Mit ‘Aldo Ray’ getaggte Beiträge

shock-em-dead-poster-1Definitiv einer der witzigsten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe: Als eine Hardrock-Band verzweifelt einen Gitarristen sucht, meldet sich der im Pizzaladen von Tony (Aldo Ray) arbeitende Martin (Stephen Quadros). Der hat leider überhaupt kein Talent, wird von den Musikern ausgelacht und vom Hof gejagt. Wieder zu Hause in seinem Trailerpark sucht er eine Voodoomama auf, die verspricht, ihn mithilfe ihrer Magie zum Superstar zu machen. Und siehe da: Am nächsten Morgen erwacht Martin nicht nur mit einer riesigen, hochtoupierten Hardrockmähne, er besitzt auch ein herrschaftliches Haus mit Jacuzzi und drei geilen Schlampen – und kann Gitarre spielen wie Yngwie Malmsteen. Als „Angel“ angelt (hihi) er sich den Job in der Band, schmeißt den heroinsüchtigen, tuntigen Sänger raus und verschafft ihnen einen hochdotierten Plattenvertrag beim Plattenfirmenboss (Troy Donahue), der in seinem Büro den schlechtesten Rap der Welt hört und dafür berechtigterweise beleidigt wird. Das neue Leben hat aber auch seine Nachteile: Um zu überleben, muss er regelmäßig töten und die Seelen seiner Opfer aufsaugen. Bassist Greg (Tim Moffett), dem Angel die Managerfreundin Lindsay (Traci Lords) ausspannen will, wittert die Gefahr …

SHOCK ‚EM DEAD ist eine schäbige Low-Budget-Produktion, die mit Traci Lords, Troy Donahue und Aldo Ray in seiner letzten Rolle verzweifelt um Aufmerksamkeit buhlt. Der Sound der Band sowie ihr Outfit waren 1991, dem Jahr von Nirvana, eigentlich schon gnadenlos überkommen, aber Freed inszeniert das alles mit Pokerface, nicht ohne Humor, aber ohne jedes Anzeichen von wissender Selbstironie. Und das ist ja auch das Tolle daran. Der Gnadenhammer ist natürlich das große Konzert, bei dem Angel zum kommenden Superstar avanciert: Erst eiert da der für alle außer ihn selbst offensichtlich granatenschwule Sänger im pinkfarbenen Jumpsuit und mit Ballettschrittchen über die Bühne, dann stellt Angel ihm ein Bein, schmeißt ihn unter dem Gejohle der Fans von der Bühne und reißt die Performance an sich, ohne dass die Band großen Anstoß daran nehmen würde. Angel spielt im Trockeneisnebel auf einer lachhaften zweihälsigen Gitarre, vollführt peinliche Griffbretttricks für kommende Axtgötter und kotzt zum großen Finale einem begeisterten Groupie beherzt auf die Auslage. Aber auch abseits dieser denkwürdigen Sequenz gibt es eine Menge zu lachen und zu staunen: Der Film ist einfach ein kleines Wunder, dass das Jahr 1991 ganz weit weg erscheinen lässt. Großen Anteil am Gelingen hat Hauptdarsteller Stephen Quadros, der sowohl den bemitleidenswert dämlichen Nerd als auch den teuflisch-größenwahnsinnigen Rockstar überzeugend interpretiert. Quadros ist keine uninteressante Person, wie ich feststellen durfte: Er war tatsächlich Drummer und spielte angeblich sogar einmal für Kiss vor, bevor ihn eine Verletzung zum Aufhören zwang. Er orientierte sich um, wurde Schauspieler und Martial-Arts-Experte: Unter anderem wirkte er als Ratgeber an Filmen wie CRADLE 2 THE GRAVE mit. Das ist vielleicht das einzige, was SHOCK ‚EM DEAD noch fehlt: ein paar harte Fights und Flying Kicks, aber man kann bekanntlich nicht alles haben. Und Freeds Film hat sonst Reize im Überfluss. Wo sonst bringt man das Monster um, indem man ihm etwas zu Essen gibt? Eben.

