Mit ‘Action’ getaggte Beiträge

black-hawk-down_poster_goldposter_com_28BLACK HAWK DOWN ist die kontroverse Verfilmung des gleichnamigen Sachbuches von Mark Bowden, das sich mit den Bemühungen des US-Militärs im Jahr 1993 beschäftigte, den somalischen Warlord Mohamed Farrah Aidid dingfest zu machen. Aidid war einer der Fraktionsführer während des Bürgerkriegs in Somalia und zog den Zorn der Vereinten Nationen auf sich, als er sich gegen die im Land stationierten Hilfskräfte wendete und 23 pakistanische Blauhelme tötete. Der Versuch seiner Festnahme mündete schließlich in der Schlacht von Mogadischu, einer blutigen Auseinandersetzung, bei der 18 US-Soldaten und schätzungsweise 1.000 Somalis (die Zahlen gehen weit auseinander) ihr Leben ließen.

Ridley Scotts Verfilmung ist, wie bei solchen Filmen üblich, Anlass für heftige Kontroversen gewesen. Newsweek-Journalist Evan Thomas bezeichnete BLACK HAWK DOWN als „one of the most culturally significant films of the George W. Bush presidency“ und warf ihm vor, dass sich hinter seiner Antikriegsgesinnung in Warheit einer Pro-Kriegs-Haltung verberge. Auch dass die Somalis als „schwarze Bestien“ gezeichnet sowie die Realität hier und da zugunsten der Dramaturgie gebeugt wurde, wurde mitunter stark kritisiert. Die Kritikpunkte sind alle nicht so einfach wegzuwischen, wie auch beim ganz ähnlich gelagerten 13 HOURS nicht: Wie jener nimmt BLACK HAWK DOWN die eingeengte Perspektive der US-Streitkräfte ein, lässt grundsätzliche Kritik an der Interventionspolitik eher am Rand verklingen und singt am Ende das Heldenlied von Kameradschaft und Zusammenhalt, während die somalische Perspektive kaum eine Rolle spielt. Sein Kinostart kurz nach dem 9/11-Anschlag spielte der Regierung in ihrem Bemühen, den „war on terror“ zu legitimieren, zudem gewiss in die Karten.Trotzdem ist BLACK HAWK DOWN für mich einer von Scotts besten Filmen und als pures Affektkino auch heute noch eine ziemliche Dampfwalze.

Einige Jahre zuvor hatte Steven Spielberg mit SAVING PRIVATE RYAN und der Inszenierung der Landung in der Normandie neue Maßstäbe hinsichtlich des „Realismus“ des Kriegsfilms gesetzt. Scott setzte die Vorarbeit begeistert fort und noch einen oben drauf, indem er seine ausufernden Schlachten nicht auf offenem Gelände, sondern inmitten unübersichtlicher Straßenzüge in Szene setzte. Nach der Exposition begibt sich BLACK HAWK DOWN ins brodelnde, staubige, feindselige Mogadischu (gedreht wurde in den marokkanischen Städten Rabat und Salé) – und bleibt dort für die kommenden überaus blei- und explosionshaltigen 100 Minuten. Wenn er auch kein besonders differenziertes politisches Bild abgibt – recht früh wird einmal angedeutet, dass die Idee der militärischen Intervention möglicherweise gründlich überdacht werden sollte, aber BLACK HAWK DOWN mag sich nicht wirklich mit diesem Gedanken aufhalten -, so macht der Film doch ziemlich eindrucksvoll klar, was für ein Albtraum ein „Häuserkampf“ generell ist, was für eine unmenschliche Veranstaltung die „Schlacht von Mogadischu“ für alle Beteiligten im Besonderen war. Kugeln und Geschosse schlagen aus allen Richtungen ein, die gesamte Bevölkerung ist ein potenzieller Feind, die als halbstündiger Einsatz geplante Mission wird zum nervenzerrenden Himmelfahrtskommando, bei dem Körper zerfetzt und zerrissen werden. Dass die Somalikrieger als fanatischer Mob gezeichnet werden, mag aus humanistischer Perspektive untragbar sein, aber ich schätze, so muss ein in den Straßen von Mogadischu festgesetzter amerikanischer Soldat sie gesehen haben. (Und auch wenn ich weiß, dass meine Aussage unpopulär ist: Über die „Zivilisiertheit“ afrikanischer Milizen und der von ihr augehetzten Zivilbevölkerung möchte ich mir tatsächlich lieber keine Illusionen machen.) Der Fuß bleibt während dieser Schlachtinszenierung nahezu durchghend auf dem Gaspedal und wenn der Lärm dann doch einmal kurzfristig verstummt, ist die Spannung doch mit den Händen greifbar. BLACK HAWK DOWN ist eine der intensivsten filmischen Erfahrungen, die der moderne Kriegsfilm bietet, man fühlt sich danach platt und ausgelaugt.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die ziemlich unglaubliche Besetzung: Als Hauptfiguren, so man denn solche wirklich herausheben möchte, fungieren Josh Hartnett als junger Einsatzleiter Eversmann, Ewan McGregor als durch einen Zufall zum Kampfeinsatz verpflichteter Bürohengst Grimes (der Name wurde geändert, da das reale Vorbild zwei Jahre vor dem Filmstart wegen sexuellen Missbrauchs verklagt worden war), Tom Sizemore als grimmiger Veteran McKnight, Eric Bana als cooler Loner Hoot und Sam Shepard als Einsatzleiter Garrison. Neben diesen agieren gern gesehene Charakterdarsteller wie William Fichtner, Jeremy Piven, Kim Coates, Ron Eldard, Jason Isaacs, Zeljko Ivanek sowie damals aufstrebende Jungdarsteller wie Ewen Bremner, Tom Hardy, Orlando Bloom oder Ioan Gruffudd, um nur einige zu nennen. Die Kameraarbeit von Slawomir Idziak gewährt wunderbare Übersicht, versetzt den Betrachter aber trotzdem mitten zwischen die Schusslinien. Lediglich der Score von Hans Zimmer nervt mit klischeehaftem Ethnogesäusel, das bei Filmen, die in Afrika spielen, anscheinend immer zum Einsatz kommt.

