Mit ‘Adam Sandler’ getaggte Beiträge

Als ihr Mann sie verlässt, emigriert die Mexikanerin Flor (Paz Vega) mit ihrer Tochter Cristina (Shelbie Bruce) in die USA. In der hispanischen Gemeinde L.A.s ist sie fest integriert, muss weder die englische Sprache lernen noch irgendwie in Kontakt mit US-Amerikanern treten. Nach sechs Jahren bewirbt sie sich auf die Stelle als Haushälterin und Kindermädchen der Familie Clasky: Vater John (Adam Sandler) ist ein renommierter Spitzenkoch, seine Gattin Deborah (Téa Leoni) eine tief verunsicherte, neurotische Hausfrau, die vor allem mit der Tochter Bernice (Sarah Steele) ihre Probleme hat. Engagiert wirft sich Flor in ihre neue Aufgabe, die schon bald Probleme aufwirft: Deborah versucht Cristina mit ihrem Geld an sich zu binden und zwischen Flor und John entwickelt sich eine Romanze …

Vordergründig eine romantische Liebeskomödie, die ihre Protagonisten vor die Entscheidung zwischen Vernunft und Bauch bzw. Herz stellt, setzt sich SPANGLISH dahinter mit hispanischer und US-amerikanischer „Mentalität“, der Integration und schließlich der Frage nach nationaler Identität auseinander. Flors Abwehrhaltung, die sich zunächst in ihrem Unwillen äußert, die englische Sprache zu lernen, im weiteren Verlauf immer wieder auch in ihrer Ablehnung der gutgemeinten finanziellen Zuwendungen der Claskys und schließlich in ihrem Kampf gegen die in ihr aufkeimenden Gefühle für John, gründet letztlich auf dem Bedürfnis, ihre eigene Identität zu wahren, ihre Herkunft zu ehren und die Verbindung zu ihrer Tochter zu schützen. SPANGLISH ist eine Rückblende, die Bebilderung eines Aufsatzes Cristinas, mit dem sie sich um ein Stipendium bewirbt und in dem es um ihr größtes Vorbild geht. Die Antwort kann für sie nur „Meine Mutter“ lauten und warum, das soll eben der Film zeigen.

SPANGLISH zeigt auf liebenswerte und leichte, dann aber auch auf sehr nachdrückliche Art und Weise, wie das ist mit der „Integration“, die ja auch hierzulande immer wieder eingefordert, aber oft genug mit Assimilation oder gar Unterwerfung verwechselt wird. Die Entscheidung Flors, in die USA zu gehen, erfolgt aus ganz rationalen Erwägungen: Es ist der Ort, an dem auf ihre Tochter eine bessere Zukunft wartet. Alle ihre Handlungen zielen darauf ab, ihrer Tochter diese Zukunft zu ermöglichen, ohne jedoch die Verbindung zu ihr zu verlieren. Schon die Tatsache, dass ihre Tochter die englische Sprache beherrscht, ihr in der Kommunikation mit Amerikanern voraus ist, ist für Flor mit einer gewissen Angst besetzt; einer Angst, die sie jedoch aushalten muss, weil Cristina in diesem Land aufwachsen soll. In der vielleicht schönsten Szene des Films fungiert Cristina als Übersetzerin für Flor, muss John auf Geheiß der Mutter maßregeln, weil der ihr für einen Ferienjob einen großen Geldbetrag gegeben hatte. Und obwohl sie das Geld doch eigentlich behalten will, transportiert sie mit jedem übersetzten Wort auch den Zorn, die Angst ihrer Mutter, als lägen diese bereits in der Sprache.

Flor kämpft um das Recht, ihren eigenen Weg zu gehen, eigene Entschiedungen zu treffen und auch ihre eigenen Fehler zu machen. Deborah jedoch sieht sich mehr und mehr in der Rolle des Wohltäters, der den „armen“ Immigranten zu einem besseren Leben verhilft. Dieser Wunsch resultiert auch in einer nagenden Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Leben. Die eigene Tochter ist ihr zu dick, der Ehemann unterstützt sie nicht genug, mit beängstigender Strenge quält sie sich durch ihr Fitnessprogramm, als müsse sie sich für irgendetwas bestrafen. Sie wirkt immerzu getrieben, unentspannt, unzufrieden, unfähig den Moment zu genießen, vom Drang besessen, das, was sie hat, kaputtzumachen, weil es ihr nicht genug ist. John ist da ganz anders: Als sein Restaurant euphorische Kritiken bekommt, da freut er sich nicht etwa über den Ruhm, der damit verbunden ist, das Geld, das er verdienen wird, sondern bedauert, den Verlust von Freiheit, Ruhe und Gelassenheit, der damit einhergehen wird. Dass sich Flor und John zueinander hingezogen fühlen, ist keine Überraschung. Aus einer patriarchalischen Kultur kommend, ist sie beeindruckt von seiner Weichheit und Empfindsamkeit, während er ihre Kraft und ihre innere Ruhe bewundert, Eigenschaften, die seiner Frau völlig abgehen. Aber es ist auch klar, dass es für beide keine gemeinsame Zukunft geben kann: Flor muss und will ihren eigenen Weg gehen – und die Zerschlagung einer amerikanischen Familie ist auf diesem Weg nicht vorgesehen.

James L. Brooks Film beeindruckt mit kleinen Beobachtungen und der Leistung, die er aus Adam Sandler herauskitzelt. Was könnte der leisten, wenn nur mehr Regisseure sein Potenzial erkennen würden?

 

Henry Roth (Adam Sandler) ist Tierpfleger in einem Zoo auf Hawaii und nebenbei passionierter Schwerenöter. Unwillig, eine echte Liebesbeziehung einzugehen, angelt er sich mit Vorliebe Touristinnen für kurze Romanzen, die er dann unter fadenscheinigen Begründungen wieder beendet, sobald es ernst wird. Denn eines ist klar: Dieser Henry versteht sich auf Frauen und schafft es mühelos, jeder den Kopf zu verdrehen. Das geht so lange, bis er in einer kleinen Bar Lucy (Drew Barrymore) kennenlernt. Bei ihm funkt es sofort, er spricht sie an, kommt mit ihr ins Gespräch, der Funke springt über. Nach ihrem angeregten Gespräch gehen die beiden mit dem Versprechen auseinander, sich am nächsten Tag wiederzusehen. Wie verabredet wartet Henry am nächsten Tag auf Lucy, doch die erkennt ihn überhaupt nicht, reagiert auf seine Annäherung abweisend und aggressiv und behauptet, ihn noch nie gesehen zu haben. Wie sich herausstellt, hat Lucy nach einem Unfall ihr Kurzzeitgedächtnis verloren. Alles, was sie erlebt, hat sie am nächsten Tag wieder vergessen. Und ihr Vater Marlin (Blake Clark) und ihr Bruder Doug (Sean Astin) halten für sie die Illusion aufrecht, jeder Tag sei jener letzte Tag, an den sie sich noch erinnern kann, der Tag ihres Unfalls. Fest entschlossen, mit Lucy zusammenzusein, beschließt Henry sie jeden Tag aufs Neue zu erobern, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann an ihn erinnern werde …

Nach THE WEDDING SINGER wäre es geradezu fahrlässig gewesen, die unzweifelhaft vorhandene Chemie zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore nicht für einen weitere romantische Komödie zu nutzen. Und unter der Regie von Peter Segal gelingt das Kunststück, an die Leichtfüßigkeit und Herzlichkeit jenes Vorgängers anzuknüpfen. 50 FIRST DATES mutet zunächst wie ein kleiner Sidestep in Sandlers homogener Filmografie an: Sein sonst sehr breit angelegter Hauptcharakter tritt hier etwas zurück, um Raum für Drew Barrymores Lucy zu machen, die fast gleichberechtigt neben ihm steht. Sonst entscheidende Charaktereigenschaften der Sandler-Persona sind abwesend: Es fehlen seine cholerischen Anfälle, seine Unbedarftheit und Naivität weicht einer gewissen „Abgezocktheit“, die hier der einzige Ausdruck einer gewissen geistigen Unreife ist. Aber anders als andere Sandler-Charaktere leidet er unter dieser Unreife nicht, sie behindert ihn auch nicht. Eigentlich scheint er recht zufrieden mit seinem Leben. Bis ihm Lucy förmlich dazwischenkommt.

