Mit ‘Andrew Stevens’ getaggte Beiträge

Kanada 1931: Der Einzelgänger Albert Johnson (Charles Bronson) legt sich mit einigen Siedlern an, die ihm danach eins auswischen wollen. Der Streit eskaliert, es gibt Verletzte und weiteres böses Blut. Wenig später klopft Mountie Sergeant Millen (Lee Marvin) an Johnsons Tür, um den Mann festzunehmen, doch der weigert sich, nachzugeben und flieht nach einem Schussgefecht in die Berge. Ihm auf den Fersen sind Millen und seine Leute, aber auch ein blutgieriger Lynchmob, angestachelt durch ein Kopfgeld …

Der beste Bronson-Film seit Don Siegels TELEFON gewinnt mit der großartigen Idee, seinen Hauptdarsteller zu einem über weite Strecken schweigsamen und unsichtbaren Phantom zu machen. Hier ist sie wieder, die mysteriöse Aura gepaart mit jenem verletzlichen, menschlichen Kern, die Bronson in seinen frühen Erfolgen C’ERA UNA VOLTA IL WEST, ADIEU L’AMI und LE PASSAGER DE LA PLUIE, aber auch etwa in CHATO’S LAND und VALDEZ, IL MEZZOSANGUE unverwechselbar gemacht hatten, ab Mitte der Siebzigerjahre aber von einer trivialeren Tough-Guy-Persona abgelöst worden waren. Johnson ist ein Mann klarer Prinzipien und auch wenn ihm im Laufe des Films mehrere Menschen zum Opfer fallen, ist er kein gewalttätiger Mensch: Die ganze Geschichte beginnt damit, dass er einen von den Siedlern veranstalteten Hundekampf unterbindet, den unterliegenden Hund rettet und danach wieder gesundpflegt. In völliger Passivität verschanzt er sich in seiner Hütte, doch immer wieder wird er provoziert und dazu gezwungen, sich zu verteidigen. Bis ihm schließlich nichts mehr anderes übrig bleibt, als zu töten, um nicht getötet zu werden. Dieser Johnson will sein Leben inmitten der Gesellschaft der anderen leben, doch das wird ihm nicht mehr gestattet. Das Ende suggeriert, dass Johnson nicht nur jener einen Siedlung entflieht, sondern der menschlichen Gesellschaft überhaupt. Bronson überzeugt, obwohl er kaum mehr als sein zerfurchtes Gesicht und seine Körperhaltung einzusetzen hat. Seine Dialogzeilen lassen sich an zwei Händen abzählen, über weite Strecken ist er in dicker Pelzkleidung verborgen. Trotzdem hat er hier eine unglaubliche Präsenz und schafft es, eine komplexe Persönlichkeit hinter der stoischen Fassade anzudeuten. Ohne große Monologe, einfach nur mit seinem Blick, ringt er dem Zuschauer das Mitgefühl ab.

Johnson gegenüber steht Millen. Beide sind, wie so oft in diesen Filmen, Seelenverwandte. Und ihr Zweikampf wird dann auch fast zu einem sportlichen Kräftemessen. Millen will diesen Johnson vor allem deshalb stellen, weil er es nach seinen Worten „verdient hat“. Er hat es verdient, nicht von einem blutgierigen Säufer für ein paar Dollar weggeballert zu werden oder von einem skrupellosen Soldaten aus sicherer Entfernung aus dem Flugzeug heraus, sondern in einem fairen Kampf zwischen zwei Männern, die die gleichen Prinzipien vertreten, bezwungen zu werden. Millen bewundert Johnson: Vielleicht auch deshalb, weil er es nicht geschafft hat, ein solch kompromissloses Leben zu führen, sondern sich als Mountie ausgerechnet dem Staat untergeordnet hat. Millen ist ein geselliger Typ: Mit seinen Freunden scherzt er, trinkt und spielt Karten. Aber er hadert mit der Menschheit, der sich Johnson längst entzogen hat. Wenn er den Flüchtigen am Ende ziehen lässt, ihm hinterherblickt, liegt etwas Sehnsüchtiges in seinem Blick. Während er Kompromisse macht, Tag für Tag, da geht der andere unbeirrt seinen Weg, auch wenn es kein Ziel gibt.

Der dritte Hauptdarsteller des Films ist natürlich die umwerfende Landschaft. DEATH HUNT wurde in Kanada und New Mexico gedreht und die Dreharbeiten dürften ziemlich anstrengend gewesen sein. Bronson und Marvin waren beide bereits um die 60 und leisten Beachtliches, Double hin oder her. Für Actionfilm-Historiker sind die Parallelen zwischen diesem Film und Ted Kotcheffs wenig später gedrehten Superhit FIRST BLOOD augenfällig, aber auch Anklänge an Bronsons eigenen CHATO’S LAND erkennt man. Andrew Stevens, der hier den grünschnäbeligen Mountie Alvin spielt und von Millen jegliche Illusionen über den Job ausgetrieben bekommt, sollte in 10 TO MIDNIGHT eine ganz ähnliche Rolle spielen: Lee Marvins Part übernahm dort … Charles Bronson.

