Mit ‘Aliens’ getaggte Beiträge

Prof. Douglas McCadden (Ben Murphy) findet in der Totenkammer Tutanchamuns einen weiteren Sarkophag, der laut einer beigefügten Schriftplatte einen „Reisenden“ enthält. Bei der Öffnung des Sarkophags in McCaddens US-amerikanischer Uni finden die Wissenschaftler und Studenten außerdem einen rätselhaften Pilz, der noch Probleme machen soll: Als einer von McCaddens Assistenten wenig später fünf Kristalle aus einem Geheimfach des Sarkophags entwendet, wird nämlich auch der Pilz „aktiviert“ und befällt einen der Studenten. Doch das ist noch nicht alles: Denn bei der offiziellen Vorführung des Fundstücks ist die Mumie plötzlich verschwunden. Sie ist auf der Suche nach den entwendeten Steinen …

Mit kargen 2,5 Punkten wird TIME WALKER auf IMDb abgespeist. Was sagt das über mich, der diesen Film wenn schon nicht besonders aufregend, so doch allein durch sein wenig abgegriffenes Mumienthema sehr sympathisch und angenehm unaufdringlich empfand? TIME WALKER ist ein kleiner Horror-Science-Fiction-Hybrid, dem man anmerkt, dass das Geld fehlte, um aus der Geschichte das Optimum rauszuholen: Dem Film fehlen die echten Show Stopper, der herausragende Effekt, das perfekt komponierte Set Piece, der spektakuläre Showdown, der das Versprechen, das dieser Film mit seiner doch recht interessanten Prämisse macht, einlösen würde. So bleibt das Geschehen insgesamt etwas „underwhelming“, wie der Angelsachse sagen würde, aber das steht dem Film gar nicht so schlecht zu Gesicht. Man merkt, dass Regisseur Kennedy von seiner Story überzeugt war und sie nicht bloß als Vorwand für FX-Gematsche verstand, sondern den Zuschauer erzählerisch fesseln wollte. Und irgendwie ist ihm das auch gelungen, selbst wenn ich einräumen möchte, dass TIME WALKER ganz gewiss niemanden um den Schlaf bringen wird. Um nachhaltig zu wirken, ist der Film doch etwas zu brav und durchschnittlich, aber immerhin zieht er sein Ding konsequent durch. Das hebt ihn wohltuend von vielen anderen Horrorfilmen ab, die ihrer Mörderprämisse schon im zweiten Akt nichts mehr hinzuzufügen wissen oder sich den gelungenem Aufbau mit einem überkandidelten Finale versauen. TIME WALKER ist nicht der Film, dem ich hinterherjagen würde, aber wenn man ihn mal in die Finger bekommt, ist er geeigneter, nicht zu stark fordernder Stoff, um ihn in sein kleines Genrefilmprogramm einzubinden. Am besten nach einem richtigen Knaller gucken, da ist er optimal platziert.

Weil ihr eigener Planet kurz vor der Eiszeit steht, muss sich eine Rasse Außerirdischer eine neue Heimat suchen. Ihre Wahl fällt auf die Erde, die sie jetzt noch von den lästigen Menschen befreien müssen, bevor es zu spät ist. Weil sie herausgefunden haben, dass der Mensch zu Aberglauben neigt, versichern sie sich der Dienste berühmt-berüchtigter Monster: Vampirgraf, Golem, Werwolf und Mumie. Doch weil es eine schwierige Aufgabe ist, diese Kreaturen unter Kontrolle zu halten, gerät der eigentliche Plan ins Hintertreffen …

Wie kann man einen europäischen Genrefilm aus den späten Sechzigerjahren, der mit dieser Prämisse daherkommt, nicht lieben? Alles an LOS MONSTRUOS DEL TERROR ist kindliche Monsterbegeisterung, von Groschenromanen geprägte und nicht von der Realität beeinträchtigte Imagination, Lust am wüsten Fabulieren und am barock überladenen Bild. Diesem Enthusiasmus wird tatsächlich alles unterworfen, was Demichelis Film zu einer Effizienz verhilft, die der des Außeriridischenplans nicht ganz unähnlich ist: Zum Wesentlichen kommt Demicheli genauso wenig wie die Wohnungssuchenden. Aber selten habe ich einem Film lieber beim Verfehlen der selbst gesteckten Ziele zugeschaut als hier. Der haarsträubend umständliche Welteroberungsplan gerät schon nach kürzester Zeit in Vergessenheit, weil sich die Monster nicht so einfach dem Zweck unterwerfen lassen. Wie ein paar im Süßigkeitenladen losgelassene Kinder beginnen sie sofort auf eigenen Wegen zu wandeln. Am Ende haben die Außeriridischen nicht nur nicht die Erde erobert und die Menschheit ausgelöscht, es ist ihnen noch nicht einmal gelungen, das malerische Fachwerkkaff, in dem der Film über weite Strecken spielt, unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Grad des Versagens ist gar nicht messbar.