Normalerweise tangieren mich RomComs überhaupt nicht, Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich fühle mich von dieser Art Film immer benutzt und ihre Protagonisten gehen mir mit ihrem klinisch-sauberen Erfolgsleben mit dekorativ platzierten Minineurosen meist auf die Nerven. Ihr finales Liebesglück verschafft mir nur sehr selten Freude. Ich sehe die Welt einfach nicht so wie diese Filme: Ich habe durchaus einen Sinn für Romantik, aber ich bin kein Träumer. Langweilige Menschen werden wahrscheinlich eher nicht spannender dadurch, dass sie jemanden finden, der sie so nimmt, wie sie sind. Ihr Liebesglück ist kein Anlass zur Freude, sondern zur Trauer. Damit erfolgt eher die Lizenz zur gemeinsamen Stagnation. Wieder zwei „Angekommene“, wieder zwei Verlorene. Das ist bei 50 FIRST DATES anders. Die Verbindung Henrys mit der im Grunde genommen behinderten Lucy beruht ja auf einem echten Wagnis – und der Film schließt dann auch auf einem Segelschiff, mitten im arktischen Meer, wohin die beiden eine Expedition unternehmen – gemeinsam mit ihrem Kind! Segals Film entlässt einen durchaus mit einem guten Gefühl, aber da schwingt mehr als nur ein gewisses Unbehagen mit. Der Film ist so rührend, wie er gleichzeitig tieftraurig ist. Einerseits ist der Gedanke, nur erste gemeinsame Tage zu erleben, den Thrill der Eroberung, des ersten Kusses immer wieder zu erleben, sehr reizvoll. Und es ist natürlich unheimlich romantisch, dass Henry diese Mühe auf sich nimmt, wissend, dass alles was er für Lucy tut, am nächsten Tag vergessen ist, sofern er es nicht dokumentiert. Aber hier bekommt der Film deutliche Schlagseite. Es scheint schlechterdings nicht möglich, unter den gegebenen Voraussetzungen eine ernste Beziehung mit Lucy zu führen, geschweige denn eine Familie mit ihr zu gründen. Einige Szenen des Films spielen in einer Heilanstalt, in der mehrere Menschen mit Gedächtnisverlust behandelt werden. Sie sind dort dauerhaft stationiert und das zeigt, dass sie pflegebedürftig sind, und zwar mehr als jemand mit einer Erkältung. Wie kann Lucy eine Mutter sein, wenn sie sich an eine gemeinsame Vergangenheit mit ihren Kindern gar nicht erinnern kann? Wie kann sie Entscheidungen für die gemeinsame Zukunft treffen, wenn sie Konsequenzen nicht kennt? Und wie kann man ihr als Partner die Zukunft betreffende Entscheidungen überhaupt zumuten? Es geht nicht. Damit 50 FIRST DATES also nicht als tragisches Psychogramm einer zum Scheitern verurteilten Liebe wahrgenommen wird, muss Segal seine Geschichte in eine Sandler-typische Märchenwelt verlegen. Hawaii ist ziemlich nah dran am Paradies, unter strahlend blauem Himmel, zwischen immergrünen Palmen, an weißen Sandstränden und türkisfarbenem Meer, da wo jede Musik ein verführerisches, schmeichelndes Säuseln ist, scheint vieles möglich. Und so findet sich dann doch noch die Möglichkeit, den Film in das Werk des Komikers einzugliedern. Seine Beziehung zu Lucy ist eine ihm vom Schicksal oder von göttlicher Vorsehung aufgetragene Aufgabe. Sie jeden Tag aufs Neue davon überzeugen zu müssen, der Richtige für sie zu sein, jede Nacht aus ihrer Erinnerung getilgt zu werden, nur um am nächsten Morgen wieder bei null anfangen zu müssen, jeder Möglichkeit beraubt zu sein, „Kredit“ bei ihr anzusammeln, ist eine Art, Abbitte für seinen bisherigen verantwortungslosen Lebenswandel abzulegen. Während er in seinem Dasein als Hallodri jede Beziehung beendete, sobald sie ihm zu Ernst wurde, während er seine „Opfer“ danach aussuchte, wie leicht er sie würde loswerden können, geht er nun eine Partnerschaft ein, in der die Verhältnisse dauerhaft umgedreht sind. Es gibt keine Lorbeeren, auf denen er sich ausruhen könnte. Jeden Tag muss er ihr beweisen, dass er der Mann ist, mit dem sie zusammensein will. Man kann sich diese Prämisse leicht als Stoff einer schwarzhumorigen Gruselgeschichte im Rahmen einer Serie wie TALES FROM THE CRYPT etc. vorstellen.

Dass das Wohlgefühl überwiegt, ist wieder einmal den Figuren geschuldet. Sandler hat erneut seine Clique um sich geschart, die 50 FIRST DATES die entspannte Atmosphäre eines Treffens mit alten Freunden verleiht. Außerdem gibt es einige interessante Gedanken zum Erinnern und Vergessen: Als Lucy während der obligatorischen Krise (die hier ausnahmsweise einmal nicht durch Fehlverhalten des Mannes verschuldet wird) mit Henry Schluss machen will, kontert er das sehr nachvollziehbar damit, dass sie ihn am nächsten Tag ja eh vergessen habe, mithin auch nichts mehr von einer Trennung wisse. Doch sie ist darauf vorbereitet: Sie habe ein Buch geführt, in dem sie über jedes Treffen mit ihm geschrieben habe. Um ihn vergessen zu können, muss sie sich an ihn erinnern. Es sind auch diese kleinen Einfälle, die 50 FIRST DATES zu einem großen Film machen.