hollywood-cop-movie-poster-1988-1020299590Mit SAMURAI COP hat Amir Shervan sich einen Namen unter Menschen gemacht, die Freude an grotesk vergeigten Billigfilmen mit miesen Darstellern und dusseligen Dialogen haben. Der Film hat sich in den letzten 20 Jahren einen solch legendären Ruf erworben, dass im vergangenen Jahr sogar ein Sequel produziert wurde. Dieses ist dem Vernehmen nach jedoch einer dieser kläglichen Kandidaten, deren Macher es sich auf die Fahnen geschrieben haben, einen besonders bescheuerten, „verrückten“ und ach so kultigen Spaßfilm zu machen, und die daher nur für Menschen goutierbar sind, die sich bevorzugt in alkohoisierten Horden vor dem heimischen Flachbildschirm versammeln, um mal so richtig abzulachen. Zur Strafe für solche Unsitte sollte man ihnen HOLLYWOOD COP vorsetzen, mit dem sich Shervan nicht gerade einen Gefallen getan hat, der als Folterinstrument aber durchaus einer snnvollen Bestimmung zugeführt werden kann.

Der Auftakt ist noch furios: Gangsterboss Feliciano – Jim Mitchum hat zwischen zwei Hangovers einen kleinen Film eingeschoben – beauftragt seine goons, einen kleinen Jungen zu entführen, dabei jedoch kein Aufsehen zu erregen und keinerlei Zeugen zu hinterlassen. Schnitt zu einem kleinen Häuschen auf dem Lande, dem Kind, das mit einer Ziege spielt, und besagten Ganoven, die sich ihre Strumpfmasken überziehen, mit Karacho und Gebrüll einen Berg hinunterrennen und sich beim folgenden Überfall alles andere als unauffällig benehmen. Es stellt sich heraus, dass das Kind der Sohn eines ehemaligen Partners von Feliciano ist, der diesen um einen Haufen Kohle betrogen hat und außerdem längst von der die Mama des Blags geschieden ist. Die muss nun ihren Ex-Mann auftreiben, um das Lösegeld von 6 Millionen Dollar zu berappen und angelt sich zu diesem Behufe den etwas an Matthias Reim erinnernden Bullen Turkey (David Goss). Sie suchen und finden ihn, kaufen das Kind frei, doch – ätsch – im Koffer war nur Falschgeld und die ganze Nummer geht von vorn los. Tja, und das ist eigentlich auch schon die ganze Geschichte, die Shervan gnadenlos auf 100 quälend lange Minuten auswalzt. Die Freude über doof in die Gegend guckende Knallchargen, hässliche Settings und dummdreiste Dialoge, damit verrate ich wohl kein Geheimnis, trägt leider nicht halb so lang.

Wer wissen will, warum der Film HOLLYWOOD COP heißt, dem sei gesagt, dass es sich bei dem Stadtteil von L.A. schlicht und ergreifend um den Arbeitsplatz Turkeys handelt. Der Film spielt jedoch nicht in Tinseltown, sondern in irgendwelchen heruntergekommenen Vorörtchen, die eher nach Boise, Iowa aussehen. Die Namen der Darsteller in den Credits sind in einem Anflug von Größenwahn in die Sterne auf dem Walk of Fame hineinmanipuliert, die Protagonistin latscht zu Beginn kurz hintereinander am Chinese Theater und zwei Murals mit Hollywoodstars vorbei, das war’s. Der Rest dieses Rohrkrepierers verströmt so viel Glamour wie ein Loch in einer schmutzigen Tennissocke.

 

the bad bunch (greydon clark, usa 1976)

Veröffentlicht: Oktober 11, 2011 in Film
Schlagwörter:, , ,

Vietnam: Die beiden Soldaten Jim (Greydon Clark) und sein Freund, ein Afroamerikaner, unterhalten sich über die in ihrer Heimat schwelenden Rassenkonflikte. Gerade als letzterer die Lösung für das Problem zum Besten geben will, wird er von einer Kugel niedergestreckt und stirbt in den Armen des Freundes. Wieder zu Hause möchte Jim dem Vater des Toten einen Brief überbringen (und begibt sich dafür tief ins für „honkeys“ wie ihn gefährliche Watts), erntet aber nur den Zorn von dessen zweitem Sohn Tom (Tom Johnigarn) – der sich in Ablehnung seines „Sklavennamens“ „Makimba“ nennt – und seiner Gang. Zwar unternimmt Jim alles, um das Vertrauen Toms zu gewinnen, doch der ist blind vor Hass. Als er von den beiden rassistischen Cops Lt. Stans (Aldo Ray) und Sgt. Berry (Jock Mahoney) zusammengeschlagen wird, vermutet er prompt Jim hinter der Tat und schwört Rache …

