Mit ‘Alkohol’ getaggte Beiträge

the hangover (todd phillips, usa 2009)

Veröffentlicht: Dezember 8, 2009 in Film
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Zum Junggesellenabschied fährt der Ehemann in spe Doug (Justin Bartha) mit seinen beiden besten Freunden Phil (Bradley Cooper) und Stu (Ed Helms) sowie seinem Schwager Alan (Zach Galifianakis) nach Las Vegas. Am Morgen nach der rauschhaften Nacht wachen Phil, Stu und Alan nicht nur in einem vollkommen verwüsteten Hotelzimmer auf, in dessen Badezimmer es sich zudem ein Tiger bequem gemacht hat, sie bemerken auch bald, dass Doug spurlos verschwunden ist. Weil alle drei schwer mit den Nachwirkungen des Gelages und akutem Gedächtnisverlust zu kämpfen haben, müssen sie die Ereignisse der vorigen Nacht mit Mühe und Not rekonstruieren, um ihren Freudn zu finden und pünktlich zur Hochzeit nach Hause zu bringen. Und sie stellen bald fest, dass sie beim Feiern nichts haben anbrennen lassen …

Mit THE HANGOVER habe ich ungefähr dasselbe Problem wie mit Philipps OLD SCHOOL: Beide Filme sind recht sparsam mit ihren Gags und entlassen den Zuschauer mit dem Gefühl, ihr Potenzial nicht vollkommen ausgereizt wurde. Vielleicht ist das aber auch eine ausgesprochene Stärke beider Filme: Dass sie eben nicht in ein heilloses Gagfeuerwerk münden, dem die Narration komplett untergeordnet wird, sondern eine Geschichte erzählen, die ihr komisches Potenzial aus der Konfrontation der Figuren mit absurden Situationen bezieht. THE HANGOVER hat einen sehr gleichmäßigen Flow, eine sehr „saubere“ Dramaturgie, was durchaus untypisch für eine Komödie ist, die sich normalerweise viele Ruhepausen und „Nummern“ gönnt und den roten Faden gern zugunsten wilder Slapstickeinlagen opfert. Philipps inszeniert auch THE HANGOVER eher wie ein Drama, mit dem Unterschied, dass es hier nie um Leben oder Tod geht, sondern alles eine gewisse Leichtigkeit behält. Getragen wird das nicht zuletzt von den Darstellern, die ihre schematischen Figuren – Phil ist der attraktive, unverantwortliche Draufgänger, Stu der ängstlich-biedere Pantoffelheld und Alan schließlich das leicht psychotische Partyanimal – zum Leben erwecken und vor der Beliebigkeit retten. Interessant ist auch, wie Philipps seine Geschichte aufbaut: Die exzessive Party selbst – eigentlich Zentrum eines solchen Films – wird ausgespart, Einzelheiten kommen nur sporadisch ans Licht und zum Schluss deuten nur ein paar Fotos an, was passiert ist. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum man als Zuschauer – wie die Protagonisten – das Gefühl hat, bei THE HANGOVER das Wesentliche verpasst zu haben. Aber gerade dieser Kniff verleiht dem Film das gewisse Etwas, das ihn von anderen, vergleichbaren Komödien unterscheidet, seine Glaubwürdigkeit und bewahrt zudem die Würde der Figuren. Je mehr ich über den Film nachdenke, umso besser gefällt er mir eigentlich. Wenn man mit korrigierter Erwartungshaltung an THE HANGOVER herangeht – einen komischen Film statt einer tumben Krawallkomödie erwartet – wird man sein Glück wohl finden. Ich muss den demnächst noch einmal schauen, um ihn richtig einschätzen zu können.

barfly (barbet schroeder, usa 1987)

Veröffentlicht: Oktober 12, 2009 in Film
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Mit Koch Media hat sich endlich ein Label gefunden, das BARFLY hierzulande auf DVD veröffentlicht. Die von Charles Bukowski gescriptete, autobiografisch angehauchte Cannon-Produktion kann einen brilliant agierenden Mickey Rourke in seiner Hochphase in den mittleren Achtzigern, eine famose Kamerarbeit von Robby Müller, einen herrlich stimmungsvoll-rauchigen Soundtrack voller Blues- und Jazz-Stücke und die dezente, aber umso nachhaltigere Regie von Barbet Schroeder vorweisen. Die DVD gehört mithin in jedes Regal, am besten in der Doppel-DVD-Edition, die als Bonus noch Schroeders Charles-Bukowski-Doku „The Charles Bukowski Tapes“ enthält. Mehr von mir zum Film auf F.LM.

