Mit ‘Allan Arkush’ getaggte Beiträge

Candy Hope (Candice Rialson) kommt mit dem Ziel nach Hollywood, Filmschauspielerin zu werden. Der Agent Walter Paisley (Dick Miller) vermittelt sie an die kleine Produktionsfirma Miracle Pictures des Produzenten PG (Richard Doran), wo Candy unter der Regie des exzentrischen Erich von Leppe (Paul Bartel) und neben dem herrischen B-Movie-Star Mary McQueen (Mary Woronov) durch die harte Schule des Low-Budget-Exploitationkinos geschickt wird. Zu den „normalen“ Entbehrungen und Demütigungen gesellt sich bald eine noch existenziellere Bedrohung, als ihre Kolleginnen eine nach der anderen ermordet werden …

Joe Dantes mithilfe von Allan Arkush – dem Dante wiederum bei ROCK ‚N‘ ROLL HIGH SCHOOL unter die Arme griff – inszeniertes Debüt ist ein hübscher kleiner Filmfilm, der die Eigenheiten seines eigenen Dunstkreises lustvoll bloßstellt und gleichzeitig zelebriert. Schon auf dem Plakat wird HOLLYWOOD BOULEVARD mit seinen Primärreizen  Sex & Violence beworben, doch ist das auch nur ein Zeichen des Hintersinns, von dem der ganze Film durchzogen ist. So macht sich Dante über die verhinderten Künstler lustig, die in der B-Movie-Hölle gefangen und somit gezwungen sind, sich ihr Schaffen selbst schönzureden, zeichnet von Leppe als sich geradezu aristokratisch gerierenden deutschstämmigen Regisseur, der selbst die dämlichsten Szenen noch inszeniert wie wichtige künstlerische Statements, macht die schwierigen Produktionsbedingungen zu einem Ziel seiner Gags und verwendet nach bester Resteverwertermanier etliche Filmschnippsel aus dem Corman’schen Schaffen. Dennoch begnügt sich Dante nicht damit, sich bescheiden in die Reihen der zwar fleißigen, aber oft auch unambitionierten Grindhouse-Belieferer einzuordnen, sondern transzendiert die Eigenheiten des Exploitation-Kinos. HOLLYWOOD BOULEVARD ist in seinen Mitteln ungemein kreativ, sprüht vor Leben, öffnet den Raum für etliche weitere, sich anknüpfende Geschichten, hat zahlreiche liebenswerte Figuren aufzubieten und zeigt, was innerhalb der eng abgesteckten Grenzen des Low-Budget-Kinos filmisch möglich ist – nicht, dass man das einem Liebhaber des hier porträtierten Kinos wirklich noch hätte beweisen müssen. Dante lässt mit seinem Debüt schon erahnen, zu welchen Höhenflügen er in den Achtzigerjahren ansetzen sollte – und dass HOLLYWOOD BOULEVARD dabei nicht auf das breite Familienpublikum schielt, sondern die Regionen südlich der Gürtellinie anpeilt, macht ihn umso sympathischer. So richtig viel will mir nicht einfallen, weil sich HOLLYWOOD BOULEVARD eigentlich von selbst erschließt und eine Aufzählung seiner besten Ideen zum einen die Freude der Sichtung zerstören und außerdem eine ziemlich langweilige Lektüre darstellen würde. Also belasse ich es bei dem Hinweis, dass man HOLLYWOOD BOULEVARD idealerweise im Doppelpack mit Landis‘ KENTUCKY FRIED MOVIE oder auch SCHLOCK genießen sollte, die im Grunde Seelenverwandte sind.

Als Evelyn Togar (Mary Woronov) das Amt des Direktors der Vince Lombardi High School übernimmt, sagt sie allem Laster den Kampf an. Ganz oben auf ihrer Liste steht die böse Rockmusik, die ihre Schüler in destruktive Monster verwandelt. Doch da hat sie die Rechnung ohne die freche Riff Randell (P. J. Soles) gemacht, ihres Zeichens riesiger Ramones-Fan und von dem Wunsch beseelt, ihren Idolen den selbst geschriebenen Song „Rock ’n‘ Roll High School“ zu vermachen. Bei einem Konzert kann sie die Band davon überzeugen, an ihrer Schule aufzutreten. Zerstörung folgt …