Beim Film selbst möchte man das nicht so deutlich sagen: Zwar bleibt Demicheli (oder vielmehr das Drehbuch) in seiner Narration irgendwo im zweiten Akt stecken und ist dann damit beschäftigt, die lustige Rasselbande im Zaum zu halten, dass es hier ja nicht zuletzt um Vorgänge von geradezu kosmischer Bedeutung geht, gerät bei diesem lustigen Ringelpiez auch in Vergessenheit. Aber das ist ja das Tolle an dem Film: Aus einer Prämisse, die heute einen von vorn bis hinten durchgetunten und marketingtechnisch bis zur Mc-Donald’s-Spielzeugkampagne perfekt organisierten Film nach sich zöge (siehe zum Vergleich etwa den furchtbaren VAN HELSING), macht Demicheli einen verhinderten Kinderfilm, dessen Unschuld zu Herzen geht und der seinen Monstern die Ehre erweist, anstatt sie nur durch den postmodernen Verwertungswolf zu drehen. Wahrscheinlich sollte ich hier mehr ins Detail gehen oder lustige Dialoge zitieren (die deutsche Synchro ist nämlich ein Kracher!), aber das muss ich mir für die Zweitsichtung aufheben. Nur ein kleines Bonbon, das helfen soll, sich eine Vorstellung von dem entwaffnenden Irrsinn, der hier geboten wird, zu machen: Die Entscheidung, sich einen anderen Planeten zur Besiedelung zu suchen, begründet das Oberalien (Michael Rennie) lapidar in einem Nebensatz damit, dass es ihnen leider nicht gelungen sei, eine künstliche Sonne zu konstruieren. Na, dann muss es eben Plan B mit den Monstern sein, ist ja klar.

Hinter dem Haus der Familie Gardner landet mitten in der Nacht ein UFO. Die Warnungen des kleinen David (Hunter Carson), der die Landung beobachtet hat, wird von seinen Eltern in den Wind geschlagen. Als aber der Papa (Timothy Bottoms) wenig später nicht nur eine verdächtige Narbe im Nacken trägt, sondern auch äußerst merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag legt, schöpft David Verdacht. Und tatsächlich stellt sich wenig später heraus, dass Außerirdische seinen verschlafenen Heimatort als Ausgangsunkt einer Invasion ausgewählt haben. Gemeinsam mit der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) nimmt der Junge den Kampf gegen die Invasoren auf …

INVADERS FROM MARS, das Remake des Fünfzigerjahre-Klassikers, ist der zweite von drei Filmen, die Tobe Hooper mitte der Achtzigerjahre für die Cannon inszenierte. Und wie  LIFEFORCE und THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 sollte auch dieser Film an der Kniokasse weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, seine Produktionskosten nicht einmal annähernd wieder einspielen. Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden: Das Sequel des Kettensägenfilms gilt mittlerweile als rehabilitiert und wird für gewöhnlich unter dem Etikett „zu seiner Zeit missverstandenes Meisterwerk“ einsortiert, LIFEFORCE und INVADERS FROM MARS profitieren heute nicht unerheblich vom Eighties-Bonus und werden vor allem von in jener Zeit aufgewachsenen Filmnerds favorisiert, die den bunten Stil von damals, die „handgemachten“ Effekte und den Charme von millionenschwerem, naivem Trash schmerzlich vermissen. Tatsächlich ist INVADERS FROM MARS sympathisch unschuldiges Entertainment, fügt sich fast nahtlos in das jugendfreie Genrekino dieser Zeit, wie es von Steven Spielberg oder auch Joe Dante geprägt wurde, ein. Fast.

INVADERS FORM MARS ist ein bisschen wie die mit Superstars gespickte Fußballmannschaft, bei der das Gesamte dann merkwürdigerweise weniger wert ist als die Summe seiner Teile: Der herrlich künstliche, farbintensive Look des Films, seine fantasievollen Settings, der schöne Einsatz der Steadicam, die die langsam Gestalt annehmende Gewissheit in kaum merklich schwankenden Bildern einfängt, der suggestive Score von Christopher Young, die herausragende Effektarbeit von John Dykstra und Stan Winston und das inspirierte Casting – Bud Cort als Science-Nerd! Louise Fletcher als besessene, froschfressende Lehrerin! James Karen als ledernackiger Militärchef! – addieren sich leider nicht zu einem rundum befriedigenden Film. Wie schon Hoopers LIFEFORCE zuvor wird auch INVADERS FROM MARS von einer rätselhaften Bräsigkeit daran gehindert, Fahrt aufzunehmen. Es ist schwer, dieses Versagen an betimmten Ursachen festzumachen: INVADERS FROM MARS wirkt irgendwie leblos, der Funke, der bei den Filmen Spielberg und Dante sofort auf den Zuschauer überspringt, verglimmt hier, bevor er das Herz in Flammen setzen kann. Dass allein auf Hauptdarsteller Hunter Carson zu schieben, der als Protagonist zu blass bleibt, wäre zu einfach. Hooper inszeniert wie mit angezogener Handbremse, der Mittelteil des Films zieht sich zu lang und das Drehbuch hakt lediglich Plotpoints ab, ohne jemals wirklich spezifisch zu werden. Es fehlen einfach die Details, die den Ort und seine Bewohner für den Zuschauer erst wirklich lebendig machen und ihn so überhaupt ein Interesse an ihrer Rettung entwickeln lassen würden. Auch die Angst, dass die eigenen Eltern einem nach dem Leben trachten, die letztlich den psychologischen Kern des Films ausmacht, entwickelt nie die existenzielle Schwere, die nötig wäre, um den Film wirklich anzutreiben. So plätschert INVADERS FORM MARS so dahin und das Getöse, das auf dem Bildschirm herrscht, lässt einen merkwürdig ungerührt.

Das ist ausgesprochen schade, denn äußerlich stimmt eigentlich alles und man sieht jederzeit, was ein profilierterer Regisseur mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hätte anfangen können. INVADERS FROM MARS ist insofern ein typischer Hooper: Der Schöpfer des Jahrhundertfilms THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE hat heute längst den Status der Eintagsfliege mit tragisch-ernüchterndem Karriereverlauf inne und die hier aufgeführten Kritikpunkte lassen sich mit ganz wenigen Ausnahmen (THE FUNHOUSE, TCM 2) auf fast alle seiner Filme anwenden. INVADERS FORM MARS ist mit entsprechend modifizierter Erwartungshaltung trotzdem sehenswert, eben ein Vertreter einer Art von Blockbuster-Kino, die es heute so nicht mehr gibt. Und wenn man sich vor Augen führt, was Hooper etwa ab Mitte der Neunzigerjahre so vorgelegt hat, dann erscheint er fast wie eine kleine Meisterleistung.