Mit THE BAD BUNCH beißt Greydon Clark eindeutig mehr ab, als er mit seinen löchrigen Beißerchen zu kauen in der Lage ist. Seine Motive sind ehrenwert – er setzt sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen und die Verständigung zwischen den „Rassen“ ein, beschließt seinen Film gar mit einem Zitat von Martin Luther King -, doch tappt er dabei in genau jenes Fettnäpfchen, das auch die Empowerment ausrufenden, dann aber doch nur (positiv-)rassistische Klischees reproduzierenden Blaxploiter nicht auslassen konnten. Dass die Protagonistenrolle dem Weißen zufällt, ist schon der erste Fehler und verantwortlich für den leise herablassenden Tonfall, von dem sich THE BAD BUNCH einfach nicht freimachen kann. Zwar sind die wahren Rassisten des Films die beiden weißen Cops, doch ist deren Rassismus in Clarks Film ein nicht mehr weiter hinterfragter Privatwahnsinn, während Makimba und seine Gang letztlich Opfer eines über Generationen eingeimpften, verständlichen Misstrauens sind, ihr Rassimus als Reverse Racism bezeichnet werden muss. Anstatt das herauszuarbeiten, setzt Clark aber lieber auf markige Ghetto-Klischees. Eigentlich kann man es Makimba und Konsorten ja nicht wirklich verübeln, dass sie vor dem unschuldig daherschleimenden Jim nicht gleich einen demütigen Bückling machen, nur weil der großzügigerweise meint, es sei jetzt mal endlich genug mit der Segregation. Doch die Hartnäckigkeit, mit der sie ihn als Feind erkennen wollen, und die Sorglosigkeit, mit der sie sogleich zur schönen Tradition der Lynchjustiz übergehen, kann man nicht mehr nur auf ein gesundes Misstrauen und Verletzung schieben. Sie sind total determiniert von ihrer Opferrolle. Dass es in THE BAD BUNCH kein Happy End und keine Hoffnung geben kann, liegt nicht an den festgefahrenen Verhältnissen, sondern daran, dass es die Weißen so weit getrieben haben, dass man von den Schwarzen keine Besserung mehr erwarten darf. Ich bezweifle, dass das Clarks Botschaft sein sollte.

Tatsächlich ist es so, dass diese Verfehlung THE BAD BUNCH nicht diskreditiert, sondern ihn eher interessanter macht; sie ermöglicht es erst, ihn als eine Art Meta-Blaxploiter zu betrachten, also einen Blaxploitation-Film, in dem der dem Subgenre inhärente Rassismus offenliegt. Als Actionfilm oder Thriller funktioniert THE BAD BUNCH dank seiner furchtbaren Trägheit nämlich gar nicht. Der Konflikt zwischen Makimba und Jim tritt über weite Strecken des Films völlig in den Hintergrund und weicht den zwar beliebigen, aber nichtsdestotrotz unsäglich breitgetretenen Beziehungsproblemen Jims. Es macht sich nervenzerrende Langweile breit und böten der rasante Wechsel zwischen schäbigen Kulissen und Originalschauplätzen, der mit letzteren verbundene Lokalkolorit und die Spätausläufer der Hippiemode nicht wenigstens etwas Eyecandy für Schmuddelfilmfans, man müsste THE BAD BUNCH als Komplettreinfall bezeichnen. So muss ich am Ende wieder mal einräumen, dass ich den Film zwar wahrscheinlich nicht so schnell einer Revision unterziehen werde, aber wegen meiner Vorliebe für billigen Seventies-US-Ramsch trotzdem nicht bereue, ihn gesehen zu haben. Von solchem geil langweiligen Zeug kann ich einfach nicht genug bekommen, weshalb ich mich jetzt schon auf Greydon Clarks HI-RIDERS freue. In Kürze in diesem Kino.

