Mit ‘Alan Cox’ getaggte Beiträge

young_sherlock_holmes-782808703-largeImmer schwierig: „Nostalgiefilme“, zu denen die nostalgische Bindung fehlt. YOUNG SHERLOCK HOLMES ist so ein Film. In den Achtzigerjahren wäre diese Spielbergproduktion, mit der das langsam den Kinderschuhen entwachsende Wunderkind eine Art jugendfreien TEMPLE OF DOOM in die Kinos brachte, genau meine Kragenweite gewesen. Gut, streng genommen war ich 1986, als er mit einer Freigabe ab 12 in die deutschen Kinos kam, immer noch zwei Jahre zu jung, aber hätte ich ihn damals zu Gesicht bekommen, ich hätte ihn bestimmt geliebt. Ein jugendlicher Held, superschlau, schlagfertig, ausgezeichnet mit dem Degen und trotz durchschnittlichem Äußeren mit hübscher Freudin ausgestattet, dazu ein treuer Sidekick, unterirdische Tempel, finstere Kulte, wahnwitzige Erfindungen und jede Menge aufwändiger Ausstattung und fantasievoller Effekte: YOUNG SHERLOCK HOLMES hat alles, was ein Heranwachsender zur Identifikation benötigt, was ihn begeistert und seine Fantasie beflügelt. Mit dem Erwachsenen sieht es da schon etwas anders aus.

Der Film, den ich bislang noch nicht kannte, hat mich dann doch eher kalt gelassen bei der gestrigen Sichtung. Ich bin einfach nicht reingekommen (was auch an äußeren Umständen gelegen haben mag), die Story war mir herzlich egal, das Staunen, auf das Spielberg und Sonnenfeld gewiss hingearbeitet haben, entsprach bei mir einem grundsätzlich wohlwollenden, aber doch eher teilnahmslosen „Ach guck mal, nett“. Ich will das YOUNG SHERLOCK HOLMES nicht ankreiden, der vieles richtig macht und seine Prämisse sehr ernst nimmt (auf jeweils einer Schrifttafel am Anfang und Ende des Films entschuldigen sich die Macher förmlich dafür, dass sie nicht auf eine Originalvorlage zurückgreifen konnten). Die Spezialeffekte sind toll und lassen einen jene Zeit zurückwünschen, in denen das meiste von dem, was man da zu Gesicht bekam, tatsächlich noch Handarbeit war. Die Kulissen – ob echt oder nachgebaut – verleihen dem Film jenen sense of place, den man bei den meisten Greenscreen-Schöpfungen vergeblich sucht, auch wenn sie noch so detailverliebt sind. Besonders hervorzuheben ist aber die Besetzung, die ohne jeden mit Gewalt reingezwungenen Star auskommt. Britische Charakterdarsteller bestimmen das Bild und sorgen mit ihren Stimmen und dem charakteristischen Akzent für Authentizität, um die sich Guy Ritchie bei seinen Vehikeln sicher weniger scherte. YOUNG SHERLOCK HOLMES lässt sich Zeit dafür, seine Charaktere einzuführen, und sein Hauptplot kristallisiert sich fast nebenbei aus dem episodischen Flow der Ereignisse heraus. Das ist alles sehr sympathisch, auch und vor allem, wenn man es mit vergleichbaren Großproduktionen von heute vergleicht, denen Stromlinienförmigkeit alles ist. Aber wie gesagt: Der Funke wollte nicht richtig überspringen. Vielleicht bin ich tatsächlich zu alt für diesen Scheiß.