Henry Chinaski (Mickey Rourke) ist Säufer aus Passion und Poet. Tag für Tag hängt er in den Spelunken von
L. A. zwischen anderen Nachtschattengewächsen und gesellschaftlichen Randexistenzen herum und lässt sich volllaufen, der Höhepunkt eines jeden Abends ist die Schlägerei mit dem fiesen Kneipenbesitzer Eddie (Frank Stallone). Als Henry die Alkoholikerin Wanda (Faye Dunaway) kennen lernt und die Herausgeberin einer Literaturzeitschrift ihn „entdeckt“, kommt Abwechslung in sein Leben …

Mit der Produktionsfirma Cannon verbindet man in erster Linie Actionreißer der Marke MISSING IN ACTION oder AMERICAN FIGHTER, dabei hatten Menahem Golan und Yoram Globus durchaus Größeres im Sinn. Neben den Mainstream-Kassenmagneten wollten sie große Kunst produzieren, nahmen Polanski, Cassavetes, Godard und andere renommierte Filmemacher unter Vertrag, die dem unabhängigen Studio Prestige einbringen sollten. Die Geschichte ist bekannt: Aus den großen Plänen wurde nix, Missmanagement, groteske Fehleinschätzungen und das eigene Image standen dem Erfolg letztlich im Weg. Dass es durchaus auch anders hätte kommen können, wird unter anderem an BARFLY offensichtlich, einem ebenso ungewöhnlichen und mutigen wie künstlerisch anspruchsvollem Film, inszeniert vom vielseitigen Weltenbummler Barbet Schroeder. BARFLY, nach einem Drehbuch vom Urvater der Gossenpoeten Charles Bukowski inszeniert, verweigert sich der typischen Dramaturgie vom unaufhaltsamen Abstieg, zelebriert vielmehr die alternative Lebensphilosophie seines Protagonisten, ohne jedoch zu beschönigen, und hat mich damit bei der Erstsichtung mit Freund Funxton, einem langjährigen Verehrer des Films, vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. BARFLY, das ist neben der aufopferungsvollen Darstellung des damals gerade 31-jährigen Mickey Rourkes – den man, auf dem kurzen Zenith seiner Popularität, kaum wiedererkennt – vor allem die wunderbare Fotografie von Robby Müller, der das neonglimmende Nachtleben abseits der schicken kalifornischen Flaniermeilen in Bilder schimmligen Triumphes hüllt und der heimelige Score voll mit knarzig-verrauchtem Bar-Blues und Jazz. Eine kurze Flucht aus dem Dreck gibt es gegen Ende, wenn die Redakteurin Tully Sorenson (Alice Krige) versucht, „ihre“ Entdeckung in einem Anflug messianischen Übereifers zu retten, Henry die Freuden des Reichtums und der Sicherheit schmackhaft zu machen. Das ist nichts für Henry, dessen Lebensphilosophie lautet, dass jeder nüchtern sein kann, es zum Säufer aber Ausdauer, einer gewissen Disziplin bedarf. Schroeder gelingt es in BARFLY – der sich über die Zukunft Henrys und Wandas keinen Illusionen hingibt – die Utopie in der Dystopie zu finden. Es ist letztlich egal, wie kaputt und versifft man ist, solange man das Leben lebt, das man leben will und dabei noch Mitstreiter und Freunde hat. Aber wenn man die Entscheidung über dieses Leben getroffen hat, muss man es auch mit allen Konsequenzen leben: leere Geldbörse, aufgeschlagene Fingerknöchel und eine ausgesprochen übersichtliche Lebensperspektive eingeschlossen. BARFLY ist – das ist das Herausfordernde an diesem Film – auf eine beinahe romantische Art und Weise behaglich. Dem Dahingleiten seiner Protagonisten im immerwährenden Rauschzustand könnte man noch lang über das Ende des Films hinaus zuschauen. Vielleicht ist es gut, dass sich die Tür zum Golden Horn, Henrys Lieblingskneipe, nach 95 Minuten wieder schließt und dem Zuschauer den Blick verwehrt, auf das, was dann noch kommt. Es würde wohl zu großer Leidensfähigkeit bedürfen, der Geschichte bis zum Ende zu folgen. Aber Henry weiß ja, worauf er sich eingelassen hat. Sein Leben ist eben nicht für jeden.

californication – season 1 (usa 2007)

