Mit ‘Aliens’ getaggte Beiträge

UNDER THE SKIN, nach dem großartigen BIRTH und fast zehnjähriger Funkstille der neueste Film des seinerzeit für SEXY BEAST mit Kritikerlob überhäuften Jonathan Glazer, war im vergangenen Jahr ein kleines Politikum unter deutschen Cineasten. Von Senator in den Vertrieb genommen, drohte der bildgewaltige Film nach Weigerung der Firma, ihn ins Kino zu bringen, auf Heimmedien zu versauern. Es war nicht zuletzt der Kampagne und dem Eifer von Sebastian Selig zu verdanken, dass dieser ohne Frage für die große Leinwand konzipierte Film dann doch den Weg in einige ausgesuchte Lichtspielhäuser fand, die sich bei Senator gewissermaßen um eine außerplanmäßige Auswertung „beworben“ hatten. Vielleicht verbirgt sich hinter diesem Sonderfall auch ein Weg, die oft so risikoarme Vertriebspolitik der Verleihfirmen zu reformieren: Kinos verwerten nicht mehr einfach nur, was ihnen angeboten wird, sondern bestimmen dieses Angebot durch ihre direkte Nachfrage selbst und geben so ein Signal gegen Mutlosigkeit, ästhetische Armut und das festgefahrene Programm, das als Alternativ zum neuesten Hollywood-Blockbuster bloß noch deutsche Beziehungskomödien oder betulichen Arthouse-Quark für die Rotweinfraktion kennt. Es ist durchaus nachvollziehbar, warum Senator bei UNDER THE SKIN den Schwanz einzog: Glazers Film ist ebenso handlungs- wie dialogarm, von klassischem Erzählkino denkbar weit entfernt, experimentell, elliptisch und enigmatisch, dabei von betörender und auch verstörender Klarheit und somit für den Zuschauer, der Film in erster Linie konsumiert, als kulturell angehauchten Einstieg ins Wochenende begreift und dabei möglichst wenig gefordert und überrascht werden möchte, ein potenzieller Stimmungskiller. Andererseits: Besteht nicht geradezu eine Verpflichtung dazu, seinem Publikum nicht nur zu geben, was es will, sondern ihm auch zu zeigen, was ihm dabei entgeht? Was Kino auch ist, sein könnte? Und als solcher „Erweckungsfilm“ eignet sich UNDER THE SKIN wirklich hervorragend, zum einen, weil er mit Scarlett Johansson über eine bekannte und beliebte Hauptdarstellerin verfügt (den um sie betriebenen Starkult zudem gleich mitreflektiert), zum anderen, weil er trotz aller experimentellen Höhenflüge im weitesten Sinne als Genrefilm rezipierbar bleibt.

UNDER THE SKIN ist vordergründig ein Alien-Invasion-Film, handelt von einem außerirdischen Vampirwesen, das Menschen als Nahrung benötigt und sich seiner attraktiven weiblichen Hülle bedient, um seine Opfer – Männer – in die Falle zu locken. Doch das Monster entdeckt seine Empathie, als es einen durch Neurofibromatose entstellten jungen Mann kennenlernt, und flieht vor der eigenen Mordlust ins schottische Hinterland, wo es selbst einem Vergewaltiger zum Opfer fällt. Doch unter dieser Handlungsebene handelt Glazers Film sinnigerweise vor allem von Oberflächen, Texturen, Aggregatzuständen und den Kontrasten zwischen ihnen – ganz wortwörtlich, aber auch im übertragenen Sinne. Ästhetisch zeigt sich das in der Differenz zischen den roh wirkenden Szenen, die die Protagonistin bei ihren Fahrten durch die Innenstadt Glasgows zeigen, und den überaus slicken Effektsequenzen und collagenhaften Zwischenspielen. Unterstreicht Glazer den improvisierten Charakter ersterer mithilfe des roh wirkenden, pixeligen und bewegungsunscharfen HD-Bilds (er realisierte diese Szenen mithilfe von Passanten, die er auf der Straße ansprach und dann über ein earpiece instruierte), sind letztere betont artifiziell und sauber gehalten, zeigen glänzende, makellose Oberflächen aus öligem Schwarz oder gleißendem Weiß, reines Nichts oder pures Licht gewissermaßen. Dieses ölige Schwarz, das das Haus der Außerirdischen auszufüllen scheint, saugt ihre Opfer ein, konserviert sie in einer tiefblauen Flüssigkeit, in der sie sich langsam auflösen, bis nur noch ihre Haut übrigbleibt, die dann herumtreibt wie ein erschlaffter Luftballon. Sie sind einer Fantasie zum Opfer gefallen, die den Kern aller Vampirgeschichten ausmacht, aber hier durch die Besetzung noch besonders hervorgehoben wird: Scarlett Jonhansson ist natürlich eine programmatische Besetzung. Sie spielt dieses Wesen weniger als dass sie eine Projektionsfläche für das männliche Begehren bietet, die ikonische Verkörperung der Sehnsucht. Wenn die Hollywood-Schauspielerin wie eine Nutte gekleidet, mit sinnlichem roten Mund durch die Arbeiterviertel Glasgows fährt und auf offener Straße junge Männer anspricht, ist das ohne Frage zu allererst die Verbildlichung einer sexuellen Fantasie, die Hollywood überhauptt erst ermöglichte. Im Aufeinanderprallen von Johanssons sinnlich-rauchiger, wohlartikulierter Stimme, der sanften Weichheit ihrer Lippen und ihres Teints, und dem zerhackten, hingeworfenen und rudimentären Slang, der ihr aus den verdutzten Durchschnittsgesichtern der schottischen Jungmänner entgegenschlägt, spiegelt sich der ganze Film, in dem ständig Weiches auf Hartes knallt, sich elektrisch am anderen reibt, dann schließlich umarmt und gegenseitig aufsaugt. So funktionieren Fantasie und Begehren, so funktioniert Film, funktioniert Hollywood. Die Frage bleibt, was hinter den verlockenden Oberflächen lauert, was unterhalb des elektrostatischen Britzelns stattfindet. Und ob da überhaupt etwas passiert. Oder verbirgt sich unter dem Schutzpanzer nur ein weiterer, wie das Ende nahelegt?

