Mit ‘Alexandra Daddario’ getaggte Beiträge

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert.“ – So weiß es eine deutsche Redensart, die wunderbar auf das mittlerweile zweite Sequel des TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Remakes passt. Wobei das eigentlich ungenau ist, denn der letzte Film, durch den sich Leatherface mit seiner Kettensäge schlachtete, war ja bekanntlich ein Prequel zu diesem Remake. Und Luessenhop schließt zeitlich zwar wieder an die Ereignisse des ersten Teils, also des Remakes, an, orientiert sich dabei aber weniger an Nispels Neubearbeitung, sondern an Hoopers Original von 1974 – womit sich eine weitere Paradoxie eröffnet, denn dessen Geschichte war ja bereits in THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 und in LEATHERFACE weitererzählt worden, die Luessenhop aber geflissentlich ignoriert. Wer den Faden jetzt noch nicht verloren hat, wird wissen wollen, was die zu Beginn dieses Sermons zitierte deutsche Redensart mit TEXAS CHAINSAW zu tun hat. Folgendes: Nach Nispels zwar okayem, aber doch nur eine Existenz als Parasit am Arsch des epochalen, unerreichten Originals von Tobe Hooper fristendem Remake war das Kettensägen-Franchise mit Jonathan Liebesmans unterirdischem THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE: THE BEGINNING mit einem dumpfen, Inhaltsleere und mürbe Konsistenz verratenden, „Pof“ auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen. Die vielleicht – bei besonders hartnäckigen und optimistischen Gesellen – noch in mikroskopischen Spurenelementen übrig gebliebene Hoffnung, ein weiterer Teil könne annähernd die Klasse und Wirkung des Originals erreichen, sollte spätestens nach dieser filmgewordenen Arschgeburt der Resignation gewichen sein. Alle weiteren Sequels, von denen Hollywood natürlich dennoch nicht ablassen werden würde, könnte man nun mit gesunder „Scheiß drauf!“-Mentalität als das nehmen, was sie sind: Von der Popkultur ausgespieenes Fast Food, für dankbare Konsumkälber zum gedankenlosen Wiederkäuen gedacht. Keine „Filmkunst“ mit irgendwelchen komischen ernsthaften Ambitionen, sondern Ware halt. Und siehe da: Diese Einstellung führte bei mir glatt dazu, dass ich mit Luessenhops Film einen Spaß hatte, wie seit Jahren bei keinem Popcorn-Horrorfilm mehr.

