Mit ‘Andrew McCarthy’ getaggte Beiträge

mannequin-1986MANNEQUIN ist eine der unzähligen Teenie-RomComs seines Jahrzehnts und mit Andrew McCarthy und James Spader mit zwei wichtigen Jungakteuren des damals florierenden Subgenres besetzt. Die beiden waren sich zuvor schon in PRETTY IN PINK begegnet und gehörten zum erweiterten Kreis des erfolgreichen sogenannten Brat Packs. Beide sind hier in für sie typischen Rollen zu sehen: McCarthy als der sympathische Träumer, Spader als schmieriger Yuppie, allerdings in einer deutlich spießigeren Variante. Handlungstechnisch haben wir es mit fast schon prototypisch zu nennendem Eighties-Stoff zu tun: Es geht darum, sich seine Individualität in einer Welt zu bewahren, in der der schnöde Mammon alles regiert. MANNEQUIN ist ein modernes Märchen, hoffnungslos romantisch und naiv, ästhetisch mit seinem Mode-Overkill, Pastellfarben und Spiegelflächen ganz in seiner Zeit gefangen, ein heftiger Trip, wenn man ihn sich heute ansieht.

Andrew McCarthy spielt Jonathan Switcher, einen Bildhauer, der vergeblich versucht, seine künstlerischen Ambitionen mit den traurigen Anforderungen des Arbeitsmarktes in Einklang zu bringen: Seinen Job als Hersteller von Schaufensterpuppen verliert er, weil er einfach zu lange für eine Figur braucht. Dafür ist ihm seine neueste Schöpfung so gut gelungen, dass er selbst ganz hin und weg von ihr ist. Als sie plötzlich zum Leben erwacht – aus ungenanntem Grund ist sie vom Geist einer ägyptischen Prinzessin (Kim Cattrall) beseelt -, verliebt er sich nicht nur in sie, die freigesetzten Gefühle begünstigen einen kreativen Höhenflug, die die von ihm dekorierten Schaufenster zu einer Sensation machen und dem darbenden Kaufhaus von Claire Timkin (Estelle Getty) neue Umsatzrekorde verschaffen. Seine karrieregeile Ex Roxie (Carole Davis) will ihn daraufhin zum Konkurrenzunternehmen des fiesen B. J. Wert (Steve Vinovich) locken, der wiederum das Timkin-Kaufhaus mithilfe des verräterischen Richards (James Spader) in seinen Besitz bringen möchte …

MANNEQUIN macht fast alles richtig: Er verschwendet keine Energie und Zeit darauf, seine fantastische Prämisse irgendwie herzuleiten, er hat mit Andrew McCarthy einen sympathischen Hauptdarsteller, dem man die Daumen drückt, eine mit turbulenten Verwicklungen und sexuellen Anspielungen gespickte Handlung, fiese Schurken und ein buntes Inventar an Nebenfiguren. Das alles ist natürlich voller Klischees, aber diese Klischees werden durch die Darbietungen des Casts und ein pfiffiges Drehbuch lebendig: Der schrill-schwule schwarze Designer Hollywood (Meshach Taylor), der stets mit absurden Sonnenbrillen und Jacken herumstolziert, ist nicht gerade progressiv, wird aber auch nicht zur homophoben Karikatur verzeichnet, darf vielmehr als einer jener Individualisten durchgehen, denen die Sympathie des Films gehören. Dann ist da als ein Zeitgeistbezug G. W. Bailey als dämlicher Wachmann Felix mitsamt Hund Rambo („because he likes to draw first blood“): Bailey hatte sich 1984 einen Namen mit seinem Mitwirken in der Hitkomödie POLICE ACADEMY gemacht und gibt hier eine Art Reprise auf die Rolle, die ihn im öffentlichen Gedächtnis verankerte. Auch James Spader zeigt komisches Talent und hat eine sehr schöne Szene, in der er mit einer Schreibtischlampe kämpft – und verliert. Freundin Roxie ist eine jener damals gängigen Karrierezicken und als sie dem lieben Jonathan den Laufpass gibt – wie sie jemals zusammenkommen konnten, ist ein größeres Mysterium als das Erwachen der Schaufensterpuppe -, buhlt sofort der italienische Geck Armand (Christopher Maher) um sie, ein selbstverliebtes Weichei, das im entscheidenden Moment trotz Tigerfellbettwäsche an erektiler Dyfunktion leidet.

Am wichtigsten ist aber natürlich die Beziehung zwischen Jonathan und seiner magischen Geliebten Emmy: Es gibt eine tolle Montagesequenz, in der die beiden in immer neuen  Verkleidungen durch das Kaufhaus toben und eine wunderbare Szene, in der die Holde an einem Flugdrachen durch das riesige Treppenhaus kurvt. Cattrall ist heute ja vor allem durch ihre Cougar-Rolle aus SEX AND THE CITY bekannt und hier verkörpert sie so ziemlich das exakte Gegenteil. Es funktioniert. MANNEQUIN ist Trivialunterhaltung in Reinkultur und wenn man die Achtziger abstoßend findet, wird man sich auch hier nur in seiner Meinung bestätigt sehen. Ich fand den Film aber ganz wundervoll (wenn auch am Schluss vielleicht einen Hauch zu lang), mitsamt aller Nostalgieschübe. Ehrlich, ein Film, in dem Schaufensterdekorationen Aufsehen erregen? Ja, so war das damals.