Man muss sich diese Fragen nicht stellen, weil schon die auf sinnlicher Ebene wahrnehmbare Vibration des Films eine völlig ausreichende, befriedigende Sensation ist. Man hat nicht gelebt, wenn man nicht gesehen hat, wie die schwarhaarige Scarlett Johansson im dünnen pinkfarbenen Pulli über den spitzen Brüsten durch den schottischen Regen läuft, um dann von einem wohlmeinenden Busfahrer mitgenommen zu werden. UNDER THE SKIN ist keinesfalls ein kalter Film, keine in Ästhetizismus erstarrte Hirnwichserei, sondern ein abwechselnd erotisierendes, dann wieder zutiefst erschütterndes Werk. Die Liebesgeschichte zwischen dem außerirdischen Vampir und dem Entstellten ein nie in dieser Klarheit gesehenes Bekenntnis zum Menschen, von entwaffnender Romantik. Die Szene, in der sie beobachtet, wie ein Ehepaar bei dem Versuch, den eigenen Hund zu retten, in der tosenden Flut des Meers ertrinkt, absolut niederschmetternd. Nur selten wird das Sterben mit der Beiläufigkeit eingefangen, die Glazer ihm hier beimisst. Man begreift fast gar nicht, was da eigentlich passiert, weil man gewohnt ist, dass die Darstellung des tragischen Todes mit einer Emphase versehen ist. Hier sehen wir ihn durch die Augen eines Wesens dem Leben, Tod und Mitleid fremd sind. Sie beobachtet den Todeskampf neugierig, aber teilnahmslos, wie wir uns vielleicht einen Surfer im Wasser anschauen würden. Das Sterben ist tatsächlich furchtbar banal. Dass da auch noch ein schreiendes Baby ganz allein am grauen Felsenstrand zurückbleibt, ist emotional kaum verkraftbar. Später taucht der Partner der Außerirdischen auf – seine Rolle wird nicht ganz klar – und sammelt einige Spuren ein, das Baby jedoch lässt er einfach sitzen. Grausam. Das Schöne und das Furchtbare stehen ganz unvermittelt nebeneinander und es ist das frappierende So-Sein des Films, das noch als Verstärker fungiert. Ich fühlte mich entwaffnet, auch die Hermeneutikerbrille schafft kaum Distanz. Was gut ist.

Vielleicht ist es das, was man aus UNDER THE SKIN mitnimmt. Das Leben ist äußerst selten nur wunderschön oder nur hässlich, es besteht vielmehr aus einem beständigen Ineinanderfließen der beiden vermeintlichen Ideale besteht, einem Mischzustand. Die Fantasie ist letztlich nur der zum Scheitern verurteilte Versuch, uns vor der Härte der Wirklichkeit zu versperren, die viel reicher ist, als alles, was wir uns so erträumen könnten. Vor dem Hintergrund seiner komplizierten Veröffentlichungsgeschichte muss man den Film fast als eine Kampfansage gegen Gleichschaltung, Oberflächlichkeit und Zielgruppenoptimierung begreifen. Als Plädoyer für mehr Filme, die den Menschen eben nicht das geben, was sie zu brauchen glauben.

edge-of-tomorrow-posterDie Erde wird von einer außeriridischen Invasion überrollt, Zentral- und Westeuropa ist bereits verloren. Major Cage (Tom Cruise), ein Schreibtischtäter, zuständig für das Marketing des Militärs und die Anwerbung neuer Rekruten, nicht aber für den bewaffneten Kampf, glaubt sich in einem Albtraum, als er an die Front geschickt wird. Völlig unvorbereitet wird er in einen Kampfanzug gesteckt und in die Schlacht geworfen, wo er schon nach kürzester Zeit das Zeitliche segnet … nur um denselben Tag gleich noch einmal zu durchleben. Und noch einmal, und noch einmal … Ein Ausbruch aus dem Zyklus des ewigen Sterbens scheint möglich, als die Soldatin Rita (Emily Blunt) – nach einer fast im Alleingang gewonnenen Schlacht „Engel von Verdun“ getauft – Cages sehr spezielles Problem erkennt und ihm erklärt, dass er mit der Fähigkeit der Aliens, die Zeit zurückzudrehen, infiziert worden sei und somit den Schlüssel zum Triumph in der Hand halte. Gemeinsam versuchen die beiden sich zum „Omega“, dem zentralen Hirn der Invasion vorzukämpfen. Doch bis dahin müssen Cage und Rita noch zahlreiche Tode sterben … 

