.

stray_cat_rock_female_boss2028197029Die Motorradfahrerin Ako (Akiko Wada) macht Bekanntschaft mit Mei (Meiko Kaji), der Anführerin einer Girl-Gang und kommt dieser zu Hilfe im Kampf gegen eine rivalisierende Bande, woraufhin sie zur neuen Anführerin avanciert. Zeitgleich versucht Meis Freund Michio (Kôji Wada) sich Zugang zur rechtsnationalen Seiyu Group zu verschaffen, indem er ihnen verspricht, seinen Kumpel, den Boxer Kelly (Ken Sanders), dazu zu überreden, einen Kampf zu schmeißen. Als Ako an Kellys Ehre appelliert, fasst er sich ein Herz und besiegt seinen Kontrahenten. Michio muss nun um sein Leben fürchten und die Mädels um Mei und Ako sich gegen die Gangster der Seiyu Group zur Wehr setzen.

NORA-NEKO ROKKU: ONNA BANCHô ist der Auftakt zu einer fünfteiligen Filmserie, die das Studio Nikkatsu als Konkurrenzprodukt zu Toeis ganz ähnlich gelagerter Reihe ZUBEKÔ BANCHÔ konzipierte, welche wiederum wesentlich von Roger Cormans THE WILD ANGELS inspiriert war. Biker- und Juvenile-Delinquents-Filme waren seit den Fünfzigerjahren ein Riesenthema in den USA, erlebten in der Zeit von Hippies, freier Liebe und Flower Power aber einen zweiten Frühling, an dem man sich auch in Fernost erfreuen wollte. Der Nikkatsu-Nachzieher erwies sich am Ende gar als erfolgreicher: Zwischen 1970 und 1972 entstanden fünf Filme um die weibliche Rockergang, von denen Yasuharu Hasebe die ersten drei inszenierte, bevor er von Toshiya Fujita abgelöst wurde, bei Toei war hingegen schon nach vier Filmen und ein Jahr früher Schluss. Wer die Filme unter ihrem internationalen Verleihtitel sucht, unterliegt akuter Verwechslunsgefahr: Der erste Teil von Toeis Reihe firmiert als DELINQUENT GIRL BOSS: BLOSSOMING NIGHT DREAMS, das Pendant von Nikkatsu, um das es hier geht, hingegen unter STRAY CAT ROCK: DELINQUENT GIRL BOSS, ALLEYCAT ROCK: FEMALE BOSS oder auch FEMALE JUVENILE DELINQUENT LEADER: STRAY CAT ROCK. Puh. (Die Existenz der SUKEBAN-Filme, die international GIRL BOSS heißen, verkompliziert die Sache noch weiter.)

Ich wollte ONNA BANCHÛ wirklich gern mögen, muss aber doch eingestehen, am Ende ziemlich enttäuscht gewesen zu sein. Man merkt dem Film deutlich an, dass er ein eilig rausgehauenes Kommerzprodukt ist, mit dem Hasebe – der sich einige Jahre später mit drei berüchtgten Pinkus einen ebensolchen Namen machte – offenkundig nicht so viel anzufangen wusste. Alles beginnt recht schwungvoll, mit tollen Impressionen aus den weniger glitzerigen Vierteln Tokyos und geilen Inszenierungsideen des Regisseurs. Meiko Kaji ist ein echter Hingucker mit ihren langen schwarzen Haaren, der Sonnenbrille und dem Wildleder-Outfit, Popstar Akiko Wada überrascht mit ihrer tiefen Stimme und darf im Verlauf des Films auch ein paar melancholische Lieder singen. Aber irgendwann versumpft die Geschichte bald im nur wenig involvierenden Gerangel und es scheint, als habe auch Hasebe recht schnell das Interesse verloren. ONNA BANCHÔ schleppt sich seinem Finale entgegen, Ako steigt wieder auf ihren heißen Ofen und fährt davon. Eigentlich sollte sie der Star der Serie werden, doch das Publikum machte da nicht mit und erkor stattdessen die scharfe Mei zu seinem Liebling. Die hatte am Ende von ONNA BANCHÔ zwar ihr Leben lassen müssen, durfte für die Sequels demnach aber die Wiederauferstehung von den Toten feiern. Mal sehen, wann ich die nachschiebe.

