Mit ‘Adam Roarke’ getaggte Beiträge

Zwei Indianer im Zweikampf, hinter ihnen felsige Wüstenkulisse. Sie stürzen sich aufeinander, vielleicht im Kampf um eine Frau oder um den nächsten Häuptling zu ermitteln. Schließlich lassen sie auf einen Ruf voneinander ab. Sie stehen nebeneinander, jemand hat etwa gesehen. Die Kamera fährt an ihren Gesichtern entlang. Einer von ihnen trägt eine Sonnenbrille. Er nimmt sie ab und zeigt blaue Augen hinter den dunklen Gläsern. Ihr Blick geht zur Landstraße, auf der sich eine Kolonne von Bikern nähert.

Der Anfang von Richard Rushs THE SAVAGE SEVEN, einem Beitrag zum Bikerfilm-Genre, dass sich in der zweiten Hälfte der Sechziger großer Beliebtheit erfreute, zeigt, dass sich der Regisseur des konzeptionellen Kniffs seines Films sehr bewusst war: Die Verbindung von Bikern und Indianern erlaubt nicht nur eine Modernisierung klassischer Westernmotive inklusive der gesellschaftskritischen Implikationen, die damit einhergehen, sie ermöglicht auch den Blick auf ein im Kino abseits der Pferdeopern völlig marginalisiertes Volk. THE SAVAGE SEVEN bezieht seinen größten Reiz aus der Zeichnung einer indianischen Enklave im Nirgendwo, eine Ansammlung von behelfsmäßigen Wellblechhütten, Holzverschlägen und maroden Wohnwagen, die um eine Kneipe und einen kleinen Gemischtwarenladen gruppiert sind. Das Setting des Indianerdorfes ist faszinierend und niederschmetternd zugleich und Rush, der den Film als Quasi-Sequel zu seinem erfolgreichen HELLS ANGELS ON WHEELS inszenierte, um dafür im Gegenzug den LSD-Film PSYCH-OUT machen zu dürfen, gelingt es, das alles sehr authentisch wirken zu lassen. Was durchaus beachtlich ist für einen Low-Budget-Film, der innerhalb von knapp 14 Tagen abgedreht werden musste.

THE SAVAGE SEVEN zeigt, wie die Indianer von dem fetten Geschäftsmann Fillmore (Mel Berger), der auch als ihr Arbeitgeber fungiert, und seinen Lakaien ausgebeutet und unterdrückt werden. Die Biker bringen mit ihrer Ankunft alles durcheinander und obwohl ihr Anführer Kisum (Adam Roarke) mit den unterdrückten Indianern sympathisiert, lässt er sich von Fillmore schließlich mit dem Scheckbuch ködern. Den Bikern fehlt ein klarer Wertekodex: Sie lassen sich von ihren Trieben bestimmen  oder gehen da, wo es Geld und Freibier gibt. Kisum, der sich in die Indianerin Marcia (Joanna Frank) verliebt, die Schwester des heißblütigen Johnnie (Robert Walker Jr.), der sich als einziger gegen Fillmore auflehnt, damit aber auf verlorenem Posten kämpft, kommen Zweifel, doch er kommt zu keiner echten Entscheidung. Schließlich lassen sich die erhitzten Gemüter allesamt ins Bockshorn jagen: Fillmore hetzt die Parteien aufeinander. Der Showdown, in dem das Dorf dem Erdboden gleich gemacht wird, ist unglaublich, voller halsbrecherischer Stunts, Flammen und durch die Luft fliegender Motorräder, völliger Irrsinn. Und leider merken die Kämpfenden viel zu spät, dass man sie manipuliert hat.

THE SAVAGE SEVEN zeigt immer wieder sein immenses Potenzial, aber er hat auch kaum zu übersehende Mängel, die bei einem Projekt wie diesem wohl unvermeidlich sind: Dass die Biker die nominellen Hauptfiguren sind, führt vor allem im Mittelteil, in dem Kisum sich nicht entscheiden kann, auf welcher Seite er nun eigentlich steht, zu erheblichem ideologischen Magendrücken. Es ist aus heutiger Perspektive einfach unmöglich, die Sympathien für die Motorradgang aufrecht zu erhalten, wenn sie Frauen vergewaltigen und die Indianer demütigen. Dazu kommt ist das emotionale Hin-und-Her zwischen Kisum und seinem Love Interest, das auch für den Betrachter anstrengend ist: Warum eine Frau einem solchen Arschloch erliegen sollte, ist nur schwer nachzuvollziehen. Der oben bereits gelobte Showdown bleibt von all dem nicht unangetastet: Was hat etwa ein lustiger Toilettengag inmitten eines Gemetzels, das wir als unfassbar tragisch betrachten müssen, zu suchen? Und dass der eigentliche Bösewicht am Ende sein Fett weg bekommt, ist angesichts der vielen, vielen unschuldigen Toten ein schwacher Trost. THE SAVAGE SEVEN findet nie so recht die Balance zwischen anspruchslosem Actionspektakel fürs Drive-in-Publikum und seinem gesellschaftskritischen Impetus und hat mit enormen tonalen Schwankungen zu kämpfen, die den ganz großen Erfolg verhindern.

