Mit ‘Anders Ronnov Klarlund’ getaggte Beiträge

A Nyomozó (Ungarn 2008 )
Regie: Attila Galambos

Der ungarische Pathologe Tibor (Zsolt Anger) lebt ein ereignisloses Leben: Ohne Freunde ist seine einzige Kontaktperson seine Mutter, die allerdings mit Knochenmarkskrebs im Krankenhaus und im Sterben liegt. Eine schwedische Stiftung soll die Operation finanzieren, lehnt aber aufgrund der Mittellosigkeit Tibors ab. Da kommt ihm ein merkwürdiger Mann, der sich „Zyklop“ nennt und Tibor einen Auftragsmord anbietet, gerade recht. Doch am Tag nach dem kaltblütig ausgeführten Mord hat Tibor einen Brief des Toten im Briefkasten und in diesem stellt er sich als verschollener Halbbruder vor. Tibor gerät in den Blick der Polizei und muss nun auf eigene Faust ermitteln …

Galambos gelingt mit A NYOZÒ ein wunderbar lakonischer Film Noir, der durch seinen ungewöhnlichen Helden und die ebenso fahle wie beschwingte Atmosphäre besticht. Tibor ist ein Antiheld wie er im Buche steht: Als Sonderling, der mit dem Tod besser vertraut ist als mit Menschen, lebt er sein ereignisloses Leben bis eben genannter Mordfall und die Kellnerin Edit (Judit Rezes) Abwechslung bringen. Dann wächst Tibor schließlich über sich hinaus, wäscht nicht nur seinen Namen rein, sondern kriegt auch die Frau, an der er am Schluss seine in jahrelanger Routine perfektionierten Schminkkünste ausprobieren darf. A NYOZÒ ist einer dieser Filme, für die man aufs Fantasy Filmfest geht: Ein leiser, kleiner, unspektakulärer Film, den man unter anderen Umständen niemals gesehen hätte, den man nun aber nicht mehr missen möchte. Schön.


Hvordan vi slipper af med de andre (Dänemark 2007)
Regie: Anders Ronnow Klarlund

Während die braven Bürger Dänemarks im Sommerurlaub weilen, räumt die Regierung das Land ordentlich auf: Weil man herausgefunden hat, dass ein Großteil der Steuereinnahmen zugunsten sozialer Abgaben an Arbeitslose, Behinderte, Drogenabhängige und Kriminelle verpulvert wird, die im Gegenzug keinen produktiven Beitrag leisten, werden alle solchermaßen „Verdächtigen“ in Schulen zusammengepfercht und nach einer kurzen Befragung über ihre Rolle in der Gesellschaft exekutiert. Unter den neuen Kandidaten befindet sich auch Sidse (Louise Mieritz), eine Widerstandskämpferin. Und was niemand weiß: Sie arbeitete vorher für die andere Seite …

In dieser bitteren Groteske zeichnet Klarlund nicht weniger als den Untergang der westlichen Sozialstaaten. Um diese weiter finanzieren zu können, müssen nun nämlich gerade jene Menschen weichen, die sie am dringendsten benötigen, sie aber nach Ansicht der Regierung nicht mehr verdienen. HVORDAN VI SLIPPER … der im Titel die Frage stellt „Wie werden wir die anderen los?“ zeigt, was passiert, wenn das typische BILD-Zeitungs-Genörgel über „Sozialschmarotzer“ reale Konsequenzen nach sich zöge. Nun muss jeder beweisen, dass er ein guter Bürger ist: Ein nahezu unmögliches Verfahren, wie die Opfer erfahren müssen. HVORDAN VI SLIPPER … wurde vom Filmfest-Katalog wieder einmal als grelle Komödie beworben, was m. E. einer krassen Fehleinschätzung gleichkommt. Das Lachen bleibt schnell im Halse stecken, das Gezeigte nimmt die Züge einer gleichermaßen absurden wie beängstigend umsetzbaren Dystopie an, die eher erschütternd anzusehen ist. Das ganze Ausmaß der Aktionen der europäischen Staaten – es wird erwähnt, dass auch andere Länder dem dänischen Vorbild folgen und Internierungslager zur Aussortierung „Asozialer“ betreiben – wird am Schluss deutlich, wenn dänische Flüchtlinge nach Afrika fliehen, das innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal nach CHILDREN OF MEN als Hoffnung und Neuanfang fungiert – eine Idee, die auch der mit afrikanischer Volksmusik durchsetzte Soundtrack repräsentiert. HVORDAN VI SLIPPER … ist ausgezeichnet und eignet sich gut für ein Double Feature mit dem norwegischen KUNSTEN A TENKE NEGATIVT, der ebenso die Schrecken der Leistungsgesellschaften porträtiert und so etwas wie die Vorstufe zu Klarlunds Film darstellt.