 

sunglass_menagerie_01Mein erster Film von Seijun Suzuki dürfte zumindest hierzulande auch einer seiner bekanntesten (bzw. einer seiner wenigen bekannten) sein, bekam von Rapid Eye Movies sogar eine schöne Blu-ray unter dem internationalen Verleihtitel BRANDED TO KILL spendiert. Ich wusste zum Glück ungefähr, was mich erwarten würde: dass Suzuki eben nicht für klassisches Erzählkino und psychologisch ausgereifte Charaktere, sondern eher für wüst-poppige Genredekonstruktionen, krasse Abstraktion, visuelle Experimente und Improvisation steht. Was ich nicht erwartet hatte, ist dieser doch sehr leichtfüßige Humor. Seijun Suzuki entpuppt sich auch im auf der Scheibe enthaltenen Interview als enorm witziger Zeitgenosse, ein 90 Jahre alter Opa, der den Schlauch vom Atemgerät in der Nase und den Schalk im Nacken hat. Auf die Frage, wie er zu dem Namen “Seijun” gekommen sei (er wurde als “Seitaro Suzuki” geboren), erzählt er, dass er eines Tages mit mehreren Filmfreunden aufgrund anhaltender Erfolglosigkeit zu einer Wahrsagerin gegangen sei, die ihnen geraten haben, ihre Namen zu ändern. Als der Erfolg auch mit dem Namen Seijun ausblieb, beschwerte er sich bei ihr, woraufhin sie ihm sagte, er müsse zehn Jahre warten. Und dann fügt er mit einem Lachen hinzu, dass er zehn Jahre später von seinem Arbeitgeber Nikkatsu gefeuert wurde.

Das Studio wusste wohl nicht so recht, was sie mit den wild ins Kraut schießenden Filmen Suzukis machen sollten. Nach TÔKYÔ NAGAREMONO (aka TOKYO DRIFTER) einem psychedelischen Farbenrausch, der kommerziell einfach nicht zu vermarkten war, zwangen sie ihn dazu, wieder in Schwarzweiß zu drehen. Sie hofften, seine enorme, nicht zu bändigende Kreativität zügeln zu können. Pustekuchen. Er dankte es ihnen mit KOROSHI NO RAKUIN, der zunächst wie eines jener düster-melancholischen Yakuza-Melodramen beginnt, die damals wie am Fließband produziert wurden, sich jedoch schon nach kurzer Zeit in eine wilde, nur lose zusammenhängende Abfolge abstruser Sex- und Actionszenen verwandelt. Die Hauptfigur, Gorô Hanada, Killer Nr. 3 (Jô Shishido), will über die erfolgreiche Erfüllung mehrerer Aufträge zur Nummer 1 aufsteigen, doch das Schicksal ist ihm dabei im Weg. Er berauscht sich am Geruch von kochendem Reis, tobt mit seiner nymphomanen Ehefrau durch alle Räume seiner expressionistisch ausgeleuchteten Designerwohnung, verliebt sich in eine mysteriöse Schmetterlingssammlerin und hat am Ende keine Zeit mehr, seinen Triumph zu feiern, weil ihm selbst eine Kugel im Herzen steckt. Visuell ist KOROSHI NO RAKUIN grandios, zudem getragen von einer ganz eigenen, bizarren Logik, die sich auch im mitunter geradezu elliptischen Schnitt widerspiegelt. Suzuki hat keine “Authentizität”, keinen Realismus im Sinn, ihm geht es allein um die größtmögliche Wirkung seiner Bilder, die in ihrer Gestaltung mitunter an Comic-Panels denken lassen. In der schönsten Szene des Films springt Gorô aus dem Fenster einer Wohnung, in die er eben eingedrungen ist, um der Entdeckung zu entgehen, doch wenig später taucht er wieder im Blickfeld auf, weil er genau auf einem aufsteigenden Heißluftballon gelandet ist. Vergleichbare Momente gibt es zuhauf, aber sie dürfen selten länger als ein paar Sekunden stehen bleiben, dann werden sie schon wieder vom nächsten Einfall abgelöst.