Ich mag BLACK HAWK DOWN immer noch sehr, wobei mir wahrscheinlich entgegen kommt, dass ich mir über das Wesen der Menschheit nicht mehr allzu viele Illusionen mache und außerdem selber aus einer Familie mit Militärtradition stamme. Ich kann die auch von Scott ptopagierte Kameradschaftsidee durchaus nachvollziehen, auch wenn ich aus Überzeugung den Wehrdienst verweigert habe und das auch heute noch so tun würde. Der einzelne Soldat ist ein armer Tropf, der einem Leid tun kann: Filmen wie diesen kommt der zweifelhafte Verdienst zu, das einerseits erkannt zu haben, andererseits aber auch dazu beizutragen, dass der Nachschub nicht endet. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich diese Filme immer bewegen. Damit muss man klar kommen oder man muss es lassen. Ich wünschte mir jedenfalls, BLACK HAWK DOWN damals im Kino gesehen zu haben, wo er sicherlich reihenweise für in die Hosen gerutschte Herzen sorgte. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit irgendwann mal, wobei die Chance gewiss eher gering ist.

batmanvsupermanMarvel vs. DC: Das ist heute vielleicht noch mehr eine Glaubensfrage als damals, als es nur die Heftchen mit den bunten Bildern zu kaufen gab. DC hatte die Nase lange Zeit vorn, mit Batman und Superman zwei Charaktere vorzuweisen, die bereits in den amerikanischen Mythenschatz eingegangen waren. Marvels aufgekaufter Captain America war dagegen von Anfang an nur ein Westentaschen-Superman, Spiderman zwar immens populär, aber eben doch nur eine Variation der DC’schen Pionierarbeit. Nur mit den Filmen da will es bei DC nicht so recht klappen, zumindest, wenn man den Nerds und Geeks glaubt, die sich schon längst für das MCU, das „Marvel Cinematic Universe“, entschieden haben, das seit 2008 mit durchschnittlich ein bis drei Filmen pro Jahre fleißig weitergestrickt wird und das jetzt schon bis ins Jahr 2038 vorausgeplant ist. Dabei standen die Sterne für DC eigentlich immer günstig: Der erste Superman-Zyklus und die Burton-Batmans sorgten zu einer Zeit für Aufsehen, als Marvelhelden noch in superbilligen TV-Produktionen herumhampeln mussten bzw. verzweifelt den Sprung auf die Leinwand versuchten. Eine Wende kündigte sich erst um die Jahrtausendwende an, als X-MEN und vor allem SPIDERMAN die Marvel-Offensive einläuteten. Selbst als Marvel mit IRON MAN den echten Startschuss für ihr MCU gaben, hatte DC noch die Nolan-Batmans vorzuweisen, von denen der zweite, THE DARK KNIGHT zu ungeahnter Euphorie führte. Mit THE DARK KNIGHT RISES wurden dann die kritischen Stimmen zu einer Zeit laut, als Marvel in den nächsten Gang schaltete: Während man sich hier über gutgelauntes Popcornkino mit bunten Bildchen freute, wurde da die umfassende Düsternis und „grittiness“ beklagt. Alles aus war dann, als Snyder seinen Superman in MAN OF STEEL ganz Metropolis in Schutt und Asche legen ließ. Ein Affront, der die Weichen für den Backlash stellte, der mit dem Release von BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE über DC hereinbrach. Man konnte offensichtlich nichts richtig machen.

Dabei machen DC zum Auftakt sogar den Kotau vor den Fanboys: Hatte MAN OF STEEL noch die Möglichkeit gelassen, dass bei Supermans Kampf gegen den bösen General Zod nur leere Wolkenkratzer zerstört worden waren (Outlaw Vern hat einen wie ich finde sehr klugen Text zum angeblichen Skandal des Films geschrieben), bestätigt BVS die Interpretation der Zuschauer und lässt Superman (Henry Cavill) infolgedessen eine Art Sündenfall erleben. Die Menschen wenden sich von ihm ab, weil sie erkennen, dass er eine Bedrohung für sie darstellen könnte, Politiker überlegen, wie sie fortan mit ihm umgehen sollen. Und im unweit von Metropolis gelegenen Gotham City hat es einer schon immer gewusst: Bruce Wayne aka Batman (Ben Affleck), für den Superman auch nur ein weiterer Verbrecher ist, dem es das Handwerk zu legen gilt. Gleichzeitig macht sich Superschurke Lex Luthor (Jesse Eisenberg) daran, die Macht zu übernehmen. Der Hass Batmans auf Superman ist seine wichtigste Waffe – und natürlich der Riesenmutant Doomsday, den er aus einer Kreuzung des toten General Zod und seiner eigenen DNA erschafft …

