Mit ‘Andy Serkis’ getaggte Beiträge

Vorab: Dem des Superhelden-Films weitestgehend überdrüssigen Marvel-Skeptiker, den das breite Oeuvre in seiner ganzen Fantasielosigkeit zuletzt vor allem ernüchtert und enttäuscht hat, hat BLACK PANTHER tatsächlich ganz gut gefallen, nicht zuletzt, weil man ihn als alleinstehendes Werk betrachten und seine Verbindung zum Rest über weite Strecken ausblenden kann. Wenn ich meine Seherfahrung aber mit den vor Superlativen triefenden Lobeshymnen abgleiche, die zum Start des Films zu lesen waren und ihn in den Rang eines politischen Manifests erhoben, kann ich trotzdem nur den Kopf schütteln. (Ich gebe zu: Bei WONDER WOMAN habe ich die Stimmen, die in dem Film einen feministischen Befreiungsschlag sahen, noch verteidigt, wohl auch, weil mich die überwiegend männlichen Gegenredner und ihre Argumente annervten.) Dabei will ich gar nicht in Abrede stellen, dass BLACK PANTHER darin, eine explizit afrozentrische Haltung innerhalb eines großbudgetierten Eventmovies zu implementieren, durchaus außergewöhnlich, vielleicht gar bemerkens- und lobenswert ist.

BLACK PANTHER spielt im afrikanischen Wakanda, einem Staat, der dank des Rohstoffs Vibranium zu überlegener Technologie gelangt ist. Anstatt seine Vormachtstellung allerdings nach außen zu tragen oder mit Vibranium zu handeln, halten die Wakander ihre Errungenschaften geheim und verstecken sich hinter der Fassade eines Dritte-Welt-Staates. Sie wollen mit den Konflikten in der Welt nichts zu tun haben. Mit dieser selbstauferlegten Sonderrolle ist es aber vorbei, als Eric Kilmonger (Michael B. Jordan) den neuen König T’Challa (Chadwick Boseman) vom Thron stößt. Kilmongers Vater wurde einst als Verräter von T’Challas Vater, dem damals amtierenden König, ermordet, und Eric als ausgestoßener Waise zurückgelassen, was ihn dann zu einer Laufbahn als hochqualifizierter und effizienter Mörder brachte. Er will Wakanda zur militärischen Macht aufbauen.

Fast alle handelnden Charaktere von BLACK PANTHER sind Schwarze und der Film spielt bis auf einige wenige Szenen in Wakanda, einem Staat der afrikanische Kultur und utopistische Hightech-Elemente harmonisch vereint. Mehr noch: Es wird suggeriert, dass die technischen Errungenschaften des fiktiven Staates in der Lage sind, viele Probleme, mit denen wir uns heute weltweit herumplagen, zu lösen. Afrikas einzigartige Bedeutung als „Wiege des Lebens“ findet ihre konsequente Fortsetzung: Wenn die Erde weiterexistieren soll, muss Afrika in Vertretung der Wakandaner mit leuchtendem Vorbild voranschreiten. Der Spiritualismus und die Naturverbundenheit der Wakandaner werden nicht lediglich als liebenswerte Marotte zum Ethnokitsch für Hippies verbrämt, sondern als philosophische Konzepte Ernst genommen und zur Grundlage einer modernen Zivilisation gemacht, die sich vor der westlichen Welt nicht nur nicht verstecken muss, sondern dieser klar überlegen ist. Das ist auch innerhalb des von weißen Heilsbringern dominierten Marvel Universums keine Selbstverständlichkeit und noch weniger, wenn man sich den restlichen Auswurf Hollywoods anschaut. Auch politisch ist BLACK PANTHER überraschend differenziert und hebt sich wohltuend vom mitunter unangenehmen Militarismus der anderen Marvelfilme ab: Die Bedrohung, die Kilmonger darstellt, ist gewissermaßen hausgemacht, der Staatsfeind ein Opfer einer Politik, die rein utilitaristisch denkt, ohne jede Rücksicht auf den Einzelnen. Er ist einer der sympathischsten und tragischsten Schurken der letzten Jahre und sein unausweichlicher Tod am Ende fühlt sich keineswegs wie ein Triumph an. Die Parallelen zu Bin Laden sind ebenso unverkennbar wie die expliziten Seitenhiebe gegen Trump und seine Politik der Spaltung und des Mauerbaus.

So wohltuend diese Ansichten im Rahmen eines solchen Filmes aber auch sind: Als Ganzes ist BLACK PANTHER, so wie alle Filme des MCU, maximal nett. Weil er ja doch wieder nur ein Baustein in einem deutlich größeren Ganzen sein darf, die genannten Aspekte nicht mehr als Details, die in der Gesamtkomposition den Status von Gimmicks einnehmen, beraubt er sich auch der Durchschlagskraft, die er als konzentriertes Einzelwerk hätte entfalten können. Und als großer Eventfilm hat BLACK PANTHER darüber hinaus wie alle Marvelfilme das Problem, viel zu viel Exposition abwickeln zu müssen: Die zwei, drei Action-Set-Pieces sind großzügig über den ganzen Film verteilt, dazwischen wirkt auch BLACK PANTHER viel zu oft wie eine Soap-Opera-Episode mit seinen endlosen Dialogen vor detailfreudigen, aber immer auch etwas leblosen Green-Screen-Backgrounds und seiner aufgeblasenen Quatschgeschichte. Cooglers Film profitiert immens von seinem ausgefallenen Setting, mit dem er sich von den recht gleichförmigen Partnerfilmen deutlich abhebt, sowie einigen klugen Drehbuchkniffen, aber er weist eben auch alle Schwächen und Mängel auf, mit denen alle MCU-Beiträge bisher zu kämpfen hatten.

