Mit ‘Anne Ramsey’ getaggte Beiträge

Diskussionen über THE GOONIES drehen sich üblicherweise um die zentralen Punkte „Nostalgie“ und „Kindheitserinnerung“. Jedenfalls habe ich das jetzt mehrfach erlebt. Auch für mich ist die Spielberg-Produktion mit sehr konkreten Bildern verbunden und das, obwohl ich den Film erst einige Jahre nach seinem Kinostart zu Gesicht bekam. Aber THE GOONIES war damals ein großes Thema, etwa in der Bravo, die, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, einen ihrer „Film-Foto-Romane“ dazu brachten und das Plakatmotiv als Poster veröffentlichten. Dieses – siehe nebenan – war für mich eine Quelle der Faszination: Wie sollten diese Kinder, mit denen ich mich ja unweigerlich identifizierte, aus der dargestellten misslichen Lage entkommen? Das ging ja gar nicht! Höhlenverliese, Wasserfälle und -rutschen, ebenso raffinierte wie archaische Fallen und die Tatsache, dass mit dem Charakter des Sloth auch noch ein waschechtes Monster mitwirkte, machten THE GOONIES für mich zu einem Lieblingsfilm, obwohl er sich vorerst nur in meiner Fantasie abspielte.

Seltsamerweise hielt THE GOONIES bei der späteren Sichtung Stand und beschert mir auch heute noch großes Vergnügen. Nostalgie ist sicherlich ein Faktor und natürlich kann ich nicht beurteilen, wie mir Donners Film gefiele, wenn ich nicht diese Erinnerungen mit ihm verbände. Trotzdem mag ich ihn nicht darauf reduzieren, denn für mich verkörpert er eine bestimmte Art von großem Entertainment, wie es in den Achtzigerjahren (von Spielberg) perfektioniert wurde und auch heute noch ein Ideal darstellt. THE GOONIES ist, das zu verleugnen wäre töricht, ein INDIANA JONES-Rip-off für Kinder, voller Abenteuer, Schätze, comichaft überzeichneter Schurken, Höhlen und Gefahren in fantasievollen Settings, die den Eindruck machen, man habe bei der Konzeption gleich die Adaption als Theme-Park-Ride im Kopf gehabt. Das Drehbuch von Columbus hält sich nicht lang mit Erklärungen auf, stürzt den Zuschauer gemeinsam mit den Protagonisten in die Jagd nach einem legendären Piratenschatz, der den Erhalt des Wohnorts und damit auch der Freundschaft der Jungs und Mädels sichern soll. In die Quere kommen ihnen dabei die schurkischen Fratellis, verkörpert von den herrlich überdreht agierenden Robert Davi und Joe Pantoliano, die von der gewöhnt furztrockenen Anne Ramsey an die Kandarre genommen werden. Die Erkundung der unterirdischen Höhlensysteme ist wie aus einem Guss und kulminiert in einem Kampf auf einem Piratenschiff. Wie soll man das nicht mögen, wenn man sich einen Funken kindlichen Gemüts bewahrt hat? Keine Ahnung, aber es geht offensichtlich.

Was Menschen, die partout nicht verstehen wollen, was an THE GOONIES dran ist, vielleicht helfen mag: So perfekt, glatt und kommerziell der Film auf den ersten Blick wirken mag, er ist das Werk damals noch recht junger Filmemacher, die machten, was sie auch selbst cool und witzig fanden. Wie Sean Astin in diesem Video erklärt, waren Spielberg, Donner und Columbus vermutlich dauerbekifft, als sie den Film erdachten und umsetzten und ließen sich von dem Erfolgsdruck, der mit der Großproduktion ohne Frage verbunden war, nicht den Spaß verderben. Wie auch der mit Anschlussfehlern gespickte TEMPLE OF DOOM zeigt THE GOONIES eine gewisse Laisser-faire, die darin zum Ausdruck kommt, das kleinere Fehler einfach dringelassen wurden. Das Wohnmobil, in dem sich Donner während der Drehpausen aufzuhalten pflegte, steht zu Beginn mehrfach prominent im Bild rum, hörbare Lacher und Versprecher wurden genauso dringelassen wie Hinweise auf Szenen, die am Schneidetisch der Schere zum Opfer gefallen waren. An blöden Ideen, wie den unablässig wackelnden Ohren Sloths, und fehlgeleiteten Gags hielt man fest, als hinge das Leben davon ab. Was man vielleicht als Ausdruck von Gleichgültigkeit, Zynismus oder mangelnden Stil begreifen könnte, verleiht dem Film aber genau die Seele, die andere, nicht weniger am Reißbrett entworfene Eventkino-Blockbuster vermissen lassen und die THE GOONIES auch 30 Jahre später noch zu einem Liebling macht, mit dem warme Erinnerungen verbunden werden. Spielberg und Donner haben einen Film gedreht, der genauso improvisiert, unperfekt, geschmacksverwirrt und ungezogen ist wie seine Protagonsiten und ihr Wohnort. Es ist ein Film, der einem damals sagte, dass man weder ein schickes Haus in einem schnieken Vorort braucht noch teuere Markenspielsachen, besonders intelligente oder wohlerzogene Freunde oder wohlhabende Eltern, um jemand zu sein. Dafür würde ich ihn auch heute noch vehement gegen jede Kritik verteidigen.