Dieses frenetische Tempo ist in Verbindung mit der bewussten Eindimensionalität der Figuren und der dadurch bedingten emotionalen Leere aber auch der Grund, dass sich bei mir irgendwann leichte Ermüdungserscheinungen einstellten. KOROSHI NO RAKUIN hat bei heutiger Erstsichtung auch den Nachteil, dass es seit Suzukis Pionierarbeit Dutzende Filmemacher gegeben hat, die Ähnliches versucht, klassische Genrestoffe bis auf das nackte Skelett entkleidet haben. Vielleicht muss ich den Film aber auch nur noch einmal unter etwas anderen Bedingungen sehen, denn der stilistische Reichtum, den KOROSHI NO RAKUIN bietet, ist schon beeidnruckend.

hollywood-cop-movie-poster-1988-1020299590Mit SAMURAI COP hat Amir Shervan sich einen Namen unter Menschen gemacht, die Freude an grotesk vergeigten Billigfilmen mit miesen Darstellern und dusseligen Dialogen haben. Der Film hat sich in den letzten 20 Jahren einen solch legendären Ruf erworben, dass im vergangenen Jahr sogar ein Sequel produziert wurde. Dieses ist dem Vernehmen nach jedoch einer dieser kläglichen Kandidaten, deren Macher es sich auf die Fahnen geschrieben haben, einen besonders bescheuerten, “verrückten” und ach so kultigen Spaßfilm zu machen, und die daher nur für Menschen goutierbar sind, die sich bevorzugt in alkohoisierten Horden vor dem heimischen Flachbildschirm versammeln, um mal so richtig abzulachen. Zur Strafe für solche Unsitte sollte man ihnen HOLLYWOOD COP vorsetzen, mit dem sich Shervan nicht gerade einen Gefallen getan hat, der als Folterinstrument aber durchaus einer snnvollen Bestimmung zugeführt werden kann.

Der Auftakt ist noch furios: Gangsterboss Feliciano – Jim Mitchum hat zwischen zwei Hangovers einen kleinen Film eingeschoben – beauftragt seine goons, einen kleinen Jungen zu entführen, dabei jedoch kein Aufsehen zu erregen und keinerlei Zeugen zu hinterlassen. Schnitt zu einem kleinen Häuschen auf dem Lande, dem Kind, das mit einer Ziege spielt, und besagten Ganoven, die sich ihre Strumpfmasken überziehen, mit Karacho und Gebrüll einen Berg hinunterrennen und sich beim folgenden Überfall alles andere als unauffällig benehmen. Es stellt sich heraus, dass das Kind der Sohn eines ehemaligen Partners von Feliciano ist, der diesen um einen Haufen Kohle betrogen hat und außerdem längst von der die Mama des Blags geschieden ist. Die muss nun ihren Ex-Mann auftreiben, um das Lösegeld von 6 Millionen Dollar zu berappen und angelt sich zu diesem Behufe den etwas an Matthias Reim erinnernden Bullen Turkey (David Goss). Sie suchen und finden ihn, kaufen das Kind frei, doch – ätsch – im Koffer war nur Falschgeld und die ganze Nummer geht von vorn los. Tja, und das ist eigentlich auch schon die ganze Geschichte, die Shervan gnadenlos auf 100 quälend lange Minuten auswalzt. Die Freude über doof in die Gegend guckende Knallchargen, hässliche Settings und dummdreiste Dialoge, damit verrate ich wohl kein Geheimnis, trägt leider nicht halb so lang.

Wer wissen will, warum der Film HOLLYWOOD COP heißt, dem sei gesagt, dass es sich bei dem Stadtteil von L.A. schlicht und ergreifend um den Arbeitsplatz Turkeys handelt. Der Film spielt jedoch nicht in Tinseltown, sondern in irgendwelchen heruntergekommenen Vorörtchen, die eher nach Boise, Iowa aussehen. Die Namen der Darsteller in den Credits sind in einem Anflug von Größenwahn in die Sterne auf dem Walk of Fame hineinmanipuliert, die Protagonistin latscht zu Beginn kurz hintereinander am Chinese Theater und zwei Murals mit Hollywoodstars vorbei, das war’s. Der Rest dieses Rohrkrepierers verströmt so viel Glamour wie ein Loch in einer schmutzigen Tennissocke.