EDGE OF TOMORROW ist ganz ohne jeden Zweifel dem zeitgenössischen Eventkino zuzuzählen, mit all den Auswüchsen, die das miteinschließt: In der Hauptrolle agiert mit Tom Cruise vielleicht der größte Star, den Hollywood zu bieten hat, weniger ein Schauspieler als eine erfolgversprechende Marke, die jeder kennt. Von der ersten Minute an wird der Zuschauer mit eindrucksvollen Effekten und Bildern überhäuft, allesamt State of the Art und in gewisser Weise Machtdemonstration einer Industrie, die eh längst keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr hat. Und das Ganze basiert weniger auf einer Geschichte als auf einer Synthese verschiedener erfolgreicher Filme, die jeder, der sich etwas für das Kinogeschehen interessiert, sofort benennen kann. Man hört bei der Entfaltung des Plots förmlich den Sales Pitch, mit dem das grüne Licht für die Produktion erzwungen wurde: STARSHIP TROOPERS/INDEPENDENCE DAY/BATTLE LOS ANGELES trifft SAVING PRIVATE RYAN trifft GROUNDHOG DAY. Zu Beginn hatte ich dann auch trotz der wohlwollenden Stimmen diverser Kollegen ein ungutes Gefühl: Zu Wenn sich der zynische Marketingfuzzi Cage – Cruise ist so typgerecht-programmatisch besetzt, dass es fast schon schmerzt – vor dem Kampfeinsatz drücken will, für den er zuvor Tausende von Freiwilligen akquiriert hat, dann aber als wimmerndes Etwas mitten im Kampfgetümmel landet, droht EDGE OF TOMORROW zur militaristischen Propaganda zu werden, zur Fabel über den Feigling, der im Stahlbad des Krieges zum Helden reift. Glücklicherweise wirft Regisseur Liman aber jegliche Prätention über Bord und konzentriert sich einfach darauf, den Zuschauer zwei Stunden lang die berühmte Achterbahnfahrt zu liefern, die allzu viele Kollegen immer nur versprechen.

Es ist nicht zuletzt der Humor, der Limans Film auszeichnet und ihn von so vielen unangenehm grimmigen, misanthropischen bis protofaschistischen Action- und Kriegsfilmen der letzten 15 Jahre abhebt. Irgendwann nimmt Cage seine Tode nur noch mit der leicht genervten Resignation des Konsolenspielers hin, der wieder und wieder das Ableben seiner Bildschirmfigur miterleben muss. Eine ganze lange Sequenz widmet sich einer erfolglos verlaufenden Trainingseinheit, bei der Cage nach immer wieder erlittener, manchmal auch nur harmloser Verwundung von seiner Mitstreiterin per mitleidlosem Pistolenschuss „erlöst“ wird. Liman entwickelt eine fast sadistische Freude daran, darin TOM & JERRY-Cartoons nicht unähnlich, seinen Star über die Klinge springen zu lassen und Tom Cruise, nicht gerade im Ruf stehend, ein besonders gelassenes Verhältnis zu sich selbst zu haben, macht bei dem Spiel begeistert mit. Es ist ziemlich offensichtlich, dass den Machern klar war, dass Cruise von nicht gerade wenigen Kinogängern für seine perfekt modellierte Fassade inbrünstig verachtet wird: EDGE OF TOMORROW bedient diese Verachtung, indem er den Star zur Zielscheibe des Sadismus macht, und wird damit für ausgesprochene Cruise-Verächter ebenso zum Muss wie für seine Verehrer.

