Mit ‘Alex Rocco’ getaggte Beiträge

Es gibt sie also noch, die mir noch unbekannten Slasherfilme der „klassischen Phase“, die ich nicht nur so durchwinken muss, auf meiner Mission, alle dieser Teile irgendwann mal gesehen zu haben, sondern die mich tatsächlich positiv überraschen. Die nicht unerheblichen Stärken von Bill Froehlich sind einfach umrissen: Er erliegt nicht dem Trugschluss, dass die gut abgehangene Story um einen unbekannten Killer, der die Mitglieder eines Horror-Filmteams dezimiert, wahnsinning aufregend ist. Ferner ergeht er sich zur Kompensation dieser Tatsache auch nicht im unproduktiven Rumgematsche. Nein, er legt seinen Film als Mischung aus Metakomödie und Whodunit an, die dank einer gut gelaunt aufspielenden Besetzung und eines cleveren Drehbuchs tatsächlich witzig ist.

Die Story geht wie folgt: In den frühen Achtzigerjahren gab es an der Crippen Highschool eine ungeklärte Mordserie. Jahre später bezieht ein Filmteam um den überambitionierten Regisseur Josh Forbes (Scott Jacoby) und den schmierigen Produzenten Harry Sleerik (Alex Rocco) die Schule, um einen Horrorfilm über die Ereignisse zu drehen. Natürlich ruft das erneut einen Mörder auf den Plan, der beginnt, die Crew zu dezimieren. Das Ganze wird in einer Rückblende erzählt, während die Polizei versucht, das Verbrechen zu rekonstruieren und dazu vor allem den letzten Überlebenden, Drehbuchautor Arthur Lyman (Richard Brestoff) vernimmt.

RETURN TO HORROR HIGH versteht es, die verschiedenen Erzählebenen – Vergangenheit, Gegenwart und Filmebene – sehr geschickt miteinander zu verbinden und die grundsätzlich nur wenig originelle Geschichte interessant zu halten. Der Humor, der den Film im Wesentlichen trägt, artet dabei glücklicherweise nie in nerviges Nerdjerking aus, sondern macht sich eher über den exploitativen Charakter des Horrorfilms per se lustig: Während dem Regisseur und dem Autor ein psychologischer Thriller vorschwebt, denkt der Produzent natürlich nur an Titten und Blut. Alex Rocco brilliert als Schmierlappen, der seinen Kuli Pastrami-Sandwiches holen schickt, Crewmitgliedern Honig ums Maul schmiert, nur um hinter ihrem Rücken über sie abzulästern, und immer wieder in Clinch mit dem verzweifelten Regisseur geht. Als seine Hauptdarstellerin aufgrund einer selbstzweckhaften Vergewaltigungsszene mit der Kündigung dreht, sucht er den Autor auf und bittet ihn, für sie einen tiefgründigen Dialog über die Liebe, das Leben und Babys ins Script zu integrieren – aber in der Dusche, damit sie nackt ist. Er kann halt nicht raus aus seiner Haut. Wunderbar auch der Dialog zwischen dem Regisseur und dem Darsteller einer Leiche, der ihn nach der Motivation seiner Rolle fragt. „You’re dead. Dead people have no motivation!“ Vergleichbare Szenen, Momente und Figuren (die Polizistin, die der Massenmord richtiggehend anzutörnen scheint, der Hausmeister, der von einer Karriere in „pussy films“ träumt) gibt es in RETURN TO HORROR HIGH zuhauf und verleihen ihm ungeahntes Leben. Gegen Ende wird es beinahe ein wenig surreal, wenn plötzlich alle tot sind und die Schule völlig entvölkert ist, bevor ein Twist alles wieder auf „realistischen“ Boden stellt. Vielleicht überdehnt es Froehlich am Schluss etwas mit den originellen Einfällen, aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch.

Fazit: Ein überraschend guter Slasherfilm, der deutlich intelligenter und origineller daherkommt, als es der generische Titel und das Cheerleader-Plakat vermuten lässt. Slasherfreunde sollten ihn unbedingt auf die Liste nehmen, andere dürfen ebenfalls ein Auge riskieren. Das gilt auch für Fans von George Clooney: Der spätere Herzensbrecher hat hier einen ganz frühen Leinwandauftritt (als Schauspieler Oliver!) und darf als erster über die Klinge springen. Während er ganz am Anfang einer ruhmreichen Karriere stand, blieb es für Froehlich der einzige Film. Er drehte noch ein paar Fernsehepisoden, bevor er sich ganz aufs Produzieren verlegte. Schade eigentlich.