Jack Brooks: Monster Slayer (Kanada 2007)
Regie: Jon Knautz

Klempner Jack (Trevor Matthews) hat ein Problem: Seitdem er als Kind hilflos mitansehen musste, wie seine Familie von einem Monster ermordet wurde, leidet er unter unkontrollierbaren Aggressionen, die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Als sein Abendschullehrer, Professor Crowley (Robert Englund), aber einem uralten Fluch zum Opfer fällt und sich in ein gefräßiges Monstrum verwandelt, beschließt Jack, sich seinen Ängste zu stellen und den Kampf zu suchen …

Knautz drehte mit JACK BROOK: MONSTER SLAYER einen unschuldig-oldschooligen Horrortrashfilm, der mit seinem liebenswürdig gezeichneten Protagonisten zu punkten versteht. Eigentlich ist Knautz‘ Film ein ausgesprochener Genrebastard, der Action-, Fantasy- und Splatterelemente vereint und in das dramaturgische Gewand einer „Origin Story“ hüllt, das man vor allem durch zahlreiche Comicverfilmungen kennen gelernt hat. Somit ist der Titel etwas irreführend: Denn der titelgebende „Monster Slayer“ wird Jack erst zum Schluss des Films, der dann auch gleich das Sequel ankündigt, das ich ausgesprochen gern sehen würde. Von anderen vergleichbaren Filmen hebt sich JACK BROOKS: MONSTER SLAYER ausgesprochen positiv ab, weil er sich nicht in hysterischem Übereifer in hohlen Zoten und unmotiviertem Gesplatter verliert, sondern sich Zeit für den Aufbau und die Entwicklung seiner Gags lässt. Hinzu kommen die sympathischen Darsteller und die herrlich altmodischen Effekte. Billige CGI sucht man vergebens, dazu wird die Tradition des Mannes im Gummianzug auf sehr liebenswerte Art und Weise wiederbelebt. Die DVD ist schon gekauft.


Martyrs (Frankreich/Kanada 2008 )
Regie: Pascal Laugier

Der kleinen Lucie gelingt die Flucht: Mehrere Tage wurde sie in einem baufälligen Fabrikgebäude gefangen gehalten und gequält. 15 Jahre später hat sie ihre Peiniger gemeinsam mit ihrer Freundin Anna ausfindig gemacht und richtet ein Blutbad an. Aber ihr Martyrium ist noch nicht beendet …