Erstaunlicherweise steht dieser Humor dem Gelingen des Films als spannendes Actionvehikel niemals im Weg, vielmehr entwickelt sich das eine wunderbar organisch aus dem anderen. Und während andere „Prämissenfilme“ unter der Last der einen großen Idee oft in die Knie gehen, dem ursprünglichen, genialischen Funken schon nach kurzer Zeit nichts mehr hinzuzufügen wissen, entwickelt Liman ein spielerisches Verhältnis zu seinem Stoff, probiert immer wieder neue Ansätze aus, verwirft, wenn das Potenzial ausgereizt ist, und versucht etwas anderes. Obwohl EDGE OF TOMORROW also ganz wesentlich aus Wiederholungen besteht, erfindet er sich immer neu. Ganz so, wie das auch sein Protagonist tut. Besonders effektiv ist es, wenn Liman andeutet, dass wir nur einen winzigen Ausschnitt aus den Dutzenden Wiederholungen gesehen haben, die Cage durchlaufen hat, klar wird, dass er manche Handlungen schon Hunderte von Malen durchgeführt hat, ohne einen Fortschritt zu erzielen. Einmal verzichtet Cage ganz darauf, sein gewohntes Pensum abzuleisten: Wie ein vom Alltag gebeutelter Arbeiter setzt er sich stattdessen in eine Kneipe und trinkt, gezeichnet von der Wiederkehr des Immergleichen, ein Bier. Als er zum xten Male den Tod seiner Partnerin nicht verhindern kann, fasst er nach dem Neustart den Entschluss, auf die Zusammenarbeit mit ihr ganz zu verzichten. Er sucht sie wie gewohnt zum „ersten Mal“ auf, schaut sie an, dreht sich um und geht. Sie hat natürlich keine Ahnung wer er ist und kann dem rätselhaften Fremden nur irritiert hinterherschauen. So entwickelt dieser Bubblegum-Film ungeahntes dramatisches Potenzial und emotionale Tiefe, wo andernorts nur oberflächliches Spektakel vorherrscht. Aber auch letzteres beherrscht Liman und seine Schlachtenpanoramas sind wirklich atemberaubend. So fällt es dann auch nicht negativ ins Gewicht, dass der Showdown, die Auflösung ein bisschen pflichtschuldig rüberkommen und eigentlich auch nicht mehr wirklich interessieren. 

Ich habe angesichts der hier gebotenen Klasse so meine Zweifel, dass irgendein Film EDGE OF TOMORROW den Titel „Bestes Big-Budget-Effetkspektakel des Jahres“  noch streitig machen kann. Überhyptes Mittelmaß wie THE AVENGERS wird hier m. E. spielend in die Tasche gesteckt. Schade, dass das niemand den potenziellen Zuschauern gesagt hat, die dem Kino in Scharen fernblieben und Liman einen massiven Flop bescherten. Egal, Mund abwischen, Neustart wagen.

Eine von der Weyland Corporation und ihrem sich nach Unsterblichkeit sehnenden Namensgeber (Guy Pearce) gesponserte Mission macht sich auf den Weg zu einer fernen Galaxie, in der die Schöpfer des Menschen beheimatet sein sollen. Höhlenzeichnungen aus unterschiedlichsten Epochen der Menschheitsgeschichte und in weit voneinander entfernten Regionen haben die Geologen Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) davon überzeugt, dass es nicht Gott war, sondern eine intelligente außerirdische Rasse, die auf der Erde einst die Saat menschlichen Lebens ausgesät hat. Auf dem fremden Planeten findet das von Meredith Vickers (Charlize Theron) geführte und vom Androiden David (Michael Fassbender) ärztlich überwachte Team tatsächlich Spuren einer hoch entwickelten Zivilisation, die jedoch von irgendetwas ausgerottet wurde. Und dieses „Irgendetwas“ fordert auch bald schon die ersten Opfer unter den Wissenschaftlern …

Mal ehrlich jetzt: Das ganze Schwadronieren darüber, ob PROMETHEUS nun tatsächlich ein ALIEN-Prequel ist oder nicht doch eher als eigenständiger Film mit nur geringfügigen und vernachlässigbaren Verbindungen zum Klassiker angesehen werden muss, kann ja wohl nicht ernst gemeint gewesen sein. Ist es das, wo Filmrezeption und Filmjournalismus gelandet sind: beim Fanboy-mäßigen Debattieren über die Sinnhaftigkeit von Marketing-Strategien und über Banalitäten, die gar nicht diskutiert werden müssten, widmete man sich einfach dem Film, der da vor einem abläuft? Zieht man all die Vorfreude und die Erwartungen ab, die PROMETHEUS auslöste, ignoriert man all den Effektbombast, die von getragener, unheilvoller Musik unterlegten Bilder galaktischer Tristesse und das Bedeutungsschwere vortäuschende Gefasel über Gott, das Leben und die Unsterblichkeit, bleibt am Ende ein erschreckend stromlinienförmiges und einfallsloses Remake des einflussreichen Originals, das statt des ikonischen Alien-Monsters eine Vielzahl anderer schleimiger, Giger-inspirierter Kreaturen und eine schunkelbirnige und gurkennasige Rasse menschenähnlicher „Ingenieure“ aufbietet. Das ist durchaus unterhaltsam, weil das Konzept, Astronauten auf einem fremden Planeten von einer bizarren Monstren auslöschen zu lassen, nie ganz verkehrt ist und 95 % der Kreativität in Eye Candy und Effektgematsche gesteckt wurden. Wenn man aber bedenkt, das Ridley Scott mancherorts als „Meister“ gilt und ALIEN einst eine Innovation darstellte, die eine der originellsten Kreaturen der Filmgeschichte zum Leben erweckte und auch heute noch die Fantasie der Zuschauer anregt, dann ist PROMETHEUS schon reichlich ernüchternd. Fast Eins zu Eins kupfern Scott und seine Autoren den Plotverlauf des Klassikers ab: Anreise im Hyperschlaf mit Vorstellung der Besatzung, Besichtigung einer dunklen, biomechanisch anmutenden Grotte, Einschleppung des fremden Organismus, Befall der Crew, Verrat durch die Weyland Corporation und den Androiden, finales Überleben einer Frau nach dem Kampf gegen das Monster. Damit es nicht allzu frappierend auffällt, dass PROMETHEUS wirklich gar keinen neuen Einfall aufbietet, wird wortreich über Ursprung und Ziel der Menschheit schwadroniert, eine Parallele zwischen den „Engineers“ und dem Menschen gezogen, der ja auch in der Lage ist, neues Leben zu kreieren. Außer der Heldin natürlich, denn die ist unfruchtbar, bis sie – haha, welch bittere Ironie! – als Wirtskörper der Alienbrut fungieren muss. Das ist in seiner pseudo-auf- und -abgeklärten Art, hintenrum doch wieder nur den lieben Gott zu retten, nicht nur schreiend unoriginell (Brian De Palma hat man dieselbe Idee vor 13 Jahren für seinen deutlich tiefsinnigeren MISSION TO MARS um die Ohren gehauen), sondern schlicht und ergreifend dumm. Was ALIEN allein durch ein geschicktes Script und die bahnbrechenden Designs Gigers andeutete, die enge Verbindung von Tod und Sexualität, verkommt hier zum leeren Zierrat, der dafür aber schön breit ausformuliert wird. Auch deshalb finde ich die oben angedeuteten Diskussionen über PROMETHEUS absurd: Der ist mit seiner erklärbärigen Art einfach nur typischer Prequelstoff wie er jedes Jahr dutzendfach ins Kino gelangt. Damit der zahlende Kunde bei der Stange gehalten wird, gibt es natürlich ein offenes Ende, an das man ein weitere Prequel-Sequel dranhängen kann. Stünde hier nicht „Ridley Scott“ drauf, ginge es nicht um ALIEN, PROMETHEUS erzeugte kaum mehr als wohlwollendes Gähnen.