Veröffentlicht: September 17, 2008 in Film
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Hank Moody (David Duchovny) hasst L. A. Für den New Yorker Schriftsteller nahm das Ende seinen Anfang als er mit seiner Lebensgefährtin Karen (Natascha McElhone) und seiner Tochter Rebecca (Madeleine Martin) in die Stadt der Engel übersiedelte, um dort an der Verfilmung seines Erfolgsromans „God hates us all“ mitzuwirken: Hollywood verhunzte sein Drehbuch, aus dem zynischen Werk wurde eine Romanze mit Tom Cruise, Katie Holmes und dem Titel „Crazy Little Thing Called Love“, die Beziehung zu Karen zerbrach und nun steht ihre Hochzeit mit dem schmierigen Bill (Damian Young) vor der Tür, während Hank verzweifelt versucht, wieder in die Spur zu kommen und seine mittlerweile fünf jahre andauernde Schreibblockade zu überwinden. Doch dabei stehen ihm Alkohol, One Night Stands und sein ausgeprägter Selbsthass im Weg …  
 
CALIFORNICATION reiht sich nahtlos ein in die beeindruckende Galerie in den letzten Jahren für das amerikanische Pay-TV gedrehter US-Serien, dennoch könnte sie sich kaum stärker von diesen unterscheiden. In CALIFORNICATION werden keine Terroranschläge abgewendet, keine geheimnisvollen Inseln erkundet, keine Weltraumschlachten geschlagen, keine Serienmörder gefasst oder Kriminalfälle gelöst und anders als in den vielleicht noch am ehesten verwandten Serien DESPERATE HOUSEWIVES oder SEX AND THE CITY wird auch kein durch und durch hohler Lifestyle propagiert, der sich zwar als emanzipiert deklariert, in Wahrheit aber kaum weiter von diesem Ideal entfernt sein könnte. CALIFORNICATION ist eine durch und durch erwachsene Serie um erwachsene Charaktere mit erwachsenen Sorgen, die – man hält es kaum für möglich – gerade damit ziemlich allein auf weiter Flur steht. Dass der Pay-TV-Sender Showtime sich wenig um Zensur und Altersfreigaben scheren muss, macht zwar den Weg frei für freizüngige Dialoge und nackte Tatsachen, doch bleibt der Umgang mit diesen Elementen stets leichtfüßig und selbstbewusst, wirkt niemals verklemmt, wie das so oft der Fall ist, wenn Hollywood versucht, Sex zu thematisieren. Die Sicherheit, mit der die Macher von CALIFORNICATION (als Regisseure fungieren u. a. Stephen PREDATOR 2 Hopkins und John Dahl) ihre Gratwanderung vollziehen, ohne auszurutschen, ist beeindruckend: Weder wird Hanks hilflose Promiskuität als destruktiver Hedonismus verurteilt, noch als hippe Unangepasstheit verherrlicht. Wie im echten Leben, so hat auch in CALIFORNICATION alles mehr als nur eine Seite und das macht die Serie auch in Momenten, in denen um des Effekts willen überdramatisiert wird, so immens glaubwürdig und spannend. Die Figuren entwickeln sich, reflektieren über sich und andere, machen Fehler, die stets nachvollziehbare Reaktionen bei ihnen (und anderen) hervorrufen und sind nie bloß die Verkörperung eines fixen Profils von Eigenschaften. Kurz: Sie leben. Das äußert sich auch in den grandiosen Dialogen, in denen es vor allem um Emotionen geht, und weniger darum, Informationen zu transportieren. CALIFORNICATION dreht sich auch um persönliche Stile, Lebensentwürfe und -konzepte, um die Kollision derselben und die Suche nach der Gemeinsamkeit, die das Zusammenleben möglich macht. Und es geht um Träume: Das Aufschrecken Hanks aus absurden Sexträumen zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie. Wie lernt man zu akzeptieren, dass das Leben nicht der Traum sein kann, den man hat? In der Meditation über diese Frage weicht CALIFORNICATION den einfachen Antworten aus, zeigt vielmehr, dass Glücksmomente und Enttäuschungen lediglich unterschiedlcihe Ausprägungen ein und derselben Sache sind. Es gibt wohl nur wenige Serien, die das Nebeneinander von Komik und Tragik so meisterlich beherrschen wie diese. Riesigen Anteil an diesem Erfolg hat David Duchovny, der als sympathischer Zyniker vollkommen überzeugt, und der völlig vergessen macht, dass er einst als Fox Mulder unterwegs war. Nach den 12 Folgen der ersten Staffel kann man kaum noch glauben, dass beide Figuren vom selben Schauspieler verkörpert wurden. Er wurde für seine Leistung verdientermaßen mit dem Golden Globe ausgezeichnet, darf sich dafür aber auch bei seinen Mitstreitern bedanken, die ihre Charaktere und damit die gesamte Serie mit Leben füllen. Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt gibt, dann ist es der Cliffhanger am Schluss, der mit der vorangegangenen Glaubwürdigkeit zu brechen scheint. Ob das tatsächlich so ist, wird sich wohl in Staffel 2 herausstellen. Ich bin gespannt.