MARTYRS wurde von der Festivalleitung mit großen Worten angekündigt, die eigentlich nicht mehr nötig waren. In Cannes bekam MARTYRS, der für das französische Kabelfernsehen produziert wurde, den Ruf des Skandalfilms weg, der nun mit kolportierten Geschichten über kollabierte Zuschauer und Verbotsforderungen unterfüttert und bestätigt werden sollte. Nein, MARTYRS sei mitnichten ein affirmativer Splatterspaß, sondern the real deal, große Kunst, Ende und Anfang des Kinos gleichermaßen. Nach den 90 Minuten MARTYRS muss da jeodch Entwarnung gegeben und Einiges relativiert werden: Laugiers Film ist ein eiskalt kalkulierter Schocker, dessen revolutionärer Zug wohl sein soll, dass er sich gar nicht mehr die Mühe macht, seine breit ausgewalzten Bilder von Schmerz und Pein in einen breiteren narrativen Kontext einzubinden. Wer sich in seinem Interesse für das Horrorgenre aber auch einmal jenseits des Tellerrands umgesehen hat, wird wissen, dass das längst nichts Neues mehr ist (dass MARTYRS am Schluss an eine gemäßigte Version des berüchtigten Foltersegments aus der GUINEA PIG-Reihe erinnert, spricht Bände). Aber Laugier hat mit MARTYRS natürlich den Kniff gefunden, mit dem er den Schabernack zu legitimieren sucht: Schließlich geht es hier ja um das Martyrium und das soll mit den Protagonistinnen eben auch der Zuschauer durchleiden. Warum, wird am Ende auch erklärt, doch mutet diese Erklärung angesichts des auf Provokation gebügelten Rests doch etwas halbgar an. Das Problem an MARTYRS ist sicherlich, dass er seiner geschliffenen Form keinerlei Inhalt, keinerlei Relevanz entgegenzusetzen hat. Im Gegenteil: Nach 60 Minuten gibt es eine harte Zäsur, kippt der Film mit der Einführung einer hinter der Folter steckenden Geheimorganisation aus alternden Bonzen in reaktionären Kintopp um, der die ersten beiden Drittel des Films nahezu ad absurdum führt, bevor es die schicke Pointe am Schluss gibt, die MARTYRS zum schönen Päckchen schnürt. Letztlich ist dieser Film kein visonäres Stück Filmkunst, sondern konventionell erzähltes Genrekino, dass wohl nur Unbedarfte so zu treffen vermag, wie es die Gerüchteküche berichtet. Dass die französische Kultusministerin die verhängte 18er-Freigabe zugunsten einer Freigabe ab 16 gekippt hat, spricht Bände hinsichtlich seines angeblich verstörenden Gehalts. Nichts wird so heiß gegessen wie es auf den Tisch kommt; das gilt auch für diesen Film, den man sich genau einmal anschauen sollte, um festzustellen, dass die „neue Härte“ des Horrorfilms auf dem besten Wege ist, zum alten Hut zu werden.


My Name is Bruce (USA 2007)
Regie: Bruce Campbell

Das kleine ehemalige Goldgräberstädtchen Gold Lick wird von einem alten chinesischen Dämon namens Guandi heimgesucht, der die Seelen der einst in einer Mine verschütteten chinesischen Arbeiter rächen will und sich daran macht, die Bevölkerung zu dezimieren. Doch der junge Jeff weiß Rat: Er ist riesiger Bruce-Campbell-Fan und als solcher der Meinung, sein Idol könne helfen. Kurzerhand entführt er den abgewrackten Filmstar. Doch der ist der Meinung, alles sei nur ein Spiel …

Man muss gar nicht viel schreiben über MY NAME IS BRUCE: Der Film ist eine One-Man-Show Campbells, der sich selbst als eine Realversion seines Helden Ash aus der EVIL DEAD-Reihe spielt. Campbell ist großmäulig und unverschämt, aber vor allem unglaublich feige. Seine Karriere ist ein Witz, der sich in schundigen Produktionen wie der bulgarischen Koproduktion der „Cave Alien“-Sequels perpetuiert. Statt einer Villa in Beverly Hills lebt der Held in einem winzigen Trailer irgendwo im Nichts, sein Auto ist eine Schrottlaube, die Exfrau will mehr Geld, die Schränke sind gefüllt mit halb ausgetrunkenen Schnapsflaschen. Außer ihm selbst hält niemand etwas von ihm: Als „unwiderstehlicher“ Aufreißer bekommt er eine Abfuhr nach der anderen. MY NAME IS BRUCE stellt seinen Helden und den Kult um diesen ganz ins Zentrum eines mit In-Jokes und Referenzen gespickten Films, der sonst natürlich arg unausgegoren ist. Aber das ist eigentlich auch egal, denn die Sprüche und Gags sitzen und dürften all jene, die sich wünschten, Campbell häufiger zu sehen, zufriedenstellen. Der liefert eine absolute Glanzvorstellung ab und der Spaß, den die Beteiligten offenkundig hatten, überträgt sich ohne Reibungsverlust auf den Zuschauer. Eine runde Sache, in der Ted Raimi in drei Rollen auftritt.