Wenn man sich damit arrangiert, dass diesen Film auch ein uninspirierter Handwerker wie Brett Ratner problemlos über die Rampe gebracht hätte, kann man sich immerhin über den hübschen Look, eklig-unterschwellige Effekte wie die Minitentakel im Augapfel!, ein glibbriges Krakenalien, brachiale Transformationen und eine angemessen blutige Alien-Abtreibung freuen. Aber das wäre auch mit weniger Getöse gegangen. Den wahren Kern des Films reflektiert nichts so sehr wie das selbstzufriedene Antlitz des androgynen Maschinenmenschen David: Pure, glattgebügelte Oberfläche, ordentlich gescheitelt, die man sich gern anschaut, hinter der sich aber nur Leere verbirgt.

Prof. Douglas McCadden (Ben Murphy) findet in der Totenkammer Tutanchamuns einen weiteren Sarkophag, der laut einer beigefügten Schriftplatte einen „Reisenden“ enthält. Bei der Öffnung des Sarkophags in McCaddens US-amerikanischer Uni finden die Wissenschaftler und Studenten außerdem einen rätselhaften Pilz, der noch Probleme machen soll: Als einer von McCaddens Assistenten wenig später fünf Kristalle aus einem Geheimfach des Sarkophags entwendet, wird nämlich auch der Pilz „aktiviert“ und befällt einen der Studenten. Doch das ist noch nicht alles: Denn bei der offiziellen Vorführung des Fundstücks ist die Mumie plötzlich verschwunden. Sie ist auf der Suche nach den entwendeten Steinen …

Mit kargen 2,5 Punkten wird TIME WALKER auf IMDb abgespeist. Was sagt das über mich, der diesen Film wenn schon nicht besonders aufregend, so doch allein durch sein wenig abgegriffenes Mumienthema sehr sympathisch und angenehm unaufdringlich empfand? TIME WALKER ist ein kleiner Horror-Science-Fiction-Hybrid, dem man anmerkt, dass das Geld fehlte, um aus der Geschichte das Optimum rauszuholen: Dem Film fehlen die echten Show Stopper, der herausragende Effekt, das perfekt komponierte Set Piece, der spektakuläre Showdown, der das Versprechen, das dieser Film mit seiner doch recht interessanten Prämisse macht, einlösen würde. So bleibt das Geschehen insgesamt etwas „underwhelming“, wie der Angelsachse sagen würde, aber das steht dem Film gar nicht so schlecht zu Gesicht. Man merkt, dass Regisseur Kennedy von seiner Story überzeugt war und sie nicht bloß als Vorwand für FX-Gematsche verstand, sondern den Zuschauer erzählerisch fesseln wollte. Und irgendwie ist ihm das auch gelungen, selbst wenn ich einräumen möchte, dass TIME WALKER ganz gewiss niemanden um den Schlaf bringen wird. Um nachhaltig zu wirken, ist der Film doch etwas zu brav und durchschnittlich, aber immerhin zieht er sein Ding konsequent durch. Das hebt ihn wohltuend von vielen anderen Horrorfilmen ab, die ihrer Mörderprämisse schon im zweiten Akt nichts mehr hinzuzufügen wissen oder sich den gelungenem Aufbau mit einem überkandidelten Finale versauen. TIME WALKER ist nicht der Film, dem ich hinterherjagen würde, aber wenn man ihn mal in die Finger bekommt, ist er geeigneter, nicht zu stark fordernder Stoff, um ihn in sein kleines Genrefilmprogramm einzubinden. Am besten nach einem richtigen Knaller gucken, da ist er optimal platziert.