 

 

Jonathan (Andrew McCarthy), ein Junge aus einfachen Verhältnissen, kommt auf eine vornehme Prep School und wird dort Zimmergenosse des aus wohlhabendem Haus stammenden Frauenschwarms Skip (Rob Lowe). Der macht es sich gleich zur Aufgabe, dem unbeholfenen Grünschnabel an die Frau zu bringen. Der spendierte Trip nach Chicago ist tatsächlich erfolgreich: Die attraktive Mittdreißigerin Janet (Jacqueline Bisset) angelt sich den Jungen und beginnt eine hitzige Liaison mit ihm. Doch dann kommt der große Knall: Janet entpuppt sich als Mutter von Skip …

Ein früher Vertreter des Brat-Pack-Kinos, das Jugendkultur in den Achtzigerjahren entscheiden prägen sollte, wird CLASS heute nicht mehr ganz so kultisch verehrt wie etwa THE BREAKFAST CLUB, SIXTEEN CANDLES oder auch FERRIS BUELLER’S DAY-OFF. Das liegt möglicherweise auch daran, dass der „skandalöse“ Inhalt eher brav aufbereitet wird: Bekam der Pubertierende bei Betrachtung jener Szene, in der Jonathan und Janet es in einem gläsernen Aufzug treiben, damals noch die volle Wucht der Hormone zu spüren, entpuppt sich dieselbe Szene einige Jahre später betrachtet als doch ziemlich sittsam und zugeknöpft. CLASS ist dann auch insgesamt eher „middle of the road“: durchaus unterhaltsam und nicht unsympathisch, in den Nebenrollen zudem mit John Cusack und Alan Ruck gut besetzt. Was fehlt, ist die Tiefe, die der Titel noch suggeriert. CLASS, das ist ja nicht nur Jonathans „Schulklasse“ oder eben die „Klasse“, die Skip Jonathan voraus hat, sondern referenziert auch den Klassenunterschied zwischen den beiden Protagonisten, einen Unterschied, der in fast allen dieser Filme eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielt. Aber gerade zu diesem interessantesten Aspekt fällt Carlino außer Klischees nichts ein: Reichtum macht nicht glücklich und die finanzielle Affluenz wurde mit dem Verlust der Empathie bezahlt. Janet ist gefangen in ihrer Ehe, stürzt sich in den Alkohol und das Sexabenteuer mit einem Minderjährigen. Am Ende begibt sie sich in psychiatrische Behandlung, Skip und Jonathan sind wieder Freunde. Ein Happy End, das irgendwie billig und vormodern erscheint.

Andie Walsh (Molly Ringwald) lebt mit ihrem arbeitslosen Vater (Harry Dean Stanton) allein, seit die Mutter/Ehefrau sie verlassen hat. Von den reichen Kids auf ihrer Schule wird sie gedemütigt oder ganz geschnitten, bis Blane (Andrew McCarthy) des Weges kommt. Die sich anbahnende Liebe trifft jedoch auf Widerstand: Andies bester Freund Duckie (Jon TWO AND A HALF MEN Cryer), der selbst schwer verknallt in Andie ist, ist zutiefst verletzt und Blane wird vom eklen Schnösel Steff (Kevin Spader) unter Druck gesetzt. Werden die beiden den Klassendünkel überwnden können?

Howard Deutch inszeniert ohne größere Eingebungen eine moderne Aschenputtel-Variante nach einem mitelprächtigen Drehbuch von John Hughes, in der Molly Ringwald eine auf der Einkommensachse gespiegelte Version ihres BREAKFAST CLUB-Charakters gibt. Die Klassenkampf-Thematik, die in den Achtzigerjahren oft adressiert wurde – siehe hier etwa (den viel, viel besseren) TUFF TURF oder auch DANGEROUSLY CLOSE –, wird von Hughes allerdings eher plump behandelt: Man könnte den Film auch jeden wirtschaftlichen Subtextes entblättern und auf die beliebte Unterteilung in coole Jocks und geschmacksverirrte Nerds zurückgreifen, an der Geschichte würde sich nicht viel ändern. Vielleicht käme PRETTY IN PINK sogar ein bisschen besser weg, denn der Arm-gegen-Reich-Konflikt nimmt teilweise arg polemische Züge an und zeigt, dass die feinen Differenzierungen John Hughes‘ Ding nicht waren. Ringwald gibt die altersweise Unschuld vom Lande mit für wenig Geld selbst genähten Klamotten, James Spader versieht den Snob mit der Subtilität einer Abrissbirne (und erinnert im Style etwas an einen wohlerzogenen Sonny Crockett) und der arme Andrew McCarthy ist zwischen den Fronten gefangen und braucht im dritten Akt dann mal die obligatorischen zehn Minuten Bedenkzeit, nach denen das Happy End für einen beziehungserfahrenen Mittdreißiger dann nicht mehr ganz so aussichtsreich erscheint. Immerhin ist PRETTY IN PINK aber recht kurzweilig, hat ein paar inspirierte Momente (ein abendlicher kurzer Spaziergang von Andie und Blane ist in wunderbares Licht gehüllt), mit Duckie einen sympathischen Loser und einen feinen Soundtrack voller Achtzigerperlen. Nicht ärgerlich also, durchausganz hübsch, aber abseits von Nostalgie aber auch recht egal.