dawnpotaNa bitte, es geht doch! Hatte ich am Vorgänger doch ziemlich viel auszusetzen, hat mir die Fortsetzung um Längen besser gefallen. DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist m. E. thematisch und erzählerisch wesentlich fokussierter (Kritiker finden ihn vielleicht „eindimensionaler“ und „unorigineller“), visuell aufregender und actionlastiger. Hatte mich an RISE OF THE PLANET OF THE APES vor allem gestört, dass er den Charakter eines bloßen Prologs nicht loswurde, sich vor allem darüber definierte, wo er hin wollte und deswegen nicht zu einer echten eigenen Identität fand, darüber hinaus eigentlich mindestens zwei Geschichten erzählte, die sich gegenseitig die Zeit raubten und im Weg standen, kommt DAWN vom Start weg zum Punkt und verfolgt seinen Weg bis zum Schluss überaus konsequent.

Die Titlesequenz zeigt in wenigen Minuten, wie sich das Ende der Welt durch den am Ende des ersten Teils ausgesetzten Virus vollzieht. Wenn DAWN dann beginnt, sind die einst belebten Städte völlig ausgestorben und verwildert, das von Caesar (Andy Serkis) geführte Menschenaffenvolk lebt in einer Quasizivilisation in den Wäldern. Die erste Viertelstunde kommt ohne gesprochene Dialoge aus, zeigt die sich in Zeichensprache verständigenden Affen auf der Jagd und in ihrem „Alltag“. Der Friede hält natürlich nicht lange an, denn ein paar überlebende Menschen finden den Weg zur Affenstadt und ziehen den Zorn der Primaten auf sich, lösen aber mindestens genauso viel Angst aus: Man kennt die Menschen, ihre Gier und Zerstörungswut und traut ihren „friedlichen Absichten“ nicht über den Weg. Und eines scheint allen klar: Wenn die Menschen – die in den Wäldern ein Wasserkraftwerk reaktivieren wollen, um Strom für den Wiederaufbau zu gewinnen –  sich rekonsolidieren, dann werden sie die Affen über kurz oder lang vertreiben.

Der Konflikt, der am Ende zu einer erbittert geführten Schlacht in den Ruinen San Franciscos führt, wird interessanterweise nicht durch die Aggressionen der jeweiligen Gegenseite eingeleitet, sondern durch die Hassprediger in den eigenen Reihen, die sich durch ihre Angst Blick und Vernunft verstellen lassen, die eigeneN Leute manipulieren, bis sie endlich die Fakten geschaffen haben, auf deren Grundlage ein Massaker gestartet werden kann. Die Botschaft von DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist gewiss nicht neu (sie war ja auch schon Inhalt des Originalzyklus), aber sie bekommt dieser Tage vor allem aus europäischer Perspektive eine neue Schärfe. Wie sich die Situation unaufhaltsam hochschaukelt, löst ungute Gefühle aus, gerade wenn man sich anschaut, wie die Gewaltbereitschaft „friedlicher Bürger“, die sich „einfach nur Sorgen machen“, derzeit ansteigt, wie andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion (oder auch nur ihres Aussehens) unter Generalverdacht gestellt und als Bedrohung angesehen werden, der man höchst unbarmherzig entgegentritt.

Was DAWN OF THE PLANET OF THE APES aber zu allererst sehenswert macht, sind seine Bilder, die eindrucksvollen Impressionen aus der Affenzivilisation und aus der an alte, im Dschungel vergrabene Tempelruinen erinnernden Metropole. Seit I AM LEGEND hat man keine so friedlich und wie verwunschen daliegenden Straßen mehr gesehen und der Film weckt unbändige Lust, diese weiter zu erkunden. Eine Szene im dunklen Wald, in dem eine alte Tankstelle durch den Strom zu neuem neonleuchtenden Leben erwacht und einen alten Folksong über die Lautsprecher in die Nacht entsendet, entfaltet eine geradezu magische Kraft, wie man sie in amerikanischen Eventfilmen eher selten findet. Die Spezialeffekte um die Affen wurden weiter verfeinert und überragen die des Vorgängers noch um Längen (Geschlechtsteile oder auch nur Brustwarzen gibt es aber weiterhin nicht zu sehen, wir sollen ja nicht sexualethisch verwirrt werden). So ist das einzige, was ich an DAWN wirklich zu kritisieren habe, seine etwas unverhältnismäßige Länge. Im letzten Drittel geht dem Film doch ein wenig die Puste aus, da man als Zuschauer natürlich weiß, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt. Gemessen an den Verfehlungen von RISE scheint mir das aber vernachlässigbar. Guter Film!

Und weiter geht’s mit den Fantasy Filmfest Nights: BURKE AND HARE war vielleicht nicht der beste Film des Festivals, aber der, der mich am glücklichsten gemacht hat. Der Einbruch von Landis, der bis in die späten Achtzigerjahre einen Klassiker nach dem anderen gedreht hat, stellte für mich immer zugleich eine absolute Tragödie wie auch ein völliges Rätsel dar. Mit BURKE AND HARE liefert er einigen Grund zur Hoffnung, dass man mit ihm nun wieder rechnen kann. Meinen Text gibt’s hier.