Der Film beginnt schon einmal wie einer der besten aller Zeiten: Die Credits sind mit Szenen aus Hoopers Original unterlegt. Dass der Anschluss an diese Szenen – TEXAS CHAINSAW fängt mit einer Rückblende an – rein bildlich nicht recht gelingen mag, verleiht TEXAS CHAINSAW vom Start weg einen gewissen naiven Charme und eine dem aktuellen Blockbuster-Horror sonst vollkommen abgehende Unbedarftheit. Luessenhops Film ist damit schon einmal wesentlich sympathischer als seine Vorgänger, die Nispel und Liebesman wie humorlose Misanthropen voller Ingrimm und mit abgeschmackten Bildern in Szene setzten, statt Schrecken aber nur Kitsch produzierten. Im Folgenden geht Luessenhop dann endgültig den Weg, den einzuschlagen man sich bei allen Versuchen zuvor aufgrund des großen Erbes nicht getraut hatte: TEXAS CHAINSAW ist ein Slasher, der seine Protagonistenschar zur schnellen Entsorgung im Schoß des Bösen ablädt und sein Monster endgültig zum Star ernennt. Verkam Liebesmans Prequel über dem Versuch, Leatherface via Psychologisierung und Biographisierung zu einer tragischen Figur zu machen, noch zu einem unsäglich banalen Ammenmärchen (der Arme war während der Schulzeit gehänselt worden, buhuuu), ist Luessenhop mit viel einfacheren Mitteln erfolgreich: Er dreht die Verhältnisse von Gut und Böse einfach konsequent um. Der von THE EMPIRE STRIKES BACK geklaute Twist mag sich auf dem Papier wie eine saublöde Idee lesen, tatsächlich finde ich ihn cleverer als das meiste, was einem Hollywood heute so als clever zu verkaufen sucht. Leatherface wird am Ende wirklich zum tragischen Helden, zum geprügelten Hund, der sich gegen seine Unterdrücker erhebt. Und bei diesen Unterdrückern handelt es sich im weitesten Sinne um das Establishment, also jene Leute, die ja schon in Hoopers Film maßgeblich dafür verantwortlich waren, dass es mit dem Kannibalen-Clan wirtschaftlich so bergab gegangen war. Prallten diese Underdogs 1974 noch ganz unvermittelt auf die ins Heartland reisende arrogante Studentenschar, die dem sich darbietenden Grauen nur mit Fassungslosigkeit begegnen konnten, da probt die Protagonistin von TEXAS CHAINSAW den Schulterschluss, zeigt Solidarität mit den Unterprivilegierten. Das Schöne an Luessenhops Film: Man kann über die Implikationen dieser Storyentwicklung nachdenken und schwadronieren, ohne dem Film dabei besondere Subversivität oder Intelligenz unterstellen zu müssen. Er drängt sich nicht auf mit seinen Ideen, hat erst einmal nicht mehr im Sinn, als eine gute Show abzuliefern. Ohne aufgesetzten Anspruch wird das Zehn-Kleine-Negerlein vorangetrieben, mit sparsam eingesetzten, aber überdurchschnittlich gut gelungenen Referenzen, Gags und Überraschungen. Da taucht ein Anhalter auf, der dann eben doch kein Mitglied der Familie ist, quietscht ein Tor mit dem berühmten Soundtrack-Geräusch aus Hoopers Film, hält ein anderes dem dagegenfahrenden Auto endlich einmal Stand, anstatt wie sonst aus den Angeln zu fliegen. Die unabdingbare Blödheit der Opferschar, die man ja seit den Achtzigerjahren eigentlich ins Herz geschlossen hat, obwohl man sich in doofen Nerdforen immer wieder darüber beschwert, treibt hier neue, wunderschöne Blüten und beschert dem Film zahlreiche auflockernde Lacher, die so ein Film braucht. Und dass die doch recht knackige Hauptdarstellerin Alexandra Daddario scheinbar eine Krankheit hat, die es ihr verbietet, ihren Bauch zu bedecken, ist angesichts ihrer prächtigen ausgebildeten Anatomie sicherlich auch kein Beinbruch.

Mehr als zahlreiche andere Horrorfilme, die in den letzten 20 Jahren mit dem ausgewiesenen Anspruch antraten, in Retro-Horror zu machen (und die meinten, es reiche, dazu die Stars von einst zu reaktivieren oder die entsprechenden Songs auf dem Soundtrack zu versammeln), wirkt TEXAS CHAINSAW tatsächlich wie aus den seligen Achtzigerjahren rübergebeamt, als Horrorfilme vor allem dazu da waren, seine Angebetete im Kino in den Arm nehmen zu können (oder sich vom Angebeteten in den Arm nehmen zu lassen). Monster waren die eigentlichen Helden und wurden bejubelt wie Popstars, die Bösen, das waren Bürgermeister, Polizisten, Wissenschaftler und andere erwachsene Autoritätspersonen. Am Ende bekamen sie einen auf die Zwölf und wenn auf dem Weg dahin auch ein paar Kids hatten verenden müssen, so hatten diese das Leben bis dahin wenigstens in vollen Zügen genossen. Der – überaus passend, dieser Tage – antiautoritäre, aufbegehrende Habitus von TEXAS CHAINSAW ist eigentlich kaum zu übersehen und wer es dennoch nicht mitbekommen hat, für den hat Luessenhop nach den Credits eine kleine Überraschung eingebaut, für die ich seinen Film jetzt schon sehr liebe. Jetzt weiß ich nicht, was überwiegt: Die Freude darüber, dass mir dieser Film wider Erwarten ausgezeichnet gefallen hat, oder die Gewissheit, dass der nächste Teil dagegen eigentlich wieder nur abstinken kann. Ich befürchte ja, dass man für die schon anberaumte Fortsetzung „zurück zu den Wurzeln“ strebt, nachdem Luessenhops Film eher nicht so erfolgreich war und wappne mich schon einmal für TEXAS CHAINSAW MASSCRE: THE RETURN, inszeniert von Darren Lynn Bousman oder einem ähnlichen Kaliber.