Die Kritik, mit der Snyders Film vom Start weg überzogen wurde, war harsch – und lässt sich kein Stück mit meiner Sichtungserfahrung in Übereinstimmung bringen. Was daran liegen mag, dass ich den gut 30 Minuten längeren Extended Cut gesehen habe: den Vorwurf, der Film sei unzusammenhängend und konfus, den man überall hörte, kann ich BVS beim besten Willen nicht machen, im Gegenteil. Gerade wenn man, wie ich, an Marvelfilmen wie AVENGERS: AGE OF ULTRON beklagt, dass sie wie Collagen aus unfertigen und übereilten Storyfragmenten anmuten, sich mehr darauf konzentrieren, die nächsten drei Filme anzustoßen, als ihre eigene Geschichte zu erzählen, muss einem BVS wie eine Wohltat vorkommen. Der Konflikt zwischen Batman und Superman, der den ethischen Konflikt zwischen übergeordneter, universeller und individueller Moral widerspiegelt, bildet das klare dramaturgische Zentrum, um das sich die eher sparsamen Subplots herumgruppieren. Snyder baut seine Geschichte sehr geduldig auf, anstatt bloß kurze Episödchen aneinanderzureihen und irgendwann den Überblick zu verlieren. Lediglich das beim MCU abgeschaute Anteasern der nun wohl in den Startlöchern stehenden Wonder-Woman- und Justice-League-Filme lenkt etwas ab und steht unverbunden mit dem Rest herum, stört aber auch nicht übermäßig. Was man wohl lieben oder hassen kann, sind das Pathos und die Ernsthaftigkeit, mit der das Ganze umgesetzt wird. Auch ich habe schon mal behauptet, die Marvelfilme böten zu wenig Fun: So gesehen müsste ich BVS eigentlich hassen. Der Unterschied liegt wohl darin, dass Batman und Superman als Figuren einfach um ein Vielfaches interessanter und allgemeingültiger sind als Iron Man, Thor, Captain America oder Ant-Man (Hulk lasse ich mal außen vor, aber mit dem weiß Marvel ja offensichtlich auch nichts mehr anzufangen) und es demzufolge überhaupt als lohnenswertes Unterfangen ist, einen „ernsten“ Film um sie zu stricken.

Das scheint aber nicht mehr besonders gefragt zu sein: Spaßig soll es sein, möglichst wenig nachhaltig, gut wegzukonsumieren. Da kann einem BVS schon mal den Abend verderben mit seiner brüterischen, dunklen, deprimierenden Ader. Auch wenn Snyder den Bogen im ausufernden Finale mal wieder überspannt, kann ich mit seiner Interpretation der Comics mehr anfangen als mit diesen komplett leeren Marvel-Spektakeln, in denen sich ein Dutzend bunt kostümierter Figuren um einen Stein balgen, dessen Bedeutung erst im übernächsten Film geklärt werden wird. Ich fühle mich von BVS einfach als erwachsener Filmzuschauer ernst genommen, während ich mich bei Marvel auf die Rolle des Konsumenten reduziert fühle. Ich glaube, dahinter verbergen sich grundsätzlich andere Ansprüche an oder Konzepte von Unterhaltung. Als ein Makel von BVS wurde angeführt, wie der Streit zwischen Superman und Batman schließlich aufgelöst wird: Batman verschont den geschlagen am Boden liegenden Helden, als er erfährt, dass dessen Mutter auch auf den Namen Martha hört. M. E. wird hier von den Kritikern etwas Grundsätzliches nicht verstanden, nämlich dass Kunst (und vor allem Superheldencomics for chrissakes!) mit Verdichtungen arbeitet. Das sind keine echten, voll durchpsychologisierten Individuen, denen wir da zusehen. Es geht auch nicht wirklich um die zufällig Namensgleichheit, sondern darum, dass Batman erkennt, dass das zu vernichtende Alien wie er EINE MUTTER HAT, mithin „Mensch“ ist. Es ist vielleicht nicht die eleganteste Auflösung für den Konflikt, aber es ist weit von jener Lächerlichkeit entfernt, die mancher darin ausgemacht zu haben glaubt. Aber gut, bei Marvel kommt so etwas natürlich nicht vor, weil die Messlatte da von Anfang an sehr viel tiefer liegt. Wenn man die Sichtweise erfolgreich etabliert hat, dass sowieso alles nur ein buntes Späßchen ist, das man nicht zu ernst nehmen sollte, können auch solche Ausrutscher nicht passieren.

Das Problem von DC ist mithin Folgendes: Snyder (und vor ihm Nolan) haben etwas riskiert, haben Filme gemacht, an denen man sich reiben und die man auch richtig kacke finden kann. Marvel macht Filme, die allen gefallen sollen und sind damit bisher recht erfolgreich (was man anerkennen muss). Aber für die Filmkultur finde ich es trotzdem traurig, dass harmloser Bullshit wie die AVENGERS-Filme oder ein GUARDIANS OF THE GALAXY abgefeiert werden wie die Neuerfindung von geschnittenem Brot, während man sich über MAN OF STEEL oder BVS das Maul zerreißt, weil die Filme es wagen, einen eigenen Stil und eigene Ideen zu etablieren, vielleicht sogar mal von der Vorlage abzuweichen. Aber gut, so richtig wundern muss einen das in unserer Zeit ja nicht mehr.