Jahre, nachdem eine Raumkapsel mit Proben außerirdischen Lebens beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrach und in Mexiko landete, ist ein Großteil des mittelamerikanischen Staates Sperrzone: Gewaltige Mauerkonstruktionen sollen die gigantischen Monster von den menschlichen Sieldungen außerhalb dieser „Infected Zone“ fernhalten. Der amerikanische Fotograf Andrew Kaulder (Scoot McNairy) erhält den Auftrag, Samantha Wynden (Whitney Able), die Tochter eines reichen amerikanischen Verlegers aus Mexiko zurück in die USA zu bringen. Doch dafür müssen beide gemeinsam die besagte „Infected Zone“ durchqueren …

Thematisch und ikonografisch fügt sich MONSTERS gut ein in das apokalyptische Genrekino der vergangenen Jahre, sucht und findet seinen Platz zwischen Filmen wie CARRIERS, (dem von mir noch nicht gesehenen) THE ROAD, Frank Darabonts unterbewertetem THE MIST, Spielbergs brillantem WAR OF THE WORLDS und dem inhaltlich verwandten DISTRICT 9: Auch wenn der eigentliche Grund für die Endzeitstimmung außerhalb unseres Planeten zu suchen ist, so ist doch nicht zu leugnen, dass es vor allem menschliches Versagen ist, das die Welt von MONSTERS sich in so ein trostloses Fleckchen verwandeln konnte. Mit Mexiko hat die Alien-Invasion ein sowieso schon armes Land hart getroffen, die gut bewachte Grenze zum reicheren Nachbarn im Norden, die zu überqueren Jahr für Jahr Tausende von Emigranten große Anstrengungen in Kauf nehmen, ist nun endgültig nur noch für wohlhabende Menschen zu überwinden. Mit der gewaltigen Mauerkonstruktion, die die Monster in der „Infected Zone“ halten soll, hat sich auch die erste von der dritten Welt abgeschottet. Die Reise der beiden Amerikaner, die sich erst einmal daran gewöhnen müssen, dass ihr sie normalerweise  als Angehörige einer Wirtschaftselite ausweisender Pass nun kaum noch etwas wert ist, ist auch eine Reise ins Schuldbewusstsein des US- (bzw. Erste-Welt-)Bürgers. Wenn Andrew und Samantha in Sichtweite der gewaltigen Mauer auf einem alten Tempel im mexikanischen Urwald kampieren und die Selbsterkenntnis plötzlich sehr grafisch wird, der Blick von außen ins Innere buchstäblich an einer Wand abprallt,  hinter der der amerikanische Traum geschützt werden soll, während vor den Pforten die real gewordenen Albträume herumspuken, dann reizt Edwards sein Bild vielleicht etwas zu sehr aus, um noch guten Gewissens von einem Subtext sprechen zu können. Gleiches gilt für die Szene in einer Geisterstadt in der die „Infected Zone“ umgebenden Quarantänezone, die unweigerlich Assoziationen an die vom Hurricane Katrina heimgesuchte Stadt New Orleans weckt. Trotzdem bieten diese Assoziationen Anlass für weitere Gedanken: Etwa jenen, dass Grenzen, egal wie hoch und sicher sie auch sein mögen, die Außenstehenden stets auch dazu einladen, über das, was hinter ihnen liegt, zu fantasieren. Man weiß nicht, ob Vereinigten Staaten sich hinter einer Mauer verbergen, damit die Monster draußen bleiben oder um zu insinuieren, dass es im Inneren überhaupt noch etwas gibt, dass es vor einem Außen zu beschützen lohnt – was sich ja von außen eben nicht überprüfen lässt.

Dass diese zu so etwas wie einer Zivilisationskrankheit des modernen Kinos gewordene Überdeutlichkeit dem Film nicht wie anderen (DISTRICT 9 anyone?) völlig das Genick bricht, liegt vor allem daran, dass Edwards sonst eher wenig didaktisch unterwegs ist, nur wenig erklärt, Dialoge eher zur Charakterisierung denn zur Exposition benutzt und sich ganz der Schaffung einer nicht wirklich greifbaren, deshalb umso beunruhigenderen Atmosphäre einer bevorstehenden Aufruhr widmet. Das gelingt ihm sehr gut: Die Monster bleiben lange unsichtbar, ohne dass ihre Präsenz dadurch beeinträchtigt würde, die unwirklichen Bilder städtischer Verwüstung hallen lange nach und die surrealen Bilderwelten, die sich dem Zuschauer im weiteren Verlauf während der Urwalddurchquerung eröffnen, tragen ihren Teil dazu bei, dass MONSTERS im gegenwärtigen Genrekino einerseits sehr heimisch ist, aber andererseits nie so ganz zum supercleveren Metakino dazugehören möchte.