12.000 Jahre in der Vergangenheit werden die Geschwister Tra (Barbara Bain) und Gar (Robert Gribbin) von der eigenen Mutter für einen begangenen Frevel zu ewigem Leben verflucht: In einem Jahr sollen sie jeweils zehn Jahre altern, ihre Jugend können sie kurzfristig zurückerlangen, wenn sie das Blut und Fleisch eines Menschen zu sich nehmen, und erst in 12.000 Jahren sollen sie eine Möglichkeit erhalten, den Fluch aufzulösen. Dazu müssen sie eine Jungfrau opfern, die zu einem Teil von ihnen selbst, zum anderen von den „Normalsterblichen“ abstammt. Und so schickt sich der Bruder also zum geeigneten Zeitpunkt an, eine Frau zu finden, die ihm ein Kind schenkt, dessen Tötung ihn und seine Schwester von dem Fluch des ewigen Lebens befreien soll …

DON’T GO NEAR THE PARK ist, vielleicht ahnt man das schon, ein merkwürdiger Film: In Großbritannien jahrelang als Video Nasty verboten, wurde er in Deutschland unter dem nur wenig verheißungsvollen, ja geradezu konservativen Titel DER FLUCH DES EWIGEN LEBENS  veröffentlicht, was auch eher nach einem Propagandafilm für Atheisten klingt als nach einem Horrorfilm. Damit enden die Merkwürdigkeiten aber noch nicht: Die narrative Klammer, mit ihrer schlappe 12.000 Jahre zurückreichenden Rückblende, erscheint arg ambitioniert für einen Low-Budget-Schocker, und so ist Foldes Film dann auch ziemlich vollgestopft mit einer Handlung, aus der andere Filmemacher mindestens zwei Filme gemacht hätten, die aber wahrscheinlich nicht halb so interessant wie DON’T GO NEAR THE PARK geworden wären.

Die erste halbe Stunde widmet sich den erfolgreichen Versuchen Gars, eine Frau (Linnea Quigley in ihrem Filmdebüt) für sein Kind zu finden, und erinnert mit seiner Atmosphäre familiären Terrors und trügerischem Kindersegen an konservative Thriller um böse Papas, zusammenbrechende Mamas und gemeine Wechselbälger. Foldes gelingen hier tatsächlich einige ziemlich beunruhigende Szenen, bis das Drehbuch den nächsten großen Handlungsschritt erforderlich macht. Als Gars Tochter Bondie (Tamara Taylor) nämlich 16 wird und der Zeitpunkt ihrer Opferung naht, reißt sie von zu Hause aus, sitzt beim Trampen allerdings einer Gruppe jugendlicher Vergewaltiger auf, die ihr in einer ziemlich unangenehmen Sequenz an die Wäsche gehen und flüchtet sich, nachdem sie sich der Schmierlappen mithilfe eines vom Papa geschenkten magischen Amuletts entledigt hat, geradewegs in die Hände von Tra, die unter dem Namen Patty als altes Mütterchen im titelgebenden Park wohnt und ausgerissene Kinder bei sich aufnimmt, darunter den kleinen Nick und den hübschen Cowboy. Der Fokus verschiebt sich nun zugunsten Bondies und des kleinen Nick, der dank des sehr unvermittelt auftauchenden Autors Taft (Aldo Ray) erfährt, dass mit Patty irgendwas nicht stimmt, ja dass sie vermutlich schon mehrere hundert Jahre alt ist. Der Plot verdickt sich, bis es schließlich zum Ritual kommt, bei dem Bondie geopfert und der Fluch Tras und Gars aufgelöst werden soll. Natürlich kommt alles anders und so können die drei ausgerissenen Kinder zu guter Letzt als elternlose Familie in den Sonnenuntergang marschieren. Die letzte Einstellung zeigt jedoch, dass Bondie von ihrem Papa vielleicht den Appetit auf Menschenfleisch geerbt haben könnte.

DON’T GO NEAR THE PARK eignet sich gut dazu, das zu verdeutlichen, was ich neulich in meinem Text über Rodriguez‘ MACHETE geschrieben habe. Legt man ein klassisches Verständnis von technischer und erzählerischer Wohlgeformtheit zugrunde, dann ist Foldes Film eine ziemliche Katastrophe. Der Plot ist konfus und ausufernd, es fehlt ihm ein emotionales Zentrum, zudem reicht das Budget nicht aus, um den Rückblick auf ein Land weit, weit vor unserer Zeit glaubhaft auszugestalten: Mit ihrem Lendenschurz, der Kriegsbemalung und dem sauberen Haarschnitt sehen Tra und Gar weniger aus wie „echte“ Urzeitmenschen, sondern eher wie Manager im Selbstfindungsseminar. Weitere tpische Schwierigkeiten – der „Star“, für den eigentlich kein Platz im Drehbuch war (Aldo Ray), die abgebrochenen Subplots (von der Mutter des kleinen Ausreißers Nick hört man nie wieder etwas), die Lücken in der Handlung (was genau finden die Kinder an der gruseligen Patty?) – lassen sich als logische Konsequenzen einer hektischen Produktion unter widrigen Bedingungen werten. Aber diese „Fehler“ machen DON’T GO NEAR THE PARK erst zu dem, was er ist: ein Film, der sich geradezu renitent dagegen sperrt, einsortiert zu werden, Sinn zu ergeben – aber auch dagegen, seine Zuschauer mit hundertfach gesehen Standardszenarios zu nerven. Klasse!