 

 

die-jungen-tiger-von-hongkong„Dieser Film ist hart.“ Das sind die ersten Worte in DIE JUNGEN TIGER VON HONGKONG, gesprochen von einem Voice-over-Kommentator im typischen Duktus der ungefähr zur selben Zeit populären Report-Filme, an deren Erfolg Regisseur Hofbauer ja auch maßgeblich beteiligt war. Es gehe um die orientierungslose Jugend, die Abgründe, in die sie in dieser Orientierungslosigkeit schlittert und natürlich basiere der Film auf „wahren Begebenheiten“, die conditio sine qua non des deutschen Sleazefilms jener Tage.

Werner Pochath ist Walter, ein junger Mann, der noch keine Lust hat, aufs Erwachsen- und Vernüntigsein, der aufs Establishment scheißt, wie er selbst sagt, und schonmal Freunde zum Russisch-Roulette-Spiel nötigt. Mit seiner Clique hängt er im „Schocker-Club“ in Hongkong rum, heckt krumme Dinger und gefährliche Streiche aus. Zur Gang gehört auch Carl van Dreegen (Jochen Busse), Sohn eines erfolgreichen Geschäftsmanns, der nebenbei einen Mädchenhandelring organisiert und dem die Schocker-Gang, ohne es zu wissen, in die Quere kommt. Zwischen den Fronten agiert der schlagkräftige Testpilot Burt (Robert Woods), der auf der Suche nach seiner Frau ist, die ebenfalls von Dreegen in die Hände fiel …

Ach, was hätte das für ein Kracher werden können. Der Auftakt ist schön, vor allem wenn Pochath mit seiner unglaublichen Frisur auftritt und den dicken Max markiert. Leider hält die Freude aber nicht lang vor, denn recht schnell versandet DIE JUNGEN TIGER VON HONGKONG in der totalen Beliebigkeit austauschbarer Keilereien, Verfolgungsjagden und Tanzszenen. Hofbauer, der sich eigentlich wie kein zweiter darauf verstand, auf die Tube zu drücken und sich inszenatorisch von den ihm als Vorlage dienenden Pro-forma-Drehbüchern zu emanzipieren, kämpft auf verlorenem Posten oder hatte einfach keinen Bock. Er reiht sich mit seinem Film ein in die eh nicht so pralle Tradition der Wolf C. Hartwig’schen „Hongkong-Reißer“, die allesamt kaum über biederen Durchschnitt hinwegkamen, egal ob sie nun DAS MÄDCHEN VON HONGKONG, HEISSER HAFEN HONGKONG, EIN SARG AUS HONGKONG oder WEISSE FRACHT FÜR HONGKONG hießen. Hier ist die Enttäuschung angesichts der erhöhten Erwartungshaltung aber deutlich größer. Es fehlen einfach die absurden Details, die Over-the-Topness, die DIE JUNGEN TIGER VON HONGKONG zur Sleazegranate gebraucht hätte. Der Film sitzt zwischen den Stühlen, liebäugelt einerseits mit praller Exploitation, steht aber mit einem Fuß noch in der staubigen Abenteuerfilm-Tradition der Sechziger und sich somit ständig selbst im Weg. Der Handlungsverlauf ist unnötig kompliziert, Robert Woods als kerniger Held einfach langweilig, die coolen Kids vom Schockerclub verschwinden in der zweiten Hälfte fast völlig von der Bildfläche und einen richtig fiesen Schurken vermisst man genauso wie den feisten Exzess. Selbst Hongkong gibt als Kulisse seltsamerweise nichts her. Aber vielleicht wäre ich auch weniger enttäuscht, wenn die Filmjuwelen-DVD nicht mal wieder ein besonders trauriges Exemplar für einen lieblos hingerotzten Release wäre. Wenn nicht mal die Farben reinknallen …

timthumb.php„Faschokino.“ – Das war die Reaktion von Hasko Baumann, seines Zeichens Regisseur der viel gelobten arte-Serie „Durch die Nacht mit“, Redakteur der Seite Das Manifest und liebenswerter Facebook-Rüpel, als ich dort erwähnte, dass ich mir 13 HOURS ansehe. Ich weiß natürlich, woher die Aussage kommt: Michael Bays Film feierte seine Premiere bei einer Open-Air-Vorführung in einem texanischen Footballstadion und die Einnahmen kamen dem „Shadow Warriors Project“ zugute, das sich Privatpersonen im Dienste der Armee widmet. Außerdem zielte das Marketing der Paramount speziell auf Konservative ab (wie zuvor erfolgreich bei LONE SURVIVOR und AMERICAN SNIPER praktiziert) und wurde in einer Spezialvorführung vor Mitgliedern der Republikaner gezeigt. Das Ende des Films würdigt den Einsatz der im Film porträtierten CIA-Operatives mit Fotos der realen Vorbilder und einem Blick auf das Memorial, das auch die bei den Auseinandersetzungen in Bengasi gefallenen ehrt. Und er betreibt hier und da Geschichtsklitterung, damit die Protagonisten noch heldenhafter, die sesselpupsenden Beamten – und die Politiker Obama und Clinton hinter ihnen – hinter ihnen feige, falsch und unamerikanisch rüberkommen. Das Star-Spangled-Banner weht sparsam während des Films, wird dann am Ende aber in einer geradezu herzzerreißenden Aufnahme zerrissen und verkohlt in einem mit Müll, Trümmern und Blut besudelten Pool schwimmend gezeigt. Es wäre verblendet, wenn man nicht die politische Stoßrichtung hinter dem Film sehen würde. Aber mindert das zum einen seine Wirkung als Kriegs- und Actionfilm? Vermittelt er darüber hinaus eine besonders verachtenswerte Gesinnung? Ich meine zu beiden Punkten: Nein.