Weil ihr eigener Planet kurz vor der Eiszeit steht, muss sich eine Rasse Außerirdischer eine neue Heimat suchen. Ihre Wahl fällt auf die Erde, die sie jetzt noch von den lästigen Menschen befreien müssen, bevor es zu spät ist. Weil sie herausgefunden haben, dass der Mensch zu Aberglauben neigt, versichern sie sich der Dienste berühmt-berüchtigter Monster: Vampirgraf, Golem, Werwolf und Mumie. Doch weil es eine schwierige Aufgabe ist, diese Kreaturen unter Kontrolle zu halten, gerät der eigentliche Plan ins Hintertreffen …

Wie kann man einen europäischen Genrefilm aus den späten Sechzigerjahren, der mit dieser Prämisse daherkommt, nicht lieben? Alles an LOS MONSTRUOS DEL TERROR ist kindliche Monsterbegeisterung, von Groschenromanen geprägte und nicht von der Realität beeinträchtigte Imagination, Lust am wüsten Fabulieren und am barock überladenen Bild. Diesem Enthusiasmus wird tatsächlich alles unterworfen, was Demichelis Film zu einer Effizienz verhilft, die der des Außeriridischenplans nicht ganz unähnlich ist: Zum Wesentlichen kommt Demicheli genauso wenig wie die Wohnungssuchenden. Aber selten habe ich einem Film lieber beim Verfehlen der selbst gesteckten Ziele zugeschaut als hier. Der haarsträubend umständliche Welteroberungsplan gerät schon nach kürzester Zeit in Vergessenheit, weil sich die Monster nicht so einfach dem Zweck unterwerfen lassen. Wie ein paar im Süßigkeitenladen losgelassene Kinder beginnen sie sofort auf eigenen Wegen zu wandeln. Am Ende haben die Außeriridischen nicht nur nicht die Erde erobert und die Menschheit ausgelöscht, es ist ihnen noch nicht einmal gelungen, das malerische Fachwerkkaff, in dem der Film über weite Strecken spielt, unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Grad des Versagens ist gar nicht messbar.

Beim Film selbst möchte man das nicht so deutlich sagen: Zwar bleibt Demicheli (oder vielmehr das Drehbuch) in seiner Narration irgendwo im zweiten Akt stecken und ist dann damit beschäftigt, die lustige Rasselbande im Zaum zu halten, dass es hier ja nicht zuletzt um Vorgänge von geradezu kosmischer Bedeutung geht, gerät bei diesem lustigen Ringelpiez auch in Vergessenheit. Aber das ist ja das Tolle an dem Film: Aus einer Prämisse, die heute einen von vorn bis hinten durchgetunten und marketingtechnisch bis zur Mc-Donald’s-Spielzeugkampagne perfekt organisierten Film nach sich zöge (siehe zum Vergleich etwa den furchtbaren VAN HELSING), macht Demicheli einen verhinderten Kinderfilm, dessen Unschuld zu Herzen geht und der seinen Monstern die Ehre erweist, anstatt sie nur durch den postmodernen Verwertungswolf zu drehen. Wahrscheinlich sollte ich hier mehr ins Detail gehen oder lustige Dialoge zitieren (die deutsche Synchro ist nämlich ein Kracher!), aber das muss ich mir für die Zweitsichtung aufheben. Nur ein kleines Bonbon, das helfen soll, sich eine Vorstellung von dem entwaffnenden Irrsinn, der hier geboten wird, zu machen: Die Entscheidung, sich einen anderen Planeten zur Besiedelung zu suchen, begründet das Oberalien (Michael Rennie) lapidar in einem Nebensatz damit, dass es ihnen leider nicht gelungen sei, eine künstliche Sonne zu konstruieren. Na, dann muss es eben Plan B mit den Monstern sein, ist ja klar.

Hinter dem Haus der Familie Gardner landet mitten in der Nacht ein UFO. Die Warnungen des kleinen David (Hunter Carson), der die Landung beobachtet hat, wird von seinen Eltern in den Wind geschlagen. Als aber der Papa (Timothy Bottoms) wenig später nicht nur eine verdächtige Narbe im Nacken trägt, sondern auch äußerst merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag legt, schöpft David Verdacht. Und tatsächlich stellt sich wenig später heraus, dass Außerirdische seinen verschlafenen Heimatort als Ausgangsunkt einer Invasion ausgewählt haben. Gemeinsam mit der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) nimmt der Junge den Kampf gegen die Invasoren auf …