Große Film-Komiker zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Persona entwickelt haben, die mit jedem Film, den sie ihrem Werk zufügen, wächst, ohne dass sie sie dafür größeren Veränderungen unterziehen müssten. Sie haben sozusagen eine Nische besetzt, die mit jedem kleinen Detail, das sie ihr zufügen, größer wird. So konnte etwa Charlie Chaplin Hitler parodieren und trotzdem der Tramp bleiben. Adam Sandler etablierte schon sehr früh seinen liebenswerten Slacker, den die eigene Trägheit, die Zufriedenheit mit wenigen kleinen Annehmlichkeiten, in seiner Position gefangenhielt und ihn in Konflikt mit seiner Umwelt – meist den Frauen – brachte, die ein Erwachsenwerden einforderten. Eine wichtige Eigenschaft waren immer seine Tendenz zu cholerischen Anfällen und unkontrollierbaren Wutausbrüchen, die Sandler jedoch recht unterschiedlich einsetzte: Manchmal hinderte sie seine Figuren am Erfolg (HAPPY GILMORE), dann wieder war sie der Schlüssel zu eben jenem (THE WATERBOY). Mit ANGER MANAGEMENT rückt diese wichtige Eigenschaft nun ganz ins Zentrum eines Films. Unter der Regie von Peter Segal ist eine Art Sandler-Metafilm entstanden, der die Persona des Komikers ganz entscheidend erklärt. DIes gelingt ihm spannender- wie bezeichnenderweise jedoch nicht durch Wiederholung und Erklärung des Bekannten, sondern gerade durch eine Art Kontrastierung.

Dave Buznik (Adam Sandler) ist ein braver, zurückhaltender Mann. Seit er im jüngsten Teenageralter eine schlimme öffentliche Demütigung erfahren hat, fällt es ihm nicht nur schwer, seiner Freundin Linda (Marisa Tomei) einen Kuss zu geben, wenn andere Menschen anwesend sind, sondern auch, sich Gehör zu verschaffen oder sich zur Wehr zu setzen. Als er sich in einem Flugzeug einer wenig aufmerksamen Stewardess gegenüber sieht und verzweifelt und höflich versucht, von ihr beachtet zu werden, wird er zu seiner Überraschung mit dem Vorwurf konfrontiert, aggressiv zu sein. Die Situation eskaliert ohne sein bewusstes Zutun und so wird Dave wenig später vor Gericht zu einem Anger-Management-Kurs bei dem eigenwilligen Psychologen Dr. Buddy Rydell (Jack Nicholson) verurteilt. Dave hält das ganze für einen schlechten Scherz, einen großen Irrtum, und ist überzeugt, auch seinen Therapeuten ohne Probleme davon überzeugen zu können. Doch der denkt nicht daran, seinem Patienten diesen Gefallen zu tun, vielmehr treibt er ihn förmlich zur Weißglut. Nach einem weiteren Unfall sieht sich die Justiz zudem gezwungen die Strafe zu verschärfen: Nun hat der arme Dave den verrückten Buddy in einem Intensivkurs 24 Stunden lang am Hals …

Der Geniestreich dieses Films besteht darin, den bekannten Sandler-Charakter einer seiner sonst wichtigsten Eigenschaften zu berauben, den Film dann genau um diesen Mangel zu stricken und damit die Sandler-Persona zu kontextualisieren und zu charakterisieren. Genügte in seinen älteren Filmen oft der kleinste Anlass, um ihn förmlich explodieren zu lassen, ist Buznik noch nicht einmal dann in der Lage, auch nur seine Stimme zu heben, wenn ihm offensichtlich Unrecht geschieht. Mit einer Engelsgeduld steckte er alles ein, immer darauf bedacht, bloß keinen größeren Konflikt vom Zaun zu brechen. Der Witz von ANGER MANAGEMENT scheint zunächst in einer Art Verwechslung zu bestehen, nämlich jener, dass man den friedliebenden Buznik für einen Menschen mit Aggressionsproblemen hält: Die Therapie Buddys ist so seiner Meinung nach nicht nur unnötig und sinnlos, sie löst die Aggressionen, die sie ja eigentlich besänftigen soll, überhaupt erst aus. Dave fühlt sich grotesk missverstanden, doch jeder Versuch, die Menschen um ihn herum davon zu überzeugen, dass er mitnichten aggressiv ist, prallen wirkungslos an ihnen ab. Wie in einem Roman von Kafka bestätigt alles, was er tut, ihr sowieso schon bestehendes Urteil, festigt den Eindruck, den er zu korrigieren angetreten ist. Bald wird jedoch klar, dass Buddy einem präzisen Plan folgt: Das Problem Daves besteht nämlich nicht in einem einmaligen Gerichtsirrtum, sondern darin, dass er unfähig ist, Aggressionen überhaupt zu zeigen, sich zu erlauben, wütend zu sein. So befindet er sich in jedem Konflikt automatisch in der Opferrolle und sein Gemütszustand gerät immer mehr aus den Fugen. Und Buddy ist angetreten, das zu ändern. Sein ganzes Verhalten zielt nur darauf ab, Dave dazu zu bringen, endlich den befreienden Wutasubruch auszulösen, den dieser schon viel zu lange zurückhält. Für Dave heißt die Therapie nämlich, nicht nicht, sondern eben im richtigen Moment wütend zu sein. „Anger Management“ bedeutet nicht, den Zorn zu vermeiden, sondern ihn einzusetzen. So hilft ANGER MANAGEMENT auch, die Adam-Sandler-Persona zu verstehen: Ihre Ausbrüche sind Teil einer nötigen Selbsthygiene, die nicht schadet, sondern nützt, sofern sie kontrolliert erfolgt. Üblicherweise müssen Sandlers Helden es lernen, den Zorn zurückzuhalten, sich zu bändigen, um in der Gesellschaft weiterzukommen und nicht unangenehm aus dem Rahmen zu fallen. Segal kommt aus der anderen Richtung: Er muss Sandler lehren, wütend zu sein, damit er ein ganzer Sandler sein kann.

ANGER MANAGEMENT ist natürlich auch wegen Nicholsons Anwesenheit einer der stärksten Filme des Komikers. Gastauftritte von John Turturro als cholerischer Ex-Knacki und Luis Guzman als effiminiertem puerto-ricanischem Homosexuellen schaden ebenfalls nicht. Rundum toll!

Fünf Jahre ist es her, dass der Zoowärter Griffin (Kevin James) seiner Freundin Stephanie (Leslie Bibb) einen Heiratsantrag machte und abgewiesen wurde. Die Wunden sind seitdem immer noch nicht verheilt. Als er erfährt, dass sie vor der Ehe mit dem Proleten Gale (Joe Rogan) steht, sie ihm aber eine neue Chance geben würde, unter der Voraussetzung, dass er einen „vernünftigen“ Job ergreift, wird Griffin schwach. Die Tiere des Zoos, die ihren Pfleger sehr zu schätzen wissen, sehen seine Wechselgedanken mit Sorge und beschließen, zum Äußersten zu gehen, um ihn zu halten: Sie offenbaren ihm, dass sie sprechen können. Aber noch jemand möchte, dass Griffin bleibt: Seine Kollegin Kate (Rosario Dawson), die in ihn verliebt ist …

Jajaja, ich weiß. Ein Text zu ZOOKEEPER ist nicht dazu angetan, für die eigene Cinephilie und den erlesenen Geschmack zu werben. Ich hatte einfach Lust auf den Film, weil es für mich in einer bestimmten Gemütsverfssung nichts Lustigeres gibt, als dem „King of Queens“ Kevin James bei seinen shenanigans zuzusehen. Das simple Aufs-Maul-Fallen hat er zur Kunstform erhoben, er verleiht dem Durchschnittstypen, der einen wahren Rausch erlebt, wenn er dann mal über sich hinauswächst, ein Gesicht. ZOOKEEPER hat von den von mir erwarteten Slapstickeinlagen zugegeben weniger, als ich erhofft habe, macht diesen Mangel aber durch einige andere schöne Ideen wett. An vorderster Stelle ist hier natürlich die Synchronisation der Tiere mit einigen echten Superstars zu nennen: Sylvester Stallone spricht den Löwen, Cher seine Gattin, Adam Sandler gibt das freche Kapuzineräffchen und Nick Nolte den depressiven Gorilla. Das wertet diesen „Gebrauchsfilm“ deutlich auf, der mit Rosario Dawson zudem über ein Love Interest verfügt, dass ausnahmsweise einmal nicht in erster Linie brav und langweilig ist. Kevin James ist die Idealbesetzung für den gutmütigen Simpleton, der seinen eigenen Wert erkennt. Ein netter Film für zwischendruch. Und mir ein Rätsel, warum man Filme wie diesen so barsch verreißen muss, wie das wieder einmal passiert ist. Sprechende Gorillas mögen nicht der Gipfel der sophistication sein, aber man kann den feinen Herren ja auch mal zu Hause lassen, gell?

