Mit ‘Analía Gadé’ getaggte Beiträge

Sechs Personen – der Motorradfahrer Fred (Andres Resino) und seine Beifahrerin Laura (Lisa Leonardi), die Millionärstochter Elsa (Analía Gadé), ihr Anwaltspärchen Mr. und Mrs. Tremont (Eduardo Fajardo & Yelena Samarina) sowie der Unternehmer Mr. Porter (Franco Fantasia) – verfahren sich auf ihrem Weg im Nebel und finden Unterschlupf im Landhaus von Martha Clinton (Evelyn Stewart). Deren herzerwärmende Geschichte, dass ihre Mutter angeblich eine Hexe war und  bei einem Autounfall gemeinsam mit ihrem treuen Chauffeur verstarb, beunruhigt die Anwesenden vor allem deshalb, weil die beiden vermeintlich Toten kurz zuvor auf dem benachbarten Friedhof  einen quicklebendigen Eindruck gemacht haben …

Auch wenn die profane Auflösung der schaurigen Vorgänge – die man allerdings schon von Weitem kommen sieht – am Ende ein bisschen enttäuscht: Die Welt braucht mehr spanischen Gothic Horror wie LA MANSIÓN DE LA NIEBLA! Nirgendwo sonst, die altehrwürdigen Universal-Horrorschinken aus den Dreißigerjahren und die Hammerfilme der Fünfziger- und Sechzigerjahre eingeschlossen, ist Gothic Horror mit dieser den Nagel auf den Kopf treffenden kitschig übersteuerten Farbpracht abgelichtet, die in seinem Kern schlummernde melodramatische Gefühlsduselei besser zum Vorschein gebracht, die Gratwanderung zwischen wohligem Schauer und krawallig-infantiler Geisterbahnstimmung besser umgesetzt worden als in Filmen wie diesem hier (oder dem berühmteren EL JOROBADO DE LA MORGUE). Das nebenstehende Plakatmotiv fasst die visuellen Qualitäten von LA MANSIÒN DE LA NIEBLA tatsächlich sehr gut zusammen: Ich fühlte mich bei der Betrachtung ständig an die alten Horrorcomics à lan „Gespenster Geschichten“ oder „Spuk Geschichten“ erinnert, mit denen ich mir meine Kindheit versüßt habe. Alles sieht nach Pappmaché aus, zu sehr nach Märchenbuch, erinnert in seiner Ausstattung an eine verstaubte Requisitenkammer. Zwar gilt das auch etwa für Cormans Poe-Adaptionen, doch werden diese durch die disziplinierten, zurückgenommen agierenden Darsteller und die an der literarischen Vorlage orientierten Strenge des Stils gewissermaßen geerdet: In LA MANSIÓN DE LA NIEBLA ist hingegen alles hoffnungslos übersteuert. Wenn amerikanischer Gothic Horror ein unheilvolles Wispern ist und britischer das Knarren einer Tür, dann ist ihr spanischer Kompagnon das ohrenbetäubende Krachen im wurmstichigen Gebälk.