Das ist gut so und MONSTERS somit mit Leichtigkeit einer der besten Beiträge zum erwachsenen Science-Fiction-und Horrorkino der vergangenen Jahre. Was nicht heißt, dass er frei von Fehlern ist: So gut mir sein (zugegebenermaßen derivatives) Monsterdesign als Lovecraft-Anhänger auch gefallen hat, so wenig fügt das Auftreten der Monster dem Film insgesamt hinzu. Das liegt zum einen daran, dass sie ein ständiges Déjà-vu verursachen, abwechselnd an die genannten WAR OF THE WORLDS, THE MIST, Lovecraft oder auch JURASSIC PARK denken lassen, zum anderen daran, dass ihr Auftreten irgendwann sehr redundant wird. Schlimmer ist jedoch die Auftaktsequenz, die mit ihren Found-Footage-Bildern Böses befürchten lässt,  einem die Freude über diesen gelungenen Film dann aber doch erst im Nachhinein verdirbt, weil man sie erst dann einordnen kann. Auch wenn sie inhaltlich durchaus konsequent ist: Wann kommen Filmemacher endlich wieder zu der Einsicht, dass es völlig ausreicht, eine Geschichte mit einem Anfang und einem Ende zu erzählen, und es nicht nötig ist, irgendwelche Twists oder Surprise Endings als Prolog oder Epilog vor- bzw. nachzuschalten und für sich genommen perfekt funktionierende Filme damit auszuhebeln?

In der Nähe einer amerikanischen Kleinsstadt landet ein UFO in der Form eines Zirkuszelts. Die Aliens, die diesem Zelt entsteigen, sehen zwar aus wie Clowns und treiben auch allerlei Schabernack mit Popcornpistolen, Luftballons und Schattenspielen, führen aber trotzdem Böses im Schilde. Erst als die halbe Stadtbevölkerung in Zuckerwatte-Kokons verpuppt im UFO hängt, blasen die Verbliebenen zum Gegenangriff …

KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE, ein Familenprojekt der Chiodo-Brüder, die sich vor allem als Special-Effects-Spezialisten einen Namen gemacht haben (u. a. CRITTERS, CRITTERS 2, ELF oder TEAM AMERICA), ist vor allem wegen seines liebevollen Dekors und seiner verschrobenen Prämisse erwähnenswert: Handelt es sich bei der Clownkostümierung um eine absichtliche Tarnung, um die Menschen in die Irre zu führen, oder existiert wirklich eine Alienrasse, die wie irdische Clowns aussieht? Und wenn letzteres der Fall ist:  Ist das bloß Zufall oder gehen unsere Clowns vielleicht gar auf einen früheren Besuch der Außerirdischen zurück. Fragen, für deren Beantwortung sich der Film nicht interessiert, die er auch gar nicht explizit stellt, die aber trotzdem mitschwingen und das Geschehen aufwerten. Hauptgrund, sich den Film anzuschauen, ist aber ohne Frage das Design: Die Clowns sehen mit ihren aufgeblasenen Gummischädeln und den quietschbunten Anzügen einfach herrlich aus, das Innere des UFOs ist eine surreale Kreuzung aus den Raumschiff-Interieurs vergleichbarer Science-Fiction-Stoffe und der farbenfrohen Zirkuswelt, an der man sich kaum sattsehen kann, und die Tricks, mit denen die clownesken Aliens die Menschen unschädlich machen, reizen die herrlich überdrehte Grundidee des Films genauso weit aus, wie man das von einem offensichtlichen Herzensprojekt erwarten darf. Da werden Menschen mithilfe von Strahlenkanonen in pinkfarbene Zuckerwatte-Kokons eingesponnen, von elaborierten Schattenspielen aufgefressen oder – in einer der wenigen makabren Szenen – zu Handpuppen umfunktioniert. Ein aus Luftballons geknoteter Hund nimmt die Fährte auf, lebendiges Popcorn verwandelt sich in gefräßige Clownpflanzen und die Knöpfe im Inneren des UFOs geben alberne Hupgeräusche von sich. Es ist zu verschmerzen, dass KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE leider nicht gerade ein Ausbund an nervenzerrender Spannung ist: Den Plotverlauf kennt man aus Dutzenden von Fünfzigerjahre-Alien-Invasion-Filmen, die in den Achtzigerjahren ja nur wenig überraschenderweise ein kleines Revival erlebten (man denke etwa an THE BLOB, den genannten CRITTERS oder aber NIGHT OF THE CREEPS), und da die Chiodos nicht im Sinn haben, die von ihnen verwendete Blaupause zu revolutionieren, der Reiz des Designs aber nicht über die volle Laufzeit trägt, wird es zum Ende hin schon ein bisschen langweilig. Das Finale entschädigt dann aber ebenso für die kleineren Längen, die bei einer Laufzeit von kanpp 80 Minuten ja eh zu verschmerzen sind.

 

 

Weil seine Rasse auf dem fernen Planeten Davana von einer rätselhaften Blutkrankheit dahingerafft wird, wird einer der Außerirdischen (Paul Birch) auf die Erde geschickt, um herauszufinden, ob Menschenbluttransfusionen die Krankheit stoppen können. Als „Paul Johnson“ engagiert der Außerirdische die Krankenschwester Nadine (Beverly Garland) und holt sich mithilfe des Chauffeurs Jeremy (Jonathan Haze) unfreiwillige Blutspender ins Haus …