 

 

stanley (william grefé, usa 1972)

Veröffentlicht: Januar 23, 2012 in Film
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Nach der Rückkehr aus dem Vietnamkrieg zieht sich der Seminole-Indianer Tim Ochopee (Chris Robinson) von seinem Stamm und den Menschen zurück und widmet sich den Schlangen, mit denen er in seinem Haus in den Sümpfen zusammenlebt. Das Angebot des Modeherstellers Thomkins (Alex Rocco), der Gürtel und Schuhe aus Krokodil- und Schlangenleder anfertigt, für ihn zu arbeiten, lehnt Tim aus moralischen Gründen ab – und weil er weiß, dass Thomkins‘ Männer einst für den Unfalltod seines Vaters verantwortlich waren. Als es wenig später zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien kommt, in dessen Folge auch einige von Tims Schlangen getötet werden, brennt bei dem eh schon labilen Veteran eine Sicherung durch. Mit seiner Lieblingsklapperschlange Stanley geht er auf die Jagd …

Dieser Film dümpelt schon seit gut zwei Jahrzehnten in den Untiefen meiner Erinnerung rum, weil er nämlich im legendären Horrorfilm-Lexikon von Bastei-Lübbe sogar mit einem Foto vertreten war. Die DVD von Code Red hat es möglich gemacht, dieser Erinnerung nun mit etwas Handfestem zu begegnen. Und jetzt, wo ich den Film gesehen habe, kann ich ihn endlich vergessen. Man muss nicht viel sagen über STANLEY, einen Film des findigen Billigheimers William Grefé, der nur einer von zahlreichen umtriebigen Filmemachern der Sechziger- und Siebzigerjahre war. Einer jener Regisseure die die Autokinos mit eiligst runtergekurbelter Ware wie RACING FEVER, STING OF DEATH, THE DEVIL’S SISTERS, DEATH CURSE OF TARTU oder MAKO: THE JAWS OF DEATH versorgte, die die zahlungsbereiten Jugendlichen mit reißerisch aufgemachten Plakaten locken sollten. Auch diesem Beitrag zum Vietnamheimkehrer-mit-Dachschaden-dreht-durch-Subgenre merkt man seine Bestimmung in jeder Sekunde an: Die rudimentäre Handlung wird mit einer Engelsgeduld und unter großzügiger Streuung unwichtiger Dialogszenen abgespult, die dem Publikum ausgiebig Gelegnehiet geben, sich a) neues Popcorn und neue Getränke zu holen oder b) Zunge und Hände in feuchtere Gefilde ihrer Begleitung gleiten zu lassen. So kriecht STANLEY nach langen 105 Minuten deutlich weniger elegant als seine tierischen Helden über die Ziellinie, obwohl auch 80 Minuten locker ausgereicht hätten. Die wenigen wirklich gelungenen Szenen – etwa die Rache Tims an einer Nachtclubtänzerin, die auf Geheiß ihres geschäftstüchtigen Mannes einem von Tim gestifteten Tier den Kopf abbeißt, oder die lustigen Auftritte Alex Roccos, dessen Thomkins seinen schlabbrigen Körper mit lustig-ineffizienten Fitnessübungen „stählt“ – verpuffen wirkungslos, weil Grefé jedes gewonnene Momentum sofort wieder mit über Gebühr breitgetretenen Dialogszenen verspielt. STANLEY kommt einfach nie richtig in Fahrt, auf die Rache des Schlangenbeschwörers kann man über eine Stunde lang warten. Dass ich ihn trotzdem irgendwie mag, kann ich eigentlich kaum dem Film selbst anrechnen. Ich habe einfach eine Schwäche für diese bräsigen Schundepen jener Tage, von Filmemachern, die ihre zweieinhalb guten Einfälle mit jeder Menge Streckmittel und Spucke auf Spielfilmlänge brachten, und Prouzenten, die ein Posterartwork dazu entwerfen ließen, dass den Zuschauern das Blaue vom Himmel herunterlog, und danach dreckig lachend das Geld zählten; Filme, die ein bisschen soziale Relevanz vorgaukelten, um unter diesem Deckmantel tolldreisten Unfug für die niedersten Instinkte unters Volk bringen zu können. STANLEY kritisiert gemeinsam mit seinem Protagonisten ein bisschen den Vietnamkrieg, ein bisschen die Politik gegen die amerikanischen Ureinwohner, ein bisschen die Konsumgesellschaft, letztlich und tückischerweise aber vor allem das verweichlichte Hippietum mit seinen Ökofantasien. Anders kann man sich ja sonst kaum erklären, mit welcher Sorglosgkeit hier echte Schlangen onscreen gekillt werden oder dass der Protagonist seinen toten Tierchen sogar einen Miniaturfriedhof mit ebensolchen Kreuzen spendiert – by the way der wohl lustigste Einfall des Films. Im Grunde geht es aber vor allem darum, das Publikum mit kalkulierten Schlangenschocks zu bombardieren. Hätte er sich etwas mehr an sein Konzept – give ‚em snakes! – gehalten, wäre STANLEY wahrscheinlich besser geworden. So ist er immerhin ein hübsches Zeitzeugnis mit allem, was dazugehört: hässlichen Billigsettings, abgerissenen Darstellern, unmotivierten Szenen, verrauschtem Liveton und viel zu langen Dialogen.

