Mit ‘Amanda Peet’ getaggte Beiträge

2012. Die Erde geht unter. Die Reichen und Mächtigen haben vorgesorgt und riesige Archen gebaut, auf denen die letzten Menschen einer neuen Zeitrechnung entgegensteuern werden. Und der Schriftsteller Jackson Curtis (John Cusack) will für seine beiden Kinder, seine Ex-Frau (Amanda Peet) und auch für sich selbst einen Platz an Bord ergattern …

Roland Emmerichs liebt es, Filme über die Ohnmacht zu drehen. Das Gefühl, das den Menschen beschleicht, wenn er sich einer Sache gegenübersieht, die er als größer erkennt, als er selbst es ist, die ihn an seine Nichtigkeit erinnert und all seine bisherigen Sorgen und Wünsche als schwaches, kurzlebiges Aufflackern im unendlichen Universum erscheinen lässt, und das Kant als das „Erschaudern vor dem Erhabenen“ bezeichnete. In allen Emmerich-Filmen, in denen es um diese Ohnmacht, dieses Erschaudern geht, also sowohl in INDEPENDENCE DAY als auch in GODZILLA, THE DAY AFTER TOMORROW oder jetzt eben 2012, gibt es diesen Moment, in dem die Menschen des Unbegreiflichen, Undenkbaren gewahr und vom Status der „Krone der Schöpfung“ auf den des Staubkorns in der Unendlichkeit zurückgeworfen werden, und Emmerich inszeniert ihn fast immer gleich: Vorn im Bildvordergrund der Mensch und weit weit im Bildhintergrund eben das Erhabene, das den Menschen auf Zwergengröße schrumpft, sodass ihm nichts mehr bleibt als ehrfüchtig und mit weit aufgerissenen Augen zu erstarren. Und man ahnt, dass Emmerich seine Zuschauer in eine ganz ähnliche, wenn auch deutlich weniger prekäre und endgültige Lage bringen will. 

2012 hält der Größe der Katastrophe angemessen gleich mehrere dieser Augenblicke bereit und der eine, in dem der paranoide Verschwörungstheretiker Charlie (Woody Harrelson) der Explosion des Yellowstone-Nationalparks beiwohnt und seinen Followern via Podcast mitteilt „I wish you could see what I see“, und die Kamera den Blick des Zuschauers für eine Sekunde auf das stattliche Klempnerdekolletee Charlies lenkt anstatt auf die Apokalypse im Bildhintergrund, zeugt auch von dem Humor und der Intelligenz des Schwaben, für den das Feuilleton gemeinhin nicht allzu viele Nettigkeiten bereithält. Seine Figuren seien flach, seine dramaturgischen Einfälle plump und vorhersehbar, seine Weltanschauung erzkonservativ und vielleicht sogar protofaschistisch. Diesen Vorwürfen lässt sich nur schwer widersprechen, doch sind sie meines Erachtens nicht dem Unvermögen zuzuschreiben, sondern nur logische Konsequenz von Emmerichs Themen. Wenn nicht weniger auf dem Spiel steht als das Fortbestehen der gesamten Menschheit, dann ist es sowieso schwer, Subtilität zu wahren, umso mehr, wenn die adäquate Ins-Bild-Setzung dieses Weltuntergangs von so großer Bedeutung ist wie bei Emmerich. Folglich gibt es in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die Emmerichs Charaktere unterhalten, auch keine kleinen Probleme und auch keine Nichtigkeiten; es ist kein Platz für schmückende, aber in diesem Kontext erst recht bedeutungslose Details. Wenn also Jacksons Tochter als Bettnässerin eingeführt wird, dann nur, damit sie diese Schwäche am Ende überwinden kann. Aber immerhin: Die meisten anderen Figuren bekommen gerade so viel Zeit, um sich in dramatisch aufgeblasenen Momenten von ihren Lieben zu verabschieden. 

Emmerich beweist mit 2012 aber, dass er nicht als Hollywoods ahnungsloser Vollstreckungsgehilfe in Sachen Untergangsstimmung unterwegs ist: Er weiß sehr genau, was er da macht und welche Implikationen seine Geschichten mitbringen, dass man ihm nach so vielen Weltuntergangsszenarios eine gewisse Morbidität unterstellen muss. Der Blick auf das monumentale Massensterben in 2012 wird daher mehr als einmal ironisch gebrochen, was ihn von den wahnsinnigen Untergangspropheten, die unter anderem im Internet oder in diversen Sekten ein fruchtbares Beschäftigungsfeld gefunden haben, abhebt. Mehr als als Warnfabel, als die man den Klimakatstrophenfilm THE DAY AFTER TOMORROW noch bezeichnen konnte, ist 2012 ein Film über das menschliche Bedürnis nach der Apokalypse als Generator von Visionen und Träumen, die sich an diese anknüpfen. Emmerich betreibt Bildproduktion. Und darin ist er tatsächlich meisterlich.