In einem Collegestädtchen landet ein Raumschiff mit den drei außerirdischen Wissenschaftlern Dr. Kozmar (John Carradine), Dr. Zarma (Julie Newmar) und Cora (Tina Louise) an Bord. Diese brauchen frisches Teenagerblut, um ewige Jugend zu erlangen. Vor Ort engagieren sie die beiden Tankwärter Fred (Aldo Ray) und Kurt (Neville Brand), um ihnen das Frischfleisch zu besorgen. Ein Baggersee hält zahlreiche leichtbekleidete Opfer bereit …

EVILS OF THE NIGHT, dessen Geschichte Rustam so toll fand, dass er sie zwei Jahre später mit EVIL TOWN gleich nochmal erzählte, vertritt jene Spielart US-amerikanischer Exploitationfilme, die sich gar nicht erst lang damit aufhält, auf Seriosität zu machen, sondern sich gleich beherzt mitten in die Jauche begibt. Den oben genannten (abgehalfterten) Stars auf Seiten der Schurken werden die typischen Pornoaktricen auf Opferseite gegenübergestellt (u. a. Amber Lynn und Crystal Breeze), die dann auch die dringend notwendigen hohlen Dialogzeilen erhalten. Überhaupt ist Dummheit die menschliche Eigenschaft, die den Film überhaupt am Laufen hält. Schon das fröhliche Nacktbaden zu Beginn hält einige Überraschungen bereit, so etwa einen jungen Mann, der zwei Lesben in Anwesenheit der nur wenige Schritte entfernten eigenen Freundin beim gegenseitigen Einölen der Brüste bespannt und einen lustigen Jokus zweier besonders einfältiger Jocks, die eine blonde Schönheit damit zu becircen gedenken, dass sie ihr glibberige Algen über den Bauch reiben und in ihre Badehose stecken. Dazu läuft ein schrecklicher 80s-Popsong namens „Boys will be Boys“, der das ausgelassene Treiben untermalt und auf dem so viel Hall liegt, dass man das Gefühl hat, ihn zweimal gleichzeitig zu hören. Hallo, Echo?

Auf diesem Niveau geht’s munter weiter, sodass ein Großteil der Handlung von EVILS OF THE NIGHT logischerweise darin besteht, dass die Protagonisten sinnlos im Wald sitzen und darauf warten, dass einer nach dem anderen verschwindet. Die Notgeilheit nimmt pathologische Züge an, wenn ohne jede Lichtquelle im dunklen Tann herumgevögelt wird oder Charaktere auch schonmal in ein leerstehendes Haus einbrechen, um dann aber nicht etwa das Schlafzimmer aufzusuchen, sondern sich gleich auf dem Fliesenboden in der Eingangshalle ineinander zu verbeißen. Irgendwann wird das verbleibende Trio aus zwei besonders dummen Frauen und einem besonders notgeilen Typen von Fred und Kurt geschnappt und in der Garage festgebunden. Die dümmste Tussi kann sich zwar befreien, weiß dann aber nicht weiter: Als Kurt bemerkt, was passiert ist, läuft sie ziel- und kopflos vor ihm weg und reagiert auf die Befehle des noch festgebundenen Freundes, nach irgendwas zu greifen und als Waffe zu benutzen, gedankenschnell, indem sie allen möglichen nutzlosen Tand greift und nach dem Peiniger wirft, ohne ihm auch nur einen Kratzer zuzufügen. Die Szene endet in einem sogar recht unangenehmen Bohrmaschinenmord, bevor sich das Spielchen dann mit der anderen Tussi fortsetzt. Aber die Blödheit der Menschen ist tröstlich, weil auch die Außerirdischen ziemlich dämlich sind: Enttäuscht über die schwache Opferausbeute, gesteht Dr. Kozmar einen folgenschweren Fehler ein. Zwar sei der Ort vom Computer für seinen hohen Anteil an Studenten im richtigen Alter ausgewählt worden, man habe aber schlicht und ergreifend die Sommerferien vergessen. Shit happens!