Im gleichnamigen Remake von 1988 hatte Jim Wynorski mithilfe von Traci Lords und dem Fokus auf dem Fish-out-of-Water-Aspekt eher die komische Seite der Geschichte betont, während Corman sie mit viel Mitgefühl für die todgeweihten Außerirdischen erzählt und so unweigerlich die im Zentrum des Films stehende moralische Frage in den Mittelpunkt rückt: Darf sich eine „überlegene“ Rasse über eine andere stellen, wenn es um ihr Überleben geht? Oder anders gefragt: Darf man von ihr verlangen, dass sie  sich in einer solchen Situation abstrakten moralischen Grundsätzen unterwirft, wenn sie damit ihr eigenes Todesurteil unterzeichnet? Corman gibt auf diese Frage keine Antwort (bzw. umgeht er sie gewissermaßen, weil er seinen Außerirdischen keinerlei Empathiebegabung mitgibt), aber es ist trotzdem klar, dass es hier eigentlich nicht um eine erfundene Alienrasse geht, sondern um die Menschheit und ihre eigene seit der Antike proklamierte Überlegenheit, die sie als Legitimation betrachtet, Unterlegene – seien es Tier- und Pflanzenwelt oder aber vermeintlich weniger weit entwickelte Kulturen – auszubeuten. Dass Nadine und ihre Helfer dem Außerirdischen, der bereit war, die Menschheit auszurotten, am Ende einen Grabstein mit der Inschrift „He was not of this earth“ spendieren, scheint die Möglichkeit einer über die eigenen genetischen Grenzen hinausgehenden Solidariät, ja sogar eines voraussetzunglsosen Verzeihens anzudeuten, aber irgendwie muss man mehr als 50 Jahre nach Cormans Film doch konstatieren, dass das nach wie vor Wunschdenken ist. Eine Sternstunde des Exploitationfilms mit einem herrlichen Kurzauftritt von Dick Miller als Staubsaugervertreter mit fettem Brooklyn-Akzent („You wanna puychase or you don’t wanna puychase?), die ich wahrscheinlich noch mehr zu würdigen gewusst hätte, wenn ich nicht erst vor kurzen das Remake gesehen hätte, das sich im Handlungsablauf kaum vom Original unterscheidet.

Vom Planeten Davana kommt der Außerirdische „Mr. Johnson“ (Arthur Roberts), der herausfinden soll, ob seiner Rasse ein Leben auf dem Planeten Erde möglich ist. Weil das Menschenblut, das er braucht, aber immer wieder in seinen Adern egrinnt, benötigt er regelmäßige Bluttransfusionen, wofür er die Krankenschwester Nadine (Traci Lords) einstellt. Gemeinsam mit dem freundlichen Chauffeur Jeremy (Lenny Juliano) kommt sie dem Spacevampir auf die Schliche …

Das gleichnamige Corman-Original aus dem Jahr 1957 habe ich noch nicht gesehen, aber Wynorskis Remake passte so gut in meine kleine Achtzigerjahre-Trashreihe, dass ich gestern einfach nicht drumrumgekommen bin, ihn einzuwerfen. Im filmhistorischen Gedächtnis bleiben wird NOT OF THIS EARTH wahrscheinlich zu allererst als Spielfilmdebüt der 19-jährigen Traci Lords, die damals erfolgreich antrat, um sich von ihrem Lolitaporno-Image zu befreien. Ihre Darstellung ist dann – durchaus keine Selbstverständlichkeit – auch ein Qualitätsmerkmal des Films: Ganz entgegen dem Brauch, gut gebaute Schönheiten in typischen Damsel-in-Distress-Rollen als Screamqueens zu verheizen, haben die Drehbuchautoren ihr ein ziemlich loses Mundwerk angeschrieben, dass ihr gut zum hübschen Gesicht steht und dem sie auch die nötige Persönlichkeit hinzufügt. Der ganze Film ist darüber hinaus ziemlich deutlich als flockig-satirische Zivilisationskomödie angelegt und das funktioniert sehr gut, weil der Humor nie zu grell wird, sondern im Gegenteil erstaunlich subtil ist und oft erst im Nachhinein als solcher auffällt. Viel Witz bezieht Wynorski aus dem Aufeinanderprallen des von Spock’scher Emotionalität geprägten Außerirdischen mit den menschlichen Katastrophen, die sich in L.A. so tummeln: etwa als ein „Strip-O-Gram“ bei ihm eintritt, um ihm ein Geburtstagsliedchen zu singen und er völlig regungslos bleibt, bis sich herausstellt, dass die kurzsichtige Stripperin die falsche Hausnummer erwischt hat; oder als ein Staubsaugervertreter ihm unbedingt sein Gerät vorführen will, was „Mr. Johnson“ immer wieder stoisch mit dem Hinweis ablehnt, er wolle nichts kaufen, bis ihm der ahnungslose Vertreter vorschlägt, den Keller zu reinigen. Ein toller Cameo gehört Monique Gabrielle, die eine geistig verwirrte Frau an einer Bushaltestelle spielt und das New-Wave-Punk-Outfit, in dem sich Rebecca Perle als Außerirdische vom Planeten Davana auf die Erde abseilt, um ein paar Punks aufzumischen, ist auch nicht ohne. Ein Film also, dessen kleinen Pretiosen ich jetzt noch länger aufzählen könnte, ohne damit jeglichen Sinn zu stiften, wehalb ich es beim obligatorischen Hinweis belasse, sich den Film schleunigst zuzulegen. Sweet!