Am 11. September 2012 kam es im lybischen Bengasi, einer Stadt, die nach dem Tod Muammar al-Gaddafis in einem tosenden Bürgerkrieg steckte, zum Angriff libyscher Milizen auf das amerikanische Konsulat, in dessen Folge der amerikanische Botschafter J. Christopher Stevens ums Leben sowie der Informatiker Sean Smith ums Leben kamen. Es war der erste gewaltsame Tod eines US-amerikanischen Diplomaten auf remdem Boden seit 1979. Wenig später setzten sich die Kampfhandlungen in einem nicht weit entfernten Gebäudekomplex des CIA fort: Mehrere hundert libysche Milizen stürmten das Gelände, auf dem neben sechs kampferprobten Männern vor allem Geheimdienstler und Staatsbeamte untergebracht waren. Nach einer mehrere Stunden währenden Schlacht waren auf amerikanischer Seite zwei, auf libyscher Seite mehrere hundert Tote zu beklagen. Im Anschluss wurde der Komplex aufgegeben, die Amerikaner traten den Rückzug an. Als Ursache für den Angriff wird ein anti-islamisches Youtube-Video amerikanischen Ursprungs angesehen, der Angriff demnach nicht als geplanter Terrorakt, sondern als spontane Gewalteskalation. Obama und Clinton wurden von konservativen Kräften für ihr Missmanagement hart kritisiert und für den Angriff mitverantwortlich gemacht. Die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz im Ausland tätiger US-Diplomaten danach stark verschärft.

Bays Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Mitchell Zuckoff, das sich den Vorfällen widmet und dem Film auch die Perspektive diktiert: Die politische Situation in Libyen wird zu Beginn in einigen Text- und Bildeinblendungen erklärt, danach konzentriert sich Bay ganz auf seine Protagonisten, sechs private „Contractors“, die es immer wieder an Krisenherde verschlägt, wenn es gilt, die Leben amerikanischer Staatsbeamten und Geheimdienstler zu schützen. Im Mittelpunkt steht Jack Silva (John Krasinski), der eine Frau und drei Töchter zu Hause zurücklässt, um in Bengasi seinem Freund „Rone“ (James Badge Dale) zu helfen, der dort eine Gruppe von Männern anführt, die einen (nicht mehr ganz so) geheimen CIA-Compound. Bengasi wird als „einer der gefährlichsten Orte der Welt“ und als infernalisch-chaotischer Moloch gezeichnet, wo Jack schon kurz nach seiner Ankunft in die erste lebensbedrohliche Situation gerät und nur ein riskantes „Alles oder Nichts“-Manöver sein und Rones Leben rettet. Wie auch in Ridley Scotts ähnlichem BLACK HAWK DOWN besteht die Bedrohung nicht zuletzt in der „Fremdheit“ des Gegners: Wer da Verbündete und wer Gegner sind, weiß keiner so genau, genausowenig, wofür die einzelnen Splittergruppen und Milizen eigentlich kämpfen. Bengasi ist ein Pulverfass mit glimmender Lunte. Die Besichtigung des Konsulats im Vorfeld des Besuchs des Botschafters ist ernüchternd: Wenn es zum Angriff kommen sollte, ist das von ein paar libyschen Partisanen bewachte Gelände, auf dem nur drei amerikanische Sicherheitsbeamte mit leichten Schusswaffen stationiert sind, nicht zu halten. Eine echte Verteidigungsstrategie gibt es nicht, dafür aber viele Möglichkeiten, sich von außen gewaltsam Zugang zu verschaffen.

Gerade in der ersten Hälfte schafft Bay eine sehr fiebrige Atmosphäre, die etwas an die alten Katastrophenfilme erinnert: Zahlreiche Indizien machen im Vorfeld mehr als deutlich, das hier zahlreiche Menschenleben geradezu fahrlässig riskiert werden, es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, wann das große Sterben beginnen wird. Immer wieder fängt die Kamera bedrohlich dreinblickende Libyer ein, die die Amerikaner aus sicherer Distanz beäugen und dann verschwinden, Fotos machen und abdrehen, anhalten und dann weitergehen. Es ist klar, dass sich die Protagonisten auf einem massiv feindlich gesonnenen Terrain bewegen, die Sicherheit bislang eigentlich nur deshalb gewährleistet war, weil es die Gegenseite bei Drohgebärden belassen hat. Wenn sich dieses Drohpotenzial dann im Angriff auf das Konsulat manifestiert, entfaltet Bay das Szenario in all seiner albtraumhaften Wucht. Ja, man kann (wie das auch im genannten BLACK HAWK DOWN getan wurde) durchaus kritisieren, dass die Libyer als gesichtslose Horde vorzivilisierter Barbaren gezeichnet wird: Allerdings befürchte ich, dass jeder „Westler“, der sich in einer ähnlichen Situation wiederfände, sie genauso betrachten würde. (Die westliche Angst vor islamischem Terror fußt m. E. zu nicht unerheblichen Teilen darauf, dass einem diese Menschen und ihr Glauben fremd sind, dass sie anders aussehen und einer Kultur angehören, an der die von uns so hoch gehaltene Aufklärung vorbeigegangen ist. Die für unsere Ohren hart klingenden Sprache, die bärtigen Gesichter, das alles trägt zu dieser Fremdheit bei.) Die Situation, mit der die Protagonisten konfrontiert sind, ist nicht durchschaubar, genauso wenig wie die Taktik, die hinter den Angriffswellen steckt. Mehrfach in dem Film stellt sich die Frage, welcher Seite die Einheimischen angehören: Hat man es nun mit Verbündeten oder mit Feinden zu tun? Und im Schlussgefecht, wenn die Contractors den Stützpunkt von den Dächern der quadratisch angeordneten Gebäude verteidigen, wird immer wieder die Albtraumhaftigkeit und Fremdartigkeit der Situation betont.