Dass sich Adam Sandler früher oder später an einem Film von Frank Capra versuchen würde, lag auf der Hand. Mit MR. DEEDS war es dann soweit. Sandler hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein ganz ähnliches Feld bestellt wie der große Humanist des klassischen Hollywood, sich dabei lediglich einiger „Errungenschaften“ der Gegenwart bedient. Während Capras Helden das Musterbild bürgerlicher Tugend verkörperten, lagen Sandlers Figuren  stets im Clinch mit ihren antisozialen Dämonen: Sie sträubten sich dagegen, der Kindheit vollständig zu entwachsen, Wutausbrüche und Aggressionen suchten sie immer wieder heim und stempelten den liebevollen Gemeinschaftsmenschen zum Außenseiter. Im Grunde ihres Herzens sind sie gute Menschen, sozial eingestellt, stets solidarisch mit den Schwächsten der Gesellschaft verbunden und immer darauf bedacht, sich positiv einzubringen. Die Welt, in der Sandlers Figuren sich bewegen, ist nur auf den ersten Blick identisch mit dem „realen“ Amerika. Vielmehr – und hier besteht eine weitere deutliche Verbindung zu Capra – handelt es sich bei ihr um einen idealisierten Ort, eine Parallelwelt, in der Sandler das, was in der Wirklichkeit im Argen liegt, mit seinem Humor und seinem Optimismus geraderücken kann. Ein utopischer Kern schlummert in seinen Filmen.

Als der Gründer und Besitzer eines Medienimperiums stirbt, machen sich seine beiden Vertreter Chuck Cedar (Peter Gallagher) und Cecil Anderson (Erick Avari) auf die Suche nach dem rechtmäßigen Erben. Sie finden ihn in einem kleinen Städtchen in New Hampshire: Dort führt Longfellow Deeds (Adam Sandler) eine Pizzeria, träumt davon eines seiner Gedichte an eine Grußkartenfirma zu verkaufen und ist bei jung und alt für seine Hilfsbereitschaft und seinen Humor beliebt. In New York konfrontieren sie ihn mit seinem neuen Reichtum seinem Unternehmen, das sie ihm zum „Schnäppchenpreis abluchsen wollen, weil sie eigene böse Pläne verfolgen. Das arglose Landei gerät natürlich sofort in den Fokus der Medien: Die Journalistin Babe Bennett (Winona Ryder) wird auf ihn angesetzt, um heimlich eine Exklusivstory aus ihm herauszupressen. Natürlich kommt die Liebe dazwischen …

Ich kenne Capras Original MR. DEEDS GOES TO TOWN nicht, aber das Studium der Wikipedia-Inhaltsangabe zeigt, dass Sandlers Film dem Vorbild bis hin zu den Namen der einzelnen Figuren treu bleibt. Zwar dürfen Sandlerismen wie sein etwas ruppiger Humor oder seine aggressiven Ausbrüche nicht fehlen, doch das ändert nichts daran, dass es in MR. DEEDS vor allem um den Kontrast zwischen „ländlicher“, Einfachheit, Reinheit des Herzens und Ehrlichkeit auf der einen und „städtischer“ Geldgier, Korruption, Egoismus und Dekadenz auf der anderen geht. Chuck Cedar will das Unternehmen, das Tausenden von Menschen Arbeit gibt, auflösen, um sich und den Aktionären einen riesigen Gewinn zu bescheren. Gleichzeitig muss die abgezocke Journalistin lernen, dass es falsch ist, Menschen für die eigene Sachen zu benutzen und zu betrügen. Es sind die erwähnten, von Longfellow Deeds verkörperten Werte, die die vom rechten Weg abgekommenen von der Falschheit ihres Handelns überzeugt.

So gut diese Geschichte zu Sandler auch passt: MR. DEEDS findet nicht ganz zu seiner Linie. Der oben genannte Kontrast wirkt dahingestellt, wird nicht wirklich herausgearbeitet, weder der Strang um das Wirtschaftsunternehmen noch die Liebesgeschichte kommen über sattsam bekannte Klischees hinaus. So bietet der Film zwar für 90 Minuten herzliche Unterhaltung – zudem mit einem famos aufgelegten John Turturro in der Rolle von Deeds‘ spanischem Butler, dessen „sneakiness“ zum gelungenen running gag avanciert (und wieder einmal mit Steve Buscemi) –, bleibt aber trotzdem weit hinter den Möglichkeiten, die die Verbindung von Sandler und Capra verspricht, zurück.

PUNCH-DRUNK LOVE ist der Film in Sandlers Werk, den sonst vehemente Sandler-Verächter als die eine ruhmreiche Ausnahme von der Regel ins Feld führen. Da spielt also Sandler, jenen Verächtern Inbegriff des glattgebügelten, zynischen Mainstreamkinos, in einem Film mit, den alle signifier als „Kunst“ und somit als das krasse Gegenteil seiner eigenen Erzeugnisse ausweisen. Inszeniert wurde er (nach eigenem Drehbuch) von Paul Thomas Anderson, einem Filmemacher, der sich mit seinen Filmen den Ruf eines mavericks alter Prägung, eines Außenseiters und Querdenkers, sprich: eines Künstlers with a capital k, erarbeitet hat, der in einem System geprägt von Mitläufern und fantasielosen Geschäftsleuten – da schließt sich der Kreis – ebenfalls die ruhmreiche Ausnahme von der Regel ist. PUNCH-DRUNK LOVE ist ein schöner Film, das muss ich als jemand, der P. T. Anderson für einen aufgeblasenen Popanz hält, zugeben. In seinem programmatischen Besetzungscoup zeigt sich zwar, was ich an Andersons Kino so ätzend finde, und dass nicht einmal diese zarte Liebesgeschichte ohne den in seinem Werk allgegenwärtigen, niederdrückenden sense of dread auskommt, finde ich auch sehr symptomatisch, aber ich versuche mal nicht zu viel zu meckern, denn wie gesagt: Das ist mit Abstand Andersons bester Film.