INVADERS FROM MARS, das Remake des Fünfzigerjahre-Klassikers, ist der zweite von drei Filmen, die Tobe Hooper mitte der Achtzigerjahre für die Cannon inszenierte. Und wie  LIFEFORCE und THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 sollte auch dieser Film an der Kniokasse weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, seine Produktionskosten nicht einmal annähernd wieder einspielen. Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden: Das Sequel des Kettensägenfilms gilt mittlerweile als rehabilitiert und wird für gewöhnlich unter dem Etikett „zu seiner Zeit missverstandenes Meisterwerk“ einsortiert, LIFEFORCE und INVADERS FROM MARS profitieren heute nicht unerheblich vom Eighties-Bonus und werden vor allem von in jener Zeit aufgewachsenen Filmnerds favorisiert, die den bunten Stil von damals, die „handgemachten“ Effekte und den Charme von millionenschwerem, naivem Trash schmerzlich vermissen. Tatsächlich ist INVADERS FROM MARS sympathisch unschuldiges Entertainment, fügt sich fast nahtlos in das jugendfreie Genrekino dieser Zeit, wie es von Steven Spielberg oder auch Joe Dante geprägt wurde, ein. Fast.

INVADERS FORM MARS ist ein bisschen wie die mit Superstars gespickte Fußballmannschaft, bei der das Gesamte dann merkwürdigerweise weniger wert ist als die Summe seiner Teile: Der herrlich künstliche, farbintensive Look des Films, seine fantasievollen Settings, der schöne Einsatz der Steadicam, die die langsam Gestalt annehmende Gewissheit in kaum merklich schwankenden Bildern einfängt, der suggestive Score von Christopher Young, die herausragende Effektarbeit von John Dykstra und Stan Winston und das inspirierte Casting – Bud Cort als Science-Nerd! Louise Fletcher als besessene, froschfressende Lehrerin! James Karen als ledernackiger Militärchef! – addieren sich leider nicht zu einem rundum befriedigenden Film. Wie schon Hoopers LIFEFORCE zuvor wird auch INVADERS FROM MARS von einer rätselhaften Bräsigkeit daran gehindert, Fahrt aufzunehmen. Es ist schwer, dieses Versagen an betimmten Ursachen festzumachen: INVADERS FROM MARS wirkt irgendwie leblos, der Funke, der bei den Filmen Spielberg und Dante sofort auf den Zuschauer überspringt, verglimmt hier, bevor er das Herz in Flammen setzen kann. Dass allein auf Hauptdarsteller Hunter Carson zu schieben, der als Protagonist zu blass bleibt, wäre zu einfach. Hooper inszeniert wie mit angezogener Handbremse, der Mittelteil des Films zieht sich zu lang und das Drehbuch hakt lediglich Plotpoints ab, ohne jemals wirklich spezifisch zu werden. Es fehlen einfach die Details, die den Ort und seine Bewohner für den Zuschauer erst wirklich lebendig machen und ihn so überhaupt ein Interesse an ihrer Rettung entwickeln lassen würden. Auch die Angst, dass die eigenen Eltern einem nach dem Leben trachten, die letztlich den psychologischen Kern des Films ausmacht, entwickelt nie die existenzielle Schwere, die nötig wäre, um den Film wirklich anzutreiben. So plätschert INVADERS FORM MARS so dahin und das Getöse, das auf dem Bildschirm herrscht, lässt einen merkwürdig ungerührt.

Das ist ausgesprochen schade, denn äußerlich stimmt eigentlich alles und man sieht jederzeit, was ein profilierterer Regisseur mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hätte anfangen können. INVADERS FROM MARS ist insofern ein typischer Hooper: Der Schöpfer des Jahrhundertfilms THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE hat heute längst den Status der Eintagsfliege mit tragisch-ernüchterndem Karriereverlauf inne und die hier aufgeführten Kritikpunkte lassen sich mit ganz wenigen Ausnahmen (THE FUNHOUSE, TCM 2) auf fast alle seiner Filme anwenden. INVADERS FORM MARS ist mit entsprechend modifizierter Erwartungshaltung trotzdem sehenswert, eben ein Vertreter einer Art von Blockbuster-Kino, die es heute so nicht mehr gibt. Und wenn man sich vor Augen führt, was Hooper etwa ab Mitte der Neunzigerjahre so vorgelegt hat, dann erscheint er fast wie eine kleine Meisterleistung.

Jahre, nachdem eine Raumkapsel mit Proben außerirdischen Lebens beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrach und in Mexiko landete, ist ein Großteil des mittelamerikanischen Staates Sperrzone: Gewaltige Mauerkonstruktionen sollen die gigantischen Monster von den menschlichen Sieldungen außerhalb dieser „Infected Zone“ fernhalten. Der amerikanische Fotograf Andrew Kaulder (Scoot McNairy) erhält den Auftrag, Samantha Wynden (Whitney Able), die Tochter eines reichen amerikanischen Verlegers aus Mexiko zurück in die USA zu bringen. Doch dafür müssen beide gemeinsam die besagte „Infected Zone“ durchqueren …