Im gemütlichen North Carolina landet ein UFO und entlässt die „Alien Outlaws“, drei intergalaktische Hooligans, die sofort damit beginnen, arglose Wanderer zu killen. Zum Glück ist die kesse Jesse Jamison (Kari Anderson) in der Nähe, eine ehrgeizige aufstrebende Kunstschützin, die eigentlich mit ihrer Wildwestshow groß rauskommen will, nun zunächst aber mal die außerirdischen Halunken zur Strecke bringen muss …

ALIEN OUTLAW ist ein Fest. Nicht, weil er voller irrwitziger Ideen, mieser Effekte, schlechter Schauspieler und dummdreister Dialogzeilen stecken würde (was er auch tut), sondern zu allererst, weil Regisseur Phil Smoot sich mit seinem Drehbuch als, nun ja, gemessen an seinem Talent hoffnungslos überambitionierter Dialogschreiber verrät. Jeder Dialog wird bis zum Anschlag angefüllt mit „spritzigen“ Anekdötchen, belanglosen Floskeln, wissenswerten Fakten und anderen Lautäußerungen, sodass man als in der Disziplin der linguistischen Pragmatik bewandeter Zuschauer bald das Gefühl hat, es hier durchweg mit Soziopathen zu tun zu haben, denen jedes Gespür dafür, was ihren Gesprächs-„Partner“ interessieren könnte und was er hingegen als nervtötende Zeitverschwendung betrachten muss, vollkommen abhanden gekommen ist. Ob eine Figur von größerer oder nur nebensächlicher Bedeutung für den Film ist: Smoot gibt jedem seine große Rede. So darf die Dame von der Künstleragentur, bei der sich die selbstbewusste Jesse vorstellt, lang und breit davon erzählen, welche Pforten der Kunstschützin denn nun offenstünden, weil sie sich für diese tolle Agentur entschieden habe, wie sich ihr Leben dadurch verändern werde blablabla, ohne dass das im weiteren Verlauf auch nur die geringste Rolle spielte.

Überhaupt diese Jesse Jamison: Die „Powerfrau“, die mit Vorliebe im Miniwildlederkleidchen rumläuft, unter dessen Fransenröckchen man unschwer ihr Höschen hervorblitzen sieht, erkennt der geübte Zuschauer schon von Weitem als unerträgliche Zicke. Hinter dem strengen Gesicht mit dem zahnigen Haifischlächeln verbirgt sich eine menschliche Katastrophe, deren hervorstechendste Eigenschaften Humorlosigkeit, Missgunst, Eitelkeit und ein unerschütterlicher Glauben an die in keinerlei Verhältnis zu diesem Glauben stehenden eigenen Fähigkeiten sind: Mit ihren hüftlangen Haaren (die am Set bestimmt für den ein oder anderen Zickenalarm verantwortlich waren) hält sie sich für eine Prinzessin, der allein aufgrund dieser Tatsache schon alles zusteht, was die Welt so bereithält. Und auch, dass sie lediglich der „Star“ einer blöden Gunshow ist, hält sie nicht davon ab, sich für Prominenz zu halten. Der faule Manager, den sie zu Beginn rausschmeißt (nach einer Exposition, deren Länge vermuten lässt, dass es in ALIEN OUTLAW nicht um Alien Outlaws, sondern um die steinige Pfade im Kleinkunstgewerbe gehe) kann von Glück sagen, dass er diese Schlampe ohne Ärger losgeworden ist!

Der ruhende Pol des Films ist aber eindeutig Lash LaRue als Jesses großväterlicher Freund Alex Thomas. Der damals fast 70-jährige LaRue war in den Vierziger- und Fünfzigerjahren Held unzähliger RKO-Western, in denen er stets mit seiner Peitsche (daher der Name „Lash“) auftrat. Mit seinem fetten Southern Drawl, das durch eine halbseitige Gesichtslähmung noch intensiviert wird und dem unerschütterlichen Gemüt eines Mannes, der nur noch auf den Tod wartet, wird er zum Maskottchen dieses verlaberten Films, der einen unweigerlich an einen Besuch im Altenheim erinnert, einem Ort, an dem ja auch jede noch so langweilige Geschichte ad infinitum wiedergekäut wird. Wer könnte die Szene vergessen, in der Jesse ihren Freund Alex verlässt, sich zur Verabschiedung nochmal umdreht, nur um von ihm mit einem weiteren Schwall unverbindlicher Nettigkeiten und leerer Phrasen aufgehalten zu werden. Wenn man in einem Phil-Smoot-Film mitmacht, muss man viel Zeit mitbringen und über einen entsprechend flexiblen Terminkalender verfügen.

Weil ich aber noch nix über die Aliens gesagt habe: Ihre stärkste Szene haben sie, als sie an das Häuschen einer Blondine kommen, die gerade ihr Gepäck rausbringt, um zu verreisen. Als sie wieder im Haus verschwunden ist, machen sich die Aliens daran, beherzt die herumstehenden Taschen wegzutreten und das Auto zu demolieren. Man sieht: Asoziales Verhalten ist kein Exklusivrecht der menschlichen Rasse. Die Aliens reden nur nicht so viel darüber.

Bevor es hier mit der versprochenen hohen Filmkunst weitergeht, brauche ich erst einmal eine ordentliche Dosis Gewalt, verabreicht von dicken Männern, die kaum noch aus den zugeschwollenen Augen gucken können. Genau, ich bin mal wieder bei Steven Seagal gelandet.

Die Inhaltsangabe kann ich aufgrund der in ATTACK FORCE vorherrschenden Plotkonfusion nur mithilfe der IMDb verfassen, man verzeihe mir: Marshall Lawson (Steven Seagal), Anführer einer Spezialeinheit, verliert sein Team beim Überfall einer Gruppe blutrünstiger Killer. Die Ermittlungen führen ihn zu einem Drogendealer und einer geheimen Operation: Mithilfe der Droge CTX verwandeln sich Menschen in unaufhaltsame Mordbestien. Eigentlich ist die Droge für militärische Kampfeinsätze vorgesehen, doch stattdessen wird sie ins Trinkwasser geleitet. Lawson nimmt mit seinen Leuten den Kampf gegen die Killer auf …