Die Worte, die mein Interesse an diesem mir zuvor völlig unbekannten Film sofort geweckt waren, besagten, man sehe ihn sich am besten spät in der Nacht an. Das habe ich zwar nicht gemacht, aber es stimmt wohl: Vom Sujet mal ganz abgesehen, dessen Wirkung bei Tageslicht einfach verpuffen muss, wird LA MANSIÓN DE LA NIEBLA am besten genossen, wenn die Sinne nicht mehr ganz so geschärft sind, wenn die feinen Zwischentöne an einem vorbeisausen würden, die große Emotion und die große Geste aber dafür umso stärkeren Eindruck machen, weil man die Deckung schon etwas hängen lässt. Dann brandet dieser Film über einen hinweg wie eine Welle an einer unwegsamen Steilküste. Wenn die großartige Analía Gadé hier dekorativ, inbrünstig und hemmungslos vor sich hin leidet, unter der Last der Ereignisse zerbricht, ihr schwarzer Kajalstift um ihre Augen zu schwimmen beginnt, ihre Frisur mehr und mehr in Auflösung gerät, ihr romantisches Wallewalle-Nachthemdchen angesichts ihrer voranschreitenden mentalen Zerrüttung wie ein Hohn erscheint und ihr Leid von der Tonspur von entrücktem Klagegesang begleitet wird, gibt es auch für den Zuschauer kein Halten mehr. Spanischer Gothic Horror, das ist ein bisschen wie Musical ohne ätzende Songs und Tanzeinlagen, wie Gruselhöspielkassetten mit Bildern, wie eine Geisterbahn ohne Augenzwinkern. Wo Figuren mit allergrößter Selbstverständlichkeit Namen tragen wie „Tremont“, „Porter“ und „Clinton“ und trotzdem in Spanien leben. Ein besserer Ort für eine bessere Welt. Ein Gnadenhammer, dieser Film.

Die wohlhabende Künstlerin Ruth (Analìa Gadé) trennt sich von ihrem Ehemann Michel (Tony Kendall), als sie sich in den attraktiven, smarten Paul (Jean Sorel) verliebt. In ihrer luxuriösen Mittelmeervilla haben die beiden eine leidenschaftliche Romanze, bis zwei rätselhafte Unfälle Ruth beinahe das Leben kosten. Ruth vermutet ihren eifersüchtigen Ehemann dahinter, der bald wieder bei ihr auftaucht. Doch dann belauscht sie ein geheimes Gespräch der beiden Männer …

Kein lupenreiner Giallo, sondern ein sehr ruhiger und entspannter Thriller, dessen mediterranes Flair und die Bilder der von der Nachmittagssonne beschienenen Naturschönheit den Vergleich mit etwa Lenzis SPASMO oder Caianos L’OCCHIO NEL LABIRINTO heraufbeschwören, dessen Plotline mit Mordkomplott und Dreiecksbeziehung hingegen an einen Film Noir mit vertauschten Geschlechterrollen denken lässt (beim Noir ist ja in der Regel der Mann derjenige, der verraten wird, hier ist es die Frau). Forqué inszeniert seine Geschichte mit viel Geduld und setzt dabei voll auf die Stimmung von Müßiggang und Tagträumerei, die nicht nur seiner Protagonistin die Sinne vernebelt. EL OJO DEL HURACÁN wirkt irgendwie irreal mit seinem Sonnenglitzern auf der trügerisch ruhigen Meeresoberfläche und dem charmanten Lächeln Pauls, der einfach zu perfekt ist, als dass mit ihm nicht etwas faul sein könnte. Wenn die schmucke Fassade langsam wegbröckelt, erhalten seine edlen Züge, sein selbstbewusstes verführerisches Lächeln und sein weltmännischer Charme plötzlich heftige Schlagseite Richtung Psychopathentum: Jean Sorel liefert eine Glanzleistung ab, agiert sehr subtil und versteigt sich niemals zu wildem Grimassieren. Es sind nur Nuancen, die sein Spiel in der ersten Hälfte des Films von dem in der zweiten unterschieden und das macht ihn geradezu teuflisch effektiv. Die schöne Analía Gadé, die die etwas undankbare Rolle der Betrogenen innehat, macht die Verletzung ihrer Ruth sehr nachvollziehbar und hilft so dabei, den eigentlich sehr abgebriffenen Stoff lebendig zu halten. So ist es dann auch zu verschmerzen, dass EL OJO DEL HURACÁN kein großer Wurf, sondern lediglich ein sehr solider Euro-Thriller geworden ist, dem Atmosphäre und Stil alles sind und dem ich es daher nur zu gern verzeihe, dass er darüber Innovation und erzählerische Raffinesse etwas vernachlässigt.