Barry Egan (Adam Sandler) ist Single und angehender Geschäftsmann. Er leidet still an seiner Einsamkeit, die durch seine Rolle als einziger Mann unter acht Geschwistern noch verstärkt wird. Seine herrischen Schwestern haben mit der Gängelei des Bruders nie aufgehört, mischen sich bei jeder Gelegenheit in sein Privatleben ein und demütigen ihn vor Fremden, ohne zu bemerken, welchen Schaden sie damit verursachen. Seine Frustration entlädt sich in ungerichteten Wutausbrüchen (womit die direkte Verbindung zu Sandlers Persona geknüpft ist), die direkte Konfrontation vermeidet Barry aus Angst. Das ändert sich, als er Lena (Emily Watson) kennenlernt, die Arbeitskollegin einer seiner Schwestern. Zwischen den beiden fragilen Geschöpfen entspinnt sich eine zarte Romanze, die jedoch in Gefahr gerät. Eine Bande von aggressiven Betrügern hat es nämlich auf Barry abgesehen und macht auch vor tätlichen Angriffen nicht halt …

Anderson entwirft zunächst das Bild eines Entfremdeten: Barry hockt in den frühen Morgenstunden an seinem Schreibtisch, mitten in einer kargen, nackten Halle, und schlürft aus seinem übergroßen Kaffeebecher. Die drückende Stille wird von dem aus der Ferne herüberdröhnenden monotonen Rauschen des Berufsverkehrs unterstrichen. Barry telefoniert, und wie wir seinen Worten entnehmen können, geht es dabei um irgendeine Coupon-Aktion irgendeines Lebensmittelherstellers. Barry bricht das Telefonat abrupt ab, als folgte er einer inneren Eingebung, und tritt aus dem Gebäude. Draußen graut der Morgen, kein Mensch ist auf der Straße, Barry ist allein. Die Ruhe wird nach einem Schnitt jäh durchbbrochen. Ein heranrasendes Auto überschlägt sich mehrfach, kommt genau vor Barry zum Stehen. Ein Mann – sein Gesicht bleibt unsichtbar – steigt aus, stellt ein kleines Piano ab, steigt aus und fährt wieder. Barry dreht sich um und geht.     Wenig später begegnet ihm Lena (Emily Watson). Sie überlässt ihm ihre Autoschlüssel, damit er ihren Wagen für sie in der noch geschlossenen Werkstatt nebenan abgibt.  Wenig später wird Barry eine weitere Eingebung packen. Er wird zur Straße rennen, sich umsehen, das noch immer dort herumstehende Piano packen und mit ihm zurück in seine Firma rennen. Es ist der Anfang einer wundersamen Verwandlung eines Lebens, das bis hierhin jedes Wunder vermissen ließ. In ihrer Kollision von Magie bzw. Horror und Alltagstristesse erinnert die ganze Anfangssequenz etwas an David Lynch. Das karge Gewerbegebietssetting, in dem es ständig dröhnt und wummert, wirkt wie eine geschönte, in die Realität hinübergerettete Version der Industriebrachen aus ERASERHEAD. Wie dessen Protagonist Henry Spencer läuft auch Barry wie auf Eiern und steht sich selbst wie einem Rätsel gegenüber. Warum er einen royalblauen Anzug trägt, weiß er nicht, die Ursache seiner Heulanfälle bleibt ihm verschlossen, den Demütigungen seiner Schwestern begegnet er mit masochistischer Duldsamkeit. Er ist so sehr Opfer seiner Ängste und Zwänge, dass er unfähig ist, diese zu erkennen, geschweige denn aus ihnen auszubrechen. (Später zitiert Anderson dann sein anderes großes Vorbild Robert Altman und benutzt einen Shelley-Duvall-Song aus dessen POPEYE sehr prominent.) Erst durch die Bekanntschaft mit Lena wird er befähigt, sich zu ändern. Und das bekommen vor allem die Gauner zu spüren, die eine einmalige Unachtsamkeit gnadenlos ausnutzen und an sein Geld wollen.

Dieser Subplot bringt dann zwar die dramatische Zuspitzung, die der Film wahrscheinlich braucht, aber sie wirkt dennoch forciert und ist ein Beispiel für das Menschenbild Andersons, dass mich vor allem in THERE WILL BE BLOOD so wahnsinnig angekotzt hat. Sein Lieblingsschauspieler Philip Seymour Hoffman gibt einen seiner typischen Schmierlappen, muss die märchenhafte Stimmung, die PUNCH-DRUNK LOVE in der zweiten Hälfte aufbaut, mit der Erinnerung stören, dass es ja auch echte Arschgeigen auf der Welt gibt. Überhaupt ist sie ihren beiden Protagonisten überaus feindlich gesinnt und ich frage mich schon, ob Anderson die Welt tatsächlich so sieht, oder ob seine ätzende Misanthropie nur gespielt ist, weil sie Zuschauer anzieht. Außerhalb des Zweierpärchens aus Barry und Lena gibt es keinerlei Verbündete, niemand, der sich für sie interessieren oder ihnen auch nur zuhören würde. Wo man hinsieht, regieren Oberflächlichkeit, Täuschung, Betrug, Niedertracht, Egoismus. Alles ist karg, hässlich und leer. Das heißt, nicht alles: Die Ahnung von Schönheit und Glück legt sich kaum merklich und sanft über die Bilder, wie das rosafarbene Leuchten am Morgenhimmel, aber sie werden von niemandem bemerkt (so wie der Marketingfehler der Lebensmittelfirma, der Barry zu Flugmeilen-Reichtum verhilft), weil alle mit irgendeinem Mist beschäftigt sind. Die Liebe hat es durchaus so an sich, dass ihre „Opfer“ gerade zu Beginn zu einem gewissen dualen Solipsismus neigen, und Anderson fängt das Gefühl, dass es außerhalb des Anderen nichts mehr gibt, sehr schön ein. Man glaubt PUNCH-DRUNK LOVE mehr als anderen Romanzen, dass diese beiden Menschen qua Bestimmung zusammengehören. Der Wandel, der sich mit Barry vollzieht, wird nicht vom Drehbuch telegrafiert, er ist sichtbar und fühlbar. Die Liebe Lenas hat etwas mit ihm angestellt, er ist nicht mehr derselbe. Aber echte, unbedingte Wärme kann Anderson einfach nicht aufbringen. Gegen diesen Mangel spielen Sandler und Watson zwar aufopferungsvoll, aber auch etwas vergeblich an. Am Ende sind Barry und Lena zwar glücklich, aber irgendwie auch Gefangene ihrer kleinen Seifenblase. Das ist eine legitime Sicht der Dinge, vielleicht auch eine wahre, aber für mich ist das nicht lebbar. Vielleicht muss das aber auch gar nicht so sein. Vielleicht ist es eine Sicht der Dinge, wie sie Barry und Lena einnehmen müssen, weil sie als „Sonderlinge“ abgestempelt sind. Jedem das seine. Aber ich kann mir einfach nicht helfen: Ich habe bei Anderson einfach immer das Gefühl, dass er seine Protagonisten vorführt und ein Spiel mit dem Zuschauer treibt.