Nach ihrer Ankunft im heimischen San Francisco werden Nick und Nora Charles (William Powell & Myrna Loy) sogleich in den nächsten Kriminalfall verwickelt: Noras Cousine Selma (Elissa Landi) vermisst ihren Ehemann Robert (Alan Marshal). Die Ehe zu diesem ist allerdings schon ziemlich zerrüttet. David Graham (James Stewart), ein Verehrer Selmas, berichtet, dass Robert ihm versprochen habe, gegen Zahlung von 25.000 Dollar zu verschwinden. Doch der Ehemann taucht bald schon wieder auf: als Leiche …

Nach dem großen Erfolg des Vorgängers THE THIN MAN musste ein Sequel her. Anders als im ersten Teil der Reihe, in dem Nick und Nora Charles erst nach einer ausführlichen Exposition eingeführt wurden, was ihrer Anwesenheit eine dem Ton des Films sehr angemessene Beiläufigkeit verlieh, steht das Ehepaar nun ganz klar im Zentrum des Films, der um sie herum gestrickt wurde. Der Film büßt dadurch etwas von der Leichtigkeit des Erstlings ein, wirkt insgesamt konstruierter und auch irgendwie gewöhnlicher. Andererseits passt das auch wieder: Das Ehepaar Charles befindet sich nicht mehr im Urlaub, sondern ist zurück zu Hause und damit auch wieder im Alltag angekommen, der u. a. mit dem lästigen Besuch ungeliebter Verwandter gefüllt ist. Waren Nick und Nora im Vorgänger noch geradezu entfesselt, euphorisiert von der Freiheit von Zwängen und den vielen Möglichkeiten des Müßiggangs, erscheinen sie hier mehr down to earth.  Wahrscheinlich auch das Resultat eines weniger leicht aus dem Ärmel geschüttelten Drehbuchs, was hier aber nicht nur negativ ins Gewicht fällt. Nick und Nora werden dem Zuschauer als echte Menschen näher gebracht, wohl auch mit dem Hintergedanken, dass Stoff für weitere Fortsetzungen geschaffen werden sollte. Neben den putzigen Episoden um das Liebesleben von Hund Asta wird so am Ende auch der Weg für die Ankunft des Nachwuchses geebnet. Das gefällt, weil das Ehepaar Charles nach wie vor überaus sympathisch ist, ändert aber nichts daran, dass man es lieber im Rahmen eines unkonventionelleren Films – wie etwa dem ersten Teil der Reihe – sehen würde. So erkennt man in AFTER THE THIN MAN dieselben Mechanismen, die man auch bei aktuellen Filmen der Traumfabrik am Werk sieht und verurteilt: ein erzwungenes Drehbuch, die wenig risikofreudige Repetition einzelner einst erfolgreicher Details, der Rückgriff auf standardisierte Handlungselemente, der Mangel an neuen Ideen. Dass AFTER THE THIN MAN trotz alldem immer noch sehenswert ist, liegt am Zusammenspiel von Powell und Loy, den hübschen und humorvollen Dialogen und dem Auftritt von Superstar in spe James Stewart, dessen Rolle sich gemessen an seinen späteren Auftritten sehr, sehr ungewöhnlich entwickelt.

Der Erfinder Wynant (Edward Elis) verschwindet spurlos, kurz nachdem seine Tochter Dorothy (Maureen O’Sullivan) ihm ihre baldige Hochzeit verkündet hat. Sie bittet den Privatdetektiv Nick Charles (William Powell), ihr bei der Suche nach ihrem Vater behilflich zu sein. Der hatte zwar eigentlich vor, sich nur noch dem Müßiggang und dem Vertilgen teurer alkoholischer Cocktails zu widmen, doch sein detektivischer Spürsinn ist bereits geweckt – und seine reizende Gattin Nora (Myrna Loy) heizt das Feuer noch zusätzlich an …