Ein ewiger Klassiker, den man immer wieder sehen kann. Ich sage das aus eigener Erfahrung, weil ich jedes Mal aufs Neue begeistert bin von den vielen hübschen Einfällen, der locker-flockig-kurzweiligen Art, auf die der Film an einem vorbeisaust, ohne zu langweilen, aber auch ohne zu stark zu fordern. Ein Film zum Zurücklehnen, Mitwippen, Biertrinken. Die Story, die mit diversen putzigen Subplots angereichert ist – der schönste sicherlich der um den Verkupplungsexperten Eaglebaum (Clint Howard), der dem hoffnungslosen Quarterback Tom (Vincent Van Patten) Nachhilfe in Liebesdingen gibt –, ist kaum mehr als Vorwand, möglichst viele Ramones-Hits unterzubringen: Es gab schon schlechtere Gründe, einen Film zu drehen. Überhaupt muss man sagen, dass ROCK ‚N‘ ROLL HIGH SCHOOL ohne die Väter des Punkrocks absolut undenkbar wäre. Ursprünglich hatten Corman und Arkush wohl die damals angesagte Discomusik für den Film im Auge, was im Zusammenhang mit dem rebellischen Gestus des Films überhaupt nicht funktioniert hätte. Aber auch eine andere Rockband hätte nicht so gut gepasst, weil außer den Ramones niemand diese süchtig machende Mischung aus einschmeichelndem Pop, Kaugummi-Trivialität und ungebremster, unvermittelter Wildheit jemals so gut hinbekommen hat – jedenfalls nicht 1979. Ein Glücksfall für die Filmemacher und die Band, denen hier der ihnen gebührende Tribut gezollt wird. Meine Lieblingsszene ist die mit dem Papierflieger, aber eigentlich ist es unfair, einzelne Momente hervorzuheben, weil ROCK ‚N‘ ROLL HIGH SCHOOL voll von solchen ist. Gabba Gabba Hey!

In der postatomaren Zukunft des Jahres 3000 regiert der Tyrann Lord Zirpola (David McLean) in der Stadt Helix mit eiserner Hand und langsam aufweichendem Gehirn, sendet seine mit „Death Machines“ (= Motorrädern mit Strahlenkanonen) ausgestatteten Schergen aus, um in der Wildnis einfache Siedler oder aber die „Range Guides“, magisch begabte Fährtenleser und Führer, ausfindig zu machen. Diese müssen sich dann zur Belustigung der Massen im „Deathsport“ bewähren, einem Arenakampf, in dem sie gegen die „berittenen“ Männer Zirpolas antreten. Einer dieser Range Guides ist Kaz Oshay (David Carradine). Ihm gelingt mit ein paar Mitstreitern die Flucht aus Zirpolas Fängen. Der böse Ankar Moor (David Lynch) macht sich auf die Jagd nach ihm …

DEATHSPORT sollte den Erfolg von DEATH RACE 2000 wiederholen und die Zutaten Motorräder, Schwerter, Arenafights und Endzeit versprachen einen hübschen Exploiter. Was aber letztlich das Licht der Welt erblickte ist ein konfuser Klumpatsch, der trotz unzähliger Explosionen, Motorradstunts und Schwertkämpfe so aufregend ist wie die Halbzeitpause eines Kreisligaspiels ohne Bierausschank, aber immerhin schön blöd. Kein Wunder: Nach nur zwei Wochen Pre-Production und einer geplanten Drehzeit von nur vier Wochen schmiss Regisseur Suso auch noch nach der Hälfte der Dreharbeiten das Handtuch, weil er keinen Bock mehr auf Carradine hatte, und überließ seinem Assistenten Arkush das Feld, dem es jedoch nicht gelang, das Scheitern auf allen Ebenen zu verhindern. Carradine fuchtelt mit einem Kristallschwert aus Plastik herum, trägt lange Haare und Vollbart, Cape und Lendenschurz und labert mystischen Mumpitz. Die Bösen ballern mit Waffen, die Mensch und Materie verschwinden lassen, und fahren auf Motorrädern, die klingen wie Roboterflatulenzen. Alle Nase lang fliegt etwas in die Luft, ohne dass man weiß, warum, und die visuellen Effekte verleihen dem Film in Verbindung mit dem Jerry-Garcia-unterstützten Score zwar einen psychedelischen Anstrich, sind aber vor allem mies. Eine unfassbare Szene beinhaltet von der Decke hängende Leuchtstäbe, die gegen eine nackte Tänzerin dotzen, worauf dieses sich in unerklärlichen Qualen windet. Stromschläge werden durch enervierendes Stroboskopflackern visualisiert und dann gibt es da auch noch die obligatorischen Mutanten, die mit ihren aufgeklebten Glubschaugen aussehen wie Marty-Friedman-Doubles. Das alles ergibt kein Quäntchen Sinn und sieht schmerzhaft billig aus, abgesehen von den Brüsten von Claudia Jennings. Allein „genossen“ ist DEATHSPORT wahrlich kein Vergnügen, in alkoholisierter Runde dürfte er aber ungeahnte Qualitäten offenbaren.