 

In der Hölle nähert sich der Tag, an dem der Papa (Harvey Keitel) abtritt und das Amt, Herrscher des Bösen zu sein, an einen seiner Söhne abgibt. Adrian (Rhys Ifans) und Cassius (Tiny Lister) machen sich einige Hoffnungen, habe sie doch den ganzen Tag nichts anderes im Sinn, als niederträchtige Pläne zu schmieden. Nicky (Adam Sandler) hingegen scheint völlig aus der Art und geschlagen und ist viel zu lieb, um ernsthaft in Frage zu kommen. Weil Dad aber nicht zu Unrecht befürchtet, dass das fragile Gleichgewicht von Gut und Böse zerstört werden könnte, wenn er Adrian oder Cassius als seinen Nachfolger benennt, beschließt er kurzerhand noch ein wenig länger als oberster Befehlshaber im Amt zu bleiben. Das wollen sich die beiden Geprellten natürlich nicht gefallen lassen: Sie reisen auf die Erde, um dort auf eigene Faust ein Reich des Bösen zu errichten – und kappen gleichzeitig die Versorgung der Hölle mit neuen Seelen. Weil Dad diese aber zum Leben dringend braucht, ist es an Nicky, Adrian und Cassius hinterherzureisen und sie zurückzuholen, bevor der Papa sein teuflisches Leben aushaucht. Oben muss sich Nicky nicht nur an die kälteren Temperaturen gewöhnen, er lernt auch die Künstlerin Valerie (Patricia Arquette) kennen und lieben …

Nach dem etwas ernsteren BIG DADDY ist LITTLE NICKY ein reiner Quatschfilm, ohne dabei jedoch einen Fremdkörper in Sandlers homogenem Werk zu bilden. Kenner werden sich schnell heimisch fühlen: Wieder gibt Sandler den sympathischen Außenseiter, der sich in einer fremden Welt zurechtfinden muss und dabei auf die Unterstützung einiger toleranter, vorurteilsfreier Menschen bauen kann, die genauso neben der Spur liegen wie er. Wieder stößt sein Abenteuer einen Reifeprozess an, an dessen Ende er selbstständig und neuen Aufgaben gewachsen ist. Wieder spielt dabei eine Frau eine nicht ganz unwichtige Rolle, wieder muss aus dem sorglosen Kind ein Mann werden, dass fähig ist, selbst eine Familie zu gründen. Wieder gilt es bei diesem Reifeprozess aber auch, die eigene Identität nicht gänzlich aufzugeben, sondern sich – in angemessenem Rahmen – treu zu bleiben. Wieder lernen wir am Ende, dass die Freaks keine Menschen zweiter Klasse, sondern oft mit besonderen Gaben versehen sind. Dass LITTLE NICKY wahrscheinlich von allen Beteiligten als kurzweiliges Spaßprojekt angesehen wurde, zeigt sich schon an seiner Kürze von knapp 80 Minuten, der albernen, comichaften Prämisse und farbenfrohen Gestaltung des Films sowie an der Vielzahl kleiner Gimmicks und Injokes. Nicht nur sind wieder einmal nahezu alle Sandler-Regulars vertreten (Allen Covert, Peter Dante, Jonathan Loughran, Kevin Nealon, Robert Smigel oder Rob Schneider – nur Steve Buscemi fehlt diesmal), es gibt auch ein Wiedersehen mit einigen „Ehemaligen“ (Blake Clark, Michael McKean, Clint Howard oder Henry Winkler) und sogar mit Chubbs Peterson (Carl Weathers) aus HAPPY GILMORE. Jon Lovitz spielt einen Spanner, der „Ladies‘ Night“ hört, jenen Song, zu dem sein Hochzeitssänger in THE WEDDING SINGER auftrat, weitere Cameos absolvieren Quentin Tarantino als verrückter Straßenprediger, Dana Carvey als Basketballschiedsrichter, Reese Witherspoon als Nickys engelsgleiche Mutter und Ozzy Osbourne (und einige weitere Fernsehprominenz) als er (bzw. sie) selbst. So knüpft LITTLE NICKY in seiner chaotischen Episodenhaftigkeit noch einmal an Sandlers Frühwerk BILLY MADISON an, die Freiheiten, die der Erfolg seinem Hauptdarsteller mittlerweile eingebracht hatte, sichtlich genießend und ausschöpfend. Wahrscheinlich ist LITTLE NICKY der erste und einzige Film, in dem Adolf Hitler im Zimmermädchenkostüm durch die Hölle geführt wird und eine Ananas in den Hintern gerammt bekommt. Oder ein feixender Rodney Dangerfield als Satan himself einem untergebenen Dämon ein paar weiblicher Brüste auf den Kopf zaubert. Nicht alle Gags und Einfälle sitzen, und dass Steven Brill nicht so sehr nach Plan, sondern eher nach Trial&Error-Verfahren vorging, zeigt sich schon an der Vielzahl von Deleted Scenes. Es ist Sandler, der das totale Chaos mit seiner Persona verhindert, die lose herumfliegenden Bestandteile zusammenhält. Schon optisch bildet er immer in knallbunte Farben gekleidet das Zentrum der konfusen Gagparade und verhindert, dass das Herz vor aluter Tohuwabohu abhanden kommt. So ist auch LITTLE NICKY ein schöner, irgendwie rührender Film, dem ich seine eklatanten Schwächen gern verzeihe. Hier komme ich dann zum Knackpunkt, an dem sich die Geschmäcker wohl ewig scheiden werden: die CGI-Effekte. Die sehen zum Teil so abgrundtief billig und hässlich aus, das man glaubt, eine noch nicht fertiggestellte Rohfassung vor sich zu haben. Gerade bei diesem Film, der sehr viel mehr als seine Vorgänger von seiner optischen Gestaltung lebt, wäre etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen. LITTLE NICKY wirkt manchmal wie ein Schnellschuss, der sein volles Potenzial vor lauter selbstvergessenem Amüsement auszuschöpfen versäumt. Das ist schade, weil Nicky mit etwas mehr Sorgfalt zu einer von Sandlers schönsten Figuren hätte avancieren können.

Ich hatte anlässlich von Sandlers Quasi-Debüt als Hauptdarsteller BILLY MADISON schon einmal angedeutet, dass der Reiz seines Werkes nicht zuletzt darin besteht, die Entwicklung und „Reifung“ seiner Persona über bislang rund zwei Jahrzehnte zu verfolgen. Der in der arrested development gefangene, sich dem Erwachsenwerden vehement widersetzende Spätzwanziger des Frühwerks geht heute stramm auf die 50 zu (Sandler ist Jahrgang ’67) und hat das Leben als orientierungsloser Chaot längst gegen eines als fürsorglicher, finanziell gut dastehender Familienvater eingetauscht. BIG DADDY ist eine bedeutende Etappe auf dem Weg dorthin. Nachdem Sandler in den Filmen zuvor gelernt hatte, wie man sein eigenes Leben in den Griff bekommt und sich einer ernsthaften Liebesbeziehung öffnet, muss er hier nun in die ungleich verantwortungsvollere Vaterrolle hineinwachsen.

Sonny Koufax (Adam Sandler) hat zwar einen Juraabschluss, aber Arbeiten ist ihm eindeutig viel zu anstrengend. Lieber gammelt er den lieben langen Tag auf der Couch herum und verprasst das Geld, das ihm nach einem Unfall von der Versicherung ausgezahlt worden war. Nicht alle sind mit seinem Lebenswandel einverstanden: Für seinen Vater (Joseph Bologna) ist Sonny ein Gammler, eine einzige Enttäuschung, und seine langjährige Freundin Vanessa (Kristy Swanson) hat auch die Nase voll von seine mangelnden Bereitschaft, erwachsen zu werden. Als sie ihn verlässt, zählt für Sonny nur, sie zurückzugewinnen. Aber wie beweist er ihr, dass er bereit ist, sich zu ändern? Die Lösung steht eines Tages in Form des fünfjährigen Julian von der Tür. Er ist der Sohn von Sonnys Freund Kevin (Jon Stewart), das Ergebnis eines One Night Stands, an den der sich schon nicht mehr erinnern kann. Und weil Kevin gerade außer Landes ist, nimmt sich Sonny unter falschem Namen des Jungen an. Was für ihn zunächst nur willkommenes Mittel zum Zweck ist, wird ihm bald schon lieb und teuer. Aber daraus erwachsen neue Probleme. Nicht nur ist es mit Liebe allein nicht getan in der Kindeserziehung, auch stellt sich bald die Frage: WOhin mit dem Jungen?