THE THIN MAN basiert auf einer Vorlage von Hardboiled-Spezialist Dashiell Hammett, was man kaum glauben mag, wenn man den spritzig-humorvollen Esprit dieser Verfilmung mit der existenziellen Düsternis von THE MALTESE FALCON vergleicht. Zwar mäandert der Krimiplot von THE THIN MAN auf ähnlich verschlungenen Pfaden, doch sorgt das Ehepaar Charles für das entsprechende Gegengewicht. Mit Wortwitz und Schlagfertigkeit meistern sie jede Situation und verlieren im Gegensatz zum Zuschauer nie den Überblick und noch weniger die Zuversicht. So wird die Suche nach dem Verschollenen, die schließlich in die Suche nach einem Mörder mündet, zu einem großen Spaß, der von jeglicher Schwermut befreit ist. Wenn man es genau nimmt, dann ist THE THIN MAN gar kein Krimi. Die Suche nach dem Mörder, das Whodunit-Finale am großen Tisch, bei dem alle Verdächtigen versammelt sind, sind eigentlich nur Beigaben, der Rahmen, in dem wir das Ehepaar Charles erleben dürfen. Denn im Mittelpunkt stehen die Beziehung zwischen Nick und Nora – ohne Übertreibung eines der schönsten und liebenswertesten Ehe- und Liebespaare der Filmgeschichte -, ihre wunderbaren Wort- und Blickduelle und natürlich ihr Lebensstil. Es wird viel getrunken in THE THIN MAN – und in jeder Lebenslage. Das Cocktailglas, der Hochprozentige und die Sodaflasche stehen immer in Reichweite und um einen Anlass, sich einen zu genehmigen, sind Nick und Nora nie verlegen. So wird THE THIN MAN zu einem riesigen, leichten Vergnügen, das zudem in seinem Geschlechterbild und Rollenverständnis moderner ist als die meisten aktuellen Blockbuster, die Gattinnen üblicherweise zu den passiv-heulenden Anhängseln der männlichen Helden degradieren. Toll!

beerfest (jay chandrasekar, usa 2006)

Veröffentlicht: September 1, 2008 in Film
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Die Gebrüder Jan und Todd Wolfhouse sind die Nachkommen einer stolzen deutschen Bierbrauerfamilie, doch ein Besuch im Land ihrer Vorfahren endet im Desaster: Von ihren arischen Verwandten werden sie in einem Biertrinkwettbewerb gnadenlos deklassiert, ihre Großeltern als unehrenhafte Bastarde beleidigt. Jan und Todd können die Schmach nicht so einfach auf sich sitzen lassen: Gemeinsam beschließen sie, ein Team zusammenzustellen, dass die Deutschen beim nächsten Beerfest in ihre Schranken verweist …

Im Zuge meiner derzeitigen „Beschäftigung“ mit Debilkomödien konnte ich an BEERFEST kaum vorbeigehen, zumal es die DVD für kleines Geld gab. Tatsächlich entpuppt sich BEERFEST von Genrespezialist Chandrasekar (u. a. SUPER TROOPERS und THE DUKES OF HAZZARD) als echter Geheimtipp, der weitaus intelligenter daherkommt als es seine Verpackung erwarten lässt. Natürlich muss man einige Tiefschläge hinnehmen: Die Deutschen in BEERFEST unterscheiden sich von Filmnazis nur dadurch, dass sie Braunhemd und Schaftstiefel durch weißes Hemd und Lederhose ersetzt haben, ansonsten gehen sie als Bösewichte ganz alter Schule durch. Die Anwesenheit von Jürgen Prochnow und Ralf Moeller legt den Schluss nahe, dass dies Teil von Chandrasekars Humor ist, allerdings schießt er hier manchesmal übers Ziel hinaus. Ansonsten gibt es wenig Anlass zur Beschwerde, im Gegenteil. Chandrasekar beweist Gespür für das richtige Timing und haarsträubenden Klamauk: Das belegen der unausweichliche Sprachwitz (eine der deutschen Figuren heißt „Herr Schniedelwichsen“, das Wolfhousesche Restaurant „Schnitzengiggel“), eine unglaubliche Froschmasturbation wie auch der geniale Einfall um den Tod eines der Hauptcharaktere: Als Saufkumpan Landfill (Kevin Heffernan) verstirbt und eine schmerzliche Lücke im Team hinterlässt, übernimmt dessen Rolle einfach der Zwillingsbruder (Kevin Heffernan), der sogleich darauf besteht wie sein Vorgänger „Landfill“ genannt und auch sonst genauso wie dieser behandelt zu werden. Besser sind Soap-Opera-eske Drehbuchvolten (man denke an Bobbys Tod und Wiederauferstehung in DALLAS) bislang nicht persifliert worden. Ansonsten begeistert BEERFEST mit einem Konzept, dass das hemmungslose Saufen zur ehrbaren und vor allem sinnstiftenden Tätigkeit transzendiert, die Idiotie dieser Beschäftigung aber niemals aus den Augen verliert. Für einen feuchtfröhlichen Abend im Kreise von Freunden kann ich mir kaum eine bessere Untermalung vorstellen.