Der psychopathische Clement Dunne (Andrew Prine) bedroht die Models, die für die Jahresausgabe des „Bachelor“-Magazins nackt posiert haben, am Telefon damit, sie für ihr unmoralisches Verhalten zu bestrafen. Eine nach der anderen sucht er auf, um sie dann mit seinem Rasiermesser umzubringen …

THE CENTERFOLD GIRLS ist vordergründig ein recht typischer US-Exploiter der Siebzigerjahre und als solcher nicht übermäßig auffällig. Dass die Geschichte um den puritanischen Mordbuben sehr zurückhaltend in seinen Gewaltdarstellungen ist, mag vielleicht etwas verwundern, dass er dafür umso freizügiger die sekundären Geschlechtsmerkmale seiner zahlreichen attraktiven Darstellerinnen ins Bild rückt, gleicht jedwede Enttäuschung über diesen Makel aber mehr als aus. Dennoch kommt Peysers Film erstaunlich geschmackssicher daher: Die Inszenierung ist ruhig und beinahe als gediegen zu bezeichnen, selbstzweckhafte Subplots, ablenkende Musikeinlagen oder sonstige in diesem Genre nicht unüblichen Ablenkungsmanöver und Streckmittel sind gänzlich abwesend und die Darsteller – unter ihnen Veteran Aldo Ray als vergewaltigender Wolf im Schafspelz des braven Ehemanns – agieren allesamt mit einem ungewöhnlichen Maß an Zurückhaltung. Nun macht die bloße Verweigerungs- oder Antihaltung noch keinen eigenen Stil aus, was THE CENTERFOLD GIRLS aber aus der Masse vergleichbarer Ware wirklich herausstechen lässt, ist seine ungewöhnliche und interessante Erzählstruktur. Peyser gliedert seine Story in drei ungefähr gleichlange Episoden, die jeweils um eines der vom Killer ausgewählten Opfer kreisen. In Episode 1 wird Miss January erst von einer aufdringlichen Gruppe von Hippies in ihrem Haus belästigt und gedemütigt, dann vom braven Ehepaar Walker, bei dem sie um Hilfe bittet, abgewiesen und schließlich vom Ehemann Ed (Aldo Ray) vergewaltigt, bevor sich zu guter Letzt der Killer erbarmt und ihrem Leben ein Ende macht. Episode 2 kreist um eine Gruppe von Models, die für ein Fotoshooting zusammen mit ihrer biestigen Auftraggeberin, einem Fotografen und einem verhinderten Zuhälter auf eine kleine Insel fahren und dort schließlich einer nach dem anderen vom Killer erledigt werden. Den Spieß umdrehen darf in der dritten Episode die Stewardess Vera (Tiffany Bolling), der der Killer in ein Urlaubswochenende folgt, in dem sie zunächst von zwei lüsternen Matrosen unter Drogen gesetzt und dann missbraucht wird. Der Killer nähert sich ihr als Freund, wird von ihr aber schließlich enttarnt und seiner gerechten Strafe zugeführt. Das hört sich zugegebenermaßen weder besonders aufregend noch so „zurückhaltend“ an, wie ich ihn oben beschrieben habe, doch THE CENTERFOLD GIRLS ist durchaus sehenswert. Am interessantesten fand ich neben der Einteilung in Episoden die Methode, nach der der Killer seine Opfer auswählt: Er blättert durch den Kalender, wählt die jeweils vorne liegende Seite mit dem entsprechenden Model aus und schneidet nach vollbrachter Tat ihr Gesicht heraus. Das führt nun durch die Anordnung der Seiten logischerweise dazu, dass er nur das Playmate jedes zweiten Monats umbringen kann, weil die Seiten beidseitig bedruckt sind, das Model auf der Rückseite nach dem Herausschneiden des Gesichts auf der Vorderseite ja bereits „entfernt“ ist. Das wirft einige interessante Fragen über die Art der Störung des Killers und die Methode seiner Triebabfuhr auf: Tötet er durch das Herausschneiden der Gesichter mit jedem begangenen Mord gleich zwei Opfer auf einen Streich? Oder wird seine Psychose zusätzlich als „unheilbar“, sein Tun als sinnlos deklariert, weil mit jedem gelungenen Mord zwangsläufig ein potenzielles Opfer ungeschoren davonkommt? Frage, die der Film nicht explizit stellt, die ihm aber letztlich den Kick geben, dem er an anderer Stelle ausgewichen ist. Nice.