In seiner Actioninszenierung setzt Bay Maßstäbe, gerade auch weil er sich nicht jener Überbietungslogik verschreibt, die das Hollywood-Eventkino in Beschlag genommen hat. „Authentizität“ kann ich natürlich nur unterstellen, weder war ich in Bengasi noch überhaupt jemals in Kriegshandlungen verwickelt (Gott sei dank), aber 13 HOURS fühlt sich realistisch an. Und es ist gut, dass dieser Realismus nicht mithilfe von Shakycam, Schnittgewitter und Fragmentchaos erreicht wird, sondern darin, wie der Kampf choreografiert und inszeniert ist, dass bei aller Hektik dennoch die Übersicht gewährleistet ist. Bay weiß, was er tut, und es wäre schön, wenn man das endlich einmal auf breiter Ebene zur Kenntnis nehmen würde: Wie er den ihm zur Verfügung stehenden Raum nutzt und erkundet, ist bisweilen atemberaubend – und eine deutliche Weiterentwicklung zu seinem frühen, oft zu Recht kritisierten Augenkleister. Toll auch, wie er das Chaos immer wieder mit Ruhepausen unterbricht, die Protagonisten sich sammeln und austauschen lässt: Da erinnert 13 HOURS durchaus an alte Westernklassiker, erscheinen die vollbärtigen, kampferprobten, ausgehöhlten Helden durchaus an Wiedergänger der furchigen Existenzialisten, die Peckinpah in THE WILD BUNCH in die Schlacht warf. Mit der Ausnahme natürlich, dass die für den Staat nur noch ein müdes Lächeln übrig hatten.

Sauer aufstoßen muss einem gewiss, wie die vier Toten auf amerikanischer Seite betrauert werden, die vielen libyschen Opfer aber – immerhin – nur einen kursorischen Blick wert sind. Mehrfach mahnen Staatsdiener, dass hier Amerikaner zu sterben drohen, als sei das völlig undenkbar. Ohne Frage war der Angriff auf das Konsulat ein grausamer Anschlag, wurde damit ein Tabu gebrochen, aber das Späne fallen, wo gehobelt wird, ist nun einmal ein ungeschriebenes Gesetz, das auch und besonders für den Aufenthalt in Krisengebieten gilt. 13 HOURS entwickelt kein echtes kontextuelles Problembewusstsein: Er bemerkt, dass es absurd ist, dass da Amerikaner in Konflikten sterben, mit denen sie rein gar nichts zu tun haben, aber da diese Konflikte immerhin auch Gelegenheit für echten amerikanischen Heroismus bieten, ist es auch wieder ganz OK. Andererseits ist es vielleicht auch ein bisschen viel verlangt, von einem amerikanischen Film über ein gerade mal vier Jahre zurückliegendes Ereignis, bei dem Amerikaner starben, diese Differenzierung und Kritik zu erwarten. Vielleicht wäre es besser, man würde auf die filmische Dramatisierung solcher Fälle verzichten. Warum man es nicht tut, ist indes einleuchtend. In diesem Fall hat es nicht funktioniert, 13 HOURS war Bays „lowest grossing“ Film bisher, aber sicherlich war er nicht der letzte Vertreter seiner Art. Man muss sich damit auseinandersetzen. Und 13 HOURS lädt auch Gegner wie ich finde dazu ein, statt ihnen volles Programm vor den Koffer zu scheißen.

 

outland_poster_ukOUTLAND wird gemeinhin als Hyams Ode an den Western und vor allem an Fred Zinnemanns Megaklassiker HIGH NOON beschrieben. Die Parallelen sind deutlich, aber zu sagen, OUTLAND sei lediglich ein modernisiertes Remake, ginge zu weit. Hyams Film ist nicht in Echtzeit erzählt, der berühmte „Countdown“, der bis zur Ankunft der Schurken vergeht, mit denen sich der Held herumschlagen muss, nimmt nur ca. das letzte Drittel des Films in Anspruch und wird eher sporadisch eingesetzt. Klar, die Story um den Gesetzeshüter, der in einer auf einem fernen Jupitermond installierten Mine seine Arbeit tut, einem Verbrechen auf die Spur kommt und plötzlich ganz allein auf weiter Flur, (fast) ohne Hilfe gegen ein paar Killer antreten muss, ist unschwer als Westernparaphrase zu erkennen: Aber überlagert wird das meiner Meinung nach durch die überdeutlichen Anleihen bei einem anderen Klassiker, der 1981 gerade drei Jahre alt war, aber bereits immensen Einfluss ausübte. Die Rede ist natürlich von Ridley Scotts ALIEN.