Thematisch und ikonografisch fügt sich MONSTERS gut ein in das apokalyptische Genrekino der vergangenen Jahre, sucht und findet seinen Platz zwischen Filmen wie CARRIERS, (dem von mir noch nicht gesehenen) THE ROAD, Frank Darabonts unterbewertetem THE MIST, Spielbergs brillantem WAR OF THE WORLDS und dem inhaltlich verwandten DISTRICT 9: Auch wenn der eigentliche Grund für die Endzeitstimmung außerhalb unseres Planeten zu suchen ist, so ist doch nicht zu leugnen, dass es vor allem menschliches Versagen ist, das die Welt von MONSTERS sich in so ein trostloses Fleckchen verwandeln konnte. Mit Mexiko hat die Alien-Invasion ein sowieso schon armes Land hart getroffen, die gut bewachte Grenze zum reicheren Nachbarn im Norden, die zu überqueren Jahr für Jahr Tausende von Emigranten große Anstrengungen in Kauf nehmen, ist nun endgültig nur noch für wohlhabende Menschen zu überwinden. Mit der gewaltigen Mauerkonstruktion, die die Monster in der „Infected Zone“ halten soll, hat sich auch die erste von der dritten Welt abgeschottet. Die Reise der beiden Amerikaner, die sich erst einmal daran gewöhnen müssen, dass ihr sie normalerweise  als Angehörige einer Wirtschaftselite ausweisender Pass nun kaum noch etwas wert ist, ist auch eine Reise ins Schuldbewusstsein des US- (bzw. Erste-Welt-)Bürgers. Wenn Andrew und Samantha in Sichtweite der gewaltigen Mauer auf einem alten Tempel im mexikanischen Urwald kampieren und die Selbsterkenntnis plötzlich sehr grafisch wird, der Blick von außen ins Innere buchstäblich an einer Wand abprallt,  hinter der der amerikanische Traum geschützt werden soll, während vor den Pforten die real gewordenen Albträume herumspuken, dann reizt Edwards sein Bild vielleicht etwas zu sehr aus, um noch guten Gewissens von einem Subtext sprechen zu können. Gleiches gilt für die Szene in einer Geisterstadt in der die „Infected Zone“ umgebenden Quarantänezone, die unweigerlich Assoziationen an die vom Hurricane Katrina heimgesuchte Stadt New Orleans weckt. Trotzdem bieten diese Assoziationen Anlass für weitere Gedanken: Etwa jenen, dass Grenzen, egal wie hoch und sicher sie auch sein mögen, die Außenstehenden stets auch dazu einladen, über das, was hinter ihnen liegt, zu fantasieren. Man weiß nicht, ob Vereinigten Staaten sich hinter einer Mauer verbergen, damit die Monster draußen bleiben oder um zu insinuieren, dass es im Inneren überhaupt noch etwas gibt, dass es vor einem Außen zu beschützen lohnt – was sich ja von außen eben nicht überprüfen lässt.

Dass diese zu so etwas wie einer Zivilisationskrankheit des modernen Kinos gewordene Überdeutlichkeit dem Film nicht wie anderen (DISTRICT 9 anyone?) völlig das Genick bricht, liegt vor allem daran, dass Edwards sonst eher wenig didaktisch unterwegs ist, nur wenig erklärt, Dialoge eher zur Charakterisierung denn zur Exposition benutzt und sich ganz der Schaffung einer nicht wirklich greifbaren, deshalb umso beunruhigenderen Atmosphäre einer bevorstehenden Aufruhr widmet. Das gelingt ihm sehr gut: Die Monster bleiben lange unsichtbar, ohne dass ihre Präsenz dadurch beeinträchtigt würde, die unwirklichen Bilder städtischer Verwüstung hallen lange nach und die surrealen Bilderwelten, die sich dem Zuschauer im weiteren Verlauf während der Urwalddurchquerung eröffnen, tragen ihren Teil dazu bei, dass MONSTERS im gegenwärtigen Genrekino einerseits sehr heimisch ist, aber andererseits nie so ganz zum supercleveren Metakino dazugehören möchte.

Das ist gut so und MONSTERS somit mit Leichtigkeit einer der besten Beiträge zum erwachsenen Science-Fiction-und Horrorkino der vergangenen Jahre. Was nicht heißt, dass er frei von Fehlern ist: So gut mir sein (zugegebenermaßen derivatives) Monsterdesign als Lovecraft-Anhänger auch gefallen hat, so wenig fügt das Auftreten der Monster dem Film insgesamt hinzu. Das liegt zum einen daran, dass sie ein ständiges Déjà-vu verursachen, abwechselnd an die genannten WAR OF THE WORLDS, THE MIST, Lovecraft oder auch JURASSIC PARK denken lassen, zum anderen daran, dass ihr Auftreten irgendwann sehr redundant wird. Schlimmer ist jedoch die Auftaktsequenz, die mit ihren Found-Footage-Bildern Böses befürchten lässt,  einem die Freude über diesen gelungenen Film dann aber doch erst im Nachhinein verdirbt, weil man sie erst dann einordnen kann. Auch wenn sie inhaltlich durchaus konsequent ist: Wann kommen Filmemacher endlich wieder zu der Einsicht, dass es völlig ausreicht, eine Geschichte mit einem Anfang und einem Ende zu erzählen, und es nicht nötig ist, irgendwelche Twists oder Surprise Endings als Prolog oder Epilog vor- bzw. nachzuschalten und für sich genommen perfekt funktionierende Filme damit auszuhebeln?