Die Fernsehjournalistin Jamie Douglas (Morgan Fairchild) hat einen heimlichen Verehrer, der sie mit anonymen Telefonanrufen und Briefen belästigt. Es handelt sich bei dem Unbekannten um Derek (Andrew Stevens), einen waschechten Stalker: Seine Wohnung ist mit heimlich gemachten Schnappschüssen seiner Angebeteten förmlich übersät und bald reicht es ihm nicht mehr aus, ihr nur noch Avancen per Telefon zu machen. Doch Jamie – die außerdem bereits mit Brandon (Michael Sarrazin) liiert ist – reagiert überaus ablehnend und deutlich auf seine Versuche, sich ihr zu nähern. Die Kränkung, die er erfahren hat, treibt ihn nun zum Äußersten …

David Schmoeller hat mit THE SEDUCTION einen sehr ordentlichen Thriller inszeniert, der natürlich auch auf die allerdings nicht gerade zeitlose Attraktivität seiner Hauptdarstellerin setzt: TV-Star Fairchild zeichnete sich damals schon durch ein ausgesprochen künstlich anmutendes Äußeres aus und ihre platinblonde Beton-Fönwelle lässt auch heute noch Architekten vor Neid erblassen. Ihre luxuriösen Körpermaße sind aber über jeden Zweifel erhaben, sodass THE SEDUCTION stets ansehnlich bleibt, wenn die emotionale Anbindung auch nicht ganz gelingt. Andrew Stevens ist auf der anderen Seite in seiner Paraderolle als fehlgeleiteter Jungmann zu sehen, dem man ständig die Ohren langziehen möchte. Mehr als dass er einem Angst einjagen würde, ist man von seiner Renitenz enerviert: Vielleicht gar kein so schlechter Ansatzpunkt für einen Film, der sich mit der Stalkerthematik befasst. Sensationalismus ist trotz der softerotischen Verpackung interessanterweise fast ganz abweisend: Schmoeller lässt sich viel Zeit, die Bedrohung langsam größer werden zu lassen, und selbst die finale Eskalation fällt verglichen mit ähnlichen Filmen eher moderat aus. Das macht THE SEDUCTION nun nicht zu einem unvergesslichen, einzigartigen Filmerlebnis, aber es zeugt von einer Klasse, die ich dem Film eigentlich nicht zugetraut hatte. Schmoeller, dessen TOURIST TRAP zu den großen kleinen Schockern der Siebzigerjahre gehört und jedem empfohlen sei, war ein ganz guter Mann, der sich – das beweist er hier – auch auf die etwas hochglanzpolierteren Stoffe verstand. THE SEDUCTION hätte ihm durchaus die Tür nach Hollywood öffnen können, denn der Film ist um Längen besser als die verwandten, aber entsetzlich spießigen Home-Invasion-Thriller, die in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern den Markt fluteten. Stattdessen gab es für ihn nach der blonden Fönwelle der Fairchild den blonden Scheitel von Klaus Kinski in CRAWLSPACE. Auch keine schlechte Entscheidung.

Für Hard Sensations habe ich mal wieder zwei Vertreter des CGI-Monsterhorrors geschaut und rezensiert: Den TREMORS-Nachklapp MONGOLIAN DEATH WORMS, der kürzlich bei uns als MONSTER WORMS auf DVD erschienen ist, und das von Roger Corman produzierte Sequel zu SUPERGATOR namens DINOCROC VS. SUPERGATOR, das es schon etwas länger bei uns zu kaufen gibt. Hier geht’s lang.

Nach dem Atomkrieg: In einem Bunker in der Mojave Wüste sitzt ein Forschungsteam und wartet darauf, dass sich die Zeichen für ein erneut mögliches Leben an der Erdoberfläche verdichten. Bei einem „Landgang“ werden zwei Crewmitglieder jedoch von etwas überfallen, was sie als „Gargoyle“ bezeichnen, bevor der Funkkontakt schlißlich abbricht. Die von David (Andrew Stevens) geleitete Rettungsmission kann nur noch die Leichen der beiden Männer bergen, findet dafür aber eine Frau, die nicht nur an der Erdoberfläche überlebt hat, sondern auch noch schwanger ist. Das „Kind“ entpuppt sich jedoch als rasend schnell wachsendes Monstrum, das nach seiner „Geburt“ sofort beginnt, die Besatzung zu dezimieren …

Auch im Jahr elf nach ALIEN lief die Rip-off-Maschine noch auf Hochtouren. THE TERROR WITHIN ist ein ziemlich typischer Vetreter der unzähligen ALIEN-Klone und als solcher entweder als todsterbenslangweilig oder aber als OK zu bezeichnen: Er ist nämlich weder mies genug, um ihn als Baddie zu verlachen, noch gut genug, um tatsächlich mitzugehen. Das Monster, das aussieht wie ein auf links gedrehter Donald Duck, wird mit zunehmender Spielzeit alberner und warum es eine solche Bedrohung darstellt, wird auch nicht ganz klar. Das Original-Alien hatte immerhin scharfe Zähne, einen gefährlichen Schweif und das gemeine Säureblut, der Gesell hier hat eigentlich keine größeren Talente als ein engagierter Kirmesboxer, für den auch die raren Waffen ausreichen müssten, die die panischen Crewmitgleider zusammensuchen. Tun sie aber, dank ausreichend vorhandener menschlicher Blödheit, nicht. Weil die Hatz auf das Monster (oder umgekehrt) also nicht so besonders aufregend ist (noch nicht einmal George Kennedy, die personiiziere Rettung in letzter Sekunde, kann etwas gegen das Biest ausrichten) hat man sich noch eine tragische Liebesgeschichte für den Film ausgedacht, die dann auch für den einen Moment sorgt, bei dem einem das Geschehen dann mal ausnahmsweise nicht zu 100 Prozent am Arsch vorbeigeht.

Für den gestrigen Trashmarathon war THE TERROR WITHIN dann aber doch ein geeigneter, immerhin recht kurzweiliger Kandidat, der zudem eine der immer wieder gern gesehenen blutigen Aliengeburten als Refenrenz aufweisen kann.