Die alt und rostig aussehende Industriearchitektur der Station, die dunklen, dann wieder mit grellem Neonlicht beleuchteten Gänge, die Müdigkeit und Depression der Arbeiter, die mit grauen, eingefallenen Gesichtern und ungepflegten Bärten trüb in die Gegend gucken, die ungemütlich aussehenden Kabinen, in denen man sich mit Huren vergnügen kann, die Abwesenheit jeden Sonnenlichts oder überhaupt eines Draußens, das nicht tödlich ist: Das alles ist offenkundig von Scotts Film beeinflusst. Auch hinsichtlich des Plots: Die Ausbeutung der Arbeiter durch die Wirtschaft, die in ALIEN noch eher im Hintergrund läuft, wird in OUTLAND deutlich in den Vordergrund geschoben. Überhaupt spricht einiges dafür, Hyams Film als eine Art Spin-off zu beschreiben. Die Welt, in der das alles spielt, könnte dieselbe zu sein, und was bei Scott eher zwischen den Zeilen zum Vorschein kam, wird hier nun an der Oberfläche verhandelt. Die Geschichte wird dann auch nicht so sehr durch die illegal eingeschmuggelten Drogen angestoßen, die die Arbeiter erst in eine Psychose und dann in den Selbstmord stürzen, sondern durch deren Depression, die der Zustand der Isolation und das Dasein in einer vollkommen lebensfeindlichen Umgebung hervorruft und das Bedürfnis nach Flucht weckt. Connerys Marshall McNiel muss trotz des Verlusts seiner Familie triumphieren, weil er die Abberufung in den Weltraum als Aufgabe begreift, die er bewältigen muss, bevor er zurück auf die Erde kann. Er hat keine Flucht im Sinn, sondern die volle Konfrontation mit dem Grauen. Aber er hat eben auch eine Wahl, anders als die armen Teufel, die ihren Lebensunterhalt in der Mine erschuften müssen.

OUTLAND ist ein schöner Film, auch wenn sein Krimiplot fast pflichtschuldig abgewickelt wird. Aber Hyams gelingt es wieder einmal, eine ausgesprochen dichte Atmosphäre zu schaffen, die sich hinter jener von ALIEN nicht verstecken muss. Dann und wann erreicht sein Film eine hypnotische, tranceartige Qualität, auch weil es – anders als im Western etwa – meist aufreizend langsam zugeht, die Soundeffekte die alles erstickende Stille nie ganz zu übertönen in der Lage sind. Die tollsten Szenen sind dann auch nicht die Showstopper mit den zerplatzenden Köpfen, sondern die Unterredungen zwischen McNiel und seiner einzigen verbündeten, der einem guten Schluck nie abgeneigten Ärztin Lazarus (Frances Sternhagen): zwei Außenseiter, die sich am ungemütlichsten aller Orte ihres gegenseitigen Respekts versichern. Da fiel mir dann auf, dass Lazarus nach der Astronautengattin aus CAPRICORN ONE schon die zweite starke Frauenfigur bei Hyams ist, die nicht gleichzeitig Love Interest ist. Mal drauf achten, ob sich dieser Trend fortsetzt.

MPW-57891That’s more like it: Nach dem buchstäblich verschnarchten THE BIG SLEEP widmete sich Winner anderem, trivialerem, vergnüglicherem Stoff, der aber – wie man es von Winner gewohnt ist – den ein oder anderen Nackenschlag für den geneigten Zuschauer parat hält. Außerdem ist FIREPOWER ein interessanter Bastard aus Ende der Siebzigerjahre eigentlich längst überkommenen Einflüssen, was auch seine beiden Hauptdarsteller, beide schon jenseits ihrer Glanzzeit, verkörpern. Klar, die Bond-Filme, an die FIREPOWER mit seinen attraktiven Schauplätzen, der internationalen Starbesetzung, der Mischung aus Action, Humor und Romantik (bzw. Sex), dem schwofig-pompösen, Saxophon-lastigen Score und natürlich dem Posterdesign mehr als nur erinnert, waren damals immer noch populär, aber Winner knüpft weniger an die damals aktuellen Moore-Bonds an, als vielmehr an den Eurospy- und den maskulinen Abenteuerfilm der Sechzigerjahre.