 

Als die minderjährige Myra (Robin Mattson) von ihrem Stiefvater missbraucht wird, greift ihre ältere Schwester Ellie (Tiffany Bolling) zum Gewehr und erschießt den dirty old man. Nun völlig allein, suchen die beiden Mädchen Hilfe bei ihrem reichen Onkel Ben (Scott Brady), der sie prompt bei sich aufnimmt. Schon bald jedoch wird Ellie in eines der krummen Geschäfte ihres Onkels verwickelt: Sie soll an einer Geldübergabe mit dem Privatdetektiv Larry (Steve Sandor) teilnehmen, doch als sich die beiden erst in einander verlieben und ihnen dann auch noch dämmert, dass sie den Schlüssel zu einem neuen Leben in den Händen halten, ist es mit der Vernunft vorbei. Die Killer, die Onkel Ben auf die beiden ansetzt, haben jedenfalls kein Verständnis für das junge Liebesglück …

Von Dark Sky als liebevoll aufgemachte „Special Edition“ auf DVD veröffentlicht, entpuppt sich BONNIE’S KIDS als müder und reichlich umständlich erzählter Seventies-Exploiter vom Blaxploitation-Spezialisten Arthur Marks (u. a. BUCKTOWN, FRIDAY FOSTER, J. D.’s REVENGE, THE MONKEY HU$TLE), der von vornherein nur dann von Interesse ist, wenn man ein besonderes Faible für Siebzigerjahre-Exploitation hat, selbst dann aber nicht eben zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Die Bonnie des Titels ist zu Beginn des Films bereits seit mehreren Jahren tot, soll aber wohl Erinnerungen an Arthur Penns und Warren Beattys New-Hollywood-Initialzündung BONNIE & CLYDE wecken. Noch die cleverste Idee des Films: Mit dieser Bonnie als Mutter, so die vermutete Assoziationskette, bleibt den Töchtern ja gar nichts anderes übrig, als zu echten Hellraisern heranzuwachsen: „Thank God She only had two!“, weiß die Tagline treffend zu kommentieren. Und so ist es dann auch: Die kleine Myra treibt die Männerwelt mit ihrem Lolita-haften Betragen an die Decke und die nicht minder attraktive Ellie ist so heißblütig, dass sie sich an sich selbst verbrennt. Blind in dem Bestreben, ein neues, besseres Leben zu beginnen, läuft sie in ihr Verderben – nicht aber, ohne den braven Larry, der von Anfang an keine Chance gegen diese Frau hatte, mitzunehmen.

Natürlich geht es Marks mit seinem Film eher nicht darum, Eltern zu einer besseren Erziehung zu ermahnen oder die Auswirkungen des Waisendaseins auf die Psyche Heranwachsender zu untersuchen. Darum ist es aber umso erstaunlicher, wie viel Zeit er mit unwichtigem Kram vertrödelt. Ein halbes Dutzend Nebencharaktere wird ausführlich vorgestellt, nur um dann meist sehr unvermittelt wieder in den Hintergrund zu treten, als die Geschichte um den Geldraub Fahrt aufnimmt. „Fahrt aufnehmen“ ist dabei ein Euphemismus, denn BONNIE’S KIDS ist alles andere als schnell, eher eine gemütliche Sonntagsfahrt ohne echtes Ziel. Ein typisches Exploitation-Vehikel, dessen oberster Grundsatz wohl war, irgendwie fertiggestellt zu werden, um dann mit entsprechender Werbung die angefixten Massen ins Kino zu locken. BONNIE’S KIDS war dann tatsächlich recht erfolgreich, mission accomplished also, doch ob die nach Sex, Gewalt und guter Laune lechzenden Besucher wirklich zufrieden waren, als sie das Kino wieder verließen? Ich habe meine Zweifel, auch wenn 105 Minuten mit der ausgesprochen ansehnlichen Tiffany Bolling in verschiedenen Stadien des Halbbekleidetseins per se nicht verschwendet sein können. Trotzdem: Wenn man am Ende eines 105-Minuten-Films keine Ahnung hat, was seine Protagonisten eigentlich im Innersten angetrieben hat, dann ist etwas ziemlich schief gegangen.

Ein ausführliches Interview mit Tiffany Bolling findet sich hier.