Mit ‘Agtenfilm’ getaggte Beiträge

Mit CARTES SUR TABLE (im englischsprachigen Raum vollmundig als ATTACK OF THE ROBOTS veröffentlicht) leistete Franco seinen Beitrag zum Eurospy-Film bzw. einen Nachklapp zu den Lemmy-Caution-Filmen, mit denen der amerikanische Hauptdarsteller Constantine in den Fünfzigerjahren berühmt geworden war und deren Titelhelden er dann in einer endlosen Reihe von Filmen nur geringfügig variierte – darunter auch der postmodern-selbstreflexive ALPHAVILLE von Francos großem Vorbild Godard.

In CARTES SUR TABLE geht es wieder einmal um Gedankenkontrolle und willenlos gemachte Sklaven: Diesmal steckt aber kein rachsüchtiger Mad Scientist hinter dahinter, sondern eine Verbrecherorganisation bondesker Superschurken: Die armen Sklaven werden mithilfe einer modischen Hornbrille hypnotisiert und zeigen unter ihrem Einfluss eine dunkle Hautfarbe, die sich verflüchtigt, sobald sie sterben. Dem Weltbeherrschungsplan auf der Spur ist Agent Al Pereira (Eddie Constantine), der zu Beginn des Films eigentlich einem Ruhestand voll Wein, Weib und Gesang (bzw. Glücksspiel) entgegensieht, dann aber gegen seinen Willen rekrutiert und mit der attraktiven Kollegin Cynthia (Sophie Hardy) zuammengebracht wird. Gemeinsam nehmen sie es mit den gedungenen Mördern sowie den Masterminds Lady Cecilia (Françoise Brion) und Sir Percy (Fernando Rey) auf.

CARTES SUR TABLE bemüht den verspielten Ton, der für den Eurospy-Film charakteristisch ist, inklusive der offenen Anspielungen auf das große, erfolgreiche Vorbild, sowie die bunte, muntere Abfolge von attraktiven Schauplätzen, Keilereien, romantischen Einsprengseln, Action- und Slapstickeinlagen, über der die Handlungslogik schon einmal in Vergessenheit gerät. Die Implikationen der einzelnen Szenen spielen bereits in der nächsten schon keine Rolle mehr, erlaubt ist, was Spaß macht. CARTES SUR TABLE ist sich aber vielleicht etwas zu sicher, dass sich das Vergnügen, das sein Hauptdarsteller bei seiner One-Man-Show allem Anschein nach hatte, auch ungebrochen auf den Betrachter überträgt. Constantines gute Laune und das selbstbewusste Grinsen, das auch angesichts tödlicher Bedrohung nie sein Gesicht verlässt, unterminieren jeden Anflug von Spannung: Der ganze Film wirkt – so ganz unbeabsichtigt ist das angesichts seiner zahlreichen Brechungen gewiss nicht – wie reines Make-believe, das dann aber in letzter Instanz nicht weit genug geht. Für eine postmodern-avantgardistische Fingerübung ist der Film am Ende doch zu bieder und den Mechanismen des Genres verpflichtet, für einen vergnüglichen Agentenfilm ist CARTES SUR TABLE einfach nicht spannend genug. Der Film ist jederzeit irgendwie putzig und nett, aber das reicht nicht, um das Interesse über 80 Minuten wachzuhalten. Das größte Rätsel ist aber die Anwesenheit von Fernando Rey, der zuvor bereits für Luis Buñuel vor der Kamera gestanden hatte und gewiss zu mehr in der Lage war, als was er hier zeigt. Anstatt ihm einen saftigen Part auf den Leib zu schreiben, lässt Franco ihn weitestgehend ungenutzt im Bild rumstehen.