In New York wird der Adele Tasca (Sophia Loren) Ehemann von einer Briefbombe ermordet. Sie vermutet den Unternehmer und Multimillionär Stegner hinter dem Attentat, für den ihr Mann einst als Chemiker arbeitete, bis er herausfand, dass sein Chef ein krebserregendes Medikament produzieren ließ. Dass sie nun ihrerseits Rache will, macht sie für das FBI interessant, die Stegner wegen verschiedener Machenschaften schon seit geraumer Zeit ans Leder wollen. Sie engagieren den ehemaligen Mafiakiller Jerry Fanon (James Coburn), der sich gemeinsam mit seinem Partner Catlett (O. J. Simpson) auf die Karibikinsel Antigua begibt, wo Stegner – von dem niemand weiß, wie er aussieht, seinen Wohnsitz haben soll …

Die sich entwickelnde Schurkenhatz spielt sich ganz nach dem von den Vorbildern etablierten Muster ab, beinhaltet scharfzüngige Dialoge, minutiös ausgetüftelte Pläne, tückische Fallen, hinterlistige Morde und staubaufwirbelnde Verfolgungsjagden. Winner muss die attraktiv wie ein tropischer Fruchtcocktail dargebotene Mischung schon mit der ein oder anderen Geschmacklosigkeit würzen, um den sich wahrscheinlich nicht zu Unrecht einstellenden Eindruck eines gemütlichen Karibikurlaubs zu zerschlagen. Im Gedächtnis bleibt vor allem der arme Tropf, der von Fanon und Catlett ins Meer gehängt und mit Blut übergossen wird, um die Haie anzulocken. FIREPOWER läuft gut rein und runter, ist sehr süffig, um mal im Bild zu bleiben, aber nicht ohne die Winner’schen Merkwürdigkeiten: Da wird für eine eher unwichtige Szene extra ein Doppelgänger Fanons namens Eddie (James Coburn) eingeführt, dessen mangelhafte Einbindung ins Bild geradezu schmerzhaft ist. Der große Showdown, in dem Fanon die herrschaftliche Villa des Schurken mit einem zufälligerweise bereitstehenden Bagger plattwalzt und sich das pompöse Gebäude als notdürftig aus Spanplatten zusammengeleimt erweist, ist anscheinend nicht als Scherz gemeint, obwohl das nur schwer vorstellbar ist. Der krasseste Witz, den der Regisseur sich erlaubt, ist aber gewiss das Ende: Da darf der 66-jährige, schon reichlich überliftet und verbraucht aussehende Victor Mature in einem Gastauftritt als reicher Gentleman der schönen Adele den Hof machen und der armen Witwe ein seltsames Happy End bescheren, das so ganz gewiss niemand gebraucht hat.

FIREPOWER ist alles andere als ein „großer“ Film, eher ein Spaß, den sich der Regisseur erlaubt hat. Ein Spaß für alle Beteiligten sicherlich, aber auch für den geneigten Zuschauer, der sich solche professionell gefertigte Trivialkunst gern verabreichen lässt.

 

 

gator_baitEine rotmähnige, leicht bekleidete, wildkatzenartige Frau schleicht barfüßig durch die Sümpfe oder rast todesmutig mit dem Motorboot durch die Mangrovenwälder Louisianas, das Gewehr im Anschlag, das Bowiemesser im Gürtel. Die Bande grobschlächtiger Rednecks, darunter der korrupte Sheriff mit seinem anhänglichen Deputy-Sohn, ist ihr dicht auf den Fersen, hat aber dennoch keine Chance. Am Ende sind sie alle tot, bis auf einen, der die undankbare und wahrscheinlich unlösbare Aufgabe hat, aus den Tiefen der Sümpfe zurückzufinden, in die ihn die Bayou-Sirene gelockt hat.

GATOR BAIT ist einer jener unzähligen amerikanischen Drive-in-Hits aus den Siebzigerjahren, zu denen es heute gar keine Entsprechung mehr gibt. Eine lokale Produktion, die mit heißer Nadel rund um das ehemalige Playmate of the Year Claudia Jennings gestrickt worden war. Sie wirkte nach ihrer Modelkarriere in den Siebzigerjahren in einigen Exploitationfilmen mit – etwa in THE GREAT TEXAS DYNAMITE CHASE, DEATHSPORT oder Cronenbergs FAST COMPANY – bevor sie 1979 mit nur 29 Jahren in einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Sie ist logischerweise das Zentrum von GATOR BAIT, der am ehesten als Ambiente-Film funktioniert, vor allem mit seinen stimmungsvollen, lichtdurchfluteten Bildern des atemberaubenden Sumpfsettings, Louisiana-Lokalkolorit und den typischen Redneckfiguren einnimmt – und eben mit der höchst ansehnlichen (und darüber hinaus sympathischen) Hauptdarstellerin. Die notdürftige Handlung – eine Rache- und Menschenjagdgeschichte – trägt hingegen nicht wirklich über 90 Minuten, die mitunter etwas zäh werden. Die Möglichkeiten, Männer interessant durchs Unterholz latschen zu lassen, sind knapp beziffert und die Sebastians haben sie bereits zur Halbzeit allesamt ausgeschöpft. Es fehlt ein auflockerndes Element, ein Twist meinetwegen, irgendwas, was der schon nach 20 Minuten auserzählten Geschichte noch einen zusätzlichen Aspekt hinzufügen würde. Aber ich will gar nicht meckern: Als ich gestern nicht wusste, was ich gucken soll und zum Antesten kurz in GATOR BAIT reinschaute, war es dank der tollen Bilder – das unergründlich schwarze Wasser der Sümpfe, die uralten Bäume, das in dicken Bündeln durch die dichten Äste fallende Sonnenlicht, der schlammig-modrige Waldboden, die wettergegerbten Hackfressen der belatzhosten Rednecks und natürlich die Jennings in ihren selbstgeschneiderten Waldläuferklamotten – sofort um mich geschehen. Wer für den Backwood-Film genauso ein Faible hat wie ich, der kommt auch um diesen kleinen Kultfilm nicht herum, der in dieser HInsicht die Vollbedienung darstellt.