Zusammen mit Stammautor Tim Herlihy und Regisseur Dennis Dugan widmet sich Sandler einem weiteren Komödienstandard: dem Single, der die zweifelhaften Vaterfreuden entdeckt. Julian ist für Sonny erst einmal eine nette Abwechslung und irgendwie ganz niedlich, solange er keine Arbeit macht. Da wird der Pissfleck im Bett einfach mit Zeitungen zugedeckt und bis 3 Uhr durchgemacht, wenn das Kind nicht schlafen will. Schnell lernt Sonny aber, dass die Kindererziehung ein Vollzeitjob ist, dem eigene Interessen hinten angestellt werden müssen. Doch auch als Sonny das begriffen hat, ist er noch kein vollwertiger Vater. Vater zu sein bedeutet nämlich nicht nur, den Alltag zu meistern und das Kind gewissermaßen bei Laune zu halten, sondern auch unangenehme Entscheidungen zu treffen, Werte zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass der kleine Mensch im positiven Sinne ein Mitglied der Gesellschaft werden kann. In der Erziehung des kleinen Julian lernt Sonny so auch sich von eigenen schlechten Angewohnheiten zu trennen, seinem Leben eine Richtung zu geben, Strukturen zu schaffen und so ein Vorbild für den Jungen zu werden, anstatt ihn zu einem Abbild des eigenen Versagens zu machen. Und er widmet sich dieser Aufgabe mit wachsendem Enthusiasmus. Findet er erst einen Draht zu dem Jungen, indem er ihm jeden Wunsch erfüllt – und ihn in der Folge zwar zu einem glücklichen, aber auch sehr sonderlichen Kind verzieht –, erkennt er bald die Bedeutung von Regeln und einem moralischen Kompass. BIG DADDY ist dabei ebenso witzig (Rob Schneider und Steve Buscemi haben köstliche Nebenrollen abbekommen) wie anrührend, ohne jemals in die Niederungen des affirmativen Gesinnungskinos abzugleiten. Das ist vor allem Sandlers angeborener, auch hier intakter Respektlosigkeit und seinem kritischen Bewusstsein geschuldet: Gesellschaftliche Normen werden nie blind übernommen, sondern vorher auf Herz und Nieren geprüft. So bewegt er sich nicht als braver, angepasster Duckmäuser, um reibungslose Integration bemüht, durch die Welt, vielmehr in ständiger Konfliktbereitschaft. Konfliktbereitschaft heißt in dem Fall nicht störrische Misanthropie: Das wird in seiner Beziehung zu Kevins Gattin (Leslie Mann) deutlich, mit der ihn eine heißblütige Hassliebe verbindet. Am Ende jedoch sind beide bereit, ihre Differenzen zu vergessen und den anderen für die Unbeugsamkeit der Meinung zu respektieren.

Das Finale von BIG DADDY verdient gesonderte Betrachtung. Wie oft in Filmen dieser Art finden sich die Protagonisten vor Gericht wieder. Sonny will das Sorgerecht für Julian erstreiten, die Behörden sehen in ihm indes einen Kidnapper, der sich des Kindes unter Vorspielung falscher Tatsachen bemächtigt hat. Zwar überzeugt Sonny die Anwesenden von seinen auschließlich guten Absichten und seiner Befähigung, für Julian zu sorgen – sogar seinen Vater –, doch natürlich kann das Gesetz seinem Wunsch nicht entsprechen. Aber das ist dann auch nicht weiter schlimm: Julian kommt bei Kevin unter, Sonny wird ihm freundschaftlich verbunden bleiben und seine Lektion fürs Leben hat der einstige Hallodri auch gelernt. Mit seiner neuen Flamme Layla (Joey Lauren Adams) steht er vor einer neuen Beziehung und dem Abenteuer, sein eigenes Kind großzuziehen. Das ist deshalb bemerkenswert, weil genügend Filme dem Zwang der Affektbefriedigung erlegen wären und Sonny und Julian gegen jede Realität zu Vater und Sohn gemacht hätten. Sandler hat das nicht nötig.

Bobby Bouchet (Adam Sandler) ist ein sympathischer Einfaltspinsel. 31 Jahre alt, lebt er immer noch mitten in den Bayous bei seiner überfürsorglichen Mama (Kathy Bates), die alle ihrer Meinung nach schädlichen Einflüsse von ihm fernhält und so sein Erwachsenwerden verhindert. Mit großer Akribie und Zufriedenheit widmet sich Bobby seinem „Beruf“ als Wasserträger beim örtlichen Footballteam, wo er geduldig die Schmähungen der Sportler erträgt, für die er nur ein Dummkopf ist. Als er bei den seit Jahren sieglosen „Mud Dogs“ landet, wendet sich das Blatt für Bobby jedoch unerwartet. Der verzweifelte Trainer (Henry Winkler) entdeckt nämlich ein bislang verborgen gebliebenes Talent Bobbys: Wenn er provoziert wird, legt er die Zielstrebigkeit und Durschlagskraft einer Zielsuchrakete an den Tag. So wird er vom Wasserträger zur unersetzlichen Waffe der Mud Dogs, die mit ihm von Sieg zu Sieg eilen. Seine neue Popularität ist jedoch nicht nur Bobbys Mama, sondern auch den Gegnern ein Dorn im Auge …