Trotzdem: Seine positiven Eigenschaften reichen aus, um ihn aus der Flut meist unambitionierter Bikerflicks hervorstechen zu lassen. Der Verdienst von Richard Rush, einem Regisseur, dem mal eine große Karriere vorausgesagt wurde, der dann aber zwischen die Zahnräder des Business geriet: erst, als man ihn zehn Jahre warten ließ, um ihn sein Traumprojekt THE STUNT MAN ins Kino zu bringen, nur um dem Film dann jegliche Unterstützung zu versagen, später, als man ihm AIR AMERICA wegnahm, dann schließlich, als man seinen Erotikthriller COLOR OF NIGHT fürs Kino verstümmelte. Es bleiben ein paar sehenswerte Exploiter aus den Sechzigerjahren, GETTING STRAIGHT, FREEBIE AND THE BEAN und eben THE STUNT MAN. Rush wird in diesem Jahr 91.

Nachdem Larry (Peter Fonda) eine Nacht mit Mary (Susan George) verbracht hat, lässt er sie kommentarlos sitzen, um mit seinem Kumpel Deke (Adam Roarke) einen Ramschmarkt auszurauben. Doch den beiden kommt die gehörnte Mary in die Quere und weil keine Zeit für lange Diskussionen bleibt, wird sie kurzerhand mit auf die folgende Flucht genommen. Larry hat die Fähigkeiten, die es braucht, um den Bullen zu entkommen, Deke das nötige Wissen, um Pannen zu beheben, der Polizeifunk hilft, die Schritte der Polizei vorauszuahnen. Nur mit der Besessenheit des Polizeibeamten Franklin (Vic Morrow), der die Jagd leitet, haben beide nicht gerechnet …

Dieser Film stand schon mehrere Jahre bei mir im Schrank rum. Zwei Sichtungsversuche hatte ich wegen Müdigkeit nach kurzer Zeit abgebrochen, im Zuge meines Carsploitation-Tages war es jetzt an der Zeit, ihn endlich zu gucken. Als er vor ein paar Jahren auf DVD erschien, waren es (wenn ich mich recht erinnere) die lobenden Worte Harry Knowles‘ und das knallige DVD-Coverdesign, die mich für den Film einnahmen und zum Kauf verleiteten. Knallig ist der Film, Erwähnung hat er durchaus verdient, dennoch war ich ein bisschen enttäuscht von ihm. Ob das wirklich dem Film anzulasten oder auf eine falsche Erwartung meinerseits zurückzuführen ist, darüber denke ich jetzt seit der Sichtung gestern nach. Eigentlich ist der Film recht hübsch, weil ungewöhnlich innerhalb des bekannten Rahmens: Die Verfolgungsjagd führt nicht über Staatsgrenzen hinweg, sondern spielt sich auf vergleichsweise engem Raum ab, die Dynamik zwischen den drei Protagonisten ist voller Konfliktpotenzial. Es schwelt und brodelt eigentlich die ganze Zeit über, keine Spur von der Kameradschaft unter Gaunern – und auch nicht unter den Polizisten. Die „Freundschaft“ von Larry und Deke ist jeder Herzlichkeit beraubt, mehrfach steht sie kurz davor, umzukippen und die Zickereien zwischen Larry und Mary stellen die Nerven des ruhigen Dekes zusätzlich auf eine harte Geduldsprobe. Wer erwartet, dass die offene Verachtung zwischen dem titelgebenden Pärchen irgendwann in eine romantische Liebe à la Bonnnie & Clyde umschlägt, sieht sich getäuscht: Auf jede kleine Annäherung folgt so sicher wie das Amen in der Kirche der nächste Zoff. Man kann das „Hassliebe“ oder auch schlicht „Beziehungsunfähigkeit“ nennen. Und so wie die Gauner sich nicht einig werden, leistet sich der Polizist Franklin bis zum Schluss ein erbarmungsloses Kompetenzgerangel mit seinem Vorgesetzten, dem ein Scheitern der Jagd gar nicht so ungelegen käme, könnte er dann doch neue Autos und Ausrüstung anfordern.

Diese ungewöhnliche Charakterzeichnung und Figurenkonstellation war aber auch das, was mir gestern ein Problem bereitet hat: Es gibt einfach keine Sympathieträger in DIRTY MARY CRAZY LARRY. Die Härte und Mitleidlosigkeit, mit der Larry und Deke zu Beginn ihren Coup durchziehen, wird auch durch den Verzicht auf körperliche Gewalt nicht wirklich abgemildert und Marys Motiv, sich den beiden anzuschließen, scheint einer unreflektierte Mischung aus Sturheit und Langeweile geschuldet. Peter Fonda spielt seinen Larry mit der von ihm gewohnten Distanziertheit, so als habe er sich nur deshalb dazu herabgelassen, diesen Film mit seiner Präsenz zu adeln, weil er gerade nichts Besseres zu tun hatte (und schon immer mal Susan George bumsen wollte). Man kann sich darüber streiten, ob er mehr als korperliche Anwesenheit in die Wagschale wirft. Seine aufreizende Arroganz war gestern für mich das größte Manko des Films: Vielleicht werde ich ihn beim nächsten Mal aber genau dafür lieben, wer weiß. Die sowieso immer etwas hilflos wirkende Susan George wirkt gleich doppelt allein gelassen und bei Roarke stellt sich die Frage, ob die Gereiztheit Dekes nicht auch die seine ist. Wie gesagt: Das ist alles ziemlich merkwürdig, gerade weil Houghs Film doch sonst so ungemein straight ist. Das Ende lässt immerhin darauf schließen, dass das nicht alles nur ein unglücklicher Zufall gewesen ist und versöhnte mich ein bisschen. Schlecht ist DIRTY MARY CRAZY LARRY auf gar keinen Fall, halt nur anders. Noch mehr als erwartet.