Kurz nach diesem DTV-Filmchen, das die typischen Merkmale der meisten Filme des Seagal’schen Oeuvres ab 2001 aufweist, auf die ich gleich eingehen werde, fand die mysteriöse Kampfwurst mit dem düsteren URBAN JUSTICE überraschend wieder in die Spur, knüpfte damit zwar nicht an sein mit Studiopower produziertes Frühwerk der Jahre 1988 bis ca. 1996 an, konnte sich aber endlich von den billig produzierten, ultrakonfusen und überkomplizierten Agententhrillern verabschieden, mit denen er seine Zuschauer ab ca. 2001 regelmäßig zu überfordern pflegte. ATTACK FORCE markiert zwar schon einen Schritt in die richtige Richtung – die Handlung ist deutlich gradliniger, das Personeninventar übersichtlicher, die Action zupackender – doch war man vom Ziel, einen ansehbaren Film zu produzieren oder auch nur eine halbwegs sinnstiftende Inszenierung hinzubekommen, immer noch meilenweit entfernt. Das heillose Chaos, als das sich ATTACK FORCE dem verdutzen Zuschauer darstellt, hat eine verblüffende Ursache: Erst in letzter Sekunde entschied man sich, aus einem ursprünglich geplanten Alien-Invasion-Film einen „normalen“ Terroristen-Actioner zu machen. Überreste dessen, was einmal sein sollte, sind aber noch überall im fertigen Film verstreut: Warum etwa die durch die Droge zu Amokläufern mutierten Opfer unter einer rätselhaften (und tricktechnisch gar nicht mal so schlecht realisierten) Mutation ihrer Augen leiden, außerdem Messer aus einem auf der Erde unbekannten Material mit sich führen, kann natürlich nie befriedigend erklärt werden – außer eben dadurch, dass es sich bei ihnen ursprünglich mal um böse Aliens handelte. Warum man sich für diese Neukonzeptionierung entschied, ist mir nicht bekannt, aber die ganze Drogengeschichte ist mit derart heißer Nadel gestrickt, dass man entscheidende Dialogpassagen nicht einmal mehr neu drehen konnte, sondern schlicht nachsynchronisierte. Das hat wiederum zur Folge, dass Seagal in diesem Film mit zwei verschiedenen Stimmen spricht: seiner eigenen, meistens aber mit der eines Synchronsprechers, dessen Organ nur wenig Ähnlichkeit mit des Shadow Mans sanftem Bariton hat, auch schon mal spricht, wenn Seagal den Mund gar nicht bewegt, und deshalb für einige Verwirrung sorgt. (Und natürlich gilt das auch für alle anderen Darsteller des Films.) Angesichts dieses Chaos ist es schon erstaunlich, dass ATTACK FORCE ästhetisch gar nicht mal so schlecht geworden ist.

Wieder einmal in Bukarest gedreht, das hier nur wenig überzeugend Paris darstellen soll, ist Seagals Beinahe-Science-Fictioner düster und klaustrophobisch. Tageslicht gibt es in Keuschs Film fast gar nicht, Szenen unter freiem Himmel ebenfalls nur ganz selten und die Kamera geht nie in eine Raum spendende Totale, sondern ist meist so dicht an den Figuren dran, dass man nie einen Eindruck vom Raum erhält, in dem sich das Geschehen abspielt. Der ganze Film fühlt sich unangenehm und beengt an, als wohne man einem abgefilmten Fiebertraum bei und dazu passt auch, dass Seagal dank der geschilderten Umstände noch mehr wie ein Geist wirkt als das ohnehin schon der Fall ist. Eine Verbindung zwischen ihm und dem Rest des Films ergibt sich nie, er wirkt immer wie aus einer anderen Dimension ins Geschehen gebeamt und schwebte er auf einer Wolke durch die Settings, es machte kaum einen Unterschied. Vielleicht war auch den Machern – Seagal selbst fungierte als Produzent – bewusst, dass er mehr und mehr wie eine überirdische, immaterielle Präsenz, ja wie ein Engel wirkt, selbst wenn er wie im Showdown einen meterlangen Schießprügel in den schwammigen Wurstfingern hält, als handele es sich dabei nicht um eine Waffe, sondern um ein besonders wertvolles Stangengebäck. Das erklärte sowohl, warum man ihn fürs DVD-Cover via Photoshop in einen jungfräulichen 17-Jährigen schönfärbte, als auch, warum man die Aliens kurzerhand in Drogenopfer verwandelte: Ein Seagal ist bereits mehr Alien als ein Film vertragen kann.

Der querschnittsgelähmte Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington) wird als Ersatz für seinen toten Bruder auf den Planeten Pandora beordert, um dort am Avatar-Programm mitzuarbeiten. Bei diesem Programm wird der Geist eines „Piloten“ in den Körper eines Ureinwohners Pandoras, eines Na’Vi, transportiert. Ziel des Expermentes ist es, die Kultur der Na’Vi zu erforschen und Kenntnisse zu gewinnen, die dem Menschen bei der Kolonisierung des Planeten hilfreich sein können. Der wirtschaftlich-militärische Komplex hat freilich anderes im Sinn: Sein Ziel sind die kostbaren Rohstoffe, die unter dem Hometree, dem heiligen Wohnort der Na’Vi liegen. Jake soll dabei helfen, die Ureinwohner von diesem Ort zu vertreiben, doch er findet mehr und mehr Gefallen an seinem neuen Leben im Körper eines Außerirdischen …