THE WATERBOY war in den USA ein veritabler Hit und wurde von mir und meinem guten Freund Rolf damals überaus neugierig in den Videorekorder geworfen, als er in einer örtlichen Videothek frühzeitig als NTSC-Tape zur Verfügung stand. So hatten wir das damals in Ermangelung an O-Ton-Spuren noch nicht ganz so selbstverständliche Glück, den Film nicht in der grausamen deutschen Synchro ertragen zu müssen. Diese quälte Zuschauer des Filmes nämlich mit der Geschmacklosigkeit, „Richie“, den damals populären Prolotürken-Charakter des heute mit zahlreichen Fußballprominenz-Imitationen nervenden „Komikers“ Matze Knop, als Sprecher für Adam Sandlers idiot savant aufzubieten. (Ein absolut verachtenswerter Brauch übrigens, dessen wahrscheinlich hinrverbranntester Auswuchs die Erkan&Stefan-Synchro der spanischen CLEVER & SMART-Verfilmung ist: Der deutsche Zuschauer darf sich nun darüber wundern, warum zwei spanische Geheimagenten die ganze Zeit irgendwelche idiotischen Dönersprüche reißen. So kann man einen Film auch kaputtbearbeiten.) Gefallen hat mir THE WATERBOY damals trotzdem nicht: Zu albern und infantil erschien mir sein Humor damals, Sandlers Spiel als zu ausgestellt, zu wenig „naturalistisch“, zu grimassierend und clownesk. Die erneute Sichtung gut 15 Jahre später zeigt, dass das keineswegs ein Unfall war, sondern vielmehr Programm ist. THE WATERBOY ist ein modernes Märchen, in dem alles etwas größer und bunter ist, aber die im Märchen greifenden Mechanismen in das moderne Alltagsamerika überführt werden. Bobby lebt wie in einer kleinen Privatseifenblase, es ist, als schritte er durch den Spiegel, wenn er das anachronistische Holzhäuschen seiner Mama verlässt, um seinen Arbeitstag anzutreten.  Zuhause ist alles gut: Der Esel steht friedlich im Wohnzimmer, Mama tischt leckere hausgemachte Sumpfdelikatessen wie Schlange oder Baby-Alligator auf und bürstet ihrem Sohnemann die Haare, bevor der im Kinderpyjama zu Wrestlingübertragungen mit seinem Held „Captain Insano“ einschläft. Draußen fängt dann der Spießrutenlauf an: Schon während der Fahrt auf seinem kleinen Traktor muss sich Bobby anpöbeln lassen und diese Beleidigungsarie zieht sich durch seinen ganzen Alltag. Sandlers Amerika ist hier eher unfreundlich: Seine Bewohner sind schnell bereit, ihren niedersten Instinkten zu gehorchen, es regiert das Gesetz des Stärkeren und es nimmt nur wenig Rücksicht auf jene, die nicht zu den Schönen und Erfolgreichen gehören. THE WATERBOY erzählt zwar die eigentlich altbekannte uramerikanische Erfolgsgeschichte, gibt sich dabei jedoch keinen großen Illusionen hin. Pathos sucht man vergebens: Dass der tumbe Bobby zum Star wird, ist im System nicht vorgesehen, und was ihn letztlich dazu befähigt, sind Jahrzehnte der Demütigung und des aufgestauten Zorns.

Wie die meisten Filme Sandlers ist auch THE WATERBOY kein Gag-Dauerfeuerwerk, sondern vor allem etwa fürs Herz. Der Zuschauer wird nicht dazu eingeladen, sich über den Dummkopf kaputtzulachen, sondern mit ihm zu fühlen. Seine vermeintliche Dummheit ist nämlich gar kein Makel, sie ist letztlich Zeichen seiner Offenheit und Verwundbarkeit, die ihn in seiner gleichgeschalteten Welt zu etwas Besonderem macht. Es überspannt den Bogen tatsächlich nur unwesentlich, zu behaupten, THE WATERBOY sei ein Film gegen den Ökonomiewahn der sogenannten Leistungsgesellschaft. Talent, Engagement, Einsatzwille und Durchsetzungsvermögen sind nicht immer da zu finden, wo man sie am ehesten vermutet.

1985: Robbie Hart (Adam Sandler) verdient sein Geld als Sänger auf Hochzeitsfeiern. Mit seiner Band covert er die größten Hits und wenn ein besoffener Gast sich auf der Bühne zu blamieren droht, rettet er gekonnt die Situation. Nur mit der eigenen Hochzeit klappt es nicht: Seine langjährige Freundin lässt ihn allein am Traualtar stehen und stürzt den armen Robbie in eine tiefe Krise. Linderung verspricht Julia (Drew Barrymore), die er vor kurzem kennen gelernt hat und die selbst in den Vorbereitungen für ihre Hochzeit mit dem unsympathischen Glenn (Matthew Glave) steckt. Eigentlich soll Robbie ihr nur ein bisschen helfen, doch dann funkt es zwischen den beiden …

Ich hatte THE WEDDING SINGER etwas später in Sandlers Filmografie verortet: Coracis Film bedeutet nach HAPPY GILMORE sowohl tonal wie auch stimmungsmäßig einen ziemlichen Sprung (der Buddy-Film BULLETPROOF liegt noch zwischen den beiden) und bescherte Sandler dann auch in Deutschland die ersten durchweg wohlwollenden Besprechungen. Es ist ein Film zu dem ich wahnsinnig gern zurückkehre und der auch nach Jahren und mehreren Sichtungen zu meinem Erstaunen nichts von seinem Charme verloren hat. Natürlich ist THE WEDDING SINGER auch „nur“ eine RomCom: Seine Geschichte hält keine bahnbrechenden Überraschungen bereit und Kritikern, die behaupteten Robbie sei ein bisschen zu nett, Julia ein bisschen zu süß, kann ich eigentlich kaum widersprechen. Es ist die Frage, inwieweit man bereit ist sich auf dieses Liebesmärchen einzulassen. Ich liebe ihn für seine Charaktere, die sich bei aller Formelhaftigkeit echt anfühlen und mit denen ich gern meine Zeit verbringe. Ich habe für dieses Genre eigentlich nicht viel übrig, aber hier ertappe ich mich dann doch immer wieder dabei, wie ich mir wünsche, dass Robbie und Julia gegen alle Hindernisse zusammenfinden. Aber es sind ja nicht nur Robbie und Julia – von Sandler und Barrymore mit viel Herzblut gespielt –, die den Film ausmachen, sondern auch seine Nebenfiguren, die auch, wenn sie eigentlich nur ein Running Gag sind, Tiefe andeuten, die über das Gezeigte hinausgeht: Da ist etwa Robbies Bandkollege George (Alexis Arquette), eine Boy George nacheifernde Transe, die leider nur „Do you really want to hurt me?“ im Repertoire hat und mit ihrer Performance regelmäßig die Hochzeitsgäste verstört; oder Sammy (Sandler-Regular Allen Covert), Robbies bester Freund, der mit seinen Weibergeschichten prahlt, eigentlich aber ein vereinsamter Single ist; die alte Dame Rosie (Ellen Albertini Dow), die ihrem Ehemann zur Goldenen Hochzeit ein Ständchen singen möchte und dafür Gesangsstunden bei Robbie nimmt;  Alle diese Figuren hauchen der Formel Leben ein, sorgen dafür, dass sich das Richmond des Films belebt anfühlt. Es ist ein Ort voller kleiner Geschichten und die von Robbie und Julia ist nur eine davon. Andere erzählen vielleicht vom verbitterten Dave Veltri (Steve Buscemi), der sich vom Vater immer vernachlässigt fühlte und nicht das Glück hatte, eine tolle Frau kennenzulernen, oder auch vom peinlichen Hochzeitssänger Jimmy Moore, der sich für unwiderstehlich hält, wenn er Kool & The Gangs „Ladies Night“ anstimmt. Der tolle Score mit einigen wunderbaren Eighties-Evergreens – teilweise von Sandler überaus kompetent interpretiert – und genuinen Sandler-Stücken tut sein Übriges. THE WEDDING SINGER bietet 90 Minuten lang perfekten, herzerwärmenden Eskapismus. Ich liebe den Film, das habe ich bei dieser Sichtung wieder gemerkt, und halte ihn für einen von Sandlers besten. Danach kehrte er mit seinem Superhit THE WATERBOY erst einmal wieder wieder zum Erfolgsrezept seines Frühwerks zurück. Vielleicht wäre es an der Zeit, Robbie und Julia wiederauferstehen zu lassen. Ich würde ganz gern wissen, was in der Zwischenzeit aus ihnen geworden ist …