Nun habe ich ihn endlich auch gesehen, den Film, der das Kino angeblich so grundlegend verändern würde. Um diese Hoffnung zu bestätigen oder aber ad acta zu legen, ist es wohl noch zu früh, Fakt ist, dass die Popularität Camerons und von AVATAR der Marke „3D“ sicherlich geholfen haben, aber auch, dass bislang kein einziger 3D-Film das Versprechen der totalen Immersion einlösen noch auch nur der Opulenz von Camerons Wunschkind nahekommen konnte. Aber auch bei Cameron erkennt man, dass im Umgang mit der neuen Technologie noch etwas die Souveränität fehlt: Erzählerisch läuft AVATAR auf Sparflamme, entpuppt sich als Collage aus zahlreichen bekannten Motiven, Handlungsabläufen aus anderen Filmen, tausendfach erprobten Inszenierungsklischees und Figuren, die einem bereits nach wenigen Sekunden Screentime vollkommen bekannt sind, weil sie keinerlei Brüche haben. Das ist nicht so wahnsinnig schlimm, weil AVATAR dafür – wie zu erwarten war – an anderer Stelle aus dem Vollen schöpft: Die Bilder vom Planeten Pandora, seiner fremdartigen Flora und Fauna, sind traumhaft, die Effekte von einer Qualität, die man so bisher tatsächlich noch nicht gesehen hat. Die ersten 90 Minuten des Films vergehen allein deshalb im Flug, weil man sich an den Bildern einfach nicht sattsehen kann und der Handlung kaum mehr als die Rolle des Reiseleiters zukommt.

Aber gerade in der Verbindung der technischen Brillanz auf der einen mit einer doch als einfältig zu bezeichnenden Geschichte auf der anderen – ein guter Freund von mir merkte an, dass AVATAR im Grunde genommen ein Remake von RED SCORPION ist – bietet AVATAR reichlich Anlass für ausufernde Diskussionen. Das Maß an menschlicher Selbstgeißelung, das in diesem Film zum Ausdruck kommt, ist beachtlich: Je mehr der Mensch sich wissenschaftlich in die Zukunft entwirft, je ausgereifter und komplexer seine Schöpfungen werden, umso stärker scheinen auch revisionistische Kräfte zu werden, anders sind der Naturmystizismus und die Technologieskepsis, die sich durch AVATAR ziehen, nicht zu erklären. Es ist bizarr, dass das vielleicht ehrgeizigste Projekt der Filmgeschichte seine Zuschauer mithilfe modernster Computertechnologie in eine urtümliche Traumwelt entführt, um ihnen dann zu erzählen, dass wir uns von der Natur entfremdet haben und mit der Technologie aufs falsche Pferd gesetzt haben. Und diese Bizarrerie ist es auch, die AVATAR eine Widersprüchlichkeit verleiht, die der Plot mit seinen groben Schwarzweiß-Strukturen völlig verleugnet. Der Konflikt Naturvolk vs. Zivilisation – auf Bild- und Dialogebene natürlich angereichert mit etlichen Bezügen auf Vietnam- und Golfkrieg, den Genozid an Indianern und den von Bush ausgerufenen „War on Terror“ – lässt keine differenzierte Betrachtung zu und auch die Figuren des Films sind eindeutig in einem sauber geordneten Gut-Böse-Schema zu verorten. Und wenn dann zum Finale hin mit Feuereifer für die „gute Sache“ eingestanden und mit Begeisterung und heiligem Zorn gestorben und getötet wird, dann fragt man sich unweigerlich, wie viele fremde Planeten der Mensch noch (via Kino) aufsuchen muss, um festzustellen, dasser dort immer nur sich selbst findet. Ist unsere Fantasie so beschränkt, dass selbst naturliebende Aliens so aussehen müssen, als kämen sie geradewegs aus Afrika? Und kann man Naturverbundenheit musikalisch nicht anders umsetzen, als mit dem grauenvollen Ethnoschwurbel aus dem Eine-Welt-Laden? (Aber wenn man schon James Horner für den Score engagiert, wollte man es offensichtlich noch nicht einmal versuchen.) Dass jemand, der so viel Energie und Zeit dafür aufbringt, ja, seine ganze Karriere dem Ziel gewidmet hat, neue Weg zu gehen, andererseits Klischess aus dem vorvorletzten Jahrhundert bemüht, ist mindestens ebenso erstaunlich wie der Effektzauber, den Cameron in AVATAR entfesselt

Das ist jetzt recht viel Kritik für einen Film, dessen Leistung unbestreitbar ist, der zudem über die üppige Spielzeit von rund 180 Minuten durchweg gute Unterhaltung bietet, von dem ich also sagen würde, dass er mir gefallen hat. Aber irgendwas ist dennoch faul an diesem Film, etwas, was noch jenseits seiner naiven Weltsicht und seiner durchaus als verlogen zu bezeichnenenden Zurück-zur-Natur-Message liegt. Cameron hatte seinen Beruf ja schon nach seinem Riesenerfolg mit TITANIC einer Neuinterpretation unterzogen, als er sein Schaffen plötzlich ganz in den Dienst der Technologie stellte und Dokumentationen drehte, die allein dazu dienten, neuartige Kameras zu erproben. Dieser technokratische Zug befremdet auch den Betrachter von AVATAR, dessen Naturparadies Pandora sich am Schluss als gigantisches Netzwerk entpuppt, in dem jedes Lebewesen mit dem anderen durch Nervenbahnen verbunden ist und Erinnerungen in diesen Bahnen quasimateriell gespeichert und abgerufen werden können. Ein faszinierender Entwurf, der mit dem Ehrgeiz Camerons im Hinterkopf aber auch irgendwie Angst macht. Mir zuliebe dürfte er als nächstes einfach mal wieder einen ganz gewöhnlichen Spielfilm drehen, einfach um mir zu beweisen, dass er mit dem irdischen Dasein